Dieses atemberaubende Bild des NASA/ESA-Weltraumteleskops Hubble zeigt ein faszinierendes Licht- und Schattenspiel im Eiernebel (Egg Nebula), der von frisch ausgestoßenem Sternenstaub geformt wurde. Der Eiernebel befindet sich etwa 1.000 Lichtjahre entfernt im Sternbild Schwan und zeichnet sich durch einen Zentralstern aus, der von einer dichten Staubwolke verhüllt wird. Nur die Schärfe des Hubble-Teleskops kann die komplexen Details enthüllen, die Aufschluss über die Prozesse geben, die diese rätselhafte Struktur formen.
Der Eiernebel, auch bekannt als CRL 2688, befindet sich im Sternbild Cygnus (Schwan). Er ist der erste, jüngste und nächstgelegene präplanetarische Nebel, der jemals entdeckt wurde [1].

Der Eiernebel bietet eine seltene Gelegenheit, Theorien zur späten Sternentwicklung zu überprüfen. In dieser frühen Phase leuchtet der Nebel, indem er Licht von seinem Zentralstern reflektiert, das durch ein polares „Auge“ im umgebenden Staub austritt. Dieses Licht stammt von einer Staubscheibe, die sich erst vor wenigen Jahrhunderten von der Sternoberfläche abgelöst hat. Zwei Strahlen des sterbenden Sterns erleuchten schnell wandernde Pollarlppen, die eine langsamere, ältere Reihe konzentrischer Bögen durchdringen. Ihre Formen und Bewegungen deuten auf gravitative Wechselwirkungen mit einem oder mehreren verborgenen Begleitsternen hin, die alle tief im Inneren der dichten Sternenstaubscheibe verborgen sind.
Sterne wie unsere Sonne werfen ihre äußeren Schichten ab, wenn sie ihren Wasserstoff- und Heliumvorrat aufgebraucht haben. Der freigelegte Kern wird so heiß, dass er das umgebende Gas ionisiert und die leuchtenden Hüllen erzeugt, die in planetarischen Nebeln wie dem Helix‑, Stachelrochen- und Schmetterlingsnebel zu sehen sind. Der kompakte Eiernebel befindet sich jedoch noch in einer kurzen Übergangsphase – bekannt als präplanetares Stadium –, die nur wenige tausend Jahre dauert. Dies macht ihn zu einem idealen Ziel, um den Ausstoßprozess zu untersuchen, solange die Spuren noch frisch sind.
Die symmetrischen Muster, die Hubble eingefangen hat, sind zu symmetrisch, um von einer gewaltigen Explosion wie einer Supernova zu stammen. Stattdessen stammen die Bögen, Lappen und die zentrale Staubwolke wahrscheinlich von einer koordinierten Reihe noch nicht vollständig verstandener Staubausbrüche im kohlenstoffreichen Kern des sterbenden Sterns. Solche gealterten Sterne erzeugten und setzten den Staub frei, aus dem schließlich zukünftige Sternensysteme wie unser eigenes Sonnensystem entstanden, das sich vor 4,5 Milliarden Jahren zur Erde und anderen Gesteinsplaneten zusammenschloss.
Hubble hat sich bereits zuvor dem Eiernebel zugewandt. Ein erstes Bild im sichtbaren Licht von WFPC2 wurde 1997 durch ein Bild im nahen Infrarot von NICMOS ergänzt, das einen genaueren Blick auf das vom Nebel ausgestrahlte Licht ermöglichte. Im Jahr 2003 lieferte ACS eine neue Ansicht des Eies, die das gesamte Ausmaß der Staubwellen um ihn herum zeigte. Ein weiteres Bild des Hubble-Instruments WFC3 aus dem Jahr 2012 zoomte auf die zentrale Staubwolke und dramatische Gasausflüsse. Dieses neue Bild kombiniert die Daten, die zur Erstellung des Bildes von 2012 verwendet wurden, mit zusätzlichen Beobachtungen aus demselben Programm, um den bisher klarsten Blick auf dieses komplexe kosmische Ei zu ermöglichen.
Die in diesem Bild verwendeten Daten wurden so gewonnen, dass sie direkt mit früheren Beobachtungen verglichen werden konnten. Die hohe Auflösung des Hubble-Teleskops ermöglicht es Astronomen, durch den Vergleich neuer und alter Bilder zu untersuchen, wie sich kleine Details in der staubigen Hülle des Nebels im Laufe des letzten Jahrzehnts und darüber hinaus entwickelt haben. Diese Forschung trägt zu besseren wissenschaftlichen Modellen von planetarischen Nebeln bei und ermöglicht es Astronomen, die Entwicklung aller Arten ähnlicher Sternausbrüche präzise zu berechnen.
Die Möglichkeit, ein so bemerkenswertes Himmelsobjekt wie den Eiernebel über Jahrzehnte hinweg immer wieder zu beobachten, ist ein Vorteil der Fülle an hochwertigen Daten des Hubble-Weltraumteleskops. Mit seinen vielfältigen Fähigkeiten und seiner nunmehr über 35-jährigen Betriebszeit ist es unter den astronomischen Observatorien wahrlich einzigartig.
Anmerkungen
[1] Ein präplanetarischer Nebel ist ein Vorläuferstadium eines planetarischen Nebels. Dieser besteht aus Gas und Staub, die aus den ausgestoßenen Schichten eines sterbenden, sonnenähnlichen Sterns entstehen. Die Bezeichnung ist irreführend, da planetarische Nebel nicht mit Planeten in Verbindung stehen.
Hintergrundinformationen
Das Hubble-Weltraumteleskop ist ein Projekt der internationalen Zusammenarbeit zwischen ESA und NASA.
Bildnachweis: ESA/Hubble & NASA, B. Balick (Universität Washington)
Links
Link zur ESA-Pressemitteilung heic2604











Hallo Dieter, vielen Dank... :)