Objekte des Monats: Der offene Sternhaufen NGC 2506

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Der offe­ne Stern­hau­fen NGC 2506, im Stern­bild Ein­horn (Mono­ce­ros), wur­de am 23. Febru­ar 1791 vom deutsch-bri­ti­schen Astro­no­men Fried­rich Wil­helm Her­schel mit­hil­fe sei­nes 18,7‑Zoll-Spiegelteleskops ent­deckt. Er beschrieb ihn als sehr kom­pri­mier­ten und rei­chen Stern­hau­fen beträcht­li­cher Grö­ße. Sein Sohn John beob­ach­te­te den Hau­fen am 9. März 1828 eben­falls. Er nahm ihn unter der Num­mer 1611 in sei­nen „Gene­ral Cata­lo­gue of Nebu­lae and Clus­ters” auf. Er beschrieb ihn als einen rei­chen, run­den und kom­pri­mier­ten Hau­fen mit hel­le­ren und schwä­che­ren Ster­nen, die neb­lig erschei­nen. Der iri­sche Astro­nom Lord Ros­se erkann­te in NGC 2506 eine Art Spi­ral­mus­ter. Im Cald­well-Kata­log von Sir Patrick Cald­well-Moo­re trägt er die Num­mer 54 und ist auf­grund sei­ner nur mäßig süd­li­chen Dekli­na­ti­on von bei­den Hemi­sphä­ren der Erde aus ohne Schwie­rig­kei­ten beobachtbar.

Ein prächtiger Sternhaufen am Rande der Milchstraße

NGC 2506 ist ein offe­ner Stern­hau­fen der Trüm­pler-Klas­se I2r, der sich durch zahl­rei­che Ster­ne, eine hohe Kon­zen­tra­ti­on und eine durch­schnitt­li­che Streu­ung der Hel­lig­keit sei­ner Mit­glie­der aus­zeich­net. Er bie­tet durch ein klei­nes Tele­skop einen beein­dru­cken­den Anblick und ist wahr­schein­lich der schöns­te offe­ne Stern­hau­fen im Stern­bild Mono­ce­ros. Er besitzt eine Aus­deh­nung von 12 Bogen­mi­nu­ten am Him­mel und eine schein­ba­re Hel­lig­keit von 7,6 mag. Damit ist der Stern­hau­fen bereits in Fern­glä­sern und klei­nen Tele­sko­pen ohne Pro­ble­me erkenn­bar. Laut aktu­el­len Mes­sun­gen der Raum­son­de Gaia steht NGC 2506 in einem Abstand von 10.100 Licht­jah­ren zur Erde.

Wenn man von sei­ner Ent­fer­nung aus­geht, besitzt er einen wah­ren Durch­mes­ser von rund 35 Licht­jah­ren. Mit einem Alter von rund 1,94 bis 2,01 Mil­li­ar­den Jah­ren gehört das Objekt zu den ältes­ten offe­nen Stern­hau­fen der Milch­stra­ße. Der offe­ne Stern­hau­fen NGC 752 im Stern­bild Andro­me­da ist unge­fähr gleich alt. Die berühm­ten Ple­ja­den (Mes­sier 45) im Stern­bild Stier sind mit 115 Mil­lio­nen Jah­ren ver­gleichs­wei­se jung. NGC 2506 ist jedoch bei Wei­tem nicht so alt wie Mes­sier 67 im Stern­bild Krebs, der ein Alter von 4 Mil­li­ar­den Jah­ren hat.

NGC 2506
NGC 2506 im Ein­horn – Auf­nah­me von Dani­el Ver­schat­se, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

Mit mehr als 150 sicht­ba­ren Mit­glieds­ster­nen ist NGC 2506 ein ver­gleichs­wei­ser rei­cher Stern­hau­fen, des­sen hells­te Ster­ne die 11. Grö­ßen­klas­se errei­chen. Eini­ge Quel­len geben etwa 800 Mit­glieds­ster­ne an, von denen die meis­ten eine schein­ba­re Hel­lig­keit von weni­ger als 13 mag auf­wei­sen. Die Raum­son­de Gaia ver­zeich­ne­te sogar 2.175 Hau­fen­mit­glie­der. Die Gesamt­mas­se von NGC 2506 wird auf rund 3.400 Son­nen­mas­sen geschätzt. Der Kern­ra­di­us und der Gezei­ten­ra­di­us des Hau­fens wur­den auf etwa 8 bzw. 145 Licht­jah­re bestimmt. NGC 2506 zeigt außer­dem Anzei­chen einer Mas­sen­se­gre­ga­ti­on: Die Mit­glie­der mit gerin­ge­rer Mas­se sind eher in den äuße­ren Tei­len des Stern­hau­fens zu fin­den. Im Zen­trum befin­den sich haupt­säch­lich Rie­sen und mas­se­rei­che Haupt­rei­hen­ster­ne. Dies ist das Ergeb­nis des Aus­tauschs kine­ti­scher Ener­gie wäh­rend der Begeg­nun­gen zwi­schen den ein­zel­nen Mitgliedssternen.

Mit­hil­fe von Gaia wur­den zudem zwei klar defi­nier­te Gezei­ten­schwei­fe mit einer Län­ge von bis zu 175 Licht­jah­ren ent­deckt. Die­se Schwei­fe las­sen sich nicht voll­stän­dig durch Mas­sen­se­gre­ga­ti­on und die „Ver­damp­fung“ von Ster­nen mit gerin­ger Mas­se auf­grund von Schwer­kraft­ein­flüs­sen unse­rer Milch­stra­ße und der Mit­glieds­ster­ne erklä­ren. Der Stern­hau­fen ent­hält vie­le Dop­pel­ster­ne: Rund 20 % der Mit­glie­der und rund die Hälf­te der Ster­ne in der Haupt­rei­he von NGC 2506 sind Dop­pel­ster­ne. Zwölf Blaue Nach­züg­ler, 14 Gam­ma-Dora­dus-Ver­än­der­li­che, zwei Bede­ckungs­ver­än­der­li­che und drei Del­ta-Scu­ti-Ster­ne wur­den eben­falls gefunden.

Wei­te­re Unter­su­chun­gen bele­gen, dass die Ster­ne in NGC 2506 nur einen Metall­an­teil von 30 % gegen­über der Son­ne besit­zen. Der dop­pelt so alte Stern­hau­fen Mes­sier 67 im Stern­bild Krebs hat dage­gen einen etwas höhe­ren Metall­an­teil. Dies ist dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass der Stern­hau­fen NGC 2506 signi­fi­kant wei­ter von der galak­ti­schen Ebe­ne ent­fernt ist als M 67. Denn mit zuneh­men­der Distanz zur galak­ti­schen Ebe­ne nimmt die Metal­li­zi­tät der Ster­ne ab. Hin­zu kommt, dass sei­ne radia­le Ent­fer­nung zum galak­ti­schen Zen­trum etwa 36.000 Licht­jah­re beträgt. NGC 2506 befin­det sich zudem in der Nähe des galak­ti­schen Anti­zen­trums im Per­seus-Spi­ral­arm, weit drau­ßen am Ran­de der Milch­stra­ße, rund 1.600 Licht­jah­re ober­halb der galak­ti­schen Ebe­ne unse­rer Heimatgalaxie. 

Die Umlauf­bahn von NGC 2506 um das galak­ti­sche Zen­trum ist rela­tiv wenig exzen­trisch. Das deu­tet dar­auf hin, dass der Stern­hau­fen sich nicht weit von sei­nem Ent­ste­hungs­ort ent­fernt hat. Aus die­sem Grund gilt er unter Astro­no­men als her­vor­ra­gen­des Bei­spiel für einen metall­ar­men offe­nen Stern­hau­fen außer­halb der Son­nen­um­ge­bung. Auf­grund sei­ner Zusam­men­set­zung ist er zudem ein idea­les Ziel für Stu­di­en zur Stern­ent­ste­hung und ‑ent­wick­lung. NGC 2506 beher­bergt Ster­ne, die vie­le Sta­di­en der Ein­zel­stern­ent­wick­lung deut­lich nachzeichnen.

Beobachtung

Der offe­ne Stern­hau­fen ist ein wun­der­ba­res Objekt und für Ama­teur­as­tro­no­men mit mit­tel­gro­ßen oder grö­ße­ren Tele­sko­pen für die Beob­ach­tung beson­ders gut geeig­net. NGC 2506 erscheint bereits in einem han­dels­üb­li­chen 7×50 oder 10×50 Fern­glas als aus­ge­dehn­ter, schwa­cher Nebel­fleck mit einem etwas hel­le­ren Zen­trum. Ein Tele­skop mit 3 bis 4‑Zoll Öff­nung zeigt unter einem dunk­len Land­him­mel mit gerin­ger Ver­grö­ße­rung von etwa 23-fach einen Kno­ten aus rund einem Dut­zend schwa­cher Ster­ne, die in einem neb­li­gen Hin­ter­grund ein­ge­bet­tet sind und rela­tiv eng zusam­men­ste­hen. Er erscheint mit die­ser Öff­nung und Ver­grö­ße­rung wie ein schwa­cher, ent­fern­ter kugel­för­mi­ger Stern­hau­fen. Die Ster­ne sind alle etwa gleich hell, aber extrem ungleich­mä­ßig ver­teilt. Vie­le von ihnen sind in Paa­ren angeordnet.

In Tele­sko­pen von 6 bis 8‑Zoll Öff­nung erkennt man einen rei­chen, leicht läng­li­chen und kon­zen­trier­ten Hau­fen, der sich in einer ster­nen­rei­chen Umge­bung befin­det. Bei einer Ver­grö­ße­rung von rund 100-fach erscheint der Stern­hau­fen ring- bis halb­mond­för­mig mit zwei Ster­nen der 11. Grö­ßen­klas­se an der west­li­chen Spit­ze. Außer­dem erkennt man ein klum­pi­ges Zen­trum sowie Ster­nen­ket­ten und spi­ral­för­mi­ge Arme, die vom Zen­trum aus­ge­hen – ein präch­ti­ger Anblick. Die Ster­ne im Zen­trum schei­nen vor allem im süd­li­chen Teil drei­ecks­för­mig ange­ord­net zu sein. Aus dem neb­li­gen Hin­ter­grund ste­chen ein hal­bes Dut­zend wei­te­rer Ster­ne der 11. Grö­ßen­klas­se her­aus. Eini­ge der Grup­pen ähneln grie­chi­schen Buch­sta­ben. Süd­lich des Hau­fens befin­det sich fer­ner ein schö­ner Doppelstern.

Aufscuchkarte NGC 2506
Auf­such­kar­te für NGC 2506 – erstellt mit SkytechX

Mit Tele­sko­pen mit einer Öff­nung von 10 bis 12-Zoll sind rund 100 sehr schwa­che Ein­zel­ster­ne der 12. bis 14. Grö­ßen­klas­se zu erken­nen. Vie­le wei­te­re Ster­ne der Magni­tu­de 12 oder schwä­cher schwe­ben über dem unauf­ge­lös­ten, nebu­lö­sen Dunst. Die Haupt­mas­se des Stern­hau­fens erscheint in Ost-West-Rich­tung ver­län­gert. Vor allem die Rän­der des Stern­hau­fens wir­ken kom­pak­ter als sein Zen­trum, mit zwei Kon­zen­tra­tio­nen im Osten und Wes­ten. Dort kon­zen­trie­ren sich die Ster­ne in wei­ten Paa­ren. Die 30 oder 40 Ster­ne, die man zuvor durch die klei­ne­re Öff­nung erblickt hat­te, fun­keln mit höhe­rer Ver­grö­ße­rung um 80-fach nun vor einem neb­li­gen Hin­ter­grund. Die­ser schim­mert wie ein dia­mant­be­setz­tes, schwar­zes Samt­tuch vor der Lee­re des Alls. Auch die Zwi­schen­räu­me zwi­schen den gewun­de­nen Ster­nen­rei­hen wir­ken nun grö­ßer und dunk­ler. Bei noch höhe­ren Ver­grö­ße­run­gen ver­schmilzt die äuße­re Hül­le des Stern­hau­fens mit dem Hin­ter­grund der Milch­stra­ße. Nur 1 ¾ Grad süd­öst­lich des Stern­hau­fens befin­det sich die hüb­sche Bal­ken­spi­ral­ga­la­xie NGC 2525 mit einer Hel­lig­keit von 11,6 mag. Sie kann ab einer Tele­s­ko­pöff­nung von 5 bis 6‑Zoll auf­ge­fun­den werden.

NGC 2506 ist am bes­ten in den Win­ter­mo­na­ten zu beob­ach­ten, wenn das Stern­bild Mono­ce­ros über dem süd­li­chen Hori­zont kul­mi­niert. Aller­dings erreicht der Stern­hau­fen bei uns nur eine maxi­ma­le Höhe von 29 Grad über dem Süd­ho­ri­zont. Er befin­det sich im süd­öst­li­chen Teil des Stern­bilds, nur ein hal­bes Grad von der Gren­ze zum Stern­bild Ach­ter­deck (Pup­pis) und weni­ger als drei Grad von der Gren­ze zur Was­ser­schlan­ge (Hydra) ent­fernt. Auf­grund sei­ner Posi­ti­on in einem Bereich am Him­mel, der nur sehr schwa­che Ster­ne ent­hält, ist das Auf­su­chen von NGC 2506 eben­falls nicht gera­de ein­fach. Um ihn zu fin­den, kann man von Mes­sier 48 aus star­ten und sich dann etwa 6 ½ Grad in süd­west­li­cher Rich­tung bewe­gen. Das berühm­te offe­ne Stern­hau­fen­paar Mes­sier 46 und Mes­sier 47 ist 6° süd­west­lich von NGC 2506 posi­tio­niert. Wir stel­len den 3,9 mag hel­len Alpha Mono­ce­ro­tis, den hells­ten Stern im Stern­bild Ein­horn, in die Sucher­mit­te ein. Anschlie­ßend schwen­ken wir das Tele­skop knapp 5° nach Süd­os­ten. Nur 3 ½ Grad süd­öst­lich von NGC 2506 befin­den sich der 4,7 mag hel­le Stern 19 Pup­pis und in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Stern der recht locker erschei­nen­de Stern­hau­fen NGC 2539. Die­ser steht mit einer Ent­fer­nung von 4.400 Licht­jah­ren aller­dings weit im Vordergrund.

Auf­such­kar­te NGC 2506 (92,1 KiB, 23 hits)

Steckbrief für NGC 2506

Daten und Fak­ten für den offe­nen Stern­hau­fen NGC 2506 im Ein­horn (Mono­ce­ros)
Objekt­na­meNGC 2506
Kata­log­be­zeich­nungCol­lin­der 170, Melot­te 80, Raab 67, OCL 593
Typoffe­ner Stern­hau­fen, I 2 r
Stern­bildEin­horn (Mono­ce­ros)
Rekt­aszen­si­on (J2000.0)08h 00m 01,7s
Dekli­na­ti­on (J2000.0)-10° 46′ 11″
V Hel­lig­keit7,6 mag
Win­kel­aus­deh­nung7,0′
Anzahl der Sterne150
Hells­ter Stern10,8 mag
Durch­mes­ser35 Licht­jah­re
Ent­fer­nung10.100 Licht­jah­re
Beschrei­bungCl,pL,vRi,C,*11…20; H VI 37
Ent­de­ckerFried­rich Wil­helm Her­schel, 1791
Stern­at­lan­tenCam­bridge Star Atlas: Chart 9 & 10
Inter­stel­larum Deep Sky Atlas: Chart 71 & 72
Mill­en­ni­um Star Atlas: Charts 833–834 (Vol II)
Pocket Sky Atlas: Chart 26
Sky Atlas 2000: Chart 12
Urano­me­tria 2nd Ed.: Chart 134

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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