Webb bestätigt Gammastrahlenausbruch im jungen Universum

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Das James-Webb-Welt­raum­te­le­skop von NASA, ESA und CSA hat die Quel­le eines extrem hel­len Licht­blit­zes, eines soge­nann­ten Gam­ma­strah­len­aus­bruch im Stern­bild Jung­frau, bestä­tigt. Die­ser ent­stand durch die Explo­si­on eines mas­se­rei­chen Sterns, als das Uni­ver­sum erst 730 Mil­lio­nen Jah­re alt war. Zum ers­ten Mal bei einem so weit ent­fern­ten Ereig­nis gelang es dem Tele­skop, die Hei­mat­ga­la­xie der Super­no­va zu ent­de­cken. Die schnel­len Beob­ach­tun­gen von Webb bestä­tig­ten die Daten von Tele­sko­pen auf der gan­zen Welt, die den Gam­ma­strah­len­aus­bruch seit sei­nem Beginn Mit­te März ver­folgt hatten.

Mit die­ser Beob­ach­tung brach Webb auch sei­nen eige­nen Rekord: Die bis­he­ri­ge Rekord-Super­no­va exis­tier­te, als das Uni­ver­sum 1,8 Mil­li­ar­den Jah­re alt war.

„Nur das Webb-Tele­skop konn­te direkt nach­wei­sen, dass die­ses Licht von einer Super­no­va stammt – einem kol­la­bie­ren­den mas­se­rei­chen Stern“, sag­te Andrew Levan, Haupt­au­tor einer der bei­den neu­en Ver­öf­fent­li­chun­gen in Astro­no­my and Astro­phy­sics Let­ters und Pro­fes­sor an der Rad­boud-Uni­ver­si­tät in Nîme­gen, Nie­der­lan­de, und der Uni­ver­si­tät War­wick in Groß­bri­tan­ni­en. „Die­se Beob­ach­tung zeigt auch, dass wir mit dem Webb-Tele­skop ein­zel­ne Ster­ne fin­den kön­nen, als das Uni­ver­sum erst 5 % sei­nes heu­ti­gen Alters hatte.“

GRB 250314A
Das JWST iden­ti­fi­zier­te die Quel­le Gam­ma­blit­zes GRB 250314A in ihrer Wirts­ga­la­xie nur 730 Mil­lio­nen Jah­re nach dem Urknall – Cre­dit: NASA, ESA, CSA, STScI, A. Levan (IMAPP), Bild­ver­ar­bei­tung: A. Pagan (STScI)

Wäh­rend ein Gam­ma­blitz typi­scher­wei­se nur Sekun­den bis Minu­ten andau­ert, nimmt eine Super­no­va inner­halb weni­ger Wochen rapi­de an Hel­lig­keit zu, bevor sie lang­sam wie­der ver­blasst. Im Gegen­satz dazu dau­er­te die­se Super­no­va Mona­te, bis sie hel­ler wur­de. Da sie so früh in der Geschich­te des Uni­ver­sums explo­dier­te, wur­de ihr Licht durch die Mil­li­ar­den Jah­re wäh­ren­de Expan­si­on des Kos­mos gedehnt. Mit der Deh­nung des Lichts ver­län­gert sich auch die Zeit­span­ne, die Ereig­nis­se benö­ti­gen. Webbs Beob­ach­tun­gen wur­den absicht­lich drei­ein­halb Mona­te nach dem Ende des Gam­ma­blit­zes durch­ge­führt, da die zugrun­de lie­gen­de Super­no­va zu die­sem Zeit­punkt ihre größ­te Hel­lig­keit errei­chen sollte.

„Webb lie­fer­te die schnel­le und prä­zi­se Nach­un­ter­su­chung, die wir brauch­ten“, sag­te Ben­ja­min Schnei­der, Mit­au­tor und Post­dok­to­rand am Labo­ra­toire d’As­tro­phy­si­que de Mar­seil­le in Frankreich.

Gam­ma­strah­len­aus­brü­che sind extrem sel­ten. Sol­che, die nur weni­ge Sekun­den dau­ern, kön­nen durch die Kol­li­si­on zwei­er Neu­tro­nen­ster­ne oder eines Neu­tro­nen­sterns mit einem Schwar­zen Loch ver­ur­sacht wer­den. Län­ge­re Blit­ze wie die­ser, der etwa 10 Sekun­den andau­er­te, ste­hen häu­fig im Zusam­men­hang mit dem explo­si­ven Tod mas­se­rei­cher Sterne.

Sofortige, schnelle Untersuchung der Quelle

Die ers­te War­nung ertön­te am 14. März 2025. Die Nach­richt über den Gam­ma­strah­len­aus­bruch aus einer sehr weit ent­fern­ten Quel­le stamm­te von der SVOM-Mis­si­on (Space-based mul­ti-band astro­no­mic­al Varia­ble Objects Moni­tor), einem fran­zö­sisch-chi­ne­si­schen Tele­skop, das 2024 gestar­tet wur­de und zur Erken­nung flüch­ti­ger Ereig­nis­se ent­wi­ckelt wurde.

Inner­halb von andert­halb Stun­den loka­li­sier­te das Neil Geh­rels Swift Obser­va­to­ry der NASA die Rönt­gen­quel­le am Him­mel. Dies ermög­lich­te wei­te­re Beob­ach­tun­gen, die die Ent­fer­nung für das Webb-Tele­skop genau­er bestimm­ten. Elf Stun­den spä­ter wur­de das Nor­dic Opti­cal Telescope auf den Kana­ri­schen Inseln in Betrieb genom­men und zeig­te ein Nach­leuch­ten eines Infra­rot-Gam­ma­blit­zes – ein Hin­weis dar­auf, dass der Gam­ma­strah­len­aus­bruch mit einem sehr weit ent­fern­ten Objekt in Ver­bin­dung ste­hen könn­te. Vier Stun­den spä­ter schätz­te das Very Lar­ge Telescope der Euro­päi­schen Süd­stern­war­te in Chi­le, dass das Objekt 730 Mil­lio­nen Jah­re nach dem Urknall existierte.

„In den letz­ten 50 Jah­ren wur­den nur weni­ge Gam­ma­blit­ze nach­ge­wie­sen, die aus den ers­ten Mil­li­ar­den Jah­ren des Uni­ver­sums stam­men“, sag­te Levan. „Die­ses beson­de­re Ereig­nis ist sehr sel­ten und äußerst aufregend.“

Erstaunliche Ähnlichkeit mit nahen Supernovae

Da es sich um die bis­her frü­hes­te und am wei­tes­ten ent­fern­te ent­deck­te Super­no­va han­delt, ver­gli­chen die For­scher sie detail­liert mit ihnen bekann­ten moder­nen, nahen Super­no­vae. Die bei­den wie­sen über­ra­schend gro­ße Ähn­lich­kei­ten auf.

Gammastrahlenausbruch (Illustration)
Die­se zwei­tei­li­ge Illus­tra­ti­on zeigt links die cha­rak­te­ris­ti­schen Strah­len eines Gam­ma­blit­zes, die durch das von der Super­no­va-Explo­si­on aus­ge­sto­ße­ne Mate­ri­al drin­gen. Auf der rech­ten Sei­te leuch­tet die glei­ßen­de Super­no­va durch das Gas hin­durch, das wei­ter­hin von der Explo­si­on nach außen strömt. – Cre­dit: NASA, ESA, CSA, STScI, L. Hustak (STScI)

War­um? Über die ers­ten Mil­li­ar­den Jah­re des Uni­ver­sums ist noch immer wenig bekannt. Frü­he Ster­ne ent­hiel­ten wahr­schein­lich weni­ger schwe­re Ele­men­te, waren mas­se­rei­cher und hat­ten eine kür­ze­re Lebens­dau­er. Sie exis­tier­ten zudem wäh­rend der Reio­ni­sie­rungs­epo­che, als das Gas zwi­schen den Gala­xien für hoch­en­er­ge­ti­sches Licht weit­ge­hend undurch­sich­tig war.

„Wir sind unvor­ein­ge­nom­men an die Sache her­an­ge­gan­gen“, sag­te Nial Tan­vir, Mit­au­tor der Stu­die und Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät Lei­ces­ter in Groß­bri­tan­ni­en. „Und sie­he da, Webb zeig­te, dass die­se Super­no­va exakt wie moder­ne Super­no­vae aus­sieht.“ Bevor For­scher jedoch klä­ren kön­nen, war­um eine so frü­he Super­no­va Ähn­lich­kei­ten mit nahen Super­no­vae auf­weist, sind wei­te­re Daten erfor­der­lich, um die kleins­ten Unter­schie­de aufzudecken.

Erster Blick auf die Heimatgalaxie der Supernova

„Webbs Beob­ach­tun­gen deu­ten dar­auf hin, dass die­se fer­ne Gala­xie ande­ren Gala­xien ähnelt, die zur sel­ben Zeit exis­tier­ten“, sag­te Eme­ric Le Floc’h, Koau­tor und Astro­nom am CEA Paris-Saclay (Com­mis­sa­ri­at à l’É­ner­gie Ato­mi­que et aux Éner­gies Alter­na­ti­ves) in Frank­reich. Da das Licht der Gala­xie auf weni­ge Pixel kon­zen­triert ist und sie dadurch wie ein röt­li­cher Fleck erscheint, ist unser Wis­sen über sie noch begrenzt. Sie über­haupt beob­ach­ten zu kön­nen, ist ein Durchbruch.

Die For­scher haben bereits Plä­ne aus­ge­ar­bei­tet, das Webb-Tele­skop erneut in das inter­na­tio­na­le Pro­jekt zur Erfor­schung von Gam­ma­strah­len­aus­bruch im frü­hen Uni­ver­sum ein­zu­bin­den. Das Team hat die Geneh­mi­gung erhal­ten, Ereig­nis­se mit Webb zu beob­ach­ten und ver­folgt nun ein neu­es Ziel: mehr über Gala­xien im fer­nen Uni­ver­sum zu erfah­ren, indem es das Nach­leuch­ten der Gam­ma­blit­ze selbst ein­fängt. „Die­ses Leuch­ten wird Webb hel­fen, mehr zu sehen und uns einen ‚Fin­ger­ab­druck‘ der Gala­xie zu lie­fern“, sag­te Levan.

Das For­schungs­team beob­ach­te­te die Super­no­va GRB 250314A mit einem schnell umsetz­ba­ren Director’s Dis­cre­tio­na­ry Time-Pro­gramm (#9296).

Hintergrundinformationen

Webb ist das größ­te und leis­tungs­stärks­te Tele­skop, das jemals ins All geschickt wur­de. Im Rah­men einer inter­na­tio­na­len Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung stell­te die ESA den Start­dienst für das Tele­skop mit der Trä­ger­ra­ke­te Aria­ne 5 bereit. In Zusam­men­ar­beit mit Part­nern war die ESA für die Ent­wick­lung und Qua­li­fi­zie­rung der Anpas­sun­gen der Aria­ne 5 für die Webb-Mis­si­on sowie für die Beschaf­fung der Start­dienst­leis­tung durch Aria­nespace ver­ant­wort­lich. Die ESA stell­te auch den Spek­tro­gra­fen NIR­Spec und 50 % des Mit­tel­in­fra­rot-Instru­ments MIRI zur Ver­fü­gung, das von einem Kon­sor­ti­um natio­nal finan­zier­ter euro­päi­scher Insti­tu­te (dem MIRI Euro­pean Con­sor­ti­um) in Zusam­men­ar­beit mit dem JPL und der Uni­ver­si­ty of Ari­zo­na ent­wi­ckelt und gebaut wurde.

Webb ist eine inter­na­tio­na­le Part­ner­schaft zwi­schen der NASA, der ESA und der Cana­di­an Space Agen­cy (CSA).

Bild­nach­weis: NASA, ESA, CSA, STScI, A. Levan (IMAPP), Bild­be­ar­bei­tung: A. Pagan (STScI)

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung weic2523

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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