Das 27. Herzberger Teleskoptreffen fand vom 9. bis 13. September 2026 statt. Entgegen der eher bescheidenen Wetterprognosen konnte auch dieses Mal wieder in allen Nächten Sternenlicht eingefangen werden. Wie in den zurückliegenden Jahren reiste der Autor dieser Zeilen erst am Freitag an, wo er schon auf den harten Kern unserer „Südkurve“ traf. Jörg hatte wieder sein WLAN den Mitgliedern zur Verfügung gestellt, Uwe aus Chemnitz war mit interessanten Gesprächen beschäftigt und Stefan testete – wie sollte es auch anders sein – seine Technik. Später trafen dann noch Thorsten und Ingo mit seinem Sohn zu unserem Beobachtertrupp ein.
Diesmal hatte ich nur das kleine Besteck eingepackt. Der 60⁄400 Omegon Apo diente zur Sonnenbeobachtung im Weißlicht am Tag und zur Beobachtung heller Deep-Sky-Objekte in der Nacht. Mein 10×70-Fujinon-Fernglas ruhte auf der Orion-Parallelmontierung. Auf dem Platz sah man weniger Teleskope als in den vergangenen Jahren. Dafür hat sich die Anzahl der Wohnwagen und Wohnmobile gefühlt verdoppelt. Schade, denn diese großen Fahrzeuge nehmen dem Flair älterer Treffen doch ein wenig den Rang. Diesmal konnte ich am Freitagnachmittag den sehr interessanten Vortrag von Markus Funke und Stefan Simon über die totale Sonnenfinsternis am 12. August in Spanien hören. Während Markus die Finsternis vom spanischen Festland aus beobachtete, schaute Stefan, ebenfalls von einem Hotelbalkon, aber auf Mallorca, gemeinsam mit seiner Familie auf die Schwarze Sonne. Es sind dabei sehr interessante Aufnahmen und Filme entstanden.
Gegen Abend zeigte sich die Sonne immer häufiger durch größere Wolkenlücken. Im Weißlicht waren zahlreiche Sonnenflecken auf unser Zentralgestirn zu erkennen. Im H‑Alpha-Licht präsentierte sich die Sonne dagegen eher ruhig. Man musste schon genau hinsehen, um einzelne Protuberanzen am Sonnenrand zu entdecken. Die überall spürbare Inflation ist am HTT ebenfalls nicht spurlos vorübergegangen. Während man in den vergangenen Jahren noch einige Sternfreunde sah, die ungenutztes Zubehör an interessierte Käufer veräußern wollten, gab es in diesem Jahr nichts dergleichen. Markus Ludes von APM Telescope hatte einen kleinen Stand, leider gab es von meiner Warte aus kein richtiges Schnäppchen. Auch die Preise in der H‑Alpha-Bar sind auch dieses Jahr wieder spürbar gestiegen.
Zum Abend hin zog sich der Himmel immer mehr zu, riss dann aber kurz nach 21 Uhr vollständig auf, sodass die reich strukturierte Sommermilchstraße über Jeßnigk prangte. Sofort rannten alle Sternfreunde zu ihren Teleskopen, um die interessanten Objekte des Sommer- und Herbsthimmels zu beobachten. Ingo nutzte die Gelegenheit, um uns sein Smart-Teleskop vorzuführen und einige damit gemachte Aufnahmen zu präsentieren. Stefan zeigte uns außerdem ein aktuelles Foto des Ringplaneten Saturn, das er Live mit seinem neu erworbenen Newton aufgenommen hatte. Trotz des eher mäßigen Seeings konnte die Optik des Teleskops überzeugen. Allerdings hatte er auch dieses Mal wieder Probleme mit seiner Technik, denn seine Montierung, die ein Teleobjektiv mitsamt Kamera nachführen sollte, zeigte seltsame Eigenarten. Kurz nach Mitternacht zogen immer mehr Wolken auf, sodass die meisten ihre Ausrüstung wieder einpackten und in ihren Zelten und Wohnwagen verschwanden. Da ich mich auch in diesem Jahr gegen das Zelten entschieden hatte, fuhr ich kurz nach 2 Uhr morgens nach Hause.
Nach einer erholsamen Nacht stand ich Punkt 13 Uhr wieder auf dem Platz in unserer „Südkurve“. Glücklicherweise zeigten sich gegen 15 Uhr immer mehr Wolkenlücken am Jeßnigker Himmel, sodass wir die Sonne intensiv beobachten konnten. Im H‑Alpha-Licht waren nun deutlich mehr Details zu erkennen als noch am Tag zuvor. In der Zwischenzeit trafen auch Uwe aus Finsterwalde, Thorsten und Stefans Frauen sowie Stephan aus Gorden auf dem Platz ein. Nach einem weiteren Rundgang bemerkte ich, dass immer mehr Teilnehmer des Treffens ihre Sachen packten. Die für die Nacht angekündigten Wolken und der für den Sonntagvormittag drohende Regen drängten viele Sternfreunde zum Aufbruch. Demzufolge lichtete sich die Fotografenwiese und die große Beobachterwiese spürbar. Wenigstens konnte unser andere Uwe am Stand von Oculum Verlagschef Ronald Stoyan ein Schnäppchen ergattern. Den neuen großen Mondatlas gab es 50% reduziert, weil die letzte Seite fehlte.
Um 17 Uhr besuchte ich den interessanten Vortrag des VdS-Vorsitzenden Uwe Pilz über Smart-Teleskope. Noch nie war es so einfach, vorzeigbare Bildergebnisse zu erzielen. Denn diese Teleskope übernehmen neben dem Ausrichten des Teleskops auch die Nachführung und das Stacking der Bilder, wodurch viel Arbeit erspart bleibt. Neben hübschen Bildern können diese Teleskope auch wissenschaftliche Ergebnisse liefern, beispielsweise durch die Überwachung von Kometen und veränderlichen Sternen oder die Erzeugung von Spektren mithilfe eines Gitters an hellen Sternen und Deep-Sky-Objekten. Nach dem Abendessen ging es zurück an den Beobachtungsplatz. Kurz vor Sonnenuntergang zeigte sich die für das HTT obligatorische Nebensonne. Ansonsten saßen wir in geselliger Runde beisammen, schickten Leuchtsignale in den Himmel, um die dichten Wolken zum Verschwinden zu animieren, fachsimpelten über Planetenfotografie und diskutierten „angeregt“ über andere Themen. 😉
Bis Mitternacht zeigten sich einige wenige Wolkenlücken, die die Teilnehmer jedoch nicht zum Beobachten animieren konnten. Einige von uns hatten ihre Ausrüstung nämlich schon im Auto verstaut. Der Vorbeiflug der ISS um 21:15 Uhr zwischen den Wolkenlücken war eine willkommene Abwechslung. Eine halbe Stunde nach Mitternacht war auch für mich das 27. HTT schließlich zu Ende.
Das nächste Herzberger Teleskoptreffen wird im nächsten Jahr wieder um die Neumondzeit Ende September stattfinden. Nähere Informationen gibt es dann wie immer auf der Webseite des HTT.
Weiterführende Links
HTT-Thread im Astrotreff-Forum | HTT-Thread bei Astronomie.de















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