Der offene Sternhaufen NGC 7243, im nördlichen Sternbild Eidechse (Lacerta), wurde am 26. September 1788 vom deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel mithilfe seines 18,7‑Zoll-Spiegelteleskops entdeckt. Er beschrieb ihn als „ein Haufen grob verteilter großer Sterne, etwas ausgedehnt, südlich, nördlich, 16′ lang”. Sein Sohn John Herschel nahm ihn unter der Nummer h2155 in den „General Catalogue of Nebulae and Clusters” auf. John L. E. Dreyer fügte den Sternhaufen im Jahr 1888 ebenfalls zu seinem „New General Catalogue“ hinzu. Der Sternhaufen ist außerdem in Sir Patrick Caldwell-Moores Katalog als Caldwell 16 verzeichnet.
Ein heller und ausgedehnter Sternhaufen in der Eidechse
NGC 7243 ist der hellste und nördlichste offene Sternhaufen im Sternbild Eidechse. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 6,4 mag und einer scheinbaren Ausdehnung von 21 Bogenminuten ist er bereits in handelsüblichen Ferngläsern sehr leicht erkennbar. Seine Helligkeit und lockere Anordnung (Trumpler-Klasse IV 2 p) machen ihn zu einem attraktiven Ziel für Amateurastronomen und Astrofotografen. Bei NGC 7243 handelt es sich um einen unregelmäßig geformten Sternhaufen mit weniger als 50 Mitgliedssternen mittlerer Helligkeit. Seine Lage im weniger bekannten Sternbild Lacerta trägt zu seiner Anziehungskraft als eine Art verstecktes Juwel am Nachthimmel bei. Der nur mäßig konzentrierte Sternhaufen befindet sich 2.630 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er besitzt einen wahren Durchmesser von ungefähr 17 Lichtjahren. Mit einem geschätzten Alter von 76 bis 100 Millionen Jahren ist er noch relativ jung und mit den Plejaden (Messier 45) im Sternbild Stier vergleichbar.

In dem Sternhaufen sind viele blaue und weiße Sterne erkennbar, ebenso einige rötliche Exemplare. Sie bilden einen auffälligen Kontrast zum Milchstraßenhintergrund aus gelben und roten Sternen. Insgesamt enthält NGC 7245 offiziell rund 40 Mitgliedssterne, wobei die hellsten Sterne die 8. und 9. Größenklasse erreichen. Im Sternhaufen selbst liegt auch ein hübscher Dreifachstern (Struve 2890). Dessen jeweils 8,5 mag helle Hauptkomponenten sind 9,4 Bogensekunden voneinander entfernt. In einem Abstand von 73 Bogensekunden werden die beiden Sterne von einem weiteren Begleiter umrundet, der eine Helligkeit von 9,5 mag besitzt. Der Sternhaufen liegt im Orion-Spiralarm der Milchstraße, 33.000 Lichtjahre vom Zentrum entfernt. Er ist Mitglied einer großen OB-Assoziation des Cepheus-Molekülwolkenkomplexes. Insgesamt enthält NGC 7243 rund 211 Mitgliedssterne bis zu einer Größenklasse von 15,5 mag. Seine Gesamtmasse wird zwischen 348 und 522 Sonnenmassen angegeben. Seit 2022 ist mindestens ein blauer Nachzüglerstern bekannt.
Im Laufe der Zeit haben einige Wissenschaftler Zweifel geäußert, ob es sich bei NGC 7243 tatsächlich um einen echten offenen Sternhaufen oder stattdessen um eine Ansammlung weit voneinander entfernter Sterne handelt, ein so genannter Asterismus. Diese sollen nur aufgrund eines perspektivischen Effekts als Gruppe sichtbar sein. Der Astrometrie-Satellit Hipparcos hat die Eigenbewegung einiger Komponenten des Sternhaufens gemessen. Es hat sich dabei herausgestellt, dass nur wenige der Sterne, die innerhalb von 20 Bogenminuten vom vermuteten Zentrum des Sternhaufens sichtbar sind, tatsächlich zusammengehören. Aufgrund dieser Zweiteilung wird außerdem vermutet, dass es sich möglicherweise sogar um einen Doppelsternhaufen handeln könnte.
Beobachtung
Aufgrund seiner Helligkeit ist der Sternhaufen unter einem dunklen Landhimmel bereits mit dem bloßen Auge als verschwommener Lichtfleck erkennbar. Er liegt in einem relativ sternarmen Teil der Milchstraße, in unmittelbarer Nähe zu einer dichten Ansammlung von etwa einem Dutzend Sternen der 7. Größenklasse. Diese sollen nicht mit dem Sternhaufen verwechselt werden. Bei der Beobachtung mit einem 7×50 oder 10×50 Feldstecher erkennt man in einem reichen Sternenfeld bereits 6 bis 10 helle Mitgliedssterne in einem pfeilförmigen Muster. Diese konzentrieren sich locker auf einer Fläche von etwa zwei Dritteln des Vollmondes. Mit einem 16×70 Fujinon-Feldstecher sind bis zu 20 Sterne erkennbar. Sie sind in einer dreieckigen Form angeordnet und werden durch einen dunklen Streifen geteilt. Die Gruppe ähnelt auf den ersten Blick einem zerbrochenen Herz.
Mit einem 3 oder 4‑Zoll-Refraktor und einer 70-fachen Vergrößerung nimmt der Sternhaufen das gesamte Gesichtsfeld ein. Er ist nun vollständig in seine Einzelsterne aufgelöst. NGC 7243 erscheint nun deutlich zweigeteilt. Im nordwestlichen Bereich erkennt man rund zehn hellere Sterne, die sich dreiecksförmig anordnen. Im südwestlichen Bereich sind bis zu 25 etwas schwächere Sterne erkennbar, die eine Art Rechteck und teilweise halbkreisförmige Sternenkette bilden. Ein dunkler Bereich mit wenigen Sternen teilt diese beiden Sternengruppen von Norden nach Süden in zwei Hälften. Im Zentrum ist ein V‑förmiger Bereich erkennbar. Der östliche Stern dieser Gruppe ist der hübsche Dreifachstern Struve 2890. Weitere Sterne sind in weit auslaufenden Ketten angeordnet. Auffällig ist vor allem ein nach Süden verlaufender Spiralarm. Mit noch größeren Instrumenten von 6 bis 8‑Zoll Öffnung erscheint der Sternhaufen etwas heller. Er erscheint mit über 50 bis 70 Sternen nun sehr sternenreich. Außerdem hat er viele schwächere Hintergrundsterne. Nur 4° südwestlich von NGC 7243 befindet sich mit NGC 7209 ein weiterer offener Sternhaufen. Er ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 6,7 mag ebenfalls bereits in Feldstechern sichtbar. Zwei Grad nordöstlich von NGC 7243 steht der planetarische Nebel IC 5217, mit einer Helligkeit von 12 Magnituden.
NGC 7243 ist in unseren Breiten zirkumpolar und kann am besten in den Sommer- und Herbstmonaten hoch am Nachthimmel beobachtet werden. Der Sternhaufen ist relativ einfach aufzufinden. Er befindet sich 20° westlich und 5° südlich von Deneb (Alpha Cyg, 1,3 mag) im Sommersternbild Schwan, 2 ½ Grad südwestlich von Alpha Lacertae (3,8 mag) sowie 1 ½ Grad nordwestlich von 4 Lacertae (4,6 mag). Wir stellen 4 Lac in die Suchermitte ein. Nun sollte der Sternhaufen in Richtung West-Nordwest bereits im Sucher sichtbar und in knapp ein Dutzend Einzelsterne aufgelöst sein.
Aufsuchkarte NGC 7243 (190,4 KiB, 88 Downloads)
Steckbrief für NGC 7243
Daten und Fakten für den offenen Sternhaufen NGC 7243 in der Eidechse (Lacerta)| Objektname | NGC 7243 |
| Katalogbezeichnung | OCL 221, Collinder 448, Melotte 240, Raab 148 |
| Typ | offener Sternhaufen, IV 2 p |
| Sternbild | Eidechse (Lacerta) |
| Rektaszension (J2000.0) | 22h 15m 08,5s |
| Deklination (J2000.0) | +49° 53′ 51″ |
| V Helligkeit | 6,4 mag |
| Flächenhelligkeit | 12,0 mag |
| Winkelausdehnung | 30,0′ |
| Anzahl der Sterne | 40 |
| Hellster Stern | 8,5 mag |
| Durchmesser | 17 Lichtjahre |
| Entfernung | 2.630 Lichtjahre |
| Beschreibung | Cl,L,P,lC,st vL; H VIII 75;Incl Struve 2890 D* |
| Entdecker | Friedrich Wilhelm Herschel, 1788 |
| Sternatlanten | Cambridge Star Atlas: Chart 2 & 7 Interstellarum Deep Sky Atlas: Chart 16 & 17 Millennium Star Atlas: Charts 1103–1104 (Vol III) Pocket Sky Atlas: Chart 67 Sky Atlas 2000: Chart 9 Uranometria 2nd Ed.: Chart 125 |










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