Objekte des Monats: Der Irisnebel NGC 7023

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NGC 7023 ist ein Refle­xi­ons­ne­bel mit einem ein­ge­bet­te­ten offe­nen Stern­hau­fen im nörd­li­chen Stern­bild Kepheus (Cepheus). Das Objekt wur­de am 18. Okto­ber 1794 vom deutsch-bri­ti­schen Astro­no­men Fried­rich Wil­helm Her­schel ent­deckt. Er bemerk­te eine neb­li­ge Erschei­nung, in der ein Stern ein­ge­bet­tet und die von schwä­che­ren Ster­nen der 9. und 10. Grö­ßen­klas­se umge­ben war. Der däni­sche Astro­nom Johann L. E. Drey­er beschrieb NGC 7023 als einen Stern der 7. Grö­ßen­klas­se, in einen sehr schwa­chen, aber gro­ßen Nebel. Auf­grund sei­nes Erschei­nungs­bil­des, vor allem auf län­ger belich­te­ten Auf­nah­men, wird NGC 7023 auch als Iris­ne­bel bezeich­net, da er an eine blü­hen­de Schwert­li­lie bzw. Iris­blu­me erin­nert. Im Cald­well-Kata­log von Sir Patrick Cald­well-Moo­re ist der Nebel als Cald­well 4 gelis­tet. Ent­ge­gen der Anga­be zahl­rei­cher Quel­len han­delt es sich bei NGC 7023 um einen Refle­xi­ons­ne­bel und nicht, wie fälsch­li­cher­wei­se oft ange­ge­ben, um einen Stern­hau­fen. Der ein­ge­bet­te­te Stern­hau­fen trägt die Bezeich­nung Col­lin­der 429.

Ein heller Reflexionsnebel für kleine Teleskope

Der Iris­ne­bel gilt als einer der schöns­ten und hells­ten Refle­xi­ons­ne­bel am Him­mel. Mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 6,8 mag und einer Win­kel­aus­deh­nung von 10 x 8 Bogen­mi­nu­ten ist er über­ra­schend ein­fach mit einem klei­nen Tele­skop zu sehen – vor­aus­ge­setzt der Him­mel ist dafür dun­kel genug. Er befin­det sich 1.300 Licht­jah­re von der Erde ent­fernt und ent­hält einen jun­gen offe­nen Stern­hau­fen, der zusam­men mit dem Nebel als NGC 7023 im „New Gene­ral Cata­lo­gue“ auf­ge­führt ist. Nach neu­es­ten Ergeb­nis­sen der Raum­son­de Gaia beträgt die Ent­fer­nung zum Nebel sogar nur 1.158 Licht­jah­re. Der Iris­ne­bel selbst wird auch als LBN 487 bezeich­net und ist ein klas­si­sches Bei­spiel für einen Refle­xi­ons­ne­bel. Im Gegen­satz dazu leuch­ten Emis­si­ons­ne­bel wie der berühm­te Ori­on­ne­bel (Mes­sier 42⁄43) selbst. Der Iris­ne­bel ist in einen rie­si­gen Mole­kül­wol­ken­kom­plex ein­ge­bet­tet, der eine akti­ve Regi­on der Stern­ent­ste­hung dar­stellt und als Cepheus-Fla­re bezeich­net wird. NGC 7023 wie­der­um befin­det sich am nörd­li­chen Ende einer lang­ge­zo­ge­nen Dun­kel­wol­ke (LDN 1169÷71÷72) aus Staub und Gas. Der sicht­ba­re Teil des Nebels besitzt eine Aus­deh­nung von knapp sechs Lichtjahren.

Irisnebel (NGC 7023)
Der Iris­ne­bel (NGC 7023) im Kepheus – Auf­nah­me von Tho­mas Hen­ne, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

Der Nebel wird von dem 7,4 mag hel­len, hei­ßen und jun­gen Herbig-Ae/­Be-Stern V380 Cep­hei (HD 200775) der Spek­tral­klas­se B2Ve beleuch­tet. Er besitzt die zehn­fa­che Mas­se und die 180-fache Leucht­kraft unse­rer Son­ne. Er ist nur 5.000 bis 6.400 Jah­re alt. Dem­zu­fol­ge befin­det er sich noch in sei­ner frü­hen Ent­ste­hungs­pha­se. Der Stern ist noch von den Über­res­ten jener Gas- und Staub­wol­ke umge­ben, aus der er einst ent­stan­den ist. Die vor­herr­schen­de Far­be im Nebel ist blau. Dies ist cha­rak­te­ris­tisch für die in der Mole­kül­wol­ke ein­ge­bet­te­ten Staub­kör­ner, die das Licht des Sterns reflek­tie­ren. Die­se Par­ti­kel streu­en kurz­wel­li­ges (blau­es) Licht wesent­lich effek­ti­ver als lang­wel­li­ges (rotes) Licht. Die­ser Effekt, bekannt als Ray­leigh-Streu­ung, ist der­sel­be Mecha­nis­mus, der den Him­mel auf der Erde blau erschei­nen lässt. Die im Nebel vor­han­de­nen Koh­len­stoff­mo­le­kü­le wer­den durch den Stern durch Pho­to­lu­mi­nes­zenz zum Leuch­ten ange­regt. Die­se emit­tie­ren dann star­ke Ultra­vio­lett­strah­lung. Die­se UV-Strah­lung wird durch die Staub­kör­ner reflek­tiert und in sicht­ba­res Licht umge­wan­delt. Aus die­sem Grund erscheint das Zen­tral­ge­biet des Iris­ne­bels leicht rötlich.

NGC 7023 (HST)
Detail­auf­nah­me von NGC 7023 in einer Auf­nah­me des Hub­ble-Welt­raum­te­le­skops – Cre­dit: NASA Hub­ble, CC BY 2.0, via Wiki­me­dia Commons

Die im Iris­ne­bel vor­han­de­nen Koh­len­stoff­mo­le­kü­le wer­den als poly­zy­kli­sche aro­ma­ti­sche Koh­len­was­ser­stof­fe (PAH) bezeich­net. Sie wur­den durch Infra­rot­be­ob­ach­tun­gen des Spit­zer-Welt­raum­te­le­skops ent­deckt. Es han­delt sich hier­bei um kom­ple­xe orga­ni­sche Mole­kü­le, die als mög­li­che Bau­stei­ne des Lebens gel­ten. Auf der Erde sind sie uns als Neben­pro­duk­te unvoll­stän­di­ger Ver­bren­nung bekannt, etwa im Ruß eines Holz­feu­ers oder in Auto­ab­ga­sen. Im Iris­ne­bel konn­ten außer­dem Koh­len­stoff-Ful­le­re­ne (C₆₀) nach­ge­wie­sen wer­den. Die­se kugel­för­mi­gen Mole­kü­le aus 60 Koh­len­stoff­ato­men deu­ten auf eine noch reich­hal­ti­ge­re und kom­ple­xe­re Koh­len­stoff­che­mie hin. Dies war der ers­te ein­deu­ti­ge Nach­weis neu­tra­ler Ful­le­re­ne im inter­stel­la­ren Raum sowie der Nach­weis eines der größ­ten im Welt­raum gefun­de­nen Mole­kü­le. Im Gegen­satz zu den poly­zy­kli­schen aro­ma­ti­schen Koh­len­was­ser­stof­fen befin­den sich die Ful­le­re­ne im Nebel eher in Rich­tung des Zen­tral­sterns und in der zen­tra­len Höh­le. Mög­li­cher­wei­se sind sie ein Zer­set­zungs­pro­dukt der grö­ße­ren PAHs, die durch die inten­si­ve Strah­lung des Zen­tral­sterns auf­ge­bro­chen werden.

Cepheus
Die Umge­bung und Posi­ti­on des Iris­ne­bels im Stern­bild Cepheus

Der Iris­ne­bel befin­det sich in der Nähe des röt­lich erschei­nen­den, ver­än­der­li­chen Sterns T Cep­hei, der dem Mira-Typ ange­hört, sowie des ver­än­der­li­chen Sterns Beta Cep­hei (Alfirk). T Cep­hei schwankt alle 388 Tage zwi­schen den Magni­tu­den 5,2 und 11,3. Daher ist er manch­mal mit blo­ßem Auge sicht­bar, wäh­rend Beob­ach­ter zu ande­ren Zei­ten ein klei­nes Tele­skop benö­ti­gen, um ihn zu sehen. Beta Cep­hei schwankt alle 4,5 Stun­den zwi­schen 3,2 und 3,3 mag. Gleich­zei­tig ist er ein hüb­scher Dop­pel­stern mit einem Beglei­ter der 8. Grö­ßen­klas­se in nur 13 Bogen­se­kun­den Abstand.

Beobachtung

Unter einem dunk­len Land­him­mel ist NGC 7023 bereits mit einem licht­star­ken Feld­ste­cher beob­acht­bar. Lei­der besitzt er nur eine gerin­ge Flä­chen­hel­lig­keit. Im 10×50 Fern­glas erscheint er ledig­lich als schwa­cher, dif­fu­ser Schim­mer um den Zen­tral­stern. Mit einer Öff­nung von 3 bis 4‑Zoll und einer 23-fachen Ver­grö­ße­rung soll­te in einem rela­tiv stern­ar­men Gebiet ein ver­wa­sche­ner Stern der 7. Grö­ßen­klas­se im Oku­lar erkenn­bar sein. Der Nebel erscheint rund­lich und ist bei indi­rek­tem Sehen wei­ter aus­ge­dehnt. Mit Instru­men­ten von 6 bis 8‑Zoll Öff­nung und 72-facher Ver­grö­ße­rung ist ein ova­ler, unre­gel­mä­ßig geform­ter Nebel erkenn­bar. Indi­rekt sind eini­ge dunk­le, bogen­för­mi­ge Struk­tu­ren an den Rän­dern sowie ein­zel­ne Kno­ten sicht­bar. Der nörd­li­che Teil und das hel­le Zen­trum erschei­nen unre­gel­mä­ßig. Der süd­li­che Teil des Nebels erscheint etwas schwä­cher und qua­dra­tisch. Mit einer Öff­nung von 10 bis 12-Zoll und mitt­le­ren bis hohen Ver­grö­ße­run­gen sind wei­te­re Ein­zel­hei­ten wie Bän­der, Kno­ten und Strea­mer erkenn­bar. In Nord-Süd-Rich­tung ist ein bemer­kens­wert hel­ler Nebel­strei­fen zu erken­nen, der sich durch den Stern HD 200775 zieht. Lei­der hel­fen bei der Beob­ach­tung kei­ne Nebel­fil­ter, da der Nebel kaum Licht in der bevor­zug­ten Wel­len­län­ge für schmal­ban­di­ge Nebel­fil­ter emit­tiert. Der in den Iris­ne­bel ein­ge­bet­te­te Stern­hau­fen mit rund 15 Ein­zel­ster­nen ist wenig auf­fäl­lig und besitzt eine Form, die an den Buch­sta­ben J erinnert.

Aufsuchkarte
Auf­such­kar­te für NGC 7023 – erstellt mit SkytechX

Der Iris­ne­bel ist von unse­ren Brei­ten aus gese­hen zir­kum­po­lar und am bes­ten in den Som­mer- und Herbst­mo­na­ten zu beob­ach­ten, wenn das Stern­bild Cepheus hoch am Him­mel steht. Er befin­det sich nahe des schö­nen Dop­pel­stern­sterns Alfirk (Beta Cep, 3,23 mag) an der west­li­chen Gren­ze des Stern­bilds und mar­kiert die obe­re rech­te Ecke der mar­kan­ten, haus­för­mi­gen Gestalt die­ser Kon­stel­la­ti­on. Er liegt etwa ein Grad ost-nord­öst­lich des Mira-Ver­än­der­li­chen T Cep­hei. Der Nebel bil­det zusam­men mit Alde­ra­min (Alpha Cep, 2,45 mag) und Alfirk ein stump­fes Dreieck.

Steckbrief für NGC 7023

Daten und Fak­ten für den Iris­ne­bel NGC 7023 im Kepheus (Cepheus)
Objekt­na­meNGC 7023
Kata­log­be­zeich­nungOCL 235, LBN 487, vdB 139, Ber­nes 39
Eigen­na­meIris­ne­bel, Iris Nebula
TypRefle­xi­ons­ne­bel, EN+OCL
Stern­bildKepheus (Cepheus)
Rekt­aszen­si­on (J2000.0)21h 01m 35,5s
Dekli­na­ti­on (J2000.0)+68° 10′ 10″
V Hel­lig­keit7,1 mag
Win­kel­aus­deh­nung10,0′ x 8,0′
Durch­mes­ser6 Licht­jah­re
Ent­fer­nung1.300 Licht­jah­re
Beschrei­bung*7 in eF,eL,neby; H IV 74;Complex struc­tu­re w Br and dark filaments
Ent­de­ckerFried­rich Wil­helm Her­schel, 1794
Stern­at­lan­tenCam­bridge Star Atlas: Chart 1 & 7
Inter­stel­larum Deep Sky Atlas: Chart Chart 2 & 3
Mill­en­ni­um Star Atlas: Charts Charts 1061–1062 (Vol III)
Pocket Sky Atlas: Chart 71
Sky Atlas 2000.0: Chart 3
Urano­me­tria 2nd Ed.: Chart 9

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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