Erster zuverlässiger Nachweis von Magnetfeldern auf Exoplaneten

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Ein Team von Astro­nom­in­nen und Astro­no­men hat den bis­lang ein­deu­tigs­ten Beweis dafür gefun­den, dass eini­ge Pla­ne­ten außer­halb unse­res Son­nen­sys­tems Magnet­fel­der auf­wei­sen könn­ten. Mit­hil­fe des Very Lar­ge Telescope (VLT) der Euro­päi­schen Süd­stern­war­te (ESO) und des Gemi­ni-North-Tele­skops hat das For­scher­team die Wind­ge­schwin­dig­kei­ten auf sie­ben sehr hei­ßen, Jupi­ter-ähn­li­chen Exo­pla­ne­ten ermit­telt. Die Beob­ach­tun­gen erga­ben, dass die Win­de auf die­sen Pla­ne­ten höchst­wahr­schein­lich von Magnet­fel­dern beein­flusst wer­den. Damit gelang erst­mals der zuver­läs­si­ge Nach­weis von Magne­tis­mus auf Pla­ne­ten außer­halb des Sonnensystems.

Die­se Illus­tra­ti­on zeigt die magne­ti­sche Akti­vi­tät eines Exo­pla­ne­ten. Der Pla­net ist ein Gas­rie­se wie Jupi­ter, befin­det sich jedoch sehr nahe an sei­nem Mut­ter­stern und ist durch Gezei­ten­kräf­te gebun­den: Eine Sei­te ist stets dem Stern zuge­wandt und glü­hend heiß, wäh­rend die ande­re Sei­te extrem kalt ist. Die­ser enor­me Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied erzeugt star­ke Win­de, die von der Tag­sei­te zur Nacht­sei­te wehen. Das Magnet­feld des Pla­ne­ten, hier durch blaue Lini­en dar­ge­stellt, kann die­se Win­de abbrem­sen. – Cre­dit: ESO/M. Korn­mes­ser, L. Calçada

Die­ser Fort­schritt eröff­net völ­lig neue Per­spek­ti­ven für die Exo­pla­ne­ten­for­schung. Zum ers­ten Mal kön­nen wir die Magnet­fel­der ande­rer Wel­ten mit­ein­an­der ver­glei­chen – ein ent­schei­den­der Schritt, um letzt­end­lich zu ver­ste­hen, wel­che Pla­ne­ten lebens­fä­hig blei­ben, ihr Was­ser behal­ten und viel­leicht sogar eines Tages Leben, wie wir es ken­nen, beher­ber­gen kön­nen“, sagt Julia Sei­del, Astro­no­min am Labo­ra­toire Lagran­ge, Obser­va­toire de la Côte d’Azur, Frank­reich, und Haupt­au­to­rin der heu­te in Natu­re Astro­no­my ver­öf­fent­lich­ten Studie.

Das Magnet­feld der Erde wirkt sich auf viel­fäl­ti­ge Wei­se auf unse­re Atmo­sphä­re aus und ist daher ein ent­schei­den­der Fak­tor für das Ver­ständ­nis des­sen, was den Pla­ne­ten für Leben bewohn­bar macht. Magnet­fel­der gibt es auch auf ande­ren Pla­ne­ten des Son­nen­sys­tems, wie Jupi­ter und Saturn. In den letz­ten 15 Jah­ren ist es jedoch nie­man­dem gelun­gen, die Stär­ke der Magnet­fel­der von Exo­pla­ne­ten direkt zu mes­sen – bis jetzt.

Das Team hat­te sich jedoch nicht zum Ziel gesetzt, das Magnet­feld zu ver­mes­sen, son­dern viel­mehr die Win­de. Sie bestimm­ten die Wind­ge­schwin­dig­kei­ten auf sie­ben Exo­pla­ne­ten, die ver­schie­de­ne Ster­ne umkrei­sen: Gas­rie­sen wie Jupi­ter, deren Rota­ti­on jedoch durch die Gezei­ten­kräf­te des Mut­ter­sterns mit ihrem Umlauf syn­chro­ni­siert wur­de und sich sehr nahe an ihm befin­den. So wie wir immer nur eine Sei­te des Mon­des sehen, wei­sen die­se Pla­ne­ten stets eine Sei­te dem Stern zu. Dadurch haben sich eine glü­hend hei­ßen Tag­sei­te und eine eis­kal­ten Nacht­sei­te aus­ge­prägt. Die­ser Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied schafft ein Kli­ma, das sich völ­lig von dem auf unse­rem Pla­ne­ten unter­schei­det, näm­lich eines mit extrem star­ken Win­den. Die Wind­ge­schwin­dig­kei­ten in ihrer Stich­pro­be reich­ten von etwa 7.200 km/h bis über 25.000 km/h; zum Ver­gleich: Die schnells­ten auf dem Jupi­ter gemes­se­nen Win­de errei­chen Geschwin­dig­kei­ten von etwa 1.500 km/h.

Anfangs woll­ten wir her­aus­fin­den, ob sich die atmo­sphä­ri­schen Win­de bei allen hei­ßen Pla­ne­ten gleich ver­hal­ten“, erklärt Sei­del, die zuvor als Astro­no­min bei der ESO in Chi­le tätig war. Für ihre Mes­sun­gen nutz­te das Team Daten des ESPRESSO-Instru­ments am VLT der ESO in der chi­le­ni­schen Ata­ca­ma-Wüs­te sowie eines ähn­li­chen Instru­ments am Gemi­ni-North-Tele­skop auf Hawaii, USA. (Das VLT ist ein Tele­skop der ESO, wäh­rend Gemi­ni North eine Hälf­te des Inter­na­tio­nal Gemi­ni Obser­va­to­ry ist, das teil­wei­se von der US-ame­ri­ka­ni­schen Natio­nal Sci­ence Foun­da­ti­on (NSF) finan­ziert und vom NSF NOIR­Lab betrie­ben wird.)

Als sie jedoch die Abhän­gig­keit der Wind­ge­schwin­dig­kei­ten von der Pla­ne­ten­tem­pe­ra­tur unter­such­ten, zeig­te sich ein sehr fas­zi­nie­ren­des Mus­ter: Je hei­ßer der Pla­net, des­to lang­sa­mer der Wind. „Das wider­spricht völ­lig der Intui­ti­on, denn unter sonst glei­chen Bedin­gun­gen ver­fü­gen hei­ße Pla­ne­ten über mehr Ener­gie, um die Win­de zu beschleu­ni­gen! Etwas muss den Wind bei hei­ße­ren Objek­ten brem­sen“, sagt Vivi­en Par­men­tier, Mit­au­tor der Stu­die und Pro­fes­sor am Labo­ra­toire Lagrange.

Das Team kam zu dem Schluss, dass die plau­si­bels­te Erklä­rung für die­ses Rät­sel das Vor­han­den­sein pla­ne­ta­ri­scher Magnet­fel­der ist, da sie wie eine Brem­se wir­ken und die Bewe­gung gela­de­ner Teil­chen in der Atmo­sphä­re ver­lang­sa­men kön­nen. Anhand der Daten konn­ten die For­schen­den daher die Stär­ke des Magnet­felds auf jedem der unter­such­ten Pla­ne­ten ablei­ten. Sie stell­ten fest, dass die­se in ihrer Stär­ke mit denen in unse­rem Son­nen­sys­tem ver­gleich­bar sind: etwa vier­mal so stark wie das von Saturn oder etwa halb so stark wie das von Jupi­ter.

Solch star­ke Magnet­fel­der könn­ten mehr als nur den Wind auf die­sen fer­nen Pla­ne­ten beein­flus­sen. „Hier auf der Erde ken­nen wir die Schön­heit der Polar­lich­ter, bei denen Teil­chen der Son­ne auf unser Magnet­feld tref­fen und zu den Polen gelei­tet wer­den. Dort kol­li­die­ren sie mit Gasen in der Atmo­sphä­re und erzeu­gen far­ben­präch­ti­ge Schau­spie­le in Grün, Rosa und Vio­lett“, erklärt Bibia­na Pri­no­th, Mit­au­torin der Stu­die, ehe­ma­li­ge Dok­to­ran­din an der Uni­ver­si­tät Lund in Schwe­den und heu­te Astro­no­min bei der ESO in Gar­ching, Deutsch­land. Auf den unter­such­ten Exo­pla­ne­ten könn­ten die magne­tisch ange­trie­be­nen Polar­lich­ter noch spek­ta­ku­lä­rer sein.

Das Team war­tet gespannt auf die Inbe­trieb­nah­me des Extre­me­ly Lar­ge Telescope der ESO, das dabei hel­fen wird, nicht nur gro­ße, Jupi­ter-ähn­li­che Exo­pla­ne­ten, son­dern auch klei­ne­re wie die Erde zu cha­rak­te­ri­sie­ren und mög­li­cher­wei­se sogar Gase nach­zu­wei­sen, die auf die­sen fer­nen Wel­ten Polar­lich­ter erzeu­gen könn­ten. Pri­no­th sagt: „Ich stel­le mir ger­ne vor, dass der Him­mel eini­ger die­ser Wel­ten nicht nur mit Ster­nen, son­dern auch mit rie­si­gen Vor­hän­gen aus bun­tem Licht gefüllt ist, die über einen Pla­ne­ten tan­zen, der zur Hälf­te in ewi­gem Tag und zur Hälf­te in end­lo­ser Nacht liegt.“

MN

Hintergrundinformationen

Die Euro­päi­sche Süd­stern­war­te (ESO) befä­higt Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler welt­weit, die Geheim­nis­se des Uni­ver­sums zum Nut­zen aller zu ent­de­cken. Wir ent­wer­fen, bau­en und betrei­ben Obser­va­to­ri­en von Welt­rang. Astro­no­men nut­zen sie, um span­nen­de Fra­gen zu beant­wor­ten und die Fas­zi­na­ti­on der Astro­no­mie zu wecken. Außer­dem för­dern wir die inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit in der Astro­no­mie. Die ESO wur­de 1962 als zwi­schen­staat­li­che Orga­ni­sa­ti­on gegrün­det. Heu­te wird sie von 16 Mit­glieds­län­dern (Bel­gi­en, Däne­mark, Deutsch­land, Finn­land, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Irland, Ita­li­en, Nie­der­lan­de, Öster­reich, Polen, Por­tu­gal, Schwe­den, Schweiz, Spa­ni­en, und Tsche­chi­en) sowie dem Gast­land Chi­le und Aus­tra­li­en als stra­te­gi­schem Part­ner unter­stützt. Der Haupt­sitz der ESO sowie das Besu­cher­zen­trum und Pla­ne­ta­ri­um, die ESO Super­no­va, befin­den sich in der Nähe von Mün­chen in Deutsch­land. Die Tele­sko­pe der ESO ste­hen in der chi­le­ni­schen Ata­ca­ma-Wüs­te, einem wun­der­ba­ren Ort mit ein­zig­ar­ti­gen Bedin­gun­gen für die Him­mels­be­ob­ach­tung. Die ESO betreibt drei Beob­ach­tungs­stand­or­te: La Sil­la, Par­anal und Cha­jnan­tor. Auf dem Par­anal ste­hen das Very Lar­ge Telescope (VLT) mit dem zuge­hö­ri­gen Very Lar­ge Telescope Inter­fe­ro­me­ter (VLTI) sowie Durch­mus­te­rungs­te­le­sko­pe wie VISTA. Eben­falls am Par­anal wird die ESO das süd­li­che Feld des Che­ren­kov Telescope Array (CTAO) betrei­ben, das größ­te und emp­find­lichs­te Gam­ma­strah­len-Obser­va­to­ri­um der Welt. Zusam­men mit inter­na­tio­na­len Part­nern betreibt die ESO auf dem Hoch­pla­teau von Cha­jnan­tor das Ata­ca­ma Lar­ge Millimeter/submillimeter Array (ALMA) zur Beob­ach­tung des Him­mels im Mil­li­me­ter- und Sub­mil­li­me­ter­be­reich. Auf dem Cer­ro Arma­zo­nes, nahe dem Par­anal, errich­ten wir der­zeit das Extre­me­ly Lar­ge Telescope (ELT). Es wird das größ­te opti­sche Tele­skop der Welt sein und wird oft als „das welt­weit größ­te Auge am Him­mel“ bezeich­net. Von unse­ren Büros in Sant­ia­go de Chi­le aus unter­stüt­zen wir unse­re Akti­vi­tä­ten im Land. Außer­dem arbei­ten wir mit chi­le­ni­schen Part­nern und der Gesell­schaft zusammen.

Links

Link zur Pres­se­mit­tei­lung der ESO

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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