Objekte des Monats: Der offene Sternhaufen NGC 7243

  • Letz­te Ände­rung:1 Monat 
  • Lese­zeit:4Minu­ten
  • Wör­ter:901
  • Bei­trags­auf­ru­fe:95

Der offe­ne Stern­hau­fen NGC 7243, im nörd­li­chen Stern­bild Eidech­se (Lacer­ta), wur­de am 26. Sep­tem­ber 1788 vom deutsch-bri­ti­schen Astro­no­men Fried­rich Wil­helm Her­schel mit­hil­fe sei­nes 18,7‑Zoll-Spiegelteleskops ent­deckt. Er beschrieb ihn als „ein Hau­fen grob ver­teil­ter gro­ßer Ster­ne, etwas aus­ge­dehnt, süd­lich, nörd­lich, 16′ lang”. Sein Sohn John Her­schel nahm ihn unter der Num­mer h2155 in den „Gene­ral Cata­lo­gue of Nebu­lae and Clus­ters” auf. John L. E. Drey­er füg­te den Stern­hau­fen im Jahr 1888 eben­falls zu sei­nem „New Gene­ral Cata­lo­gue“ hin­zu. Der Stern­hau­fen ist außer­dem in Sir Patrick Cald­well-Moo­res Kata­log als Cald­well 16 verzeichnet.

Ein heller und ausgedehnter Sternhaufen in der Eidechse

NGC 7243 ist der hells­te und nörd­lichs­te offe­ne Stern­hau­fen im Stern­bild Eidech­se. Mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 6,4 mag und einer schein­ba­ren Aus­deh­nung von 21 Bogen­mi­nu­ten ist er bereits in han­dels­üb­li­chen Fern­glä­sern sehr leicht erkenn­bar. Sei­ne Hel­lig­keit und locke­re Anord­nung (Trump­ler-Klas­se IV 2 p) machen ihn zu einem attrak­ti­ven Ziel für Ama­teur­as­tro­no­men und Astro­fo­to­gra­fen. Bei NGC 7243 han­delt es sich um einen unre­gel­mä­ßig geform­ten Stern­hau­fen mit weni­ger als 50 Mit­glieds­ster­nen mitt­le­rer Hel­lig­keit. Sei­ne Lage im weni­ger bekann­ten Stern­bild Lacer­ta trägt zu sei­ner Anzie­hungs­kraft als eine Art ver­steck­tes Juwel am Nacht­him­mel bei. Der nur mäßig kon­zen­trier­te Stern­hau­fen befin­det sich 2.630 Licht­jah­re von der Erde ent­fernt. Er besitzt einen wah­ren Durch­mes­ser von unge­fähr 17 Licht­jah­ren. Mit einem geschätz­ten Alter von 76 bis 100 Mil­lio­nen Jah­ren ist er noch rela­tiv jung und mit den Ple­ja­den (Mes­sier 45) im Stern­bild Stier vergleichbar.

NGC 7243
NGC 7243 in der Eidech­se – Auf­nah­me von Wal­ter Her­bert, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

In dem Stern­hau­fen sind vie­le blaue und wei­ße Ster­ne erkenn­bar, eben­so eini­ge röt­li­che Exem­pla­re. Sie bil­den einen auf­fäl­li­gen Kon­trast zum Milch­stra­ßen­hin­ter­grund aus gel­ben und roten Ster­nen. Ins­ge­samt ent­hält NGC 7245 offi­zi­ell rund 40 Mit­glieds­ster­ne, wobei die hells­ten Ster­ne die 8. und 9. Grö­ßen­klas­se errei­chen. Im Stern­hau­fen selbst liegt auch ein hüb­scher Drei­fach­stern (Struve 2890). Des­sen jeweils 8,5 mag hel­le Haupt­kom­po­nen­ten sind 9,4 Bogen­se­kun­den von­ein­an­der ent­fernt. In einem Abstand von 73 Bogen­se­kun­den wer­den die bei­den Ster­ne von einem wei­te­ren Beglei­ter umrun­det, der eine Hel­lig­keit von 9,5 mag besitzt. Der Stern­hau­fen liegt im Ori­on-Spi­ral­arm der Milch­stra­ße, 33.000 Licht­jah­re vom Zen­trum ent­fernt. Er ist Mit­glied einer gro­ßen OB-Asso­zia­ti­on des Cepheus-Mole­kül­wol­ken­kom­ple­xes. Ins­ge­samt ent­hält NGC 7243 rund 211 Mit­glieds­ster­ne bis zu einer Grö­ßen­klas­se von 15,5 mag. Sei­ne Gesamt­mas­se wird zwi­schen 348 und 522 Son­nen­mas­sen ange­ge­ben. Seit 2022 ist min­des­tens ein blau­er Nach­züg­ler­stern bekannt.

Im Lau­fe der Zeit haben eini­ge Wis­sen­schaft­ler Zwei­fel geäu­ßert, ob es sich bei NGC 7243 tat­säch­lich um einen ech­ten offe­nen Stern­hau­fen oder statt­des­sen um eine Ansamm­lung weit von­ein­an­der ent­fern­ter Ster­ne han­delt, ein so genann­ter Aste­ris­mus. Die­se sol­len nur auf­grund eines per­spek­ti­vi­schen Effekts als Grup­pe sicht­bar sein. Der Astro­me­trie-Satel­lit Hip­p­ar­cos hat die Eigen­be­we­gung eini­ger Kom­po­nen­ten des Stern­hau­fens gemes­sen. Es hat sich dabei her­aus­ge­stellt, dass nur weni­ge der Ster­ne, die inner­halb von 20 Bogen­mi­nu­ten vom ver­mu­te­ten Zen­trum des Stern­hau­fens sicht­bar sind, tat­säch­lich zusam­men­ge­hö­ren. Auf­grund die­ser Zwei­tei­lung wird außer­dem ver­mu­tet, dass es sich mög­li­cher­wei­se sogar um einen Dop­pel­stern­hau­fen han­deln könnte.

Beobachtung

Auf­grund sei­ner Hel­lig­keit ist der Stern­hau­fen unter einem dunk­len Land­him­mel bereits mit dem blo­ßen Auge als ver­schwom­me­ner Licht­fleck erkenn­bar. Er liegt in einem rela­tiv stern­ar­men Teil der Milch­stra­ße, in unmit­tel­ba­rer Nähe zu einer dich­ten Ansamm­lung von etwa einem Dut­zend Ster­nen der 7. Grö­ßen­klas­se. Die­se sol­len nicht mit dem Stern­hau­fen ver­wech­selt wer­den. Bei der Beob­ach­tung mit einem 7×50 oder 10×50 Feld­ste­cher erkennt man in einem rei­chen Ster­nen­feld bereits 6 bis 10 hel­le Mit­glieds­ster­ne in einem pfeil­för­mi­gen Mus­ter. Die­se kon­zen­trie­ren sich locker auf einer Flä­che von etwa zwei Drit­teln des Voll­mon­des. Mit einem 16×70 Fuji­non-Feld­ste­cher sind bis zu 20 Ster­ne erkenn­bar. Sie sind in einer drei­ecki­gen Form ange­ord­net und wer­den durch einen dunk­len Strei­fen geteilt. Die Grup­pe ähnelt auf den ers­ten Blick einem zer­bro­che­nen Herz.

Aufsuchkarte
Auf­such­kar­te für NGC 7243 – erstellt mit SkytechX

Mit einem 3 oder 4‑Zoll-Refrak­tor und einer 70-fachen Ver­grö­ße­rung nimmt der Stern­hau­fen das gesam­te Gesichts­feld ein. Er ist nun voll­stän­dig in sei­ne Ein­zel­ster­ne auf­ge­löst. NGC 7243 erscheint nun deut­lich zwei­ge­teilt. Im nord­west­li­chen Bereich erkennt man rund zehn hel­le­re Ster­ne, die sich drei­ecks­för­mig anord­nen. Im süd­west­li­chen Bereich sind bis zu 25 etwas schwä­che­re Ster­ne erkenn­bar, die eine Art Recht­eck und teil­wei­se halb­kreis­för­mi­ge Ster­nen­ket­te bil­den. Ein dunk­ler Bereich mit weni­gen Ster­nen teilt die­se bei­den Ster­nen­grup­pen von Nor­den nach Süden in zwei Hälf­ten. Im Zen­trum ist ein V‑förmiger Bereich erkenn­bar. Der öst­li­che Stern die­ser Grup­pe ist der hüb­sche Drei­fach­stern Struve 2890. Wei­te­re Ster­ne sind in weit aus­lau­fen­den Ket­ten ange­ord­net. Auf­fäl­lig ist vor allem ein nach Süden ver­lau­fen­der Spi­ral­arm. Mit noch grö­ße­ren Instru­men­ten von 6 bis 8‑Zoll Öff­nung erscheint der Stern­hau­fen etwas hel­ler. Er erscheint mit über 50 bis 70 Ster­nen nun sehr ster­nen­reich. Außer­dem hat er vie­le schwä­che­re Hin­ter­grund­ster­ne. Nur 4° süd­west­lich von NGC 7243 befin­det sich mit NGC 7209 ein wei­te­rer offe­ner Stern­hau­fen. Er ist mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 6,7 mag eben­falls bereits in Feld­ste­chern sicht­bar. Zwei Grad nord­öst­lich von NGC 7243 steht der pla­ne­ta­ri­sche Nebel IC 5217, mit einer Hel­lig­keit von 12 Magnituden.

NGC 7243 ist in unse­ren Brei­ten zir­kum­po­lar und kann am bes­ten in den Som­mer- und Herbst­mo­na­ten hoch am Nacht­him­mel beob­ach­tet wer­den. Der Stern­hau­fen ist rela­tiv ein­fach auf­zu­fin­den. Er befin­det sich 20° west­lich und 5° süd­lich von Deneb (Alpha Cyg, 1,3 mag) im Som­mer­stern­bild Schwan, 2 ½ Grad süd­west­lich von Alpha Lacer­tae (3,8 mag) sowie 1 ½ Grad nord­west­lich von 4 Lacer­tae (4,6 mag). Wir stel­len 4 Lac in die Sucher­mit­te ein. Nun soll­te der Stern­hau­fen in Rich­tung West-Nord­west bereits im Sucher sicht­bar und in knapp ein Dut­zend Ein­zel­ster­ne auf­ge­löst sein.

Auf­such­kar­te NGC 7243 (190,4 KiB, 88 Downloads)

Steckbrief für NGC 7243

Daten und Fak­ten für den offe­nen Stern­hau­fen NGC 7243 in der Eidech­se (Lacer­ta)
Objekt­na­meNGC 7243
Kata­log­be­zeich­nungOCL 221, Col­lin­der 448, Melot­te 240, Raab 148
Typoffe­ner Stern­hau­fen, IV 2 p
Stern­bildEidech­se (Lacer­ta)
Rekt­aszen­si­on (J2000.0)22h 15m 08,5s
Dekli­na­ti­on (J2000.0)+49° 53′ 51″
V Hel­lig­keit6,4 mag
Flä­chen­hel­lig­keit12,0 mag
Win­kel­aus­deh­nung30,0′
Anzahl der Sterne40
Hells­ter Stern8,5 mag
Durch­mes­ser17 Licht­jah­re
Ent­fer­nung2.630 Licht­jah­re
Beschrei­bungCl,L,P,lC,st vL; H VIII 75;Incl Struve 2890 D*
Ent­de­ckerFried­rich Wil­helm Her­schel, 1788
Stern­at­lan­tenCam­bridge Star Atlas: Chart 2 & 7
Inter­stel­larum Deep Sky Atlas: Chart 16 & 17
Mill­en­ni­um Star Atlas: Charts 1103–1104 (Vol III)
Pocket Sky Atlas: Chart 67
Sky Atlas 2000: Chart 9
Urano­me­tria 2nd Ed.: Chart 125

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert