Braune Zwerge mit nur doppelter Jupitermasse entdeckt

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Die­se Auf­nah­me des nahen Stern­ent­ste­hungs­ge­biets IC 348 ist eines der größ­ten Bil­der, die das James-Webb-Welt­raum­te­le­skop der NASA/ESA/CSA bis­her ver­öf­fent­licht hat. Mit­hil­fe des Webb-Tele­skops such­ten Astro­no­men in IC 348 nach Brau­nen Zwer­gen, die weni­ger Mas­se besit­zen als die kleins­ten Ster­ne. Die For­scher ent­deck­ten Brau­ne Zwer­ge mit nur der dop­pel­ten Jupi­ter­mas­se und eröff­ne­ten damit eine neue Dimen­si­on der Erfor­schung die­ser fas­zi­nie­ren­den Objekte.

Das Stern­ent­ste­hungs­ge­biet IC 348 liegt nur 1.000 Licht­jah­re ent­fernt im Stern­bild Per­seus. In Regio­nen wie IC 348 kol­la­bie­ren kal­te Wol­ken aus mole­ku­la­rem Was­ser­stoff­gas und bil­den neue Ster­ne, wodurch leuch­ten­de, skulp­tur­ar­ti­ge Gebil­de wie die­ses ent­ste­hen. Der Stern­ent­ste­hungs­pro­zess kann beein­dru­ckend viel­fäl­ti­ge Objek­te her­vor­brin­gen: von mas­se­rei­chen Ster­nen, die nach nur weni­gen Mil­lio­nen Jah­ren in Kern­kol­laps-Super­no­vae explo­die­ren, bis hin zu den kleins­ten und häu­figs­ten Ster­nen, die lang­le­big sind und gewal­ti­ge Stern­stür­me erzeugen.

IC 348 (JWST)
Die­se im nahen Infra­rot auf­ge­nom­me­ne Ansicht von IC 348 zeigt eine Ansamm­lung von Objek­ten, die als Brau­ne Zwer­ge bezeich­net wer­den und klei­ner sind als die kleins­ten Ster­ne. For­scher nutz­ten die bei­spiel­lo­se Emp­find­lich­keit der NIR­Cam (Nahin­fra­rot­ka­me­ra) des Webb-Tele­skops, um die kleins­ten Brau­nen Zwer­ge in IC 348 auf­zu­spü­ren, deren Mas­se gera­de ein­mal das Dop­pel­te der Jupi­ter­mas­se beträgt. – Cre­dit: ESA/Webb, NASA, CSA, K. Luh­man, C. Alves De Oli­vei­ra, M. Zama­ni (ESA/Webb)

Die kleins­ten Ster­ne haben etwa 8 % der Son­nen­mas­se. Unter­halb die­ser Mas­se befin­det sich eine selt­sa­me und fas­zi­nie­ren­de Klas­se von Objek­ten, die Brau­nen Zwer­ge genannt wer­den. Brau­ne Zwer­ge ent­ste­hen auf die glei­che Wei­se wie Ster­ne, durch den Kol­laps von Mole­kül­wol­ken. Im Gegen­satz zu Ster­nen wer­den die Ker­ne Brau­ner Zwer­ge jedoch nie heiß genug, um Was­ser­stoff zu Heli­um zu fusio­nie­ren (obwohl vie­le in ihrer frü­hen Lebens­pha­se kurz­zei­tig Deu­te­ri­um, also schwe­ren Was­ser­stoff, fusionieren).

Unklar ist wei­ter­hin, und genau das woll­ten die For­scher mit­hil­fe der emp­find­li­chen Instru­men­te des Webb-Tele­skops bei der Unter­su­chung von IC 348 her­aus­fin­den – wie klein die kleins­ten Objek­te sind, die bei der Stern­ent­ste­hung ent­ste­hen. Anders aus­ge­drückt: Wie klein ist der kleins­te Brau­ne Zwerg?

For­scher, die eine Ant­wort auf die­se Fra­ge such­ten, unter­such­ten IC 348 erst­mals im Jahr 2022 mit Webb und ent­deck­ten dabei Brau­ne Zwer­ge mit Mas­sen, die nur das Drei- bis Vier­fa­che der Jupi­ter­mas­se betru­gen. Nun hat das­sel­be For­schungs­team Webb genutzt, um noch tie­fer in die­se Regi­on vor­zu­drin­gen und nach noch klei­ne­ren Brau­nen Zwer­gen zu suchen.

Das Team nutz­te 2024 die NIR­Cam (Nahin­fra­rot­ka­me­ra) des Webb- Tele­skops, um das war­me Leuch­ten jun­ger Brau­ner Zwer­ge und neu­ge­bo­re­ner Ster­ne ein­zu­fan­gen, das wir auf die­sem neu­en Bild von IC 348 sehen. Nach­dem sie Kan­di­da­ten für Brau­ne Zwer­ge anhand ihrer Far­ben und Hel­lig­keit aus­ge­wählt hat­ten, führ­ten sie 2025 mit dem NIR­Spec (Nahin­fra­rot­spek­tro­gra­phen) des Webb-Tele­skops spek­tro­sko­pi­sche Beob­ach­tun­gen durch, um die Mas­sen der Brau­nen Zwer­ge zu untersuchen.

Die­se tie­fen Webb-Beob­ach­tun­gen brach­ten etwas Bemer­kens­wer­tes zuta­ge: Brau­ne Zwer­ge mit Mas­sen, die nur das Zwei­fa­che der Jupi­ter­mas­se betra­gen – gera­de ein­mal 0,19 % der Son­nen­mas­se. Dies sind die mas­se­ärms­ten bekann­ten Brau­nen Zwer­ge, und ihre Exis­tenz stellt eine Her­aus­for­de­rung für Model­le zur Ent­ste­hung von Ster­nen dar.

IC 348 Collage
Die­se Col­la­ge zeigt eine Samm­lung von Aus­schnit­ten aus dem rie­si­gen Stern­ent­ste­hungs­ge­biet IC 348. Jede die­ser sechs Auf­nah­men prä­sen­tiert inter­es­san­te Merk­ma­le, die im gesam­ten Sicht­feld zu erken­nen sind: 1: In einer Nebel­wol­ke ein­ge­bet­te­ter Stern; 2: Zen­tra­ler Stern­hau­fen; 3: Ster­ne und schwa­che Aus­flüs­se; 4: Herbig-Haro-Objek­te; 5: Gra­vi­ta­ti­ons­lin­sen­wir­kung; 6: Spi­ral­ga­la­xien – Cre­dit: ESA/Webb, NASA, CSA, K. Luh­man, C. Alves De Oli­vei­ra, M. Zama­ni (ESA/Webb)

Neben der Ent­de­ckung die­ser uner­war­tet leich­ten Brau­nen Zwer­ge hiel­ten die Webb-Beob­ach­tun­gen noch wei­te­re Über­ra­schun­gen bereit. Einer der leich­tes­ten neu ent­deck­ten Brau­nen Zwer­ge wies Anzei­chen einer Schei­be auf, was dar­auf hin­deu­tet, dass sich um ihn her­um Pla­ne­ten bil­den könn­ten, obwohl der Brau­ne Zwerg selbst nur die Mas­se eines Pla­ne­ten besitzt.

Bei der Unter­su­chung der Spek­tren der Brau­nen Zwer­ge von IC 348 ent­deck­te das For­schungs­team ein Merk­mal, das sie Koh­len­was­ser­stof­fen zuschrie­ben – Mole­kü­len, die aus­schließ­lich aus Was­ser­stoff- und Koh­len­stoff­ato­men bestehen. Die­ses Merk­mal wur­de bis­her nur in den Atmo­sphä­ren der mas­se­ärms­ten Brau­nen Zwer­ge beob­ach­tet, was dar­auf hin­deu­tet, dass die­se extre­men Objek­te mög­li­cher­wei­se eine eige­ne Spek­tral­klas­se bilden.

Die Ster­ne und Brau­nen Zwer­ge von IC 348 sind nicht die ein­zi­gen Attrak­tio­nen auf die­sem Foto. Eine Ansamm­lung von Pro­tos­ter­nen mit bril­lan­ten Details füllt die obe­re rech­te Ecke des Bil­des. Eini­ge die­ser Pro­tos­ter­ne wer­den von Herbig-Haro-Objek­ten beglei­tet, leuch­ten­den Regio­nen, die ent­ste­hen, wenn Jets von wach­sen­den, neu­ge­bo­re­nen Ster­nen auf das Gas und den Staub um den Stern prallen.

Das läng­li­che, schma­le Objekt in die­ser Ecke, das hori­zon­tal aus­ge­rich­tet ist, ist HH 797, das bereits als Webb-Bild des Monats vor­ge­stellt wur­de. Bei genaue­rer Betrach­tung zeigt sich, dass es sich um zwei Pro­tos­ter­ne mit nahe­zu par­al­le­len Aus­flüs­sen han­delt. Direkt rechts neben HH 797 befin­det sich die pro­pel­ler­för­mi­ge Quel­le HH 211, die sowohl schma­le Jets als auch brei­te­re Aus­flüs­se auf­weist und eben­falls in einer frü­he­ren Bild­ver­öf­fent­li­chung prä­sen­tiert wurde .

Die zur Erstel­lung die­ses Bil­des ver­wen­de­ten Daten stam­men aus dem Webb-Beob­ach­tungs­pro­gramm Nr. 4866 (PIs: K. Luh­man, C. Alves de Oli­vei­ra). Zie­le die­ses Pro­gramms sind die Unter­su­chung der Objek­te mit der gerings­ten Mas­se, die im Rah­men des Stern­ent­ste­hungs­pro­zes­ses ent­ste­hen, wie hier beschrie­ben; das Ver­ständ­nis, wie sich die Popu­la­tio­nen von Objek­ten mit pla­ne­ta­rer Mas­se wie Brau­nen Zwer­gen zwi­schen ver­schie­de­nen Stern­ent­ste­hungs­re­gio­nen unter­schei­den; sowie die Erfor­schung der Ursprün­ge der Koh­len­was­ser­stoff­merk­ma­le bei den Brau­nen Zwer­gen mit der gerings­ten Masse.

Hintergrundinformationen

Webb ist das größ­te und leis­tungs­stärks­te Tele­skop, das jemals ins All gebracht wur­de. Im Rah­men einer inter­na­tio­na­len Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung stell­te die ESA den Start­dienst für das Tele­skop unter Ver­wen­dung der Trä­ger­ra­ke­te Aria­ne 5 bereit. In Zusam­men­ar­beit mit Part­nern war die ESA für die Ent­wick­lung und Qua­li­fi­zie­rung der Anpas­sun­gen der Aria­ne 5 für die Webb-Mis­si­on sowie für die Beschaf­fung des Start­diens­tes durch Aria­nespace ver­ant­wort­lich. Die ESA stell­te außer­dem den Haupt­spek­tro­gra­fen NIR­Spec sowie 50 % des Mit­tel­in­fra­rot-Instru­ments MIRI bereit, das von einem Kon­sor­ti­um staat­lich finan­zier­ter euro­päi­scher Insti­tu­te (dem MIRI Euro­pean Con­sor­ti­um) in Zusam­men­ar­beit mit dem JPL und der Uni­ver­si­ty of Ari­zo­na ent­wi­ckelt und gebaut wurde.

Webb ist eine inter­na­tio­na­le Part­ner­schaft zwi­schen der NASA, der ESA und der Cana­di­an Space Agen­cy (CSA).

Bild­nach­weis: ESA/Webb, NASA, CSA, K. Luh­man, C. Alves De Oli­vei­ra, M. Zama­ni (ESA/Webb)

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung heic2619

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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