Die beiden Galaxien NGC 5005 und NGC 5033, im nördlichen Sternbild Jagdhunde (Canes Venatici), wurden am 1. Mai 1785 vom deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel mit seinem 18,7‑Zoll-Spiegelteleskop entdeckt. NGC 5005 ist auch als Caldwell 29 in Sir Patrick Moores „Caldwell-Katalog” verzeichnet. Weniger geläufig ist dagegen der Eigenname für die Galaxie NGC 5033, die auch als „Wasserkäfer-Galaxie“ bekannt ist.
Die Balkenspirale NGC 5005
NGC 5005 ist eine helle Balkenspiralgalaxie vom Hubble-Typ SBbc, die um 36° zur Kante geneigt ist. Sie befindet sich in einer Entfernung von 44 bis 66 Millionen Lichtjahren von der Erde am Rand des Virgo-Galaxienhaufens. Die Galaxie ist bereits sehr einfach in kleineren bis mittleren Teleskopen wahrnehmbar. Sie hat eine Helligkeit von 9,8 mag, einen scheinbaren Durchmesser von 5,8 x 2,9 Bogenminuten und eine große Flächenhelligkeit. Ihr Durchmesser wird mit 75.000 Lichtjahren und ihre Masse mit 50 Milliarden Sonnenmassen angegeben. Ferner besitzt sie eine helle Scheibe, die von dichten Staubspuren und Knoten unterbrochen wird. Die Galaxienscheibe ist deutlich gegen unsere Sichtlinie geneigt. Ihr relativ heller aktiver Galaxienkern ist vom LINER-Typ (Low-Ionization Nuclear Emission-Line Regions) und enthält schwach ionisiertes Gas. Die Energiequelle für die LINER-Emission ist umstritten. Einige Forscher vermuten, dass LINERs von aktiven Galaxienkernen angetrieben werden, die supermassereiche Schwarze Löcher enthalten. Andere Forscher vermuten, dass LINERs durch Sternentstehungsaktivitäten angetrieben wird.

Untersuchungen im Röntgenbereich legen allerdings nahe, dass sich im Kern der Galaxie eine variable, punktförmige Quelle harter Röntgenstrahlung befindet. Das könnte bedeuten, dass NGC 5005 ein supermassereiches Schwarzes Loch enthält. Die starke, variable Röntgenstrahlung ist charakteristisch für die Strahlung, die von heißem, komprimiertem Gas in der Umgebung eines Schwarzen Lochs in einem aktiven galaktischen Kern erwartet wird. Laut einer im Jahr 2009 veröffentlichten Studie beträgt die Masse des zentralen Schwarzen Lochs in NGC 5005 zwischen 120 bis 340 Millionen Sonnenmassen. Die zentralen Regionen der Galaxie enthalten außerdem viel molekularen Wasserstoff. Dieser verteilt sich in einem Ring mit einem Radius von drei Kiloparsecs sowie in einer massiven zentralen Scheibe mit zwei Milliarden Sonnenmassen. Ein Gasstrom bewegt sich innerhalb dieses Rings nach Nordwesten. Das deutet darauf hin, dass NGC 5005 jährlich Gas im Umfang von 50 Sonnenmassen in sein Zentrum transportiert, um künftig eine Phase der verstärkten Sternentstehung, einen sogenannten Starburst, zu fördern. Einige Forscher glauben sogar, dass dieser Sternentstehungsausbruch bereits stattfindet und 0,63 Sonnenmassen pro Jahr beträgt. Derzeit ist die Sternentstehungsrate im Rest der Galaxie eher gering. Die Spiralarme in NGC 5005 sind vor allem durch interstellare Staubbänder begrenzt und es gibt nur wenige kleine HII-Regionen.

In diesem Himmelsareal des Sternbilds Jagdhunde befinden sich unter anderem die Galaxien NGC 5002, NGC 5014 und IC 4207, wobei NGC 5005 die Hauptgalaxie der NGC-5005-Galaxiengruppe (LGG 334) ist, die insgesamt 16 Mitglieder umfasst. Zusammen mit 13 weiteren Galaxien wird diese Ansammlung auch als Canes-Venatici-Spur bezeichnet. Die Supernova SN1996ai wurde am 16. Juni 1996 vom italienischen Amateurastronomen Claudio Bottari in NGC 5005 nachgewiesen. Die Supernova vom Typ Ia erreichte eine scheinbare Helligkeit von 14,5 mag und befand sich 24 Bogensekunden nordöstlich des Galaxienzentrums. Wenige Tage später erreichte sie die 13. Größenklasse.
Die Spiralgalaxie NGC 5033
In unmittelbarer Nähe zu NGC 5005 befindet sich die vor allem auf Fotos sehr ansehnliche Spiralgalaxie NGC 5033 vom Hubble-Typ Sc. Aufgrund ihres interessanten Erscheinungsbildes wird sie sehr häufig von Amateurastronomen abgelichtet. Die beiden Galaxien beeinflussen sich als echtes Galaxienpaar schwach gegenseitig. Die beiden Galaxien sind räumlich noch weit voneinander entfernt. Die gravitativen Kräfte zwischen den beiden Objekten sind deshalb noch nicht stark genug, um ihre Scheiben durch Gezeitenkräfte zu verzerren. Nur auf sehr lang belichteten Fotos sind schwache Gezeitenarme zwischen NGC 5005 und NGC 5033 erkennbar. Die Galaxie besitzt eine relativ schwache Scheibe. In ihren Spiralarmen befinden sich ausgedehnte Sternentstehungsgebiete, in denen fortlaufend Sternentstehung stattfindet. In der südlichen Hälfte der Scheibe ist auf Fotos eine deutliche Verkrümmung zu erkennen. Sie stellt den Beginn eines Gezeitenschweifs dar, der sich als schwacher Streifen weiter nach links fortsetzt. Der kompakte Kern ist von dichten Staubbahnen umgeben.

NGC 5033 hat einen aktiven galaktischen Kern (AGN) vom Seyfert-1-Typ. Dort wird ein supermassereiches Schwarzes Loch mit einer Masse von 44 Millionen Sonnenmassen vermutet. Die helle Emission, die im sichtbaren Licht (sowie in anderen Wellenlängenbereichen) zu sehen ist, wird teilweise durch das heiße Gas in der Umgebung dieses Schwarzen Lochs erzeugt. Die dabei freigesetzte Energie zeigt, dass das zentrale Schwarze Loch derzeit Sterne, Staub und Gas verschlingt, die ihm zu nahe kommen. Integralfeldspektroskopische Beobachtungen des Zentrums von NGC 5033 legen nahe, dass sich der Seyfert-Kern nicht im kinematischen Zentrum der Galaxie befindet. Dies wird als Hinweis auf eine mögliche frühe Galaxienverschmelzung mit einem kompakten Satelliten geringer Masse in der Vergangenheit interpretiert. Dies könnte auch die verzerrte Scheibe von NGC 5033 erklären. Durch die Verschiebung des Kerns könnte die Gasrotation destabilisiert werden, sodass Gas in den Seyfert-Kern fällt, dort komprimiert und erhitzt wird, was den Kern aktiv erscheinen lässt. Im Gegensatz zu anderen Seyfert-Galaxien, wie Messier 77 im Walfisch, scheint es hier außerdem keinen mit diesem aktiven Kern verbundenen Starburst zu geben.

Mit einer scheinbaren Helligkeit von 10,8 mag und einem scheinbaren Durchmesser von 10,7 x 5,0 Bogenminuten erscheint NGC 5033 aufgrund ihrer geringeren Flächenhelligkeit dem Beobachter deutlich lichtschwächer als NGC 5005. Ihre relative Nähe zur Erde – je nach Quelle beträgt sie 38 bis 60 Millionen Lichtjahre – und ihr aktiver galaktischer Kern machen sie zu einem häufig untersuchten Objekt für professionelle Astronomen. Aktuelle Untersuchungen gehen von einer Entfernung von 41 Millionen Lichtjahren und einem wahren Durchmesser der Galaxie von 125.000 Lichtjahren aus. Somit ist die Welteninsel ungefähr so groß wie unsere eigene Galaxis. Im Gegensatz zur Milchstraße fehlt in NGC 5033 ein zentraler Balken. In ihrer unmittelbaren Nähe stehen die irregulären Zwerggalaxien Holmberg VIII (UGC 8303) und UGC 8314. Die beiden Objekte gelten als Satellitengalaxien, ähnlich den beiden Magellanschen Wolken unserer Milchstraße.

In NGC 5033 wurden im Laufe der Jahrzehnte vier Supernovae beobachtet. Am 14. Mai 1950 entdeckte der amerikanisch-schweizerische Astrophysiker Fritz Zwicky die Supernova SN 1950C. Sie erreichte eine scheinbare Helligkeit von 18,2 mag. Der Typ dieser Supernova wurde nicht bestimmt. Am 13. Juni 1985 entdeckte die russische Astronomin Natalya Metlova die Supernova SN 1985L vom Typ II. Sie erreichte eine Maximalhelligkeit von 12,5 Größenklassen. Die Supernova vom Typ IIb, SN 2001gd, wurde am 24. November 2001 von den japanischen Amateurastronomen Kōichi Itagaki und dem Italiener Alessandro Dimai entdeckt. Sie erreichte eine Helligkeit von 16,5 mag. Das Asteroidensuchprogramm ATLAS entdeckte am 3. Juni 2025 die Supernova SN 2025mvn vom Typ II mit einer Magnitude von 17,9.
Beobachtung
Unter einem sehr dunklen Landhimmel ist NGC 5005 zusammen mit dem Hauptstern der Jagdhunde, Cor Caroli, bereits im 7x50-Fernglas indirekt wahrnehmbar. Im 3 bis 4‑Zoll Refraktor mit geringer Vergrößerung erscheint sie nur als diffuser, ovaler Lichtfleck, mit einem etwas helleren Zentrum. NGC 5033 ist für Amateurastronomen eine größere Herausforderung, da sie deutlich lichtschwächer erscheint und nur indirekt sichtbar ist. Mit einer Öffnung von 6 bis 8‑Zoll und mittleren Vergrößerungen von 70-fach erscheint die Scheibe von NGC 5005 bei indirektem Sehen bereits leicht gemottelt. Sie wird zur Mitte hin heller und es zeigt sich ein ovaler Kernbereich. Die Galaxie zeigt eine sehr diffuse, in der Länge etwas ausgedehntere Scheibe. Ihr Zentrum erscheint heller, in dem sich keine weiteren Details erkennen lassen. Am nördlichen Ende der Scheibe befindet sich ein schwacher Stern. Beide Galaxien sind in einem reichen Sternenfeld eingebettet.
Die 3:1 elongierte Scheibe von NGC 5005 ist im 10 bis 12-Zöller relativ hell. Sie zeigt ein ausgeprägtes Kerngebiet, dessen Zentralbereich linsenförmig erscheint. Der Kern selbst ist scharf und sternförmig. Bei indirektem Sehen erscheint die Galaxienscheibe deutlich asymmetrisch verformt. Am südlichen Ende der Galaxie gibt es eine kleine scharfe Grenze, die möglicherweise ein Teil eines ihrer Spiralarme ist. Außerdem sind undeutliche Lichtbögen nachweisbar, die die Spiralstruktur nachzeichnen. Auch bei NGC 5033 erscheint die Galaxienscheibe nun heller, mit einem helleren Zentralbereich, der von einem sternartigen Kern geprägt ist. Sie erscheint in Nord-Süd-Richtung langgestreckt. Mit Teleskopen ab 16-Zoll Öffnung erkennt man in der hellen Scheibe von NGC 5005 hellere und dunklere Gebiete, vor allem an der südlichen Peripherie des Zentralbereichs. Auffällig sind ihr großer, heller Kern und die beiden inneren Arme, von denen einer nach Westen und einer nach Osten gebogen ist. Auch NGC 5033 profitiert deutlich von einer größeren Teleskopöffnung. Bei dieser Galaxie deuten sich bei einer 120-fachen Vergrößerung ebenfalls langsam die Spiralarme an. Sie machen sich als helle und dunkle Flecken in der Scheibe bemerkbar. Am besten sind sie östlich und westlich des Zentrums zu sehen. Ihr heller, länglicher Kern mit sternförmigem Zentrum sticht nun regelrecht heraus.
Die beiden Galaxien sind am besten in den Frühlingsmonaten zu sehen, wenn das Sternbild Canes Venatici hoch am Himmel steht. NGC 5005 ist relativ einfach aufzufinden. Sie befindet sich nur drei Grad südöstlich des schönen, 2,9 mag hellen Doppelsterns Cor Caroli (Alpha CVn). Rund zwei Grad östlich von Alpha Canum Venaticorum befindet sich ein Dreieck aus Sternen der 6. und 7. Größenklasse. Die Galaxie steht etwa eineinhalb Grad südlich dieser Dreiergruppe. Nur 40 Bogenminuten südöstlich von NGC 5005 befindet sich auch NGC 5033. Sie erscheint im 8‑Zöller bei niedriger Vergrößerung im selben Gesichtsfeld.
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Steckbrief für NGC 5005 & NGC 5033
Daten und Fakten für die Galaxien NGC 5005 und NGC 5033 in den Jagdhunden (Canes Venatici)| Objektname | NGC 5005 NGC 5033 |
| Katalogbezeichnung | UGC 8256, PGC 45749, MCG 6−29−52, ZWG 189.35 UGC 8307, PGC 45948, MCG 6−29−62, ZWG 189.43 |
| Eigenname | Wasserkäfer-Galaxie |
| Typ | Galaxie, SBbc Galaxie, Sc |
| Sternbild | Jagdhunde (Canes Venatici) |
| Rektaszension (J2000.0) | 13h 10m 56,1s 13h 13m 28,0s |
| Deklination (J2000.0) | +37° 03′ 31″ +36° 35′ 36″ |
| V Helligkeit | 9,8 mag 10,0 mag |
| Flächenhelligkeit | 12,7 mag 14,4 mag |
| Winkelausdehnung | 5,8′ x 2,9′ 10,7’x5,0′ |
| Positionswinkel | 65° 170° |
| Absolute Helligkeit | -20,999 ‑20,967 |
| Durchmesser | 75.000 Lichtjahre 125.000 Lichtjahre |
| Entfernung | 44 Millionen Lichtjahre 41 Millionen Lichtjahre |
| Beschreibung | vB,vL,vmE66,vsbMN; H I 96;P w NGC 5033;eBN in B lens;sev knotty arms vB,pL,E167,smbM,vBN; H I 97;P w NGC 5005;svBN in B bulge w spir patt of dk lanes |
| Entdecker | Friedrich Wilhelm Herschel, 1785 |
| Sternatlanten | Cambridge Star Atlas: Chart 4 & 5 Interstellarum Deep Sky Atlas: Chart 21 & 33 Millennium Star Atlas: Charts 629–630 (Vol II) Pocket Sky Atlas: Chart 43 Sky Atlas 2000: Chart 7 Uranometria 2nd Ed.: Chart 53 |












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