Hubbles aktueller Blick auf den Krebsnebel

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Vor fast einem Jahr­tau­send beob­ach­te­ten Astro­no­men einen strah­lend hel­len neu­en Stern am Him­mel – eine Super­no­va, die so hell war, dass sie wochen­lang sogar am Tag sicht­bar war. Heu­te ent­wi­ckelt sich ihr Über­rest, der Krebs­ne­bel, in 6.500 Licht­jah­ren Ent­fer­nung wei­ter. Edwin Hub­ble brach­te den Nebel erst­mals mit his­to­ri­schen Auf­zeich­nun­gen in Ver­bin­dung. Seit­dem wur­de er vom NASA/E­SA-Welt­raum­te­le­skop Hub­ble mit höchs­ter Prä­zi­si­on unter­sucht. Nun hat das Tele­skop die­se uralte Explo­si­on erneut beob­ach­tet, um ihre anhal­ten­de Aus­deh­nung und Ent­wick­lung zu verfolgen.

Ein Vier­tel­jahr­hun­dert nach den ers­ten Beob­ach­tun­gen des gesam­ten Krebs­ne­bels hat das Hub­ble-Welt­raum­te­le­skop den Super­no­va­über­rest erneut unter­sucht. Der Krebs­ne­bel ist der Nach­hall der Super­no­va SN 1054 und befin­det sich 6.500 Licht­jah­re von der Erde ent­fernt im Stern­bild Stier. Das Ergeb­nis ist ein bei­spiel­los detail­lier­ter Ein­blick in die Nach­wir­kun­gen einer Super­no­va und deren Ent­wick­lung wäh­rend der lan­gen Lebens­dau­er des Hub­ble-Tele­skops. Ein Arti­kel, der die neu­en Hub­ble-Beob­ach­tun­gen detail­liert beschreibt, wur­de im Astro­phy­si­cal Jour­nal veröffentlicht.

Messier 1 (HST)
Die­ses neu bear­bei­te­te Bild stammt aus Daten, die ursprüng­lich 1999 und 2000 vom Welt­raum­te­le­skop Hub­ble auf­ge­nom­men wur­den. Dank ver­bes­ser­ter Bild­ver­ar­bei­tungs­tech­no­lo­gie lässt sich die­ses Archiv­bild opti­mal mit aktu­el­le­ren Daten ver­glei­chen, dar­un­ter auch mit sol­chen, die Hub­ble selbst erfasst hat. Hub­ble erhielt 2009 ein neu­es Bild­ge­bungs­in­stru­ment, die Wide Field Came­ra 3. – Cre­dit: NASA, ESA, STScI, W. Blair (JHU). Image Pro­ces­sing: J. DePas­qua­le (STScI)

Das Welt­raum­te­le­skop Hub­ble der NASA/ESA hat mit sei­ner Weit­feld­ka­me­ra 3 die fei­nen Details des Krebs­ne­bels ein­ge­fan­gen. Die Far­ben im Bild zei­gen Hub­bles Nach­weis von Sau­er­stoff- und Schwe­fel­ga­sen im Nebel mit unter­schied­li­chen Dich­ten und Ener­gien. Die blau­en Berei­che stel­len die hei­ßes­ten und die gerings­te Dich­te dar. Wäh­rend im Bild wenig Grün zu sehen ist, das auf dich­ten neu­tra­len Sau­er­stoff hin­deu­tet, ist der Gelb­an­teil recht hoch. Gelb erscheint dort, wo Grün und das Rot des ange­reg­ten Schwe­fels nahe bei­ein­an­der lie­gen und eine ähn­li­che Hel­lig­keit auf­wei­sen. Der wei­ße Dunst im Zen­trum des Krebs­ne­bels ist Syn­chro­tron­strah­lung, die durch die Wech­sel­wir­kung des Magnet­felds des zen­tra­len Pul­sars mit dem Nebel­ma­te­ri­al des Krebs­ne­bels ent­steht. Die­se Strah­lung erhitzt die umge­ben­den Fila­men­te und bringt sie zum Leuch­ten. Die Syn­chro­tron­strah­lung treibt auch die anhal­ten­de Expan­si­on des Nebels an und unter­schei­det ihn so von ande­ren bekann­ten jun­gen Super­no­va­über­res­ten. Der Krebs­ne­bel ist der erd­nächs­te Super­no­va­über­rest die­ser Art und daher für Astro­no­men, die mit dem Hub­ble-Tele­skop sei­ne Ent­wick­lung in bei­spiel­lo­ser Detail­ge­nau­ig­keit unter­su­chen, von unschätz­ba­rem Wert.

Der Super­no­va-Über­rest wur­de Mit­te des 18. Jahr­hun­derts ent­deckt, und in den 1950er Jah­ren gehör­te Edwin Hub­ble zu einer Grup­pe von Astro­no­men, die den engen Zusam­men­hang zwi­schen chi­ne­si­schen astro­no­mi­schen Auf­zeich­nun­gen über eine Super­no­va und der Posi­ti­on des Krebs­ne­bels fest­stell­ten. Die Ent­de­ckung, dass das Zen­trum des Krebs­ne­bels einen Pul­sar – einen schnell rotie­ren­den Neu­tro­nen­stern – ent­hielt, der die Aus­deh­nung des Nebels antrieb, brach­te schließ­lich moder­ne Beob­ach­tun­gen und alte Auf­zeich­nun­gen in Einklang.

In sei­nem neu­en Bild des Nebels hat Hub­ble außer­ge­wöhn­li­che Details sei­ner fila­ment­ar­ti­gen Struk­tur sowie die beträcht­li­che Aus­deh­nung die­ser Fila­men­te über 25 Jah­re hin­weg mit einer Geschwin­dig­keit von 5,5 Mil­lio­nen Kilo­me­tern pro Stun­de ein­ge­fan­gen. Hub­ble ist das ein­zi­ge Tele­skop, das über die Kom­bi­na­ti­on aus Lang­le­big­keit und Auf­lö­sung ver­fügt, um die­se detail­lier­ten Ver­än­de­run­gen zu erfassen.

Zum bes­se­ren Ver­gleich mit dem neu­en Bild wur­de Hub­bles Auf­nah­me des Krebs­ne­bels aus dem Jahr 1999 neu bear­bei­tet. Die Farb­va­ria­tio­nen in bei­den Hub­ble-Bil­dern zei­gen eine Kom­bi­na­ti­on aus Ver­än­de­run­gen der loka­len Tem­pe­ra­tur und Dich­te des Gases sowie sei­ner che­mi­schen Zusammensetzung.

Das Wis­sen­schaft­ler­team hat fest­ge­stellt, dass sich die Fila­men­te am Rand des Nebels stär­ker bewegt haben als jene im Zen­trum und sich, anstatt sich im Lau­fe der Zeit aus­zu­deh­nen, ein­fach nach außen ver­scho­ben haben. Dies liegt an der Beschaf­fen­heit des Krebs­ne­bels als Pul­sar­wind­ne­bel, der durch Syn­chro­tron­strah­lung ange­trie­ben wird. Die­se Strah­lung ent­steht durch die Wech­sel­wir­kung zwi­schen dem Magnet­feld des Pul­sars und dem Mate­ri­al des Nebels. Bei ande­ren bekann­ten Super­no­va­über­res­ten wird die Expan­si­on hin­ge­gen durch Stoß­wel­len der ursprüng­li­chen Explo­si­on ver­ur­sacht, die umge­ben­de Gas­hül­len ero­die­ren, die der ster­ben­de Stern zuvor abge­sto­ßen hatte.

Die neu­en, hoch­auf­lö­sen­den Hub­ble-Beob­ach­tun­gen lie­fern zusätz­li­che Ein­bli­cke in die drei­di­men­sio­na­le Struk­tur des Krebs­ne­bels, die anhand zwei­di­men­sio­na­ler Bil­der nur schwer zu bestim­men ist. Die Schat­ten eini­ger Fila­men­te sind auf dem Schlei­er aus Syn­chro­tron­strah­lung im Inne­ren des Nebels zu erken­nen. Ent­ge­gen der Intui­ti­on zei­gen eini­ge der hel­le­ren Fila­men­te auf den neu­es­ten Hub­ble-Bil­dern kei­ne Schat­ten, was dar­auf hin­deu­tet, dass sie sich auf der Rück­sei­te des Nebels befin­den müssen.

Nach Anga­ben des Wis­sen­schafts­teams liegt der wah­re Wert der Hub­ble-Beob­ach­tun­gen des Krebs­ne­bels noch vor uns. Die Hub­ble-Daten kön­nen mit aktu­el­len Daten ande­rer Tele­sko­pe kom­bi­niert wer­den, die den Krebs­ne­bel in ver­schie­de­nen Wel­len­län­gen des Lichts beob­ach­ten. Das James-Webb-Welt­raum­te­le­skop der NASA/ESA/CSA ver­öf­fent­lich­te 2024 sei­ne Infra­rot-Beob­ach­tun­gen des Krebs­ne­bels. Der Ver­gleich des Hub­ble-Bil­des mit ande­ren zeit­ge­nös­si­schen Beob­ach­tun­gen in meh­re­ren Wel­len­län­gen wird Wis­sen­schaft­lern hel­fen, ein voll­stän­di­ge­res Bild der anhal­ten­den Nach­wir­kun­gen der Super­no­va zu erstel­len – Jahr­hun­der­te, nach­dem Astro­no­men zum ers­ten Mal über einen neu­en klei­nen Stern staun­ten, der am Him­mel funkelte.

Hintergrundinformationen

Das Hub­ble-Welt­raum­te­le­skop ist ein Pro­jekt der inter­na­tio­na­len Zusam­men­ar­beit zwi­schen ESA und NASA.

Bild­nach­weis: NASA, ESA, STScI, W. Blair (JHU). Bild­ver­ar­bei­tung: J. DePas­qua­le (STScI)

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung heic2607

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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