Finsternisse im August: Zwei Highlights für Sternfreunde

  • Letz­te Ände­rung:2 Mona­ten 
  • Lese­zeit:5Minu­ten
  • Wör­ter:1252
  • Bei­trags­auf­ru­fe:154

Im August die­ses Jah­res gibt es wie­der zwei inter­es­san­te Him­mels­er­eig­nis­se zu sehen, die auch vom deutsch­spra­chi­gen Raum aus sicht­bar sind: Zum einen ist das die tota­le Son­nen­fins­ter­nis am 12. August 2026, die im deutsch­spra­chi­gen Raum als tie­fe par­ti­el­le Fins­ter­nis aus­fällt, zum ande­ren eine par­ti­el­le Mond­fins­ter­nis in der zwei­ten Nacht­hälf­te des 28. August. In Nord­spa­ni­en und auf den Balea­ren schiebt sich der Neu­mond am Abend des 12. August exakt vor die Son­ne und ver­deckt sie für weni­ge Minu­ten voll­stän­dig. Nur in die­sem schma­len Strei­fen auf der Erd­ober­flä­che wird es kur­zei­tig so dun­kel wie in der fort­ge­schrit­te­nen Dämmerung.

Sonnenfinsternis
Maxi­mum der par­ti­el­len Son­nen­fins­ter­nis am 20. März 2015

Verlauf der Sonnenfinsternis am Mittwoch, 12. August

Am Mitt­woch, dem 12. August 2026, fin­det abends eine par­ti­el­le Son­nen­fins­ter­nis statt. Die­se ist vom deutsch­spra­chi­gen Raum aus größ­ten­teils sicht­bar. Sie hat eine Grö­ße von 1,039 und ist in ihrer par­ti­el­len Pha­se welt­weit in Nord­ame­ri­ka, West­afri­ka und Euro­pa zu sehen. Die Zen­tral­li­nie der Tota­li­tät ver­läuft dabei über die Ark­tis, Grön­land, Island, Spa­ni­en sowie den Ark­ti­schen Oze­an und den nörd­li­chen Atlan­tik. Das Maxi­mum der Fins­ter­nis liegt west­lich von Island im Atlan­tik bei 65° 13′ nörd­li­cher Brei­te und 25° 14′ west­li­cher Län­ge. Sie dau­ert zwei Minu­ten und 18 Sekunden.

Der ers­te Kon­takt, bei dem der Neu­mond vor die Son­nen­schei­be tritt, fin­det in Lüb­ben um 18:16 Uhr Mit­tel­eu­ro­päi­scher Som­mer­zeit statt. Zu die­sem Zeit­punkt steht die Son­ne noch elf Grad über dem nord­west­li­chen Hori­zont. Die maxi­ma­le Pha­se mit 87 Pro­zent Bede­ckung wird um 20:09 Uhr erreicht. Zu die­sem Zeit­punkt steht die Son­ne nur noch drei Grad über dem Hori­zont. Der vier­te Kon­takt, bei dem der Mond die Son­nen­schei­be wie­der ver­lässt, fin­det nach Son­nen­un­ter­gang und somit für uns unsicht­bar um 19:59 Uhr statt.

Sonnenfinsternispfad
Pfad des Kern­schat­ten des Mon­des und Gebiet der par­ti­el­len Bedeckung

Der maxi­ma­le Bede­ckungs­grad sowie die Zeit­punk­te der Ver­fins­te­rung sind stand­ort­ab­hän­gig. In Deutsch­land wird der Bede­ckungs­grad je nach Regi­on zwi­schen 85 und 90 Pro­zent betra­gen. Das soll­te auch visu­ell auf­fäl­lig sein. In Mit­tel- und Süd­eu­ro­pa ereig­net sich das Schau­spiel am spä­ten Nach­mit­tag und Abend, kurz vor Son­nen­un­ter­gang. Wenn das Wet­ter mit­spielt und der loka­le Hori­zont es zulässt, wer­den wir hier in Deutsch­land eine unter­ge­hen­de Son­nen­si­chel erle­ben. Sie ist bei kla­rem Wet­ter ab etwa 19:20 Uhr im West­nord­wes­ten zu sehen. Bei duns­ti­ger Luft ist sie sogar ganz ohne opti­sche Hilfs­mit­tel zu beob­ach­ten. Wich­tig ist, dass die Son­ne nicht blen­det, damit die Augen des Beob­ach­ters kei­nen irrepa­ra­blen Scha­den neh­men. Die Zen­tral­li­nie der tota­len Son­nen­fins­ter­nis ver­läuft auf dem euro­päi­schen Kon­ti­nent auch über die Ibe­ri­sche Halb­in­sel. In der Mit­tel­meer­re­gi­on öst­lich der Balea­ren wird der Mond­schat­ten die Erd­ober­flä­che schließ­lich wie­der ver­las­sen. Auf der Feri­en­in­sel Mal­lor­ca ist die Son­nen­schei­be beim Son­nen­un­ter­gang über dem Meer dann kom­plett verfinstert.

Sonnenfinsternis (Horizont)
Die teil­ver­fins­ter­te Son­ne über dem Hori­zont am Mor­gen des 31. Mai 2003

Son­nen­fins­ter­nis­se sind sel­te­ne Natur­er­eig­nis­se. Sie tre­ten nur bei Neu­mond und in der Nähe der bei­den Kno­ten­punk­te auf. Die Kno­ten­punk­te sind die Schnitt­punk­te der Mond­bahn mit der Eklip­tik, also der schein­ba­ren Son­nen­bahn. In der Regel zieht der Neu­mond über oder unter der Son­ne vor­bei, da die Mond­bahn gegen­über der Eklip­tik­ebe­ne um etwa 5° geneigt ist. Aus die­sem Grund fin­det nicht jeden Monat eine Son­nen­fins­ter­nis statt. Der Kern­schat­ten des Mon­des ist bei tota­len und ring­för­mi­gen Fins­ter­nis­sen nur ent­lang eines schma­len Strei­fens von 200 Kilo­me­tern Brei­te auf der Erd­ober­flä­che zu beob­ach­ten, die par­ti­el­le Pha­se hin­ge­gen von einem meh­re­re Tau­send Kilo­me­ter grö­ße­ren Gebiet aus. Ähn­lich ver­hält es sich bei Mond­fins­ter­nis­sen, die nur bei Voll­mond stattfinden.

Sonnenbeobachtung
Siche­re Beob­ach­tung der Son­ne im Weiß­licht mit Baa­der-Son­nen­fil­ter­fo­lie vor dem Objek­tiv des Teleskops

Die Son­ne darf nie­mals unge­schützt beob­ach­tet wer­den. Ansons­ten kön­nen schwe­re Augen­schä­den die Fol­ge sein. Nur wäh­rend der Tota­li­tät einer Son­nen­fins­ter­nis ist ein kur­zer Blick ohne Schutz des Auges sicher. Für eine siche­re Beob­ach­tung wäh­rend der par­ti­el­len Pha­se soll­ten spe­zi­el­le Son­nen­fil­ter, zum Bei­spiel Foli­en- oder Glas­fil­ter, oder zer­ti­fi­zier­te Son­nen­fins­ter­nis­bril­len ver­wen­det wer­den. Die­se blo­ckie­ren über 99,5 Pro­zent des Lichts und die gefähr­li­chen Infra­rot­strah­lung. Alter­na­tiv kann die Son­ne per Pro­jek­ti­ons­me­tho­de auf eine wei­ße Flä­che über­tra­gen wer­den. So kön­nen gleich meh­re­re Per­so­nen gleich­zei­tig unser Zen­tral­ge­stirn beob­ach­ten. Beson­ders emp­feh­lens­wert ist die Beob­ach­tung gemein­sam mit erfah­re­nen Stern­freun­den in Volks­stern­war­ten oder astro­no­mi­schen Ver­ei­nen. Dort sind geeig­ne­te Gerä­te zur gefahr­lo­sen Beob­ach­tung der Son­ne vorhanden.

Verlauf der Mondfinsternis am Freitag, 28. August

Lei­der kann die par­ti­el­le Mond­fins­ter­nis in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz nur teil­wei­se beob­ach­tet wer­den. Zur Mit­te der Fins­ter­nis um 6:13 Uhr MESZ, wenn 93 % der Mond­ka­lot­te vom Kern­schat­ten der Erde getrof­fen wer­den, steht der Mond in der hel­len, fort­ge­schrit­te­nen Däm­me­rung direkt am Hori­zont. Daher kann der Aus­tritt aus dem Kern­schat­ten, der rund ein­ein­halb Stun­den spä­ter erfol­gen wird, vom deutsch­spra­chi­gen Raum aus nicht beob­ach­tet wer­den. Zuvor kann jedoch beob­ach­tet wer­den, wie der Mond um 4:34 Uhr in den Kern­schat­ten der Erde ein­tritt und zuneh­mend ver­fins­tert wird. Zu die­sem Zeit­punkt steht unser Erd­tra­bant nur noch 13 Grad über dem Süd­west­ho­ri­zont im Stern­bild Was­ser­mann. Aus die­sem Grund ist eine freie Hori­zont­sicht in die­se Rich­tung uner­läss­lich. Ein han­dels­üb­li­ches Fern­glas, sta­bil auf ein Foto­sta­tiv mon­tiert, reicht zur Beob­ach­tung hier völ­lig aus.

Sonnen- & Mondfinsternis
Ver­lauf der bei­den Fins­ter­nis­se im August

Zur Mit­te der Fins­ter­nis ist der Mond vie­ler­orts im öst­li­chen Mit­tel­eu­ro­pa bereits unter­ge­gan­gen bzw. steht nur noch weni­ge Grad über dem Hori­zont. Aus die­sem Grund ist kla­re Luft und eine freie Sicht in Rich­tung West­süd­west erfor­der­lich. An mei­nem Stand­ort geht er um 6:15 Uhr unter. Im Nord­wes­ten steht dann schon die Son­ne über dem Hori­zont. Er wäre selbst bei sehr kla­rer Hori­zont­sicht nicht mehr zu sehen, wie die letz­te Mond­fins­ter­nis im ver­gan­ge­nen Jahr bewie­sen hat. 

Der Mond ging bereits ver­fins­tert auf, war aber erst zu sehen, als der Him­mel dun­kel genug war und der Mond sich aus den tie­fe­ren Dunst­schich­ten des Hori­zonts genü­gend hoch her­aus­ge­ar­bei­tet hat­te. In die­sem Jahr liegt nur ein klei­nes Stück der nörd­li­chen Mond­ka­lot­te noch im Halb­schat­ten der Erde. Die­ser wäre theo­re­tisch sogar noch mit dem blo­ßen Auge sicht­bar, aber spä­tes­tens mit Hil­fe eines Feld­ste­chers oder Tele­skops noch zu erken­nen. Ein opti­sches Instru­ment ver­bes­sert deut­lich die Wahr­neh­mung feins­ter Kontraste.

Der vom Kern­schat­ten der Erde teil­ver­fins­ter­te Voll­mond über dem Hori­zont am 7. August 2017

Der Aus­tritt aus dem Kern­schat­ten der Erde um 7:53 Uhr und aus dem Halb­schat­ten um 9:04 Uhr fin­det für uns unbe­ob­acht­bar unter dem Hori­zont statt. Die Ein- und Aus­trit­te des Mon­des aus dem Halb­schat­ten sind sowie­so prin­zi­pi­ell nicht auf­fäl­lig. Nahe des Kern­schat­ten erscheint der Voll­mond aller­dings deut­lich blas­ser als üblich. Die Mond­fins­ter­nis ist in der Ost­pa­zi­fik­re­gi­on, in Nord- und Süd­ame­ri­ka (mit Aus­nah­me von Alas­ka und den öst­li­chen Tei­len des Pazi­fiks), im Süden Grön­lands, in Euro­pa, in Afri­ka sowie im Atlan­tik sichtbar.

Die Euro­päi­sche Welt­raum­agen­tur (ESA) wird das Natur­spek­ta­kel der Son­nen­fins­ter­nis in einem Live-Stream übertragen.

Ausblick

Die nächs­te Mond­fins­ter­nis, die am 21. Febru­ar 2027 statt­fin­det, ist eine Halb­schat­ten­fins­ter­nis und für visu­el­le Beob­ach­ter eher unin­ter­es­sant. Dafür fin­det fast genau ein Jahr spä­ter, am 2. August 2027, eine wei­te­re Son­nen­fins­ter­nis statt. Sie kann eben­falls vom deutsch­spra­chi­gen Raum aus beob­ach­tet wer­den. Im Süden Spa­ni­en trifft der Kern­schat­ten des Mon­des sogar die ibe­ri­sche Halb­in­sel bei Gibral­tar. Im Jahr 2028 gibt es dage­gen gleich drei Mond­fins­ter­nis­se, von denen alle teil­wei­se oder voll­stän­dig sicht­bar sind: zwei par­ti­el­le am 12. Janu­ar und am 6. Juli sowie eine tota­le am Silvesterabend.

Hof­fen wir also auf gutes Wet­ter, damit bei­de Him­mels­er­eig­nis­se beob­ach­tet wer­den können…

Kon­takt­zei­ten zur Son­nen­fins­ter­nis am 12. August 2025 für aus­ge­wähl­te Orte
OrtBeginnMit­teEndeGrö­ße
Ber­lin19:15 Uhr20:08 Uhr20:37 Uhr84,9%
Dres­den19:18 Uhr20:10 Uhr20:32 Uhr85,7%
Frankfurt/Main19:20 Uhr20:14 Uhr20:49 Uhr88,2%
Ham­burg19:14 Uhr20:08 Uhr20:55 Uhr85,4%
Mün­chen19:23 Uhr20:16 Uhr20:32 Uhr88,8%
Ros­tock19:13 Uhr20:06 Uhr20:48 Uhr84,4%
Salz­burg19:23 Uhr20:16 Uhr20:25 Uhr88,6%
Wien19:22 Uhr-20:13 Uhr87,0%
Zürich19:25 Uhr20:18 Uhr20:42 Uhr90,6%

Weiterführende Links

Astrofan80’s Ast­ro­sei­te – Fins­ter­nis­se | Wiki­pe­dia – Son­nen­fins­ter­nis vom 12. August 2026 | Sonnenfinsternis.org – Die Son­nen­fins­ter­nis am 12.08.2026 | Der Stan­dard – Was man zur Son­nen­fins­ter­nis im August wis­sen muss | WDR – Son­nen­fins­ter­nis 2026: War­um das Natur­spek­ta­kel so beson­ders ist

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

Ein Kommentar:

  1. Pingback:Allgemeines Live-Blog ab dem 5. August 2026 | Skyweek Zwei Punkt Null

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert