Nach rund elf Jahren war über Deutschland wieder eine tiefe partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Urlauber in Zentralspanien und auf den Balearen konnten zur Zeit des Sonnenuntergangs eine totale Verfinsterung unseres Zentralgestirns durch den Neumond beobachten. Auch ich hatte mir extra für diesen Tag frei genommen, um das Naturschauspiel von meinem angestammten Platz in Radensdorf aus zu beobachten. Von dort hat man eine freie Horizontsicht von ein bis zwei Grad über dem Horizont. Als Instrumentarium dienten mein 4‑Zoll-Skywatcher-Apo mit einem Herschelkeil von APM, den ich auf einer Montierung derselben Firma nachführte, ein 2‑Zoll-Apo von Omegon mit Baader-Solarfolie sowie das Coronado PST H‑Alpha-Teleskop.
Kurz nach 17 Uhr traf ich auf dem Platz ein und baute zunächst die Ausrüstung auf. Anschließend unternahm ich den Versuch, die noch unbedeckte Sonne durch den Herschelkeil auf den Sensor meiner Canon EOS 100D zu bannen, doch es gelang mir nicht. Selbst mit Okularprojektion und dem Hyperion-Zoom Okular klappte es nicht. Der Fokusweg war einfach zu kurz. Also musste der kleine Apo, den ich ursprünglich nur für die visuelle Beobachtung eingeplant hatte, als Notlösung herhalten, damit ich wenigstens Bildergebnisse zum Vorzeigen habe. Das klappte glücklicherweise recht gut, obwohl das Sonnenbild mit den wenigen Sonnenfleckengruppen recht klein auf dem Kamerabildschirm abgebildet wurde.
Kurz darauf trafen auch meine Mitbeobachter ein: mein Vater und mein langjähriger Astrokumpel Horst. Sogleich betrachteten wir die Sonne mit dem Skywatcher Apo kontrastreich durch den Herschelkeil. Selbst einige Sonnenfackeln und die Granulation der Sonne waren zu erkennen. Das Seeing war eher mäßig, was natürlich auch dem geringen Sonnenstand von 12 Grad über dem Horizont geschuldet war. Den ersten Kontakt um 19:16 Uhr Sommerzeit, als der Mond langsam begann, sich vor die Sonne zu schieben, verpassten wir leider. Wir betrachteten nämlich eine interessante Protuberanz im PST, die sich auf ca. 2 Uhr Position am Rand der Sonne zeigte und sich während der Beobachtung sichtbar veränderte.
Inzwischen hatten sich 400 Meter von unserem Beobachtungsplatz entfernt weitere Besucher eingefunden. Sie nutzen wohl auch die gute Horizontsicht des Ortes Richtung Westen. Interessant waren auch die außergewöhnlich zahlreichen Pkw, die vorbeikamen und uns auf dem Platz stehen sahen, ohne anzuhalten. Nach einem kurzen Drohnenflug bemerkten wir, dass es langsam kühler wurde und ein fahles, fast bläuliches Licht einsetzte. Dies war nicht auf den bevorstehenden Sonnenuntergang zurückzuführen. Wie schnell sich der Mond innerhalb nur einer Stunde vor die Sonne schob, war erstaunlich. Im Geäst der Sträucher waren nun Sonnensicheln zu sehen. Um 20:09 Uhr war mit einem Bedeckungsgrad von 87,6 Prozent für meinen Heimatort Lübben der Höhepunkt erreicht. Die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt nur noch drei Grad über dem Westnordwesthorizont.
Jetzt beobachten wir nur noch mit unseren Sonnenfinsternisbrillen. Das kleine H‑Alpha-Teleskop wurde schnell an einen anderen Platz versetzt, sodass wir noch etwas Restlicht zwischen den Bäumen erhaschen konnten. Um 20:34 Uhr versank die Sonne schließlich – immer noch teilverfinstert – endgültig unter dem Horizont. Meine Mitbeobachter verabschiedeten sich. Ich packte die Beobachtungsausrüstung für die Sonne wieder ins Auto zurück. Anschließend bereitete ich mich auf die Beobachtungsnacht unter dem sommerlichen Sternenhimmel inklusive des Perseiden-Maximums vor. Und tatsächlich fiel die Nacht klar und trocken aus und reichlich Sternschnuppen gesegnet.
P. S.: Auf die nächste partielle Sonnenfinsternis, die von Deutschland aus sichtbar ist, müssen wir nicht lange warten. In ungefähr einem Jahr, am 2. August 2027, findet nämlich eine weitere Sonnenfinsternis statt – diesmal zur Mittagszeit und damit deutlich höher über dem Horizont. Unser Teammitglied Stephan von der HTT-Südkurve war während des Naturschauspiels auf der Zentrallinie in Spanien und konnte bereits erste interessante Ergebnisse seiner Finsternisreise in unserer WhatsApp-Gruppe teilen.
Weiterführende Links:
Tagesschau – Und plötzlich wurde es dunkler | Frankfurter Rundschau – Das sind die besten Fotos zum Himmelsspektakel | MDR – Auf die SoFi folgt die MoFi














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