Die Spiralgalaxie NGC 4244, im nördlichen Sternbild Jagdhunde (Canes Venatici), wurde am 17. März 1787 von dem deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel mit seinem 18,7‑Zoll-Spiegelteleskop entdeckt. Sie ist im Caldwell-Katalog von Sir Patrick Caldwell-Moore auch als Caldwell 26 bekannt. Der amerikanische Amateurastronom Tom Polakis prägte den Namen „Silbernadel-Galaxie” (Silver Needle Galaxy).
„Flockige“ Spiralgalaxie in unmittelbarer Nachbarschaft
NGC 4244 ist eine Edge-on-Spiralgalaxie, die um 58° zu unserer Sichtlinie geneigt ist. Obwohl sie relativ hell ist, wird sie von Amateurastronomen selten beobachtet und fotografiert. Sie erscheint länger, dünner und etwas schwächer als ihr bekannteres Gegenstück, die Edge-on-Spiralgalaxie NGC 891 in der Andromeda. Die Galaxie besitzt einen Durchmesser von 16,6 x 1,9 Bogenminuten und eine scheinbare Helligkeit von 10,1 mag. Somit ist sie bereits in kleineren bis mittleren Teleskopen auffindbar. Sie befindet sich nur 13,5 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, besitzt einen wahren Durchmesser von rund 65.000 Lichtjahren und eine Masse von rund 40 Milliarden Sonnenmassen. Damit ist NGC 4244 etwa halb so groß wie unsere Milchstraße. Die Galaxie vom Hubble-Typs Sc ist das zweithellste Mitglied der Canes-Venatici-I-Gruppe (auch bekannt als M94-Gruppe), dem nächsten Nachbarn unserer Lokalen Gruppe. Zu dieser gehören auch die Galaxien Messier 94, Messier 106, NGC 4214 und NGC 4449. Dieser kleine Galaxienhaufen besteht aus bis zu 24 Mitgliedern und ist Teil der größeren Coma-Sculptor-Wolke. Zu dieser gehören neben unserer Lokalen Gruppe auch die M81-Galaxiengruppe, die Centaurus A Galaxiengruppe sowie die Sculptor-Gruppe.

Die Galaxie, die wir von der Kante aus betrachten, wird als „flockige“ Spiralgalaxie klassifiziert. Das bedeutet, dass ihre Spiralarme eher fleckig und unterbrochen als klar definiert sind. Da wir sie jedoch von der Seite betrachten, sind diese Arme nicht leicht zu erkennen. Stattdessen sehen wir einen dünnen Lichtstreifen mit einer hellen zentralen Ausbuchtung, ohne nennenswerten zentralen Wulst sowie ein dunkles, unzusammenhängendes Staubband, das sich entlang der Hauptachse durch das Zentrum der Galaxie verläuft. Dieser Staub ist Teil des Materials, aus dem neue Sterne entstehen werden. In NGC 4244 findet zur Zeit nur wenig Sternentstehung statt. Ihre Scheibe enthält nur kleine, eher schwach erscheinende Sternentstehungsgebiete. An beiden Enden der Scheibe existieren zwei hellere HII-Regionen. Meistens sind nur dichte Sternkonzentrationen in der Galaxienscheibe wahrnehmbar.
Auch im Kern der Galaxie ist keinerlei Aktivität zu verzeichnen, obwohl dieser von einem zentralen, massereichen, hellen Sternhaufen von 16 Millionen Sonnenmassen geprägt wird, der sich mit hoher Geschwindigkeit um das Zentrum bewegt. Dieser Sternhaufen erscheint ähnlich groß wie ein Kugelsternhaufen und befindet sich in einer Entfernung von 140 Lichtjahren zum Galaxienzentrum. Im Zentrum selbst wird ein supermassereiches Schwarzes Loch mit einer Masse von etwa 500.000 Sonnenmassen vermutet. Aufgrund der geringen Entfernung zur Erde sind auf langzeitbelichteten und hochaufgelösten Aufnahmen bereits einzelne Sterne in NGC 4244 erkennbar.

Nur eineinhalb Grad südwestlich der Galaxie befindet sich die irreguläre Galaxie NGC 4214 mit einer Helligkeit von 9,8 mag. Sie ist ein direkter Nachbar von NGC 4244 und mit geringer Vergrößerung haben die beiden Galaxien ein ähnliches Erscheinungsbild in Form und Ausrichtung wie das berühmte Galaxienpaar Messier 81 und Messier 82 im Sternbild Großer Bär. Die 11 mag helle Spiralgalaxie NGC 4151 ist 2° nordwestlich von NGC 4244 positioniert.
Beobachtung
Unter einem wirklich dunklen Landhimmel ist NGC 4244 bereits in einem 10×70 Fujinon-Feldstecher erkennbar. Sie erscheint als sehr diffuser, länglicher Lichtfleck mit sehr geringer Flächenhelligkeit. In Teleskopen mit 3 bis 4‑Zoll Öffnung und einer 25-fachen Vergrößerung ist lediglich ein dünner, ovaler, von Nordost nach Südwest orientierter Lichtstreifen wahrnehmbar. Bei genauerer Betrachtung offenbart sich die unheimliche Schärfe ihrer schlanken Form. Ihr Kern erscheint nur geringfügig heller. Bei höherer Vergrößerung tauchen nordöstlich der Galaxie ein Stern der 11. Größenklasse und südwestlich ein Stern mit einer Helligkeit von 12 mag auf. Im Nordosten verblasst die Galaxie allmählich zu einem breiten Dunst. Auf der dem Kern gegenüberliegenden Seite erscheint die Oberfläche fleckiger und unregelmäßiger.
In Teleskopen mit 6 bis 8‑Zoll Öffnung ist eine relativ helle, längliche Lichtnadel in einer sternreichen Umgebung erkennbar. Hin und wieder blitzen einzelne sternartige Kondensationen in der immer noch eher diffus aussehenden Galaxienscheibe auf. Zur Mitte hin erscheint die Scheibe etwas heller. Bei höheren Vergrößerungen wirkt das Kerngebiet länglich und ebenfalls heller als der Rest der Scheibe. Östlich der Galaxie ist ein auffälliges Dreieck aus hellen Sternen sichtbar. Die Randbereiche von NGC 4244 erscheinen deutlich dunkler. Mit Teleskopen von 10 bis 12-Zoll und einer hohen Vergrößerung von 70 bis 100-fach erscheint NGC 4244 deutlich heller, vor allem ihr Zentralbereich. Bei optimalen Bedingungen lassen sich indirekt einzelne feine Strukturen wie Flecken und dunkle Staubstreifen erkennen. Am auffälligsten sind zwei Flecken konzentrierten Lichts, einer auf jeder Seite des Kerns. Es ist jedoch schwierig, weitere Details in der Galaxienscheibe zu erkennen.
Die Galaxie ist am besten im Spätwinter und in den Frühlingsmonaten zu sehen, wenn das Sternbild Jagdhunde hoch am Himmel steht. NGC 4244 befindet sich 7 ½ Grad südwestlich des hübschen Doppelsternsystems und Hauptsterns in den Jagdhunden, Cor Caroli (Alpha CVn, 2,9 mag), sowie gut 4 ½ Grad südwestlich des 4,2 mag hellen Sterns Chara (Beta CVn). Zunächst stellen wir Alpha Canum Venaticorum in die Suchermitte ein. Anschließend schwenken wir das Teleskop ein halbes Grad nach Süden und dann weitere 7° nach Westen, bis ein Paar aus Sternen der 7. Größenklasse auftaucht. NGC 4244 steht gut eine Vollmondbreite westlich dieses Paars.
Aufsuchkarte Silbernadel-Galaxie (NGC 4244) (75,9 KiB, 86 Downloads)
Steckbrief für NGC 4244
Daten und Fakten für die Silbernadel-Galaxie (NGC 4244) in den Jagdhunden (Canes Venatici)| Objektname | NGC 4244 |
| Katalogbezeichnung | UGC 7322, PGC 39422, MCG 6−27−45, ZWG 187.35, IRAS12150+3804 |
| Eigenname | Silbernadel-Galaxie, Silver Needle Galaxy |
| Typ | Galaxie, Sc |
| Sternbild | Jagdhunde (Canes Venatici) |
| Rektaszension (J2000.0) | 12h 17m 29.9s |
| Deklination (J2000.0) | +37° 48′ 28″ |
| V Helligkeit | 10,0 mag |
| Flächenhelligkeit | 14,0 mag |
| Winkelausdehnung | 16,6′ x 1,9′ |
| Positionswinkel | 48° |
| Absolute Helligkeit | -18.885 mag |
| Durchmesser | 65.000 Lichtjahre |
| Entfernung | 13,5 Millionen Lichtjahre |
| Beschreibung | pB,vL,eE43,vgbM,vsBN or *?; H V 41 |
| Entdecker | Friedrich Wilhelm Herschel, 1787 |
| Sternatlanten | Cambridge Star Atlas: Chart 4 & 5 Interstellarum Deep Sky Atlas: Chart 21, 22, 33 & 34 Millennium Star Atlas: Charts 633–634 (Vol II) Pocket Sky Atlas: Chart 43 Sky Atlas 2000: Chart 7 Uranometria 2nd Ed.: Chart 54 |










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