Webb enthüllt Supernova-Vorläufer in der Galaxie NGC 1637

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Astro­no­men haben erst­mals mit­hil­fe von Bil­dern des James-Webb-Welt­raum­te­le­skops der NASA/ESA/CSA einen Super­no­va-Vor­läu­fer iden­ti­fi­ziert, der mit kei­nem ande­ren Tele­skop sicht­bar war: einen Roten Über­rie­sen in einer nahen Gala­xie. Die Umge­bung des Über­rie­sen war über­ra­schend stau­big – so stau­big, dass er für das Hub­ble-Welt­raum­te­le­skop der NASA/ESA unsicht­bar war.

Vor 40 Mil­lio­nen Jah­ren explo­dier­te ein Stern in einer nahen Gala­xie und schleu­der­te Mate­rie durch den Welt­raum, wodurch ein hel­les Licht­si­gnal ent­stand. Die­ses Licht durch­quer­te den Kos­mos und erreich­te die Erde am 29. Juni 2025, wo es vom All-Sky Auto­ma­ted Sur­vey for Super­no­vae (ASASS) ent­deckt wur­de. Astro­no­men kon­zen­trier­ten sich sofort auf die­se neue Super­no­va mit der Bezeich­nung SN 2025pht, um mehr über sie zu erfah­ren. Ein Wis­sen­schaft­ler­team hin­ge­gen durch­such­te Archi­ve und ver­such­te anhand von Auf­nah­men vor der Super­no­va, den explo­dier­ten Stern unter vie­len zu iden­ti­fi­zie­ren. Und sie hat­ten Erfolg.

SN 2025pht in NGC 1637
Das Haupt­bild links zeigt eine kom­bi­nier­te Ansicht der Spi­ral­ga­la­xie NGC 1637 von Webb und Hub­ble, wobei der inter­es­sie­ren­de Bereich oben rechts zu sehen ist. Die übri­gen drei Fel­der zei­gen eine Detail­an­sicht eines roten Über­rie­sen­sterns vor und nach sei­ner Explo­si­on. Der Stern ist auf dem Hub­ble-Bild vor der Explo­si­on nicht zu sehen, erscheint jedoch auf dem Webb-Bild. Die Ansicht von Hub­ble aus dem Juli 2025 zeigt die leuch­ten­den Nach­wir­kun­gen der Explo­si­on. – Cre­dit: NASA, ESA, CSA, STScI, C. Kil­pa­trick (Nor­thwes­tern), A. Suresh (Nor­thwes­tern); Image Pro­ces­sing: J. DePas­qua­le (STScI)

Bil­der der Gala­xie NGC 1637, auf­ge­nom­men vom James-Webb-Welt­raum­te­le­skop, zeig­ten einen ein­zel­nen roten Über­rie­sen­stern, der sich genau dort befand, wo die Super­no­va auf­leuch­te­te. Dies ist die ers­te ver­öf­fent­lich­te Ent­de­ckung eines Super­no­va-Vor­läu­fers durch Webb. Die Ergeb­nis­se wur­den im Astro­phy­si­cal Jour­nal Let­ters ver­öf­fent­licht.

„Wir haben dar­auf gewar­tet, dass dies geschieht – dass eine Super­no­va in einer Gala­xie explo­diert, die Webb bereits beob­ach­tet hat­te. Wir haben die Daten­sät­ze von Hub­ble und Webb kom­bi­niert, um die­sen Stern zum ers­ten Mal voll­stän­dig zu cha­rak­te­ri­sie­ren“, sag­te Haupt­au­tor Char­lie Kil­pa­trick von der Nor­thwes­tern Uni­ver­si­ty in den USA.

Der Fall der verschwundenen roten Überriesen

Durch die prä­zi­se Aus­rich­tung von Hub­ble- und Webb-Auf­nah­men von NGC 1637 konn­te das Team den Vor­läu­fer­stern auf Bil­dern iden­ti­fi­zie­ren, die 2024 mit dem MIRI (Mid-Infrared Instru­ment) und der NIR­Cam (Near-Infrared Came­ra) des Webb-Tele­skops auf­ge­nom­men wur­den. Sie stell­ten fest, dass der Stern über­ra­schend rot erschien – ein Hin­weis dar­auf, dass er von Staub umge­ben war, der kür­ze­re, blaue Wel­len­län­gen des Lichts blockierte.

„Es ist der röt­lichs­te und stau­bigs­te rote Über­rie­se, den wir je als Super­no­va explo­die­ren sahen“, sag­te Dok­to­rand und Co-Autor Aswin Suresh von der Nor­thwes­tern University.

Die­ser Staub­über­schuss könn­te ein lan­ge bestehen­des Pro­blem in der Astro­no­mie erklä­ren, das als Fall der feh­len­den roten Über­rie­sen bezeich­net wer­den könn­te. Astro­no­men erwar­ten, dass die mas­se­reichs­ten Ster­ne, die als Super­no­vae explo­die­ren, auch die hells­ten und leucht­kräf­tigs­ten sind. Daher soll­ten sie auf Bil­dern vor der Super­no­va leicht zu iden­ti­fi­zie­ren sein. Dies war jedoch bis­her nicht der Fall.

Eine mög­li­che Erklä­rung ist, dass die mas­se­reichs­ten altern­den Ster­ne auch die stau­bigs­ten sind. Sind sie von gro­ßen Staub­men­gen umge­ben, könn­te ihr Licht so stark abge­schwächt sein, dass es nicht mehr nach­weis­bar ist. Die Webb-Beob­ach­tun­gen der Super­no­va 2025pht stüt­zen die­se Hypothese.

„Ich habe die­se Inter­pre­ta­ti­on schon län­ger befür­wor­tet, aber selbst ich hät­te nicht erwar­tet, dass sie so extrem aus­fällt wie bei der Super­no­va 2025pht. Das wür­de erklä­ren, war­um die­se mas­se­rei­che­ren Über­rie­sen feh­len, da sie ten­den­zi­ell stau­bi­ger sind“, sag­te Kilpatrick.

Kohlenstoff-„Rülpser“

Das Team war nicht nur von der Staub­men­ge über­rascht, son­dern auch von ihrer Zusam­men­set­zung. Com­pu­ter­mo­del­le, die auf die Webb-Beob­ach­tun­gen ange­wen­det wur­den, deu­te­ten dar­auf hin, dass der Staub wahr­schein­lich koh­len­stoff­reich ist, wäh­rend Astro­no­men eher einen sili­katrei­chen Anteil erwar­tet hät­ten. Das Team ver­mu­tet, dass die­ser Koh­len­stoff kurz vor der Explo­si­on aus dem Inne­ren des Sterns frei­ge­setzt wurde.

„Beob­ach­tun­gen im mitt­le­ren Infra­rot­be­reich waren ent­schei­dend, um die Art des beob­ach­te­ten Staubs ein­zu­gren­zen“, füg­te Suresh hinzu.

Das Team sucht nun nach ähn­li­chen roten Über­rie­sen, die in Zukunft als Super­no­vae explo­die­ren könnten.

Hintergrundinformationen

Webb ist das größ­te und leis­tungs­stärks­te Tele­skop, das jemals ins All geschickt wur­de. Im Rah­men eines inter­na­tio­na­len Koope­ra­ti­ons­ab­kom­mens stell­te die ESA den Start­dienst für das Tele­skop mit der Trä­ger­ra­ke­te Aria­ne 5 bereit. In Zusam­men­ar­beit mit Part­nern war die ESA für die Ent­wick­lung und Qua­li­fi­zie­rung der Anpas­sun­gen der Aria­ne 5 für die Webb-Mis­si­on sowie für die Beschaf­fung des Start­diens­tes durch Aria­nespace ver­ant­wort­lich. Die ESA stell­te auch den Spek­tro­gra­fen NIR­Spec und 50 % des Mit­tel­in­fra­rot-Instru­ments MIRI zur Ver­fü­gung, das von einem Kon­sor­ti­um natio­nal finan­zier­ter euro­päi­scher Insti­tu­te (dem MIRI Euro­pean Con­sor­ti­um) in Zusam­men­ar­beit mit dem JPL und der Uni­ver­si­ty of Ari­zo­na ent­wi­ckelt und gebaut wurde.

Webb ist eine inter­na­tio­na­le Part­ner­schaft zwi­schen der NASA, der ESA und der Cana­di­an Space Agen­cy (CSA).

Bild­nach­weis: Bild: NASA, ESA, CSA, STScI, C. Kil­pa­trick (Nor­thwes­tern), A. Suresh (Nor­thwes­tern); Bild­be­ar­bei­tung: J. DePas­qua­le (STScI)

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung weic2604

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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