Erstes stellares Schwarzes Loch in Omega Centauri entdeckt

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Der rie­si­ge Kugel­stern­hau­fen Ome­ga Cen­tau­ri gibt Astro­no­men seit Jahr­zehn­ten Rät­sel auf. Eigent­lich müss­te er vol­ler Schwar­zer Löcher sein, die von explo­dier­ten Ster­nen zurück­ge­blie­ben sind; doch es gibt kaum Hin­wei­se auf deren Exis­tenz. Nun haben Astro­no­men unter Ver­wen­dung von Archiv­da­ten des Hub­ble-Welt­raum­te­le­skops der NASA/ESA sowie ergän­zen­der Beob­ach­tun­gen des James-Webb-Welt­raum­te­le­skops der NASA/ESA/CSA erst­mals ein Schwar­zes Loch stel­la­rer Mas­se in die­sem Hau­fen auf­ge­spürt. Die Ent­de­ckung des ers­ten Exem­plars die­ser bis­lang feh­len­den Popu­la­ti­on Schwar­zer Löcher wird dazu bei­tra­gen, die aktu­el­len Theo­rien zur Ent­ste­hung Schwar­zer Löcher in Umge­bun­gen wie Ome­ga Cen­tau­ri zu verfeinern.

Omega Centauri
Astro­nom­in­nen und Astro­no­men haben im Kugel­stern­hau­fen Ome­ga Cen­tau­ri erst­mals ein stell­armas­sen­rei­ches Schwar­zes Loch nach­ge­wie­sen. Mit­hil­fe von mehr als 20 Jah­ren Hub­ble-Archiv­da­ten sowie aktu­el­len Beob­ach­tun­gen des James-Webb-Welt­raum­te­le­skops ent­deck­ten sie den Begleit­stern des Schwar­zen Lochs oME­GA­Cat BH‑2. Die Ent­de­ckung lie­fert wich­ti­ge Hin­wei­se zur Ent­ste­hung Schwar­zer Löcher in Kugel­stern­hau­fen und eröff­net neue Mög­lich­kei­ten für wei­te­re Unter­su­chun­gen. – Cre­dit: ESA/Hubble & NASA, M. Häber­le (MPIA)

Ome­ga Cen­tau­ri besteht aus 10 Mil­lio­nen gra­vi­ta­tiv gebun­de­nen Ster­nen. Obwohl die astro­no­mi­sche Gemein­schaft mit­hil­fe von Hub­ble bereits Hin­wei­se dar­auf gefun­den hat­te, dass in sei­nem Zen­trum ein Schwar­zes Loch mitt­le­rer Mas­se lau­ert, legen Model­le nahe, dass der Stern­hau­fen zudem etwa 10.000 klei­ne­re Schwar­ze Löcher stel­la­rer Mas­se ent­hal­ten soll­te. Die­se beträcht­li­che Popu­la­ti­on Schwar­zer Löcher war frü­he­ren Stu­di­en ent­gan­gen, die ent­we­der die Radi­al­ge­schwin­dig­keits­me­tho­de [1] anwand­ten oder nach Radio- und Rönt­gen­strah­lung such­ten, die von Mate­rie aus­geht, wel­che in die Schwar­zen Löcher stürzt.

Eine neue Ent­de­ckung basiert auf einem ande­ren Ansatz, der als Astro­me­trie [2] bekannt ist und dazu dient, die sehr gerin­gen Bewe­gun­gen von Ster­nen im Lau­fe der Zeit zu mes­sen. Durch die Aus­wer­tung von mehr als 20 Jah­ren an Hub­ble-Archiv­da­ten und die Ein­be­zie­hung aktu­el­ler Webb-Daten zur wei­te­ren Ver­fei­ne­rung der astro­me­tri­schen Mes­sun­gen konn­te das Team einen Stern loka­li­sie­ren, der ein unsicht­ba­res Objekt umkreist, das so mas­se­reich ist, dass es sich um ein Schwar­zes Loch han­deln muss.Übersetzt mit DeepL.com (kos­ten­lo­se Ver­si­on). Das als oME­GA­Cat BH‑2 bezeich­ne­te Objekt ist das ers­te Schwar­ze Loch stel­la­rer Mas­se, das in Ome­ga Cen­tau­ri nach­ge­wie­sen wur­de, und es weist eini­ge über­ra­schen­de Eigen­schaf­ten auf. oME­GA­Cat BH‑2 besitzt eine gerin­ge­re Mas­se als erwar­tet, und das Duo aus Schwar­zem Loch und sicht­ba­rem Stern weist die längs­te Umlauf­zeit aller bis­her bekann­ten Dop­pel­stern­sys­te­me mit einem Schwar­zen Loch auf.

Die Ergeb­nis­se des Teams wur­den in der Fach­zeit­schrift The Astro­phy­si­cal Jour­nal Let­ters ver­öf­fent­licht.

„Mit­hil­fe der Daten von Hub­ble und Webb konn­ten wir die Bewe­gung des sicht­ba­ren Haupt­rei­hen­sterns [3] beob­ach­ten, der Teil die­ses Dop­pel­stern­sys­tems ist, das sich in einer Ent­fer­nung von etwa 18.000 Licht­jah­ren in der dich­ten Umge­bung von Ome­ga Cen­tau­ri befin­det“, sag­te der Haupt­au­tor der Stu­die, Matthew Whita­ker von der Uni­ver­si­ty of Utah in Salt Lake City, USA. „Die Prä­zi­si­on die­ser Mes­sun­gen ist unglaub­lich – sie reicht bis auf einen Bruch­teil eines Pixels auf den Detek­to­ren von Hub­ble und Webb. Ohne die­se bei­den Welt­raum­te­le­sko­pe wäre es nicht mög­lich gewe­sen, die­ses Schwar­ze Loch zu entdecken.“

Die Ergeb­nis­se des Teams prä­zi­sie­ren eine frü­he­re Stu­die einer ande­ren For­scher­grup­pe, die dar­auf hin­deu­te­te, dass die­ses Dop­pel­stern­sys­tem einen Neu­tro­nen­stern ent­hielt. Durch die Erwei­te­rung der ana­ly­sier­ten Hub­ble-Daten um astro­me­tri­sche Mes­sun­gen aus den Jah­ren 2002 bis 2023 sowie durch die Ein­be­zie­hung von Nahin­fra­rot­da­ten des Webb-Tele­skops zur Ver­bes­se­rung der Genau­ig­keit gelang es dem von der Uni­ver­si­ty of Utah gelei­te­ten Team, die Mas­se des dunk­len Beglei­ters des sicht­ba­ren Sterns genau­er zu bestim­men und damit die Mög­lich­keit eines Neu­tro­nen­sterns auszuschließen.

„Wäh­rend wir bereits wuss­ten, dass der Stern eine Mas­se von 0,78 Son­nen­mas­sen auf­weist, kön­nen wir nun die Mas­se des Schwar­zen Lochs berech­nen: Sie beträgt 4,46 Son­nen­mas­sen und ist damit zu hoch für einen Neu­tro­nen­stern. Aller­dings ist die­se Mas­se deut­lich gerin­ger, als man es in einer metall­ar­men Umge­bung wie Ome­ga Cen­tau­ri erwar­ten wür­de. Das ist über­ra­schend und span­nend“, sag­te Anil Seth von der Uni­ver­si­ty of Utah, ein Mit­au­tor der Stu­die. „Wir wis­sen nun, dass ein metall­ar­mer Stern ein sol­ches Schwar­zes Loch bil­den kann, und wir müs­sen her­aus­fin­den, wie das geschieht. Die­se Ent­de­ckung lie­fert Daten für die­je­ni­gen, die ent­spre­chen­de Model­lie­run­gen durchführen.“

Lang erwartet

Anhand der prä­zi­sen Daten von Hub­ble und Webb konn­te das Team die Bahn des Sterns über einen Zeit­raum von mehr als 20 Jah­ren nach­zeich­nen, der glück­li­cher­wei­se in die Pha­se fiel, in der er sich sei­nem Beglei­ter, einem Schwar­zen Loch, am nächs­ten befand und sich am schnells­ten über den Him­mel beweg­te. Aus den umfang­rei­chen Daten ermit­tel­te das Team, dass der sicht­ba­re Stern oME­GA­Cat BH‑2 alle 94 Jah­re ein­mal umkreist, was die­ses Sys­tem zum Dop­pel­stern­sys­tem mit Schwar­zem Loch mit der längs­ten bekann­ten Umlauf­zeit macht.

Die lan­ge Umlauf­zeit lie­fert zudem einen Hin­weis auf den Ursprung die­ses Dop­pel­stern­sys­tems. Es ent­stand wahr­schein­lich durch dyna­mi­sche Pro­zes­se; das bedeu­tet, dass der Stern und sein Beglei­ter, das Schwar­ze Loch, nicht gemein­sam ent­stan­den sind, son­dern erst inner­halb des Stern­hau­fens zuein­an­der­fan­den. Die For­schen­den berech­ne­ten, dass ein Sys­tem wie oME­GA­Cat BH‑2 weni­ger als eine Mil­li­ar­de Jah­re über­dau­ern wird, bevor es durch Begeg­nun­gen mit benach­bar­ten Ster­nen aus­ein­an­der­ge­ris­sen wird – ein Zeit­raum, der weit kür­zer ist als das Alter des Stern­hau­fens (etwa 12 Mil­li­ar­den Jahre).

„Es ist wich­tig, die Popu­la­tio­nen Schwar­zer Löcher in Kugel­stern­hau­fen zu ver­ste­hen, da hin­sicht­lich ihrer Phy­sik und Ent­ste­hung noch Unklar­hei­ten bestehen“, sag­te Seth. „Ins­be­son­de­re ist das Ver­ständ­nis der Ent­ste­hung Schwar­zer Löcher und der anschlie­ßen­den dyna­mi­schen Bil­dung von Dop­pel­stern­sys­te­men ent­schei­dend, da dies unse­re Fähig­keit beein­flusst, Ereig­nis­se mit Gra­vi­ta­ti­ons­wel­len zu inter­pre­tie­ren und zu ver­ste­hen. Umge­bun­gen wie Ome­ga Cen­tau­ri gel­ten als die Orte, an denen sol­che Dop­pel­stern­sys­te­me ver­schmel­zen und die­se Wel­len erzeugen.“

Die Ent­de­ckung des stel­la­ren Schwar­zen Lochs oME­GA­Cat BH‑2 durch das Team anhand des Hub­ble-Webb-Daten­sat­zes ist erst der Anfang bei der Suche nach die­sen schwer nach­weis­ba­ren Popu­la­tio­nen von Schwar­zen Löchern in Kugelsternhaufen.

„Die­se neue Ent­de­ckung unter­streicht den immensen Wert des Archivs des Hub­ble-Welt­raum­te­le­skops für die künf­ti­ge For­schung“, sag­te Maxi­mi­li­an Häber­le, Post­dok­to­rand an der Euro­päi­schen Süd­stern­war­te (ESO), der die Daten­auf­be­rei­tung für die Hub­ble- und Webb-Daten lei­te­te. „Sie mar­kiert den zwei­ten Durch­bruch unse­rer astro­me­tri­schen Neu­ana­ly­se im Rah­men des oME­GA­Cat-Pro­jekts, nach der Bestä­ti­gung eines mit­tel­schwe­ren Schwar­zen Lochs in Ome­ga Centauri.“

Endnoten

[1] Die Kom­po­nen­te der Bewe­gungs­ge­schwin­dig­keit eines Objekts, die sich vom Beob­ach­ter weg oder auf ihn zu bewegt. Durch die Beob­ach­tung von Dopp­ler­ver­schie­bun­gen in Spek­tral­li­ni­en kön­nen Astro­no­men die Radi­al­ge­schwin­dig­keit ablei­ten und bestim­men, wie schnell sich Objek­te von uns weg oder auf uns zu bewe­gen. Die Mes­sung sol­cher Ver­schie­bun­gen im Licht eines Sterns kann das Vor­han­den­sein von Exo­pla­ne­ten und Brau­nen Zwer­gen auf­de­cken, die die­sen umkreisen.

[2] Die Astro­me­trie misst die genau­en Posi­tio­nen und Bewe­gun­gen von Ster­nen im Zeit­ver­lauf. Die Umlauf­bahn eines Pla­ne­ten kann dazu füh­ren, dass ein Stern im Welt­raum im Ver­hält­nis zu benach­bar­ten Ster­nen am Him­mel hin und her taumelt.

[3] Ein nor­ma­ler Stern ent­steht aus einem Staub- und Gas­klum­pen in einer Stern­ent­ste­hungs­re­gi­on. Im Lau­fe von Hun­dert­tau­sen­den von Jah­ren gewinnt die Ansamm­lung an Mas­se, beginnt sich zu dre­hen und erwärmt sich. Wenn sich der Kern der Ansamm­lung auf Mil­lio­nen Grad erhitzt, setzt die Kern­fu­si­on ein. Die­ser Pro­zess fin­det statt, wenn zwei Pro­to­nen, die Ker­ne von Was­ser­stoff­ato­men, zu einem Heli­um­kern ver­schmel­zen. Bei der Fusi­on wird Ener­gie frei­ge­setzt, die den Stern erwärmt und einen Druck erzeugt, der der Schwer­kraft des Sterns ent­ge­gen­wirkt. Ein Stern ist gebo­ren. Wis­sen­schaft­ler bezeich­nen einen Stern, der in sei­nem Kern Was­ser­stoff zu Heli­um fusio­niert, als Haupt­rei­hen­stern. Haupt­rei­hen­ster­ne machen etwa 90 % der Stern­po­pu­la­ti­on des Uni­ver­sums aus. Sie vari­ie­ren in Leucht­kraft, Far­be und Grö­ße – von einem Zehn­tel bis zum 200-Fachen der Son­nen­mas­se – und haben eine Lebens­dau­er von Mil­lio­nen bis Mil­li­ar­den von Jahren.

Hintergrundinformationen

Das Hub­ble-Welt­raum­te­le­skop ist ein Pro­jekt der inter­na­tio­na­len Zusam­men­ar­beit zwi­schen der ESA und der NASA.

Bild­nach­weis: ESA/Hubble & NASA, M. Häber­le (MPIA), J. DePas­qua­le (STScI)

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung heic2610

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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