Hubble enthüllt die verborgene Dynamik des Eiernebels

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Die­ses atem­be­rau­ben­de Bild des NASA/E­SA-Welt­raum­te­le­skops Hub­ble zeigt ein fas­zi­nie­ren­des Licht- und Schat­ten­spiel im Eier­ne­bel (Egg Nebu­la), der von frisch aus­ge­sto­ße­nem Ster­nen­staub geformt wur­de. Der Eier­ne­bel befin­det sich etwa 1.000 Licht­jah­re ent­fernt im Stern­bild Schwan und zeich­net sich durch einen Zen­tral­stern aus, der von einer dich­ten Staub­wol­ke ver­hüllt wird. Nur die Schär­fe des Hub­ble-Tele­skops kann die kom­ple­xen Details ent­hül­len, die Auf­schluss über die Pro­zes­se geben, die die­se rät­sel­haf­te Struk­tur formen.

Der Eier­ne­bel, auch bekannt als CRL 2688, befin­det sich im Stern­bild Cyg­nus (Schwan). Er ist der ers­te, jüngs­te und nächst­ge­le­ge­ne prä­pla­ne­ta­ri­sche Nebel, der jemals ent­deckt wur­de [1].

Eiernebel
Die­ses neu bear­bei­te­te Bild des Hub­ble-Welt­raum­te­le­skops der NASA/ESA ist die bis­lang klars­te Auf­nah­me des Eier­ne­bels. Es han­delt sich um einen prä­pla­ne­ta­ri­schen Nebel, eine Struk­tur aus Gas und Staub, die ent­steht, wenn ein son­nen­ähn­li­cher Stern sich dem Ende sei­nes Lebens nähert. – Cre­dit: ESA/Hubble & NASA, B. Balick (Uni­ver­si­tät von Washington)

Der Eier­ne­bel bie­tet eine sel­te­ne Gele­gen­heit, Theo­rien zur spä­ten Stern­ent­wick­lung zu über­prü­fen. In die­ser frü­hen Pha­se leuch­tet der Nebel, indem er Licht von sei­nem Zen­tral­stern reflek­tiert, das durch ein pola­res „Auge“ im umge­ben­den Staub aus­tritt. Die­ses Licht stammt von einer Staub­schei­be, die sich erst vor weni­gen Jahr­hun­der­ten von der Stern­ober­flä­che abge­löst hat. Zwei Strah­len des ster­ben­den Sterns erleuch­ten schnell wan­dern­de Pol­larlp­pen, die eine lang­sa­me­re, älte­re Rei­he kon­zen­tri­scher Bögen durch­drin­gen. Ihre For­men und Bewe­gun­gen deu­ten auf gra­vi­ta­ti­ve Wech­sel­wir­kun­gen mit einem oder meh­re­ren ver­bor­ge­nen Begleit­ster­nen hin, die alle tief im Inne­ren der dich­ten Ster­nen­staub­schei­be ver­bor­gen sind.

Ster­ne wie unse­re Son­ne wer­fen ihre äuße­ren Schich­ten ab, wenn sie ihren Was­ser­stoff- und Heli­um­vor­rat auf­ge­braucht haben. Der frei­ge­leg­te Kern wird so heiß, dass er das umge­ben­de Gas ioni­siert und die leuch­ten­den Hül­len erzeugt, die in pla­ne­ta­ri­schen Nebeln wie dem Helix‑, Sta­chel­ro­chen- und Schmet­ter­lings­ne­bel zu sehen sind. Der kom­pak­te Eier­ne­bel befin­det sich jedoch noch in einer kur­zen Über­gangs­pha­se – bekannt als prä­pla­ne­ta­res Sta­di­um –, die nur weni­ge tau­send Jah­re dau­ert. Dies macht ihn zu einem idea­len Ziel, um den Aus­stoß­pro­zess zu unter­su­chen, solan­ge die Spu­ren noch frisch sind.

Die sym­me­tri­schen Mus­ter, die Hub­ble ein­ge­fan­gen hat, sind zu sym­me­trisch, um von einer gewal­ti­gen Explo­si­on wie einer Super­no­va zu stam­men. Statt­des­sen stam­men die Bögen, Lap­pen und die zen­tra­le Staub­wol­ke wahr­schein­lich von einer koor­di­nier­ten Rei­he noch nicht voll­stän­dig ver­stan­de­ner Staub­aus­brü­che im koh­len­stoff­rei­chen Kern des ster­ben­den Sterns. Sol­che geal­ter­ten Ster­ne erzeug­ten und setz­ten den Staub frei, aus dem schließ­lich zukünf­ti­ge Ster­nen­sys­te­me wie unser eige­nes Son­nen­sys­tem ent­stan­den, das sich vor 4,5 Mil­li­ar­den Jah­ren zur Erde und ande­ren Gesteins­pla­ne­ten zusammenschloss.

Hub­ble hat sich bereits zuvor dem Eier­ne­bel zuge­wandt. Ein ers­tes Bild im sicht­ba­ren Licht von WFPC2 wur­de 1997 durch ein Bild im nahen Infra­rot von NICMOS ergänzt, das einen genaue­ren Blick auf das vom Nebel aus­ge­strahl­te Licht ermög­lich­te. Im Jahr 2003 lie­fer­te ACS eine neue Ansicht des Eies, die das gesam­te Aus­maß der Staub­wel­len um ihn her­um zeig­te. Ein wei­te­res Bild des Hub­ble-Instru­ments WFC3 aus dem Jahr 2012 zoom­te auf die zen­tra­le Staub­wol­ke und dra­ma­ti­sche Gas­aus­flüs­se. Die­ses neue Bild kom­bi­niert die Daten, die zur Erstel­lung des Bil­des von 2012 ver­wen­det wur­den, mit zusätz­li­chen Beob­ach­tun­gen aus dem­sel­ben Pro­gramm, um den bis­her klars­ten Blick auf die­ses kom­ple­xe kos­mi­sche Ei zu ermöglichen.

Die in die­sem Bild ver­wen­de­ten Daten wur­den so gewon­nen, dass sie direkt mit frü­he­ren Beob­ach­tun­gen ver­gli­chen wer­den konn­ten. Die hohe Auf­lö­sung des Hub­ble-Tele­skops ermög­licht es Astro­no­men, durch den Ver­gleich neu­er und alter Bil­der zu unter­su­chen, wie sich klei­ne Details in der stau­bi­gen Hül­le des Nebels im Lau­fe des letz­ten Jahr­zehnts und dar­über hin­aus ent­wi­ckelt haben. Die­se For­schung trägt zu bes­se­ren wis­sen­schaft­li­chen Model­len von pla­ne­ta­ri­schen Nebeln bei und ermög­licht es Astro­no­men, die Ent­wick­lung aller Arten ähn­li­cher Stern­aus­brü­che prä­zi­se zu berechnen.

Die Mög­lich­keit, ein so bemer­kens­wer­tes Him­mels­ob­jekt wie den Eier­ne­bel über Jahr­zehn­te hin­weg immer wie­der zu beob­ach­ten, ist ein Vor­teil der Fül­le an hoch­wer­ti­gen Daten des Hub­ble-Welt­raum­te­le­skops. Mit sei­nen viel­fäl­ti­gen Fähig­kei­ten und sei­ner nun­mehr über 35-jäh­ri­gen Betriebs­zeit ist es unter den astro­no­mi­schen Obser­va­to­ri­en wahr­lich einzigartig.

Anmerkungen

[1] Ein prä­pla­ne­ta­ri­scher Nebel ist ein Vor­läu­fer­sta­di­um eines pla­ne­ta­ri­schen Nebels. Die­ser besteht aus Gas und Staub, die aus den aus­ge­sto­ße­nen Schich­ten eines ster­ben­den, son­nen­ähn­li­chen Sterns ent­ste­hen. Die Bezeich­nung ist irre­füh­rend, da pla­ne­ta­ri­sche Nebel nicht mit Pla­ne­ten in Ver­bin­dung stehen. 

Hintergrundinformationen

Das Hub­ble-Welt­raum­te­le­skop ist ein Pro­jekt der inter­na­tio­na­len Zusam­men­ar­beit zwi­schen ESA und NASA.

Bild­nach­weis: ESA/Hubble & NASA, B. Balick (Uni­ver­si­tät Washington)

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung heic2604

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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