Objekte des Monats: Die Kleine Sagittariuswolke Messier 24

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Mes­sier 24 (IC 4715) ist ein sicht­ba­rer Teil des weit ent­fern­ten Nor­ma-Spi­ral­arms unse­rer Milch­stra­ße im Stern­bild Schüt­ze (Sagit­ta­ri­us). Der fran­zö­si­sche Astro­nom Charles Mes­sier beob­ach­te­te das Objekt am 20. Juni 1764 und hielt es für einen Stern­hau­fen. Er nahm das Objekt schließ­lich als Num­mer 24 in sei­nen berühm­ten Nebel­ka­ta­log auf. Er beschrieb die Stern­wol­ke als „gro­ßen Nebel mit vie­len Ster­nen unter­schied­li­cher Hel­lig­keit“. Inter­es­san­ter­wei­se woll­te Mes­sier mit sei­nem Kata­log Astro­no­men dabei hel­fen, in sei­nem Tele­skop sicht­ba­re nebel­haf­te Objek­te nicht mit Kome­ten zu ver­wech­seln. Mes­sier 24 fällt jedoch aus dem Rah­men. Denn es ist schwer zu erklä­ren, war­um Charles Mes­sier die­se offen­sicht­li­che Stern­wol­ke in sei­ne Lis­te mit auf­ge­nom­men hat. Im Jahr 1850 präg­te der ita­lie­ni­sche Pries­ter­as­tro­nom Ange­lo Sec­chi den Namen „Del­le Cau­st­i­che“. Er tat dies auf­grund der eigen­tüm­li­chen Anord­nung ihrer Ster­ne. Die­se Anord­nung zeigt sich in Strah­len, Bögen, Kaus­ti­ken und ver­schlun­ge­nen Spiralen.

Heut­zu­ta­ge wird die Stern­wol­ke zumeist als „Klei­ne Sagit­ta­ri­us-Wol­ke“ (Small Sagit­ta­ri­us Star Cloud) bezeich­net, um sie von der „Gro­ßen Sagit­ta­ri­us-Wol­ke“ nörd­lich von Gam­ma und Del­ta Sagit­ta­rii und knapp 10° süd­lich von M 24 zu unter­schei­den. Im Gegen­satz zur Klei­nen Sagit­ta­ri­us-Wol­ke besteht sie aus Ster­nen im galak­ti­schen Bul­ge der Milch­stra­ße. Die­se wer­den nicht von inter­stel­la­rem Staub ver­deckt. Oft wird der offe­ne Stern­hau­fen NGC 6603 fälsch­li­cher­wei­se mit M 24 ver­wech­selt. Mes­siers Mes­sung des Durch­mes­sers des Objekts von 1,5° deu­tet ein­deu­tig dar­auf hin, dass er den gro­ßen Fleck in der Milch­stra­ße und nicht den dar­in ent­hal­te­nen, viel klei­ne­ren Stern­hau­fen vor Augen hatte.

Ein tunnelartiges Fenster in der Milchstraße

Anders als vie­le Objek­te in Charles Mes­siers Kata­log, ist Mes­sier 24 kein ein­zel­nes astro­no­mi­sches Objekt, wie etwa eine Gala­xie, ein Nebel oder ein Stern­hau­fen. Viel­mehr han­delt es sich um ein dich­tes Stern­feld mit einem Durch­mes­ser von über 600 Licht­jah­ren. Es ent­hält Zehn­tau­sen­de mit dem Tele­skop sicht­ba­re Ster­ne, umfasst tat­säch­lich aber mehr als eine Mil­li­on Ster­ne. Die­ses tun­nel­ar­ti­ge „galak­ti­sche Fens­ter“, in der Nähe des galak­ti­schen Zen­trums, in einem ent­fern­ten Spi­ral­arm der Milch­stra­ße, offen­bart einen rela­tiv staub­frei­en Teil der Ebe­ne unse­rer Gala­xie. Inter­es­san­ter­wei­se eröff­net das „galak­ti­sche Fens­ter“ nicht nur einen Blick auf den Sagit­ta­ri­us-Cari­na-Spi­ral­arm und den Scu­tum-Cen­tau­rus-Arm, den Haupt­spi­ral­arm zwi­schen Erde und dem galak­ti­schen Zen­trum, son­dern auch auf den dahin­ter­lie­gen­den Nor­ma-Spi­ral­arm nahe des Zentrums.

Zentrum Milchstraße
Der zen­tra­le Bereich unse­rer Milch­stra­ße im Stern­bild Sagit­ta­ri­us © Andre­as Schnabel

Zumeist hin­dern dich­te Staub­wol­ken auf der Sicht­li­nie der Milch­stra­ßen­ebe­ne einen Blick auf ent­fern­te­re Berei­che unse­rer Gala­xis. Die­ser Bereich wird als „Gre­at Rift“ (Gro­ßer Gra­ben) bezeich­net. Wir bli­cken hier durch eine Lücke im Sagit­ta­ri­us-Cari­na-Arm. Die­ser befin­det sich 5.000 bis 7.000 Licht­jah­re ent­fernt und ist der Stern­wol­ke vor­ge­la­gert. Die Regi­on um „Del­le Cau­st­i­che“ ent­hält deut­lich weni­ger inter­stel­la­re Mate­rie. Die Ster­ne wer­den nicht, wie in der Nähe des galak­ti­schen Zen­trums, um 20 bis 30 Grö­ßen­klas­sen abge­schwächt. Nor­ma­ler­wei­se ist unse­re Sicht in der Nähe der galak­ti­schen Ebe­ne auf nur weni­ge tau­send Licht­jah­re beschränkt. Ohne den ver­de­cken­den Staub und das Gas wür­de die gesam­te Milch­stra­ße so hell wie M 24 erscheinen!

Die Beob­ach­tung von Mes­sier 24 ermög­licht es Astro­no­men, einen unge­wohn­ten Ein­blick in die ster­nen­rei­che Schei­be der Milch­stra­ße zu gewin­nen. Die­se kla­ren Fens­ter durch die Gala­xis sind von gro­ßer Bedeu­tung für die Erfor­schung ihrer Struk­tur. Sie ermög­li­chen die Unter­su­chung sonst ver­bor­ge­ner, weit ent­fern­ter Regio­nen sowie der Stern­zu­sam­men­set­zung unse­rer Milch­stra­ße. Die stern­rei­che Regi­on inmit­ten der Som­mer­milch­stra­ße bie­tet sowohl Ama­teur­as­tro­no­men als auch Astro­fo­to­gra­fen einen loh­nen­den Anblick. Wäh­rend älte­re Quel­len die Hel­lig­keit der Stern­wol­ke mit 4,6 mag ange­ben, gehen neue­re Schät­zun­gen von einer Hel­lig­keit von 2,5 mag aus. Ihre schein­ba­re Aus­deh­nung beträgt 2 x 1 Grad am Him­mel. Somit erscheint die Stern­wol­ke etwa neun­mal grö­ßer als der Voll­mond. Ihre Hel­lig­keit resul­tiert nicht aus ein­zel­nen Ster­nen, son­dern aus dem gebün­del­ten Licht Tau­sen­der Ster­ne, die sich dicht bei­ein­an­der inmit­ten der Stern­wol­ke befinden.

Milchstraße Schütze
Die Milch­stra­ße im Stern­bild Schüt­ze mit Mes­sier 24 am obe­ren lin­ken Abschnitt des Bil­des © Andre­as Schnabel

Auf­grund ihrer Aus­deh­nung eig­nen sich zur Beob­ach­tung am bes­ten Fern­glä­ser und Rich­field-Tele­sko­pe. Mit die­sen Instru­men­ten ergibt sich ein fan­tas­ti­scher Anblick auf Mes­sier 24. Die Stern­wol­ke wird als „ein wah­rer Tep­pich aus Ster­nen­ju­we­len” der 6. bis 10. Grö­ßen­klas­se beschrie­ben. Dazu gehö­ren auch meh­re­re dunk­le Nebel, die den drei­di­men­sio­na­len Ein­druck ver­stär­ken. M 24 ist mit dem blo­ßen Auge sicht­bar, wann immer auch die Milch­stra­ße zu sehen ist. Eine noch trans­pa­ren­te­re Regi­on in der Nähe des Sterns My Sagit­ta­rii ist als „Baa­des Fens­ter“ bekannt. Die­se Stern­wol­ke bie­tet uns einen Blick auf die galak­ti­sche Bul­ge – der Zen­tral­be­reich unse­rer Milch­stra­ße – in einer Ent­fer­nung von 30.000 Lichtjahren.

Deep-Sky-Objekte in der „Kaustischen Wolke“

Mes­sier 24 erstreckt sich über ein beträcht­li­ches Volu­men bis in eine Tie­fe von 10.000 bis 16.000 Licht­jah­ren. Es han­delt sich dabei um die dich­tes­te Kon­zen­tra­ti­on ein­zel­ner Ster­ne, die mit einem Fern­glas sicht­bar ist. In einem ein­zi­gen Sicht­feld eines han­dels­üb­li­chen Feld­ste­chers sind unge­fähr 1.000 Ster­ne zu erken­nen. Außer­dem weist sie Ähn­lich­kei­ten mit der Ster­nen­wol­ke NGC 206 in einem Spi­ral­arm des Andro­me­da­ne­bels (Mes­sier 31) auf. Das Feld umfasst zahl­rei­che jun­ge, hei­ße Ster­ne sowie meh­re­re offe­ne Stern­hau­fen wie bei­spiels­wei­se NGC 6603 (11,4 mag) und die bei­den pla­ne­ta­ri­schen Nebel NGC 6567 (12,0 mag) und M 1–43, wobei vor allem NGC 6603 heraussticht. 

Messier 24 wide
Die Umge­bung der Klei­nen Sagit­ta­ri­us­wol­ke (Mes­sier 24) im Stern­bild Schüt­ze – Auf­nah­me von Kon­stan­tin von Poschin­ger, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

Die­ser rei­che Stern­hau­fen befin­det sich im nörd­li­chen Teil von M 24. Er liegt 11.700 Licht­jah­re von unse­rem Son­nen­sys­tem ent­fernt im Nor­ma-Spi­ral­arm unse­rer Milch­stra­ße. NGC 6603 wur­de am 15. Juli 1830 von dem eng­li­schen Astro­no­men John Her­schel ent­deckt und erscheint selbst mit klei­ner Tele­s­ko­pöff­nung nur als nebel­ar­ti­ger Fleck. Der Stern­hau­fen ent­hält mehr als 30 Ster­ne auf einem Feld von 5 Bogen­mi­nu­ten Aus­deh­nung. Sein linea­rer Durch­mes­ser beträgt etwa 14 Licht­jah­re. Die hei­ßes­ten Ster­ne des Hau­fens sind vom Spek­tral­typ B9, was auf ein Alter des Hau­fens von etwa 200 Mil­lio­nen Jah­ren hin­deu­tet. Der Stern­hau­fen ähnelt Mes­sier 11 im Stern­bild Schild, befin­det sich aber 2,5‑mal so weit ent­fernt. Sein Licht unter­liegt einer inter­stel­la­ren Extink­ti­on von nur 1,5 Magnituden.

Mes­sier 24 im Schüt­zen – Auf­nah­me von Kon­stan­tin von Poschin­ger, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

Wei­te­re offe­ne Stern­hau­fen sind Col­lin­der 469 und Mar­ka­ri­an 38 (Biur 5), die Teil der Sagit­ta­ri­us OB4-Asso­zia­ti­on sind. Die bei­den Stern­hau­fen sind mit der Stern­ent­ste­hungs­re­gi­on Shar­pless 41 in 4.700 Licht­jah­ren Ent­fer­nung asso­zi­iert. Das hells­te Mit­glied die­ser Asso­zia­ti­on vom Spek­tral­typ O (HD 167771) ist maß­geb­lich an der Ioni­sie­rung die­ses Nebels betei­ligt. Eine wei­te­re deut­lich kom­pak­te­re Stern­ent­ste­hungs­re­gi­on ist Shar­pless 40. Auch zwei mar­kan­te Dun­kel­wol­ken sind sicht­bar, die der Ster­nen­wol­ke vor­ge­la­gert sind. Sie bestehen aus undurch­sich­ti­gem dich­ten inter­stel­la­ren Staub, die das Licht der dahin­ter lie­gen­den Ster­ne blo­ckiert. Im Nord­wes­ten liegt Bar­nard 92, der dunk­le­re der bei­den. Inmit­ten des Ster­nen­felds erscheint der Nebel als rie­si­ges, ster­nen­lo­ses Loch mit ¼ Grad Aus­deh­nung. B 92 trug den Spitz­na­men „Black Hole“, bevor die­ser Begriff für Schwar­ze Löcher in der heu­ti­gen Form gebräuch­lich wur­de. Der Dun­kel­ne­bel wur­de 1913 von dem ame­ri­ka­ni­schen Astro­no­men Edward Emer­son Bar­nard ent­deckt. Es war eines der ers­ten Objek­te die­ser Art, die der Astro­nom beschrieb. 

Messier 24 (Ausschnitt)
Aus­schnitt der Klei­nen Sagit­ta­ri­us­wol­ke: rechts unten ist der Offe­ne Stern­hau­fen NGC 6603 zu erken­nen und in der Mit­te die bei­den Dun­kel­wol­ken B 92 (links) und B 93 (rechts) – Cre­dit: ESO/TIMER sur­vey, CC BY 4.0, via Wiki­me­dia Commons

Im Nord­os­ten befin­det sich Bar­nard 93, der weni­ger auf­fäl­lig und groß ist. Wei­te­re Dun­kel­ne­bel in M 24 sind Bar­nard 304 und Bar­nard 307. Alle die­se Nebel gehö­ren zu unse­rem loka­len Spi­ral­arm und ste­hen nur weni­ge hun­dert Licht­jah­re von der Erde ent­fernt. Die Dun­kel­ne­bel LDN 294, LDN 318 und LDN 325 bil­den ent­lang der süd­li­chen und öst­li­chen Rän­der von M 24 einen dunk­len Wol­ken­kom­plex. Unmit­tel­bar süd­lich von Mrk 38 liegt noch der Emis­si­ons­ne­bel IC 1283⁄1284 mit den bei­den angren­zen­den Refle­xi­ons­ne­beln NGC 6589⁄6590. Ihre Ener­gie­quel­le ist der bemer­kens­wer­te klei­ne offe­ne Stern­hau­fen NGC 6595 (7,0 mag). 

Der hells­te Stern in M 24 ist HD 167356 (V4387 Sgr) mit einer Hel­lig­keit von 6,05 mag. Er ist ein wei­ßer Über­rie­se der Spek­tral­klas­se A0 und ein ver­än­der­li­cher Stern vom Typ Alpha‑2 Canum Vena­ti­corum. Wei­te­re Ver­än­der­li­che sind die lang­pe­ri­odi­sche Cep­hei­de WZ Sagit­ta­rii und der Alpha-Cyg­ni-Ver­än­der­li­che V4384 Sagit­ta­rii. In M 24 befin­den sich außer­dem drei wei­te­re Ster­ne mit schein­ba­ren Hel­lig­kei­ten zwi­schen 6,5 und 7,0 mag.

Messier 16 & Messier 17
Milch­stra­ße mit dem Adler­ne­bel (Mes­sier 16), dem Ome­ga­ne­bel (Mes­sier 17) und ein Teil von Mes­sier 24 © Andre­as Schnabel

Nörd­lich der Ster­nen­wol­ke befin­det sich mit dem Ome­ga- oder Schwa­nen­ne­bel (Mes­sier 17) ein wei­te­res berühm­tes Objekt aus dem Kata­log von Charles Mes­sier. Mit einer Ent­fer­nung von 5.900 Licht­jah­ren ist M 17 nur etwa halb so weit ent­fernt wie M 24. Mes­sier 24 eig­net sich außer­dem sehr gut als Aus­gangs­punkt, um die inter­es­san­tes­ten Mes­sier-Objek­te in den Stern­bil­dern Schüt­ze und Schlan­ge zu suchen und zu beob­ach­ten. Von dort aus sind die Deep-Sky-Objek­te M 18, M 23, M 25, M 21, M 20, M 8, M 17, M 22 und M 28 schnell aufzufinden.

Del­le Cau­st­i­che ist eines von nur drei Mes­sier-Objek­ten, die kei­ne ech­ten Deep-Sky-Objek­te sind. Die ande­ren bei­den sind der Dop­pel­stern Winne­cke 4 (WNC 4) im Stern­bild Gro­ßer Bär, der als Mes­sier 40 kata­lo­gi­siert ist, sowie der Aste­ris­mus Mes­sier 73, der aus vier nicht phy­sisch ver­bun­de­nen Ster­nen im Stern­bild Was­ser­mann besteht.

Beobachtung

Mes­sier 24 ist unter einem dunk­len Land­him­mel bereits mit blo­ßem Auge als kom­pak­te Auf­hel­lung zwi­schen den Dun­kel­struk­tu­ren der Milch­stra­ße erkenn­bar. In Mit­tel­eu­ro­pa ver­hin­dern jedoch die Lich­ter­glo­cken der Städ­te zumeist eine erfolg­rei­che Sich­tung. Denn M 24 liegt noch 12 Grad tie­fer als die Schild­wol­ke, ein wei­te­res auf­fäl­li­ges Gebiet unse­rer Gala­xis. Von Nami­bia aus erreicht die Klei­ne Sagit­ta­ri­us-Wol­ke den Zenit. Dort erscheint sie deut­lich auf­fäl­li­ger und sogar etwas hel­ler als die Schild­wol­ke. Bei weni­ger güns­ti­gen Bedin­gun­gen genügt bereits eine leich­te opti­sche Hil­fe, um sie sicht­bar zu machen. Für Besit­zer von Fern­glä­sern und klei­nen Tele­sko­pen ist M 24 ein wah­res Pracht­ob­jekt. Es ist die dich­tes­te Ansamm­lung ein­zel­ner Ster­ne, die mit einem Fern­glas sicht­bar ist. Bei mit­tel­gro­ßen und gro­ßen Tele­sko­pen geht aller­dings ein Teil der Fas­zi­na­ti­on der Wol­ke ver­lo­ren. Sie erscheint für das Oku­lar­feld ein­fach zu groß. Dafür erkennt man Tau­sen­de Ster­ne, oft in kon­tras­tie­ren­den Far­ben. Mit einem han­dels­üb­li­chen 7×50 Fern­glas erkennt man zwei dunk­le Fle­cken (B 92 und B 93) am Nord­rand sowie eine lang­ge­zo­ge­ne, fast recht­wink­li­ge Dun­kel­wol­ke am Süd­rand von M 24. Mit dem 10×50 oder einem 10×70 Fuji­non-Feld­ste­cher sind die hells­ten Ster­ne der Wol­ke bereits auf­ge­löst. Die Ster­nen­wol­ke erscheint nun nahe­zu recht­eckig. Sie ist gefüllt mit unzäh­li­gen Ster­nen schwä­cher als 6. Grö­ßen­klas­se, deren lan­ge Ach­se in nord­öst­li­cher bis süd­west­li­cher Rich­tung aus­ge­rich­tet ist.

Aufsuchkarte Messier 24
Auf­such­kar­te für Mes­sier 24 – erstellt mit SkytechX

Mit einem 3 bis 4‑Zoll Refrak­tor und gerin­ger Ver­grö­ße­rung lässt sich die kom­plet­te Aus­deh­nung von M 24 über­bli­cken. Dabei sind hun­der­te Ster­ne zu erken­nen, von denen eini­ge noch nicht voll­stän­dig auf­ge­löst sind. Dabei erschei­nen die west­li­chen Rän­der von M 24 schär­fer als die öst­li­chen. Die bei­den Dun­kel­ne­bel erschei­nen nun tief­schwarz mit dif­fu­sen, nebel­haf­ten Rän­dern. Ab einer Öff­nung von 6 bis 8‑Zoll lässt sich bei höhe­rer Ver­grö­ße­rung auch der offe­ne Stern­hau­fen NGC 6603 teil­wei­se in sei­ne Ein­zel­ster­ne auf­lö­sen. Bei 10 bis 12-Zoll Öff­nung und einer Ver­grö­ße­rung von 100-fach wer­den in dem Stern­hau­fen 50 bis 80 Ster­ne vor einem neb­li­gen Hin­ter­grund sicht­bar. In Mes­sier 24 sind bei die­sen Öff­nun­gen Tau­sen­de Ster­ne erkenn­bar, von denen eini­ge beson­ders hell leuch­ten. Dabei han­delt es sich um hel­le Über­rie­sen in einer Ent­fer­nung von 10.000 Licht­jah­ren. Am nord­west­li­chen Rand von M 24 sticht bei die­ser Öff­nung und mitt­le­ren Ver­grö­ße­run­gen eine dunk­le­re Regi­on mit weni­gen Ster­nen regel­recht ins Auge. Hier­bei han­delt es sich um den Dun­kel­ne­bel Bar­nard 92, der wie ein rie­si­ges run­des Loch ohne Ster­ne erscheint. B 92 ent­hält ledig­lich einen ein­zi­gen Stern der 12. Grö­ßen­klas­se in sei­ner dunk­len Umge­bung. Etwa 20 Bogen­mi­nu­ten nord­öst­lich davon befin­det sich mit Bar­nard 93 ein wei­te­rer Dun­kel­ne­bel. Süd­lich von M 24 steht der klei­ne Emis­si­ons­ne­bel NGC 6589 vor einem gro­ßen dunk­len Staubband.

Mes­sier 24 ist am bes­ten in den Som­mer­mo­na­ten der Nord­halb­ku­gel zu beob­ach­ten, wenn das Stern­bild Sagit­ta­ri­us tief über dem Süd­ho­ri­zont kul­mi­niert. Die Ster­nen­wol­ke befin­det sich im nord­öst­li­chen Teil des Schüt­zen. Sie liegt etwa 6° nord­öst­lich von Mes­sier 8, ca. 2 ½ Grad nord­nord­öst­lich von Polis (My Sgr, 3,8 mag) und eine Hand­span­ne nörd­lich vom Aste­ris­mus der „Tee­kan­ne“ des Stern­bilds Schüt­ze – nahe dem Aus­guss die­ser Tee­kan­ne. Die­ser wird von den Ster­nen Kaus Aus­tra­lis (Epsi­lon Sgr, 1,79 mag) und Kaus Media (Del­ta Sgr, 2,98 mag) gebil­det. Die Stern­wol­ke lässt sich auch loka­li­sie­ren, indem man die Linie von Kaus Aus­tra­lis zu Kaus Media nach Nor­den ver­län­gert. In die­ser Regi­on wird man ein stern­rei­ches Feld erken­nen, das dem blo­ßen Auge als hel­ler, ver­schwom­me­ner Licht­fleck erscheint. M 24 ist bereits im Sucher­fern­rohr als hel­le Ster­nen­wol­ke wahrnehmbar.

Auf­such­kar­te Mes­sier 24 (80,7 KiB, 137 Downloads)

Steckbrief für Messier 24

Daten und Fak­ten für die Klei­ne Sagit­ta­ri­us­wol­ke Mes­sier 24 im Schüt­zen (Sagit­ta­ri­us)
Objekt­na­meMes­sier 24
Kata­log­be­zeich­nungIC 4715
Eigen­na­meKlei­ne Sagit­ta­ri­us­wol­ke, Small Sagit­ta­ri­us Star Cloud, Sagit­ta­ri­us Star Cloud, Del­le Coustiche
TypStern­wol­ke, Star Cloud
Stern­bildSchüt­zen (Sagit­ta­ri­us)
Rekt­aszen­si­on (J2000.0)18h 16m 42,0s
Dekli­na­ti­on (J2000.0)-18° 40′ 00″ “
V Hel­lig­keit3,1 mag
Flä­chen­hel­lig­keit4,3 mag
Win­kel­aus­deh­nung95,0′ x 35,0′
Anzahl der Sterne1.000+
Hells­ter Stern6,7 mag
Durch­mes­ser600 Licht­jah­re
Ent­fer­nung5.000 – 7.000 Lichtjahre
Beschrei­bungeeL cloud of st and neb; Small Sagit­ta­ri­us Star Cloud; sev dark neb and NGC 6603 invl 
Ent­de­ckerCharles Mes­sier, 1764
Stern­at­lan­tenCam­bridge Star Atlas: Chart 12 & 18
Inter­stel­larum Deep Sky Atlas: Chart 66
Mill­en­ni­um Star Atlas: Charts 1367–1368 (Vol III)
Pocket Sky Atlas: Chart 67
Sky Atlas 2000: Chart 16
Urano­me­tria 2nd Ed.: Chart 145

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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