Dritter Planet im System von Beta Pictoris entdeckt

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Ein Team aus Astro­nom­in­nen und Astro­no­men hat einen drit­ten Pla­ne­ten ent­deckt, der den Stern Beta Pic­to­ris umkreist. Der neue Pla­net, Beta Pic­to­ris d, ist ein­hun­dert­mal licht­schwä­cher als Beta Pic­to­ris b – der ers­te in die­sem Sys­tem ent­deck­te Pla­net – und gehört zu den mas­se­ärms­ten Exo­pla­ne­ten, die jemals von der Erde aus direkt abge­bil­det wer­den konn­ten. Nach­dem das Team den Pla­ne­ten mit­hil­fe des Very Lar­ge Telescope der Euro­päi­schen Süd­stern­war­te (ESO-VLT) auf­ge­spürt hat­te, stell­te sich her­aus, dass er sich über ein Jahr­zehnt lang in Archiv­da­ten ver­bor­gen hatte.

„Dies war eine Zufalls­ent­de­ckung“, sagt Ben Sut­lieff, Co-Lei­ter der heu­te in den The Astro­phy­si­cal Jour­nal Let­ters ver­öf­fent­lich­ten Stu­die und Astro­nom an der Uni­ver­si­tät Edin­burgh (Groß­bri­tan­ni­en). „Eigent­lich woll­ten wir einen bereits bekann­ten Pla­ne­ten in dem Sys­tem, Beta Pic­to­ris b, genau­er unter­su­chen, um des­sen zeit­li­che Ver­än­de­rung zu unter­su­chen“, fügt er hin­zu. Als das Team jedoch mit der Ana­ly­se der Bil­der des Sys­tems begann, bemerk­te es abseits von Beta Pic­to­ris b ein wei­te­res Signal, das die For­schung in eine völ­lig neue Rich­tung lenkte.

Beta Pictoris d
Die­se Bil­der­se­rie zeigt Beob­ach­tun­gen des Exo­pla­ne­ten Beta Pic­to­ris d über einen Zeit­raum von mehr als einem Jahr­zehnt. Der Pla­net wur­de ursprüng­lich mit dem ERIS-Instru­ment am Very Lar­ge Telescope der ESO ent­deckt. Im Anschluss gelang es den Astro­nom­in­nen und Astro­no­men, ihn auch in Archiv­da­ten des SPHE­RE-Instru­ments (eben­falls am VLT) sowie des James-Webb-Welt­raum­te­le­skops von NASA, ESA und CSA nach­zu­wei­sen. – Cre­dit: ESO/B. Sut­lieff, M. Bon­se et al.

„Da ist noch etwas, hast du das gese­hen?‘“, erin­nert sich Mar­kus Bon­se, ESO-Astro­nom in Deutsch­land und der ande­re Co-Lei­ter der Stu­die, an sei­ne Wor­te beim Blick auf die Daten. Um abzu­si­chern, wor­um es sich bei dem nach­ge­wie­se­nen Objekt genau han­delt, durch­such­te das Team das ESO-Archiv, einen Kata­log frü­he­rer Beob­ach­tun­gen mit ESO-Tele­sko­pen. Sie fan­den den neu­en Pla­ne­ten Beta Pic­to­ris d auf meh­re­ren Auf­nah­men, die bis zu elf Jah­re zurück­rei­chen – dar­un­ter eine, auf der er sich nur müh­sam gegen das blen­den­de Licht sei­nes grö­ße­ren Nach­barn Beta Pic­to­ris b durch­set­zen konn­te. „Pla­net d hat mit uns offen­bar über ein Jahr­zehnt lang Ver­ste­cken gespielt, und erst jetzt kön­nen wir sagen: ‚Hab dich!‘“, sagt Jay­ne Birk­by, Co-Autorin der Stu­die und Astro­no­min an der Uni­ver­si­tät Oxford (Groß­bri­tan­ni­en).

Der neu ent­deck­te Pla­net ist, wie die bei­den ande­ren im Sys­tem, ein Gas­rie­se, ähn­lich wie Jupi­ter oder Saturn. Aller­dings hat Beta Pic­to­ris d eine weit­aus grö­ße­re Umlauf­bahn als die Pla­ne­ten Beta Pic­to­ris b und Beta Pic­to­ris c. Wäh­rend die bei­den ers­ten Pla­ne­ten jeweils etwa die zehn­fa­che Mas­se des Jupi­ters auf­wei­sen, besitzt der neue Him­mels­kör­per nur die 2,4‑fache Jupi­ter­mas­se. Damit ist er einer der mas­se­ärms­ten Pla­ne­ten, die je von der Erde aus direkt abge­bil­det wer­den konn­ten. Der Pla­net ist zudem ver­gleichs­wei­se kalt und leuch­tet daher im Ver­gleich zu sei­nem Zen­tral­stern extrem schwach.

Die direk­te Abbil­dung, bei der das Licht eines Objekts wie auf einer Foto­gra­fie ein­ge­fan­gen wird, funk­tio­niert nur bei Pla­ne­ten, die hell genug sind, um sich neben ihren weit­aus hel­le­ren Zen­tral­ster­nen abzu­he­ben. Ein direk­tes Bild eines so licht­schwa­chen Pla­ne­ten wie Beta Pic­to­ris d auf­zu­neh­men, ist daher ein bedeu­ten­der Erfolg. „Der neue Pla­net ist ein­hun­dert­mal licht­schwä­cher als Beta Pic­to­ris b, der berühm­te Pla­net im sel­ben Sys­tem. Das macht ihn zum licht­schwächs­ten Exo­pla­ne­ten, der jemals direkt von der Erde aus foto­gra­fiert wur­de“, erklärt Bon­se [1].

Die­se ers­te ein­deu­ti­ge Detek­ti­on von Beta Pic­to­ris d, der 63 Licht­jah­re von uns ent­fernt ist, gelang Sut­lieff, Bon­se und ihrem Team mit­hil­fe des ERIS-Instru­ments am VLT. Ein unab­hän­gi­ges Team unter der Lei­tung von Aidan Gibbs an der Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia (USA) ent­deck­te den­sel­ben Pla­ne­ten eben­falls mit­hil­fe des James-Webb-Welt­raum­te­le­skops (JWST), einer Gemein­schafts­ein­rich­tung der US-ame­ri­ka­ni­schen, euro­päi­schen und kana­di­schen Welt­raum­be­hör­den. Ihre Ergeb­nis­se wur­den heu­te eben­falls in den The Astro­phy­si­cal Jour­nal Let­ters veröffentlicht.

Um die Ent­de­ckung eines Pla­ne­ten abzu­si­chern, müs­sen Astro­nom­in­nen und Astro­no­men nor­ma­ler­wei­se Nach­fol­ge­be­ob­ach­tun­gen durch­füh­ren. Die­ses Sys­tem war jedoch bereits inten­siv unter­sucht wor­den, sodass in den Wis­sen­schafts­ar­chi­ven von ESO und JWST zahl­rei­che Auf­nah­men vor­la­gen. „Zu unse­rer Freu­de tauch­te er plötz­lich in frü­he­ren SPHERE-Beob­ach­tun­gen auf“, sagt Birk­by und bezieht sich dabei auf ein ande­res VLT-Instru­ment, das zuvor zur Unter­su­chung des Beta-Pic­to­ris-Sys­tems ein­ge­setzt wor­den war. Der Pla­net wur­de auch in Archiv­da­ten von NIR­Cam, einem JWST-Instru­ment, auf­ge­spürt. Da das Team nun wuss­te, wo es nach dem poten­zi­el­len neu­en Pla­ne­ten suchen muss­te, „stell­te sich her­aus, dass er sich die gan­ze Zeit in den Daten ver­steckt hat­te!“, so Birk­by. Co-Autor Valen­tin Chris­tiaens, For­scher am CEA Paris-Saclay (Frank­reich), fügt hin­zu: „Die Nach­wei­se in den SPHE­RE-Archiv­da­ten sind nicht nur an sich hoch­gra­dig span­nend, sie zei­gen vor allem auch, dass in den Archi­ven der VLT-Instru­men­te noch etli­che Schät­ze ver­bor­gen lie­gen!“

Beta Pic­to­ris ist nach HR 8799 erst das zwei­te Sys­tem, in dem mehr als zwei Pla­ne­ten direkt abge­bil­det wer­den konn­ten. „Sys­te­me mit meh­re­ren direkt abge­bil­de­ten Exo­pla­ne­ten gel­ten als die Krö­nung sol­cher Ent­de­ckun­gen. Sie ver­ra­ten uns viel dar­über, wie sich unter­schied­li­che Exo­pla­ne­ten in ein und der­sel­ben Ent­ste­hungs­um­ge­bung ent­wi­ckeln“, sagt Sut­lieff [2]. Beta Pic­to­ris d löst zudem ein Rät­sel in sei­nem Pla­ne­ten­sys­tem, da er genau die rich­ti­ge Mas­se und Posi­ti­on besitzt, um die auf­fäl­li­ge Form der umge­ben­den Trüm­mer­schei­be zu erklä­ren, die aus den Über­res­ten der Pla­ne­ten­ent­ste­hung besteht.

Die Ent­de­ckung von Beta Pic­to­ris d auf die­sem Weg macht Mut für wei­te­re direk­te Abbil­dun­gen von Pla­ne­ten­sys­te­men, in denen sich licht­schwa­che Pla­ne­ten unbe­merkt vor aller Augen ver­bor­gen haben könn­ten – unter ande­rem mit dem zukünf­ti­gen Extre­me­ly Lar­ge Telescope (ELT) der ESO. „Pla­ne­ten schei­nen in Gesell­schaft auf­zu­tre­ten“, sagt Beth Bil­ler, eben­falls Co-Autorin der Arbeit und Astro­no­min an der Uni­ver­si­tät Edin­burgh. „Vie­le der bekann­ten Sys­te­me mit direkt abge­bil­de­ten Exo­pla­ne­ten beher­ber­gen meh­re­re Rie­sen­pla­ne­ten. Wahr­schein­lich ver­ber­gen sich in die­sen Sys­te­men noch wei­te­re Pla­ne­ten mit gerin­ge­rer Mas­se, die mit den Instru­men­ten des ELT sicht­bar gemacht wer­den könn­ten.“

MN

Endnoten

[1] Berück­sich­tigt man die Ent­fer­nung des Sys­tems, ist Beta Pic­to­ris d der licht­schwächs­te jemals von der Erde aus direkt abge­bil­de­te Exo­pla­net. Das bedeu­tet, dass er die gerings­te abso­lu­te Hel­lig­keit besitzt (was aus­schließ­lich auf sei­ne Grö­ße und Tem­pe­ra­tur zurück­zu­füh­ren ist) und nicht die gerings­te schein­ba­re Hel­lig­keit (bei der auch die Ent­fer­nung zur Hel­lig­keits­ab­nah­me beiträgt).

[2] Beta Pic­to­ris gehört zu einer Grup­pe von Ster­nen glei­chen Alters, die gemein­sam ent­stan­den sind und von denen eini­ge eben­falls Pla­ne­ten besit­zen. Beta Pic­to­ris d scheint fast ein Zwil­ling eines die­ser Pla­ne­ten, 51 Eridani b, zu sein. Dies ermög­licht es Astro­no­men, bei­de Objek­te als Refe­renz­punk­te zu nut­zen, um ihre Model­le zur Ent­ste­hung und zeit­li­chen Ent­wick­lung von Pla­ne­ten abzusichern.

Hintergrundinformationen

Die­se For­schungs­ar­bei­ten wer­den in einem Fach­ar­ti­kel in den The Astro­phy­si­cal Jour­nal Let­ters erschei­nen (https://doi.org/10.3847/2041–8213/ae80a0).

An der Publi­ka­ti­on unter der gemein­sa­men Lei­tung von B. J. Sut­lieff und M. J. Bon­se sind mehr als 90 Autorin­nen und Autoren aus aller Welt betei­ligt, dar­un­ter aus Bel­gi­en, Frank­reich, Deutsch­land, Irland, Ita­li­en, den Nie­der­lan­den, der Schweiz, Groß­bri­tan­ni­en und Chile.

Links

Link zur Pres­se­mit­tei­lung der ESO

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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