Webb erforscht Exoplaneten um Weißen Zwerg

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Ein inter­na­tio­na­les Astro­no­men­team hat mit dem James-Webb-Welt­raum­te­le­skop von NASA, ESA und CSA den jupi­ter­gro­ßen Exo­pla­ne­ten WD 1856 b beim Tran­sit vor sei­nem Zen­tral­stern beob­ach­tet. Dabei wur­den Mas­se und Tem­pe­ra­tur des Pla­ne­ten gemes­sen und sogar sei­ne Atmo­sphä­re nach­ge­wie­sen. Die For­scher fan­den her­aus, dass der Pla­net deut­lich wär­mer ist als erwar­tet und ermit­tel­ten, wie er höchst­wahr­schein­lich sei­ne sehr enge Umlauf­bahn um den Stern, einen Wei­ßen Zwerg, erreicht hat. Die Ergeb­nis­se bie­ten uns einen ers­ten Ein­blick in die Zukunft von Pla­ne­ten wie Jupi­ter nach dem Tod der Son­ne, der Mil­li­ar­den von Jah­ren in der Zukunft liegt.

Exoplanet WD 1856 b
Der in die­ser künst­le­ri­schen Dar­stel­lung gezeig­te Exo­pla­net WD 1856 b ist ein Gas­rie­se, der den Tod sei­nes Sterns über­lebt hat. Er umkreist nun einen Wei­ßen Zwerg in einer Ent­fer­nung, die 50-mal näher ist als die Ent­fer­nung zwi­schen Erde und Son­ne. – Cre­dit: NASA, ESA, CSA, R. Craw­ford (STScI)

Webb lie­fert uns neue Ein­bli­cke in die fer­ne Zukunft von Son­nen­sys­te­men wie unse­rem. Vor Mil­li­ar­den von Jah­ren bläh­te sich ein son­nen­ähn­li­cher Stern gegen Ende sei­nes Lebens enorm auf und wur­de zu einem Roten Rie­sen, bevor er sei­ne äuße­ren Schich­ten abstieß und einen hei­ßen Rest­kern, einen soge­nann­ten Wei­ßen Zwerg, zurück­ließ. Als Roter Rie­se hät­te der Stern eigent­lich alle nahen Pla­ne­ten ver­schlin­gen und zer­stö­ren müs­sen. Doch Astro­no­men haben einen jupi­ter­gro­ßen Exo­pla­ne­ten ent­deckt, der den Wei­ßen Zwerg alle 34 Stun­den in einem Abstand von weni­ger als 3 Mil­lio­nen Kilo­me­tern umkreist.

Die Ergeb­nis­se wur­den am 1. Juli 2026 in der Fach­zeit­schrift Natu­re veröffentlicht .

WD 1856 b wur­de 2020 von Wis­sen­schaft­lern mit­hil­fe des NASA-Welt­raum­te­le­skops TESS (Tran­si­ting Exo­pla­net Sur­vey Satel­li­te) und des Spit­zer-Welt­raum­te­le­skops ent­deckt. Der Pla­net umkreist den Wei­ßen Zwerg WD 1856+534 in etwa 80 Licht­jah­ren Ent­fer­nung von der Erde. „ Der Pla­net ist etwa so groß wie Jupi­ter, aber der Wei­ße Zwerg, den er umkreist, ist so groß wie die Erde. Daher ist der Pla­net sie­ben­mal grö­ßer als sein Stern “, erklär­te Haupt­au­tor Ryan Mac­Do­nald von der Uni­ver­si­tät St. Andrews in Großbritannien.

WD 1856 b umkreist sei­nen Mut­ter­stern extrem nah, in einer Ent­fer­nung, die 50-mal näher ist als die der Erde zur Son­ne. Hät­te WD 1856 b ursprüng­lich in die­ser Ent­fer­nung um den Stern gekreist, wäre er zer­stört wor­den, als der Stern noch ein Roter Rie­se war. Wie hat er den Tod sei­nes Mut­ter­sterns über­lebt und ist an sei­ne heu­ti­ge Posi­ti­on gelangt?

Wie groß ist er, wie heiß ist er?

Die neue Stu­die nutz­te das Webb-Tele­skop, um den Pla­ne­ten beim Vor­bei­zug vor sei­nem Stern zu beob­ach­ten. Die­ser Tran­sit [1] lie­fer­te ein­zig­ar­ti­ge Infor­ma­tio­nen über die Mas­se des Pla­ne­ten, die zwi­schen dem Vier- und Elf­fa­chen der Jupi­ter­mas­se liegt. 

Das Team konn­te zudem die Tem­pe­ra­tur des Pla­ne­ten bestim­men. Wäh­rend des Tran­sits wur­de das Licht des Sterns teil­wei­se ver­deckt, doch das Infra­rot­licht wur­de weni­ger stark abge­schwächt als ande­re Wel­len­län­gen. Der Unter­schied war auf das Infra­rot­licht zurück­zu­füh­ren, das der Pla­net auf­grund sei­ner eige­nen Wär­me aus­strahl­te. Die Daten deu­te­ten dar­auf hin, dass der Pla­net eine Tem­pe­ra­tur von etwa 126 Grad Cel­si­us auf­weist – deut­lich hei­ßer, als es der Fall wäre, wenn sei­ne ein­zi­ge Wär­me­quel­le das Licht des Wei­ßen Zwergs wäre. Die­se rät­sel­haf­te Ent­de­ckung erwies sich als der ent­schei­den­de Hin­weis, der beleg­te, wie der Pla­net sei­ne der­zei­ti­ge Umlauf­bahn erreicht haben muss.

Chris­to­pher O’Connor von der Nor­thwes­tern Uni­ver­si­ty in Illi­nois in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, ein Mit­au­tor der Stu­die, war für die Rück­ver­fol­gung der Tem­pe­ra­tur­ent­wick­lung des Pla­ne­ten ver­ant­wort­lich. O’Con­nor erklär­te: „Die zen­tra­le Fra­ge ist, wie WD 1856 b an sei­nen heu­ti­gen Stand­ort gelang­te. Dazu gibt es zwei Theo­rien. Die eine besagt, dass der Pla­net von sei­nem ster­ben­den Wirts­stern ver­schluckt wur­de und im Inne­ren über­le­ben konn­te. Die ande­re Theo­rie geht davon aus, dass die Migra­ti­on durch die Gra­vi­ta­ti­ons­kraft ande­rer Objek­te im Sys­tem ver­ur­sacht wur­de. Der Wei­ße Zwerg ist Teil eines Drei­fach­stern­sys­tems, und die äuße­ren Begleit­ster­ne könn­ten die Umlauf­bahn von WD 1856 b beein­flusst haben.“

Spektrum WD 1856 b
Das James-Webb-Welt­raum­te­le­skop hat die Bestand­tei­le des Exo­pla­ne­ten WD 1856 b gemes­sen, als die­ser vor sei­nem Stern vor­bei­zog, und dabei Anzei­chen von Methan fest­ge­stellt. Die roten Bal­ken zei­gen an, an wel­chen Stel­len im Spek­trum Spit­zen zu erken­nen sind, die dar­auf hin­deu­ten, dass die Atmo­sphä­re die­ses Pla­ne­ten Methan ent­hält. – Cre­dit: NASA, ESA, CSA, J. Olm­sted (STScI)

Den For­schern wur­de klar, dass es heu­te kei­ne Ener­gie­quel­le gibt, die die­se Hit­ze erzeu­gen könn­te. Es muss sich also um Rest­ener­gie aus einer frü­he­ren Zeit han­deln, als der Pla­net noch erhitzt war. Mit­hil­fe von Model­len zur Abküh­lung sub­stel­la­rer Objek­te wie WD 1856 b im Lau­fe der Zeit und den neu­en Daten des Webb-Tele­skops zur Mas­se und aktu­el­len Tem­pe­ra­tur des Pla­ne­ten konn­te das Team sei­ne Tem­pe­ra­tur in die Ver­gan­gen­heit hoch­rech­nen und ablei­ten, wie lan­ge die Erwär­mung zurück­lie­gen muss. Der Zeit­punkt ist ent­schei­dend, um fest­zu­stel­len, ob die Erhit­zung durch das Ver­schlin­gen durch den Roten Rie­sen oder wäh­rend einer Ein­wärts­mi­gra­ti­on ver­ur­sacht wurde.

Sie kamen zu dem Schluss, dass die Erwär­mung höchst­wahr­schein­lich zwi­schen 3 und 5,5 Mil­li­ar­den Jah­ren nach dem Über­gang des Sterns zum Wei­ßen Zwerg statt­fand. In die­sem Sze­na­rio befand sich der Pla­net auf einer wei­ten Umlauf­bahn, die ihn wäh­rend der zer­stö­re­ri­schen Pha­se des Roten Rie­sen vor dem Stern schütz­te, und wan­der­te erst spä­ter an sei­ne heu­ti­ge Posi­ti­on. „Als sich der Pla­net nach innen beweg­te, führ­ten sei­ne Wech­sel­wir­kun­gen mit der star­ken Gra­vi­ta­ti­on des Wei­ßen Zwergs zu einer erheb­li­chen Erwär­mung, und seit­her kühlt er sich wie­der ab“, erklär­te O’Connor.

Das Licht des Sterns, das die Atmo­sphä­re des Pla­ne­ten durch­drang, lie­fer­te auch Infor­ma­tio­nen über des­sen che­mi­sche Zusam­men­set­zung. „Wir sahen die ver­rä­te­ri­schen Spu­ren klei­ner Wol­ken­par­ti­kel und Koh­len­was­ser­stof­fe, höchst­wahr­schein­lich Methan. Dies ist das ers­te Mal, dass wir eine Atmo­sphä­re auf einem Pla­ne­ten beob­ach­tet haben, der vor einem toten Stern vor­bei­zieht“, sag­te Mit­au­torin Vic­to­ria Boehm von der Cor­nell Uni­ver­si­ty in den USA. „Wir haben kürz­lich vier wei­te­re Tran­sits von WD 1856 b mit dem Webb-Tele­skop beob­ach­tet, um sei­ne Atmo­sphä­ren­che­mie genau­er zu unter­su­chen, und sind gespannt auf die Ergeb­nis­se.

Mögliche Zukunft des Sonnensystems

In etwa fünf Mil­li­ar­den Jah­ren wird der Was­ser­stoff­vor­rat im Kern der Son­ne auf­ge­braucht sein, wor­auf­hin sie sich auf mehr als das 100-Fache ihrer heu­ti­gen Grö­ße zu einem Roten Rie­sen aus­deh­nen wird. Anschlie­ßend wird sie ihre äuße­ren Schich­ten abwer­fen und ihr Leben als Wei­ßer Zwerg been­den. Mer­kur, Venus und mög­li­cher­wei­se auch die Erde wer­den vom Roten Rie­sen zer­stört wer­den. Das Schick­sal der wei­ter ent­fern­ten Pla­ne­ten, ins­be­son­de­re der Gas­rie­sen, ist jedoch unklar. Das Auf­spü­ren und die Erfor­schung von Pla­ne­ten, die nach dem Tod son­nen­ähn­li­cher Ster­ne um deren Über­res­te krei­sen, bie­ten die Mög­lich­keit, Erkennt­nis­se dar­über zu gewin­nen, was in fer­ner Zukunft in unse­rem eige­nen Son­nen­sys­tem gesche­hen könnte.

Wir sind es gewohnt, mit Tele­sko­pen in die Ver­gan­gen­heit zu bli­cken, aber dies ist das ers­te Mal, dass wir einen Blick in die Zukunft wer­fen kön­nen, um zu sehen, was mit den äuße­ren Pla­ne­ten um den Über­rest eines son­nen­ähn­li­chen Sterns gesche­hen könn­te“, sag­te Mac­Do­nald. „Es ist, als wür­den wir mit einer Zeit­ma­schi­ne in die fer­ne Zukunft unse­res Son­nen­sys­tems schau­en.

Anmerkungen

[1] Ein Tran­sit tritt auf, wenn ein Pla­net aus unse­rer Sicht vor dem Stern vor­bei­zieht, den er umkreist, und dabei einen Teil des Lichts des Sterns ver­deckt. Vie­leExo­pla­ne­ten wur­den ent­deckt, indem man nach dem gerin­gen Hel­lig­keits­ab­fall eines Sterns such­te, der durch einen vor­bei­zie­hen­den Pla­ne­ten ver­ur­sacht wur­de. Der Ver­gleich des Lichts des Sterns mit dem Licht, das die Atmo­sphä­re des vor­bei­zie­hen­den Pla­ne­ten durch­dringt, lie­fert zudem Infor­ma­tio­nen über die Zusam­men­set­zung der Atmosphäre.

Hintergrundinformationen

Webb ist das größ­te und leis­tungs­stärks­te Tele­skop, das jemals ins All gebracht wur­de. Im Rah­men einer inter­na­tio­na­len Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung stell­te die ESA den Start­dienst für das Tele­skop unter Ein­satz der Trä­ger­ra­ke­te Aria­ne 5 bereit. In Zusam­men­ar­beit mit ihren Part­nern war die ESA für die Ent­wick­lung und Qua­li­fi­zie­rung der Anpas­sun­gen der Aria­ne 5 für die Webb-Mis­si­on sowie für die Beschaf­fung des Start­diens­tes durch Aria­nespace ver­ant­wort­lich. Die ESA stell­te außer­dem den Haupt­spek­tro­gra­fen NIR­Spec sowie 50 % des Mit­tel­in­fra­rot-Instru­ments MIRI bereit, das von einem Kon­sor­ti­um staat­lich finan­zier­ter euro­päi­scher Insti­tu­te (dem MIRI Euro­pean Con­sor­ti­um) in Zusam­men­ar­beit mit dem JPL und der Uni­ver­si­ty of Ari­zo­na ent­wi­ckelt und gebaut wurde.

Webb ist eine inter­na­tio­na­le Part­ner­schaft zwi­schen der NASA, der ESA und der Cana­di­an Space Agen­cy (CSA).

Bild­nach­weis: NASA, ESA, CSA, R. Craw­ford (STScI)

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung weic2614

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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