Die Galaxie Messier 91 (NGC 4548) befindet sich im südlichen Teil des Sternbilds Haar der Berenike (Coma Berenices). Sie wurde am 18. März 1781 vom französischen Astronomen Charles Messier entdeckt. Sie war der achte und letzte Nebel, den er in dieser Märznacht gefunden hat. Messir beschrieb sie als Nebel ohne Sterne, der schwächer als M 90 ist. Am 8. April 1784 wurde die Galaxie von dem deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel unabhängig wiederentdeckt und als H II.120 katalogisiert. Er beschrieb sie als groß und rund. Die Zuordnung von M 91 zum Messier-Katalog war lange Zeit umstritten. Messier gab fälschlicherweise die Koordinaten des Objekts relativ zu M 58 an, obwohl er tatsächlich M 89 meinte. Andere Beobachter konnten an der angegebenen Stelle kein Objekt finden. Deshalb zählte die Galaxie fast 200 Jahre lang zu den verschollenen Messier-Objekten. Denn sie passte zu keinem bekannten Objekt am Himmel.
Ursprünglich nahm man an, dass der französische Astronom damals einen Kometen sah oder M 58 doppelt beobachtet hatte, wie der US-Astronom Owen Gingerich vermutete. Im Jahr 1969 gelang dem texanischen Hobbyastronomen William C. Williams die korrekte Zuordnung des von Messier beobachteten Nebels zu NGC 4548. Er schrieb einen Leserbrief an die amerikanische Zeitschrift „Sky & Telescope“, in dem er seine Entdeckung veröffentlichte. Messier hatte die Position des Nebels relativ zu M 89 aufgezeichnet. Williams fragte sich, ob Messier nicht eher M 58 statt M 89 in seinen Aufzeichnungen hätte schreiben sollen. Er testete diese Hypothese und landete mit einer Genauigkeit von 0,1 Bogenminuten in Rektaszension und besser als einer Bogenminute in Deklination bei NGC 4548, weshalb Messier 91 heute als NGC 4548 anerkannt wird. Anderen Quellen zufolge kam jedoch auch die nahegelegene Spiralgalaxie NGC 4571 als Kandidat für M 91 in Betracht.
Eine anämische Balkenspiralgalaxie im Virgohaufen
Messier 91 gilt als das schwächste aller Objekte in Messiers berühmten Nebelkatalog. Sie ist eine 5,2 x 4,2 Bogenminuten große, 10,1 mag helle Balken-Spiralgalaxie vom Hubble-Typ SBb. M 91 befindet sich 52 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt, im südlichen Teil des Sternbilds Coma Berenices, wie anhand der Beobachtung ihrer Cepheiden ermittelt wurde. Allerdings deuten Messungen der Schwankungen ihrer Oberflächenhelligkeit auf eine größere Entfernung von 63 Millionen Lichtjahren hin. Sie ist eine von über tausend Galaxien, die den Virgo-Galaxienhaufen bilden. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Galaxien, die durch Gravitation miteinander verbunden sind. M 91 befindet sich im Virgo-A-Subclusters um die elliptische Riesengalaxie Messier 87. Die Galaxie zeichnet sich durch eine auffällige zentrale Balkenstruktur aus. Mit einem Durchmesser von 83.000 Lichtjahren und einer Masse von ca. 80 Milliarden Sonnenmassen ist Messier 91 von der Größe und Masse her mit unserem eigenen Milchstraßensystem vergleichbar.

Im Vergleich zu anderen Spiralgalaxien enthalten ihre Spiralarme nur wenig interstellare Materie und HII-Regionen. Außerdem weisen sie eine geringe Sternbildungsrate auf. Der östliche Arm weist in seinem inneren Teil deutlich mehr Knoten auf als der westliche Arm. Die äußere Scheibe ist asymmetrisch: Die südöstliche Seite ist heller als die nordwestliche. Besonders auf Astrofotos kommen ihr markanter Balken und die Spiralstruktur zur Geltung. Insbesondere in kleinen Fernrohren erscheint sie deshalb eher unscheinbar. Zusammen mit ihrer geringen Flächenhelligkeit ist sie aus diesem Grund ein herausforderndes Objekt für visuelle Beobachter.

Messier 91 entfernt sich mit 400 km/s von uns. Gleichzeitig besitzt die Galaxie eine relativ hohe Peculiargeschwindigkeit von 700 km/s im Bezug zum Virgo-Galaxienhaufen. Aufgrund ihres geringen Gehalts an neutralem und molekularem Wasserstoff und ihrer geringen Sternentstehungsrate wird sie als „anämische Galaxie“ bezeichnet. Die Sternentstehung konzentriert sich nur auf die Bereiche, in denen die Spiralarme mit dem Balken verbunden sind. Außerdem besitzt sie keine ausgeprägten H‑II-Regionen, die auf eine aktive Sternentstehung in ihren Spiralarmen hindeuten würden. Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit durch den Galaxienhaufen und Wechselwirkungen mit der dort vorhandenen heißen intergalaktischen Materie hat M 91 den größten Teil ihrer sternbildenden Materie verloren. Dieser Prozess wird von Astronomen als „Ram Pressure Stripping” bezeichnet.

Die Galaxie gehört zum LINER-Typ mit aktivem Galaxienkern. Diese Galaxienart zeigt schwache Emissionslinien geringen Ionisationsgrades schwererer Elemente in ihrem Kernbereich. Darüber hinaus ist M 91 auch eine aktive Seyfertgalaxie, was wahrscheinlich auf das supermassereiche Schwarze Loch in ihrem Zentrum zurückzuführen ist, das zwischen 9,6 und 38 Millionen Sonnenmassen schwer ist. Im Jahr 1994 wurden Cepheidenbeobachtungen in M 91 mithilfe des Canada-France-Hawaii-Teleskops (CFHT) zur Eichung der Hubble-Konstante verwendet. Bemerkenswert ist außerdem, dass M 91 zur sogenannten Markarian-Kette gehört, einer Ansammlung von Galaxien, die Teil des Virgo-Galaxienhaufens ist. Die Kette wurde nach dem armenischen Astrophysiker Benjamin E. Markarian benannt, der entdeckte, dass sich diese Galaxien zusammenhängend bewegen. Außerdem wurden in ihren Spiralarmen noch nie Supernovae beobachtet.
Beobachtung
Abgesehen von fehlenden Referenzsternen, die das Aufsuchen der Galaxie erschweren, handelt es sich bei Messier 91 um eines der am schwierigsten zu findenden Messier-Objekte. Für Amateurastronomen mit kleinen Optiken ist sie eine Herausforderung, da sie nur eine geringe Flächenhelligkeit besitzt. Außerdem liegt die scheinbare Helligkeit der Galaxie an der Grenze der Sichtbarkeit mit einem 10×50-Fernglas. Selbst bei der Beobachtung mit Instrumenten wie einem 80 mm Refraktor gilt M 91 als ziemlich schwer zu beobachtendes Objekt. Unter guten Sichtbedingungen ist die Galaxie mit einem kleinen Teleskop mit 3 bis 4‑Zoll Öffnung und einer 40 bis 50-fachen Vergrößerung als rundlicher diffuser Nebelfleck mit hellerem Zentrum zu erkennen. Sie bildet mit drei helleren Sternen ein längliches Y. Unter weniger guten Bedingungen erscheint M 91 mit einer Öffnung von 3‑Zoll nur indirekt.
Mit Teleskopen zwischen 6 und 8‑Zoll und einer mittleren Vergrößerung von etwa 70-fach ist nicht viel mehr als ein schwacher, rechteckiger Nebel wahrnehmbar. Das Objekt wird zum Zentrum hin merklich heller und erscheint etwas länger als breit. Das Zentrum ist breit und hell. Unter optimalen Bedingungen und guter Transparenz sind Andeutungen des zentralen Balkens schon mit diesen Öffnungen und mittleren Vergrößerungen wahrnehmbar. Die Galaxie erscheint als länglicher Fleck in nordöstlicher bis südwestlicher Richtung. Ihr nach Norden und Süden ausgedehnter Hof ist ab einer Öffnung von 8‑Zoll und einer höheren Vergrößerung erkennbar. Auch erste Andeutungen ihrer Spiralstruktur sind in dunklen Nächten mit Teleskopen ab 10 bis 12-Zoll Öffnung zumindest zu erahnen. Zudem zeigt sich ein sternförmiger Kern. Bei noch größeren Teleskopen ist unter schlechten Bedingungen nur der helle, längliche Balkenbereich dieser Galaxie zu sehen, während unter guten Bedingungen die Spiralarme sichtbar werden, die eine fast runde bis leicht längliche Form aufweisen.
Messier 91 ist am besten in den Frühlingsmonaten und im Frühsommer zu beobachten, wenn das Sternbild Haar der Berenike hoch am Himmel steht. Die Galaxie befindet sich etwa einen Grad nördlich der Grenze zwischen den Sternbildern Coma Berenices und Virgo und nahe der Verbindungslinie zwischen den Galaxien M 89 und M 90. Leider gibt es in der Nähe von M 91 keinen hellen Stern, der das Auffinden des Objekts erleichtern könnte. Um den Bereich des Himmels zu finden, in dem sich die Galaxie befindet, verbinden wir die Strecke zwischen Denebola (Beta Leo, 2,1 mag) und Vindemiatrix (Epsilon Vir, 2,9 mag). Etwa bei 60 % dieser Strecke, zwischen den beiden Sternen, befindet sich die Galaxie M 89. Messier 91 steht etwa zwei Grad nördlich von dieser.
Aufsuchkarte Messier 91 (55,4 KiB, 40 hits)
Steckbrief für Messier 91
Daten und Fakten für die Galaxie Messier 91 im Haar der Berenike (Coma Berenices)| Objektname | Messier 91 |
| Katalogbezeichnung | NGC 4548, UGC 7753, PGC 41934, MCG 3−32−75, VCC 1615, IRAS12328+1446, ZWG 99.96 |
| Typ | Galaxie, SBb |
| Sternbild | Haar der Berenike (Coma Berenices) |
| Rektaszension (J2000.0) | 12h 35m 26,4s |
| Deklination (J2000.0) | +14° 29′ 47″ |
| V Helligkeit | 10,1 mag |
| Flächenhelligkeit | 13,4 mag |
| Winkelausdehnung | 5,2′ x 4,2′ |
| Positionswinkel | 150° |
| Absolute Helligkeit | -20,987mag |
| Durchmesser | 83.000 Lichtjahre |
| Entfernung | 52 Millionen Lichtjahre |
| Beschreibung | B,L,lE,lbM; NGC 4571 @ 27.0′;H II 120;F outer arms in S pattrn |
| Entdecker | Charles Messier, 1781 |
| Sternatlanten | Cambridge Star Atlas: Chart 11 Interstellarum Deep Sky Atlas: Chart 45 & D2 Millennium Star Atlas: Charts 725–726 (Vol II) Pocket Sky Atlas: Chart 45 Sky Atlas 2000: Chart 14 Uranometria 2nd Ed.: Chart 91 |










[…] Spreewald-Spechtler.de – spreewald-spechtler.de […]