Messier 24 (IC 4715) ist ein sichtbarer Teil des weit entfernten Norma-Spiralarms unserer Milchstraße im Sternbild Schütze (Sagittarius). Der französische Astronom Charles Messier beobachtete das Objekt am 20. Juni 1764 und hielt es für einen Sternhaufen. Er nahm das Objekt schließlich als Nummer 24 in seinen berühmten Nebelkatalog auf. Er beschrieb die Sternwolke als „großen Nebel mit vielen Sternen unterschiedlicher Helligkeit“. Interessanterweise wollte Messier mit seinem Katalog Astronomen dabei helfen, in seinem Teleskop sichtbare nebelhafte Objekte nicht mit Kometen zu verwechseln. Messier 24 fällt jedoch aus dem Rahmen. Denn es ist schwer zu erklären, warum Charles Messier diese offensichtliche Sternwolke in seine Liste mit aufgenommen hat. Im Jahr 1850 prägte der italienische Priesterastronom Angelo Secchi den Namen „Delle Caustiche“. Er tat dies aufgrund der eigentümlichen Anordnung ihrer Sterne. Diese Anordnung zeigt sich in Strahlen, Bögen, Kaustiken und verschlungenen Spiralen.
Heutzutage wird die Sternwolke zumeist als „Kleine Sagittarius-Wolke“ (Small Sagittarius Star Cloud) bezeichnet, um sie von der „Großen Sagittarius-Wolke“ nördlich von Gamma und Delta Sagittarii und knapp 10° südlich von M 24 zu unterscheiden. Im Gegensatz zur Kleinen Sagittarius-Wolke besteht sie aus Sternen im galaktischen Bulge der Milchstraße. Diese werden nicht von interstellarem Staub verdeckt. Oft wird der offene Sternhaufen NGC 6603 fälschlicherweise mit M 24 verwechselt. Messiers Messung des Durchmessers des Objekts von 1,5° deutet eindeutig darauf hin, dass er den großen Fleck in der Milchstraße und nicht den darin enthaltenen, viel kleineren Sternhaufen vor Augen hatte.
Ein tunnelartiges Fenster in der Milchstraße
Anders als viele Objekte in Charles Messiers Katalog, ist Messier 24 kein einzelnes astronomisches Objekt, wie etwa eine Galaxie, ein Nebel oder ein Sternhaufen. Vielmehr handelt es sich um ein dichtes Sternfeld mit einem Durchmesser von über 600 Lichtjahren. Es enthält Zehntausende mit dem Teleskop sichtbare Sterne, umfasst tatsächlich aber mehr als eine Million Sterne. Dieses tunnelartige „galaktische Fenster“, in der Nähe des galaktischen Zentrums, in einem entfernten Spiralarm der Milchstraße, offenbart einen relativ staubfreien Teil der Ebene unserer Galaxie. Interessanterweise eröffnet das „galaktische Fenster“ nicht nur einen Blick auf den Sagittarius-Carina-Spiralarm und den Scutum-Centaurus-Arm, den Hauptspiralarm zwischen Erde und dem galaktischen Zentrum, sondern auch auf den dahinterliegenden Norma-Spiralarm nahe des Zentrums.
Zumeist hindern dichte Staubwolken auf der Sichtlinie der Milchstraßenebene einen Blick auf entferntere Bereiche unserer Galaxis. Dieser Bereich wird als „Great Rift“ (Großer Graben) bezeichnet. Wir blicken hier durch eine Lücke im Sagittarius-Carina-Arm. Dieser befindet sich 5.000 bis 7.000 Lichtjahre entfernt und ist der Sternwolke vorgelagert. Die Region um „Delle Caustiche“ enthält deutlich weniger interstellare Materie. Die Sterne werden nicht, wie in der Nähe des galaktischen Zentrums, um 20 bis 30 Größenklassen abgeschwächt. Normalerweise ist unsere Sicht in der Nähe der galaktischen Ebene auf nur wenige tausend Lichtjahre beschränkt. Ohne den verdeckenden Staub und das Gas würde die gesamte Milchstraße so hell wie M 24 erscheinen!
Die Beobachtung von Messier 24 ermöglicht es Astronomen, einen ungewohnten Einblick in die sternenreiche Scheibe der Milchstraße zu gewinnen. Diese klaren Fenster durch die Galaxis sind von großer Bedeutung für die Erforschung ihrer Struktur. Sie ermöglichen die Untersuchung sonst verborgener, weit entfernter Regionen sowie der Sternzusammensetzung unserer Milchstraße. Die sternreiche Region inmitten der Sommermilchstraße bietet sowohl Amateurastronomen als auch Astrofotografen einen lohnenden Anblick. Während ältere Quellen die Helligkeit der Sternwolke mit 4,6 mag angeben, gehen neuere Schätzungen von einer Helligkeit von 2,5 mag aus. Ihre scheinbare Ausdehnung beträgt 2 x 1 Grad am Himmel. Somit erscheint die Sternwolke etwa neunmal größer als der Vollmond. Ihre Helligkeit resultiert nicht aus einzelnen Sternen, sondern aus dem gebündelten Licht Tausender Sterne, die sich dicht beieinander inmitten der Sternwolke befinden.

Aufgrund ihrer Ausdehnung eignen sich zur Beobachtung am besten Ferngläser und Richfield-Teleskope. Mit diesen Instrumenten ergibt sich ein fantastischer Anblick auf Messier 24. Die Sternwolke wird als „ein wahrer Teppich aus Sternenjuwelen” der 6. bis 10. Größenklasse beschrieben. Dazu gehören auch mehrere dunkle Nebel, die den dreidimensionalen Eindruck verstärken. M 24 ist mit dem bloßen Auge sichtbar, wann immer auch die Milchstraße zu sehen ist. Eine noch transparentere Region in der Nähe des Sterns My Sagittarii ist als „Baades Fenster“ bekannt. Diese Sternwolke bietet uns einen Blick auf die galaktische Bulge – der Zentralbereich unserer Milchstraße – in einer Entfernung von 30.000 Lichtjahren.
Deep-Sky-Objekte in der „Kaustischen Wolke“
Messier 24 erstreckt sich über ein beträchtliches Volumen bis in eine Tiefe von 10.000 bis 16.000 Lichtjahren. Es handelt sich dabei um die dichteste Konzentration einzelner Sterne, die mit einem Fernglas sichtbar ist. In einem einzigen Sichtfeld eines handelsüblichen Feldstechers sind ungefähr 1.000 Sterne zu erkennen. Außerdem weist sie Ähnlichkeiten mit der Sternenwolke NGC 206 in einem Spiralarm des Andromedanebels (Messier 31) auf. Das Feld umfasst zahlreiche junge, heiße Sterne sowie mehrere offene Sternhaufen wie beispielsweise NGC 6603 (11,4 mag) und die beiden planetarischen Nebel NGC 6567 (12,0 mag) und M 1–43, wobei vor allem NGC 6603 heraussticht.

Dieser reiche Sternhaufen befindet sich im nördlichen Teil von M 24. Er liegt 11.700 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt im Norma-Spiralarm unserer Milchstraße. NGC 6603 wurde am 15. Juli 1830 von dem englischen Astronomen John Herschel entdeckt und erscheint selbst mit kleiner Teleskopöffnung nur als nebelartiger Fleck. Der Sternhaufen enthält mehr als 30 Sterne auf einem Feld von 5 Bogenminuten Ausdehnung. Sein linearer Durchmesser beträgt etwa 14 Lichtjahre. Die heißesten Sterne des Haufens sind vom Spektraltyp B9, was auf ein Alter des Haufens von etwa 200 Millionen Jahren hindeutet. Der Sternhaufen ähnelt Messier 11 im Sternbild Schild, befindet sich aber 2,5‑mal so weit entfernt. Sein Licht unterliegt einer interstellaren Extinktion von nur 1,5 Magnituden.

Weitere offene Sternhaufen sind Collinder 469 und Markarian 38 (Biur 5), die Teil der Sagittarius OB4-Assoziation sind. Die beiden Sternhaufen sind mit der Sternentstehungsregion Sharpless 41 in 4.700 Lichtjahren Entfernung assoziiert. Das hellste Mitglied dieser Assoziation vom Spektraltyp O (HD 167771) ist maßgeblich an der Ionisierung dieses Nebels beteiligt. Eine weitere deutlich kompaktere Sternentstehungsregion ist Sharpless 40. Auch zwei markante Dunkelwolken sind sichtbar, die der Sternenwolke vorgelagert sind. Sie bestehen aus undurchsichtigem dichten interstellaren Staub, die das Licht der dahinter liegenden Sterne blockiert. Im Nordwesten liegt Barnard 92, der dunklere der beiden. Inmitten des Sternenfelds erscheint der Nebel als riesiges, sternenloses Loch mit ¼ Grad Ausdehnung. B 92 trug den Spitznamen „Black Hole“, bevor dieser Begriff für Schwarze Löcher in der heutigen Form gebräuchlich wurde. Der Dunkelnebel wurde 1913 von dem amerikanischen Astronomen Edward Emerson Barnard entdeckt. Es war eines der ersten Objekte dieser Art, die der Astronom beschrieb.

Im Nordosten befindet sich Barnard 93, der weniger auffällig und groß ist. Weitere Dunkelnebel in M 24 sind Barnard 304 und Barnard 307. Alle diese Nebel gehören zu unserem lokalen Spiralarm und stehen nur wenige hundert Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Dunkelnebel LDN 294, LDN 318 und LDN 325 bilden entlang der südlichen und östlichen Ränder von M 24 einen dunklen Wolkenkomplex. Unmittelbar südlich von Mrk 38 liegt noch der Emissionsnebel IC 1283⁄1284 mit den beiden angrenzenden Reflexionsnebeln NGC 6589⁄6590. Ihre Energiequelle ist der bemerkenswerte kleine offene Sternhaufen NGC 6595 (7,0 mag).
Der hellste Stern in M 24 ist HD 167356 (V4387 Sgr) mit einer Helligkeit von 6,05 mag. Er ist ein weißer Überriese der Spektralklasse A0 und ein veränderlicher Stern vom Typ Alpha‑2 Canum Venaticorum. Weitere Veränderliche sind die langperiodische Cepheide WZ Sagittarii und der Alpha-Cygni-Veränderliche V4384 Sagittarii. In M 24 befinden sich außerdem drei weitere Sterne mit scheinbaren Helligkeiten zwischen 6,5 und 7,0 mag.

Nördlich der Sternenwolke befindet sich mit dem Omega- oder Schwanennebel (Messier 17) ein weiteres berühmtes Objekt aus dem Katalog von Charles Messier. Mit einer Entfernung von 5.900 Lichtjahren ist M 17 nur etwa halb so weit entfernt wie M 24. Messier 24 eignet sich außerdem sehr gut als Ausgangspunkt, um die interessantesten Messier-Objekte in den Sternbildern Schütze und Schlange zu suchen und zu beobachten. Von dort aus sind die Deep-Sky-Objekte M 18, M 23, M 25, M 21, M 20, M 8, M 17, M 22 und M 28 schnell aufzufinden.
Delle Caustiche ist eines von nur drei Messier-Objekten, die keine echten Deep-Sky-Objekte sind. Die anderen beiden sind der Doppelstern Winnecke 4 (WNC 4) im Sternbild Großer Bär, der als Messier 40 katalogisiert ist, sowie der Asterismus Messier 73, der aus vier nicht physisch verbundenen Sternen im Sternbild Wassermann besteht.
Beobachtung
Messier 24 ist unter einem dunklen Landhimmel bereits mit bloßem Auge als kompakte Aufhellung zwischen den Dunkelstrukturen der Milchstraße erkennbar. In Mitteleuropa verhindern jedoch die Lichterglocken der Städte zumeist eine erfolgreiche Sichtung. Denn M 24 liegt noch 12 Grad tiefer als die Schildwolke, ein weiteres auffälliges Gebiet unserer Galaxis. Von Namibia aus erreicht die Kleine Sagittarius-Wolke den Zenit. Dort erscheint sie deutlich auffälliger und sogar etwas heller als die Schildwolke. Bei weniger günstigen Bedingungen genügt bereits eine leichte optische Hilfe, um sie sichtbar zu machen. Für Besitzer von Ferngläsern und kleinen Teleskopen ist M 24 ein wahres Prachtobjekt. Es ist die dichteste Ansammlung einzelner Sterne, die mit einem Fernglas sichtbar ist. Bei mittelgroßen und großen Teleskopen geht allerdings ein Teil der Faszination der Wolke verloren. Sie erscheint für das Okularfeld einfach zu groß. Dafür erkennt man Tausende Sterne, oft in kontrastierenden Farben. Mit einem handelsüblichen 7×50 Fernglas erkennt man zwei dunkle Flecken (B 92 und B 93) am Nordrand sowie eine langgezogene, fast rechtwinklige Dunkelwolke am Südrand von M 24. Mit dem 10×50 oder einem 10×70 Fujinon-Feldstecher sind die hellsten Sterne der Wolke bereits aufgelöst. Die Sternenwolke erscheint nun nahezu rechteckig. Sie ist gefüllt mit unzähligen Sternen schwächer als 6. Größenklasse, deren lange Achse in nordöstlicher bis südwestlicher Richtung ausgerichtet ist.
Mit einem 3 bis 4‑Zoll Refraktor und geringer Vergrößerung lässt sich die komplette Ausdehnung von M 24 überblicken. Dabei sind hunderte Sterne zu erkennen, von denen einige noch nicht vollständig aufgelöst sind. Dabei erscheinen die westlichen Ränder von M 24 schärfer als die östlichen. Die beiden Dunkelnebel erscheinen nun tiefschwarz mit diffusen, nebelhaften Rändern. Ab einer Öffnung von 6 bis 8‑Zoll lässt sich bei höherer Vergrößerung auch der offene Sternhaufen NGC 6603 teilweise in seine Einzelsterne auflösen. Bei 10 bis 12-Zoll Öffnung und einer Vergrößerung von 100-fach werden in dem Sternhaufen 50 bis 80 Sterne vor einem nebligen Hintergrund sichtbar. In Messier 24 sind bei diesen Öffnungen Tausende Sterne erkennbar, von denen einige besonders hell leuchten. Dabei handelt es sich um helle Überriesen in einer Entfernung von 10.000 Lichtjahren. Am nordwestlichen Rand von M 24 sticht bei dieser Öffnung und mittleren Vergrößerungen eine dunklere Region mit wenigen Sternen regelrecht ins Auge. Hierbei handelt es sich um den Dunkelnebel Barnard 92, der wie ein riesiges rundes Loch ohne Sterne erscheint. B 92 enthält lediglich einen einzigen Stern der 12. Größenklasse in seiner dunklen Umgebung. Etwa 20 Bogenminuten nordöstlich davon befindet sich mit Barnard 93 ein weiterer Dunkelnebel. Südlich von M 24 steht der kleine Emissionsnebel NGC 6589 vor einem großen dunklen Staubband.
Messier 24 ist am besten in den Sommermonaten der Nordhalbkugel zu beobachten, wenn das Sternbild Sagittarius tief über dem Südhorizont kulminiert. Die Sternenwolke befindet sich im nordöstlichen Teil des Schützen. Sie liegt etwa 6° nordöstlich von Messier 8, ca. 2 ½ Grad nordnordöstlich von Polis (My Sgr, 3,8 mag) und eine Handspanne nördlich vom Asterismus der „Teekanne“ des Sternbilds Schütze – nahe dem Ausguss dieser Teekanne. Dieser wird von den Sternen Kaus Australis (Epsilon Sgr, 1,79 mag) und Kaus Media (Delta Sgr, 2,98 mag) gebildet. Die Sternwolke lässt sich auch lokalisieren, indem man die Linie von Kaus Australis zu Kaus Media nach Norden verlängert. In dieser Region wird man ein sternreiches Feld erkennen, das dem bloßen Auge als heller, verschwommener Lichtfleck erscheint. M 24 ist bereits im Sucherfernrohr als helle Sternenwolke wahrnehmbar.
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Steckbrief für Messier 24
Daten und Fakten für die Kleine Sagittariuswolke Messier 24 im Schützen (Sagittarius)| Objektname | Messier 24 |
| Katalogbezeichnung | IC 4715 |
| Eigenname | Kleine Sagittariuswolke, Small Sagittarius Star Cloud, Sagittarius Star Cloud, Delle Coustiche |
| Typ | Sternwolke, Star Cloud |
| Sternbild | Schützen (Sagittarius) |
| Rektaszension (J2000.0) | 18h 16m 42,0s |
| Deklination (J2000.0) | -18° 40′ 00″ “ |
| V Helligkeit | 3,1 mag |
| Flächenhelligkeit | 4,3 mag |
| Winkelausdehnung | 95,0′ x 35,0′ |
| Anzahl der Sterne | 1.000+ |
| Hellster Stern | 6,7 mag |
| Durchmesser | 600 Lichtjahre |
| Entfernung | 5.000 – 7.000 Lichtjahre |
| Beschreibung | eeL cloud of st and neb; Small Sagittarius Star Cloud; sev dark neb and NGC 6603 invl |
| Entdecker | Charles Messier, 1764 |
| Sternatlanten | Cambridge Star Atlas: Chart 12 & 18 Interstellarum Deep Sky Atlas: Chart 66 Millennium Star Atlas: Charts 1367–1368 (Vol III) Pocket Sky Atlas: Chart 67 Sky Atlas 2000: Chart 16 Uranometria 2nd Ed.: Chart 145 |











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