Webb enthüllt die Feinheiten des Helixnebels

  • Letz­te Ände­rung:4 Wochen 
  • Lese­zeit:3Minu­ten
  • Wör­ter:785
  • Bei­trags­auf­ru­fe:501

Der Helix­ne­bel, der Anfang des 19. Jahr­hun­derts erst­mals ent­deckt wur­de, zählt auf­grund sei­ner mar­kan­ten, ring­för­mi­gen Gestalt zu den bekann­tes­ten pla­ne­ta­ri­schen Nebeln am Him­mel. Als einer der erd­nächs­ten pla­ne­ta­ri­schen Nebel ist er ein belieb­tes Beob­ach­tungs­ob­jekt für Astro­no­men, die mit boden- und welt­raum­ge­stütz­ten Tele­sko­pen die letz­ten Momen­te eines ster­ben­den Sterns bis ins kleins­te Detail erfor­schen. Das James-Webb-Welt­raum­te­le­skop von NASA, ESA und CSA hat die­se Stu­di­en nun auf ein neu­es Niveau geho­ben und lie­fert die bis­her klars­ten Infra­rot­auf­nah­men die­ses bekann­ten Objekts.

Webb hat den Helix­ne­bel her­an­ge­zoomt, um einen genau­en Blick auf das mög­li­che Schick­sal unse­rer eige­nen Son­ne und unse­res Pla­ne­ten­sys­tems zu wer­fen. In Webbs hoch­auf­lö­sen­der Auf­nah­me kommt die Struk­tur des Gases, das von einem ster­ben­den Stern abge­sto­ßen wird, voll zur Gel­tung. Das Bild zeigt, wie Ster­ne ihr Mate­ri­al zurück in den Kos­mos recy­celn und damit den Grund­stein für zukünf­ti­ge Gene­ra­tio­nen von Ster­nen und Pla­ne­ten legen.

Helixnebel (Detail)
Das Bild des James-Webb-Welt­raum­te­le­skops von einem Teil des Helix­ne­bels zeigt kome­ten­ähn­li­che Kno­ten, hef­ti­ge Stern­win­de und Gas­schich­ten, die von einem ster­ben­den Stern abge­sto­ßen wer­den, der mit sei­ner Umge­bung inter­agiert. Das Bild von Webb zeigt auch den star­ken Über­gang zwi­schen dem hei­ßes­ten und dem käl­tes­ten Gas, wäh­rend sich die Hül­le vom zen­tra­len Wei­ßen Zwerg aus aus­dehnt. – Cre­dit: NASA, ESA, CSA, STScI, A. Pagan (STScI)

Auf dem Bild von Webbs NIR­Cam (Nahin­fra­rot­ka­me­ra) zeich­nen Säu­len, die wie Kome­ten mit lan­gen Schwei­fen aus­se­hen, den Umfang des inne­ren Bereichs einer sich aus­deh­nen­den Gas­hül­le nach. Hier pral­len glü­hen­de Win­de aus hei­ßem Gas des ster­ben­den Sterns auf käl­te­re Hül­len aus Staub und Gas, die er zu Beginn sei­nes Lebens abge­sto­ßen hat, und for­men so die bemer­kens­wer­te Struk­tur des Nebels.

Der iko­ni­sche Helix­ne­bel wur­de seit sei­ner Ent­de­ckung vor fast zwei Jahr­hun­der­ten von vie­len boden- und welt­raum­ge­stütz­ten Obser­va­to­ri­en abge­bil­det. Webbs Nahin­fra­rot­auf­nah­me des Objekts rückt die­se Kno­ten im Ver­gleich zu den äthe­ri­schen Bil­dern des Hub­ble-Welt­raum­te­le­skops der NASA/ESA in den Vor­der­grund. Dar­über hin­aus zeigt die neue Nahin­fra­rot­auf­nah­me den star­ken Über­gang zwi­schen dem hei­ßes­ten und dem käl­tes­ten Gas, wäh­rend sich die Hül­le vom zen­tra­len Wei­ßen Zwerg aus ausdehnt.

Helixnebel
Die­ses Bild des Helix­ne­bels vom Visi­ble and Infrared Telescope for Astro­no­my (links) zeigt die voll­stän­di­ge Ansicht des pla­ne­ta­ri­schen Nebels. – Cre­dit: NASA, ESA, CSA, STScI, A. Pagan (STScI)

Die­ser glei­ßend hel­le Wei­ße Zwerg, der Über­rest des ster­ben­den Sterns, liegt mit­ten im Nebel, außer­halb des Bild­aus­schnitts des Webb-Tele­skops. Sei­ne inten­si­ve Strah­lung erhellt das umge­ben­de Gas und erzeugt ein far­ben­präch­ti­ges Spek­trum an Struk­tu­ren: hei­ßes, ioni­sier­tes Gas in unmit­tel­ba­rer Nähe des Wei­ßen Zwergs, küh­le­rer mole­ku­la­rer Was­ser­stoff wei­ter außen und schüt­zen­de Berei­che, in denen sich in Staub­wol­ken kom­ple­xe­re Mole­kü­le bil­den kön­nen. Die­se Wech­sel­wir­kung ist von ent­schei­den­der Bedeu­tung, denn sie lie­fert das Aus­gangs­ma­te­ri­al, aus dem in ande­ren Stern­sys­te­men eines Tages neue Pla­ne­ten ent­ste­hen könnten.

Auf Webbs Auf­nah­me des Helix­ne­bels reprä­sen­tiert die Far­be die­se Tem­pe­ra­tur und che­mi­sche Zusam­men­set­zung. Ein Hauch von Blau mar­kiert das hei­ßes­te Gas­feld, das von inten­si­vem ultra­vio­let­tem Licht ange­regt wird. Wei­ter außen kühlt das Gas ab und bil­det gel­be Berei­che, in denen sich Was­ser­stoff­ato­me zu Mole­kü­len ver­bin­den. An den äuße­ren Rän­dern zeich­nen die röt­li­chen Töne das kühls­te Mate­ri­al nach, wo das Gas dün­ner wird und sich Staub bil­den kann. Die Far­ben zei­gen gemein­sam, wie der letz­te Atem­zug des Sterns die Grund­bau­stei­ne​für neue Wel­ten bil­det und so das durch das Webb-Tele­skop gewon­ne­ne Wis­sen über die Ent­ste­hung von Pla­ne­ten erweitert.

Der Helix­ne­bel (NGC 7293) befin­det sich 650 Licht­jah­re von der Erde ent­fernt im Stern­bild Was­ser­mann. Auf­grund sei­ner rela­ti­ven Nähe zur Erde und sei­nes mar­kan­ten Aus­se­hens ist er nach wie vor ein belieb­tes Objekt für Hob­by­as­tro­no­men und pro­fes­sio­nel­le Astronomen.

Hintergrundinformationen

Webb ist das größ­te und leis­tungs­stärks­te Tele­skop, das jemals ins All geschickt wur­de. Im Rah­men eines inter­na­tio­na­len Koope­ra­ti­ons­ab­kom­mens stell­te die ESA den Start­dienst für das Tele­skop mit der Trä­ger­ra­ke­te Aria­ne 5 bereit. In Zusam­men­ar­beit mit Part­nern war die ESA für die Ent­wick­lung und Qua­li­fi­zie­rung der Anpas­sun­gen der Aria­ne 5 für die Webb-Mis­si­on sowie für die Beschaf­fung des Start­diens­tes durch Aria­nespace ver­ant­wort­lich. Die ESA stell­te auch den Spek­tro­gra­fen NIR­Spec und 50 % des Mit­tel­in­fra­rot-Instru­ments MIRI zur Ver­fü­gung, das von einem Kon­sor­ti­um natio­nal finan­zier­ter euro­päi­scher Insti­tu­te (dem MIRI Euro­pean Con­sor­ti­um) in Zusam­men­ar­beit mit dem JPL und der Uni­ver­si­ty of Ari­zo­na ent­wi­ckelt und gebaut wurde.

Webb ist eine inter­na­tio­na­le Part­ner­schaft zwi­schen der NASA, der ESA und der Cana­di­an Space Agen­cy (CSA).

Bild­nach­weis: NASA, ESA, CSA, STScI, A. Pagan (STScI)

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung weic2601

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert