Hubble indentifiziert eine Galaxie aus Dunkler Materie

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Die meis­ten Gala­xien im nahen Uni­ver­sum sind recht leucht­stark, eini­ge jedoch so licht­schwach, dass sie fast unsicht­bar sind. Astro­no­men haben mit­hil­fe des NASA/E­SA-Welt­raum­te­le­skops Hub­ble und ande­rer Obser­va­to­ri­en eine Gala­xie ent­deckt, die fast voll­stän­dig aus Dunk­ler Mate­rie zu bestehen scheint und nur weni­ge Ster­ne ent­hält. Die­se Gala­xie, bekannt als Can­di­da­te Dark Galaxy‑2 (CDG‑2), scheint ledig­lich vier Kugel­stern­hau­fen zu beher­ber­gen (ver­gli­chen mit den über 150 in der Milch­stra­ße) und leuch­tet mit der Leucht­stär­ke von nur etwa einer Mil­li­on Sonnen.

Galaxie Dunkle Materie
Die Gala­xie CDG‑2 mit gerin­ger Ober­flä­chen­hel­lig­keit, die auf die­sem Bild des Hub­ble-Welt­raum­te­le­skops der NASA/ESA zu sehen ist, wird von dunk­ler Mate­rie domi­niert und ent­hält nur weni­ge ver­streu­te Ster­ne. – Cre­dit: NASA, ESA, D. Li (Uto­ron­to), Image Pro­ces­sing: J. DePas­qua­le (STScI)

In der uner­mess­li­chen Wei­te des Uni­ver­sums leuch­ten die meis­ten Gala­xien hell durch Raum und Zeit. Doch eine sel­te­ne Klas­se von Gala­xien bleibt nahe­zu unsicht­bar – Gala­xien mit gerin­ger Flä­chen­hel­lig­keit, die von Dunk­ler Mate­rie domi­niert wer­den und nur weni­ge schwa­che Ster­ne enthalten.

Ein sol­ches schwer fass­ba­res Objekt, CDG‑2 genannt, könn­te zu den Gala­xien mit dem höchs­ten Anteil an Dunk­ler Mate­rie gehö­ren, die jemals ent­deckt wur­den. Dunk­le Mate­rie ist eine unsicht­ba­re Form von Mate­rie, die kein Licht reflek­tiert, aus­sen­det oder absor­biert. Die wis­sen­schaft­li­che Arbeit, die die­se Ent­de­ckung detail­liert beschreibt, wur­de in den Astro­phy­si­cal Jour­nal Let­ters ver­öf­fent­licht.

Die Ent­de­ckung solch licht­schwa­cher Gala­xien ist außer­or­dent­lich schwie­rig. Mit­hil­fe fort­schritt­li­cher sta­tis­ti­scher Ver­fah­ren iden­ti­fi­zier­ten David Li von der Uni­ver­si­tät Toron­to, Kana­da, und sein Team zehn bereits bestä­tig­te Gala­xien mit gerin­ger Flä­chen­hel­lig­keit sowie zwei wei­te­re Kan­di­da­ten für dunk­le Gala­xien. Sie such­ten nach dich­ten Ansamm­lun­gen von Kugel­stern­hau­fen – kom­pak­ten, kugel­för­mi­gen Stern­grup­pen, die typi­scher­wei­se nor­ma­le Gala­xien umkrei­sen. Die­se Hau­fen kön­nen auf die Exis­tenz einer licht­schwa­chen, ver­bor­ge­nen Stern­po­pu­la­ti­on hinweisen.

Um einen der Kan­di­da­ten für eine dunk­le Gala­xie zu bestä­ti­gen, nutz­ten Astro­no­men drei Obser­va­to­ri­en: das Hub­ble-Welt­raum­te­le­skop, das ESA-Welt­raum­te­le­skop Euclid und das boden­ge­stütz­te Sub­aru-Tele­skop auf Hawaii. Die hoch­auf­lö­sen­den Bil­der des Hub­ble-Tele­skops zeig­ten eine enge Ansamm­lung von vier Kugel­stern­hau­fen im Per­seus-Gala­xien­hau­fen, 300 Mil­lio­nen Licht­jah­re ent­fernt. Fol­ge­un­ter­su­chun­gen mit Daten von Hub­ble, Euclid und Sub­aru zeig­ten dann ein schwa­ches, dif­fu­ses Leuch­ten, das die Stern­hau­fen umgibt – ein star­ker Hin­weis auf eine dar­un­ter lie­gen­de Galaxie.

„Dies ist die ers­te Gala­xie, die aus­schließ­lich anhand ihrer Kugel­stern­hau­fen­po­pu­la­ti­on ent­deckt wur­de“, sag­te Li. „Unter kon­ser­va­ti­ven Annah­men reprä­sen­tie­ren die vier Hau­fen die gesam­te Kugel­stern­hau­fen­po­pu­la­ti­on von CDG‑2.“

Vor­läu­fi­ge Ana­ly­sen deu­ten dar­auf hin, dass CDG‑2 die Leucht­kraft von etwa einer Mil­li­on son­nen­ähn­li­cher Ster­ne besitzt, wobei die Kugel­stern­hau­fen 16 % ihres sicht­ba­ren Anteils aus­ma­chen. Bemer­kens­wer­ter­wei­se schei­nen 99 % ihrer Mas­se, die sowohl sicht­ba­re Mate­rie als auch Dunk­le Mate­rie umfasst, aus Dunk­ler Mate­rie zu bestehen. Ein Groß­teil ihrer nor­ma­len Mate­rie, die für die Stern­ent­ste­hung not­wen­dig ist (haupt­säch­lich Was­ser­stoff­gas), wur­de wahr­schein­lich durch Gra­vi­ta­ti­ons­wech­sel­wir­kun­gen mit ande­ren Gala­xien inner­halb des Per­seus-Clus­ters abge­tra­gen.

„Die Euclid-Daten bestä­ti­gen ein­deu­tig die Exis­tenz des extrem schwa­chen, dif­fu­sen Lichts von CDG‑2 und ent­hül­len erst­mals die Gala­xie hin­ter den Kugel­stern­hau­fen“, sagt Fran­ci­ne Mar­leau vom Insti­tut für Astro- und Teil­chen­phy­sik der Uni­ver­si­tät Inns­bruck in Öster­reich. „Die Euclid-Bil­der des Per­seus-Clus­ters demons­trie­ren die ein­zig­ar­ti­ge Fähig­keit der Mis­si­on, neue Gala­xien mit gerin­ger Flä­chen­hel­lig­keit, dar­un­ter extrem schwa­che, zu ent­de­cken und gleich­zei­tig ihre Kugel­stern­hau­fen, Kerns­tern­hau­fen, inne­ren Struk­tu­ren und ihre Umge­bung sicht­bar zu machen.“

Kugel­stern­hau­fen besit­zen eine immense Stern­dich­te und sind gra­vi­ta­tiv stark gebun­den. Dadurch sind sie wider­stands­fä­hi­ger gegen gra­vi­ta­ti­ve Gezei­ten­kräf­te und eig­nen sich daher als zuver­läs­si­ge Indi­ka­to­ren für sol­che geis­ter­haf­ten Galaxien.

Hintergrundinformationen

Das Hub­ble-Welt­raum­te­le­skop ist ein Pro­jekt der inter­na­tio­na­len Zusam­men­ar­beit zwi­schen der ESA und der NASA.

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung heic2605

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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