Beobachtungsbericht von der Sonnenfinsternis am 12. August

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Nach rund elf Jah­ren war über Deutsch­land wie­der eine tie­fe par­ti­el­le Son­nen­fins­ter­nis zu sehen. Urlau­ber in Zen­tral­spa­ni­en und auf den Balea­ren konn­ten zur Zeit des Son­nen­un­ter­gangs eine tota­le Ver­fins­te­rung unse­res Zen­tral­ge­stirns durch den Neu­mond beob­ach­ten. Auch ich hat­te mir extra für die­sen Tag frei genom­men, um das Natur­schau­spiel von mei­nem ange­stamm­ten Platz in Raden­s­dorf aus zu beob­ach­ten. Von dort hat man eine freie Hori­zont­sicht von ein bis zwei Grad über dem Hori­zont. Als Instru­men­ta­ri­um dien­ten mein 4‑Zoll-Sky­wat­cher-Apo mit einem Her­schel­keil von APM, den ich auf einer Mon­tie­rung der­sel­ben Fir­ma nach­führ­te, ein 2‑Zoll-Apo von Ome­gon mit Baa­der-Solar­fo­lie sowie das Coro­na­do PST H‑Al­pha-Tele­skop.

4" Refraktor
4 Zoll Sky­wat­cher Apo mit Herschelkeil

Kurz nach 17 Uhr traf ich auf dem Platz ein und bau­te zunächst die Aus­rüs­tung auf. Anschlie­ßend unter­nahm ich den Ver­such, die noch unbe­deck­te Son­ne durch den Her­schel­keil auf den Sen­sor mei­ner Canon EOS 100D zu ban­nen, doch es gelang mir nicht. Selbst mit Oku­lar­pro­jek­ti­on und dem Hype­ri­on-Zoom Oku­lar klapp­te es nicht. Der Fokus­weg war ein­fach zu kurz. Also muss­te der klei­ne Apo, den ich ursprüng­lich nur für die visu­el­le Beob­ach­tung ein­ge­plant hat­te, als Not­lö­sung her­hal­ten, damit ich wenigs­tens Bild­ergeb­nis­se zum Vor­zei­gen habe. Das klapp­te glück­li­cher­wei­se recht gut, obwohl das Son­nen­bild mit den weni­gen Son­nen­fle­cken­grup­pen recht klein auf dem Kame­ra­bild­schirm abge­bil­det wurde.

Canon EOS 100D
Canon EOS 100D am 66 mm f/6.7 Ome­gon Apo

Kurz dar­auf tra­fen auch mei­ne Mit­be­ob­ach­ter ein: mein Vater und mein lang­jäh­ri­ger Astro­kum­pel Horst. Sogleich betrach­te­ten wir die Son­ne mit dem Sky­wat­cher Apo kon­trast­reich durch den Her­schel­keil. Selbst eini­ge Son­nen­fa­ckeln und die Gra­nu­la­ti­on der Son­ne waren zu erken­nen. Das See­ing war eher mäßig, was natür­lich auch dem gerin­gen Son­nen­stand von 12 Grad über dem Hori­zont geschul­det war. Den ers­ten Kon­takt um 19:16 Uhr Som­mer­zeit, als der Mond lang­sam begann, sich vor die Son­ne zu schie­ben, ver­pass­ten wir lei­der. Wir betrach­te­ten näm­lich eine inter­es­san­te Pro­tu­ber­anz im PST, die sich auf ca. 2 Uhr Posi­ti­on am Rand der Son­ne zeig­te und sich wäh­rend der Beob­ach­tung sicht­bar veränderte.

Radensdorf
Fins­ter­nis­be­ob­ach­tung in Radensdorf

Inzwi­schen hat­ten sich 400 Meter von unse­rem Beob­ach­tungs­platz ent­fernt wei­te­re Besu­cher ein­ge­fun­den. Sie nut­zen wohl auch die gute Hori­zont­sicht des Ortes Rich­tung Wes­ten. Inter­es­sant waren auch die außer­ge­wöhn­lich zahl­rei­chen Pkw, die vor­bei­ka­men und uns auf dem Platz ste­hen sahen, ohne anzu­hal­ten. Nach einem kur­zen Droh­nen­flug bemerk­ten wir, dass es lang­sam küh­ler wur­de und ein fah­les, fast bläu­li­ches Licht ein­setz­te. Dies war nicht auf den bevor­ste­hen­den Son­nen­un­ter­gang zurück­zu­füh­ren. Wie schnell sich der Mond inner­halb nur einer Stun­de vor die Son­ne schob, war erstaun­lich. Im Geäst der Sträu­cher waren nun Son­nen­si­cheln zu sehen. Um 20:09 Uhr war mit einem Bede­ckungs­grad von 87,6 Pro­zent für mei­nen Hei­mat­ort Lüb­ben der Höhe­punkt erreicht. Die Son­ne stand zu die­sem Zeit­punkt nur noch drei Grad über dem Westnordwesthorizont.

Mitbeobachter
Mei­ne Mit­be­ob­ach­ter am Beobachtungsplatz

Jetzt beob­ach­ten wir nur noch mit unse­ren Son­nen­fins­ter­nis­bril­len. Das klei­ne H‑Al­pha-Tele­skop wur­de schnell an einen ande­ren Platz ver­setzt, sodass wir noch etwas Rest­licht zwi­schen den Bäu­men erha­schen konn­ten. Um 20:34 Uhr ver­sank die Son­ne schließ­lich – immer noch teil­ver­fins­tert – end­gül­tig unter dem Hori­zont. Mei­ne Mit­be­ob­ach­ter ver­ab­schie­de­ten sich. Ich pack­te die Beob­ach­tungs­aus­rüs­tung für die Son­ne wie­der ins Auto zurück. Anschlie­ßend berei­te­te ich mich auf die Beob­ach­tungs­nacht unter dem som­mer­li­chen Ster­nen­him­mel inklu­si­ve des Per­sei­den-Maxi­mums vor. Und tat­säch­lich fiel die Nacht klar und tro­cken aus und reich­lich Stern­schnup­pen gesegnet.

Sonnenfinsternis
Die ver­fins­ter­te Son­ne um 19:17 Uhr (links), um 19:46 Uhr (Mit­te) und 20:09 Uhr (rechts)

P. S.: Auf die nächs­te par­ti­el­le Son­nen­fins­ter­nis, die von Deutsch­land aus sicht­bar ist, müs­sen wir nicht lan­ge war­ten. In unge­fähr einem Jahr, am 2. August 2027, fin­det näm­lich eine wei­te­re Son­nen­fins­ter­nis statt – dies­mal zur Mit­tags­zeit und damit deut­lich höher über dem Hori­zont. Unser Team­mit­glied Ste­phan von der HTT-Süd­kur­ve war wäh­rend des Natur­schau­spiels auf der Zen­tral­li­nie in Spa­ni­en und konn­te bereits ers­te inter­es­san­te Ergeb­nis­se sei­ner Fins­ter­nis­rei­se in unse­rer Whats­App-Grup­pe teilen.

Wei­ter­füh­ren­de Links:

Tages­schau – Und plötz­lich wur­de es dunk­ler | Frank­fur­ter Rund­schau – Das sind die bes­ten Fotos zum Him­mels­spek­ta­kel | MDR – Auf die SoFi folgt die MoFi

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

Ein Kommentar:

  1. Pingback:Zahlreiche Blicke auf die SoFi vor einer Woche | Skyweek Zwei Punkt Null

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