Objekte des Monats: Die Galaxie Messier 59

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Mes­sier 59 (NGC 4621) ist eine ellip­ti­sche Gala­xie im Stern­bild Jung­frau (Vir­go). Das Objekt wur­de am 11. April 1779 von dem deut­schen Astro­no­men Johann Gott­fried Köh­ler in Dres­den zusam­men mit Mes­sier 60 und NGC 4638 ent­deckt, als er den Kome­ten Bode beob­ach­te­te. In jener Nacht beob­ach­te­te der säch­si­sche Astro­nom den Kome­ten im sel­ben Abschnitt des Him­mels. Köh­ler beschrieb die bei­den Gala­xien als „zwei sehr klei­ne Nebel, die in einem 3‑Fuß-Tele­skop kaum sicht­bar sind: einer über dem ande­ren“. Der fran­zö­si­sche Astro­nom Charles Mes­sier ent­deck­te bei­de Gala­xien unab­hän­gig von­ein­an­der nur vier Tage spä­ter, am 15. April, als er den­sel­ben Kome­ten beob­ach­te­te, zusam­men mit M 58. Er nahm alle drei Objek­te anschlie­ßend in sei­nen berühm­ten Kata­log kome­ten­haf­ter Objek­te auf. Mes­sier beschrieb M 59 als eben­so licht­schwach wie M 58 und noch licht­schwä­cher als M 60. Merk­wür­di­ger­wei­se hat­te Köh­ler M 58 über­se­hen. Der bri­ti­sche Astro­nom John Her­schel kata­lo­gi­sier­te das Objekt als h 1386 und beschrieb es als „hell, unre­gel­mä­ßig rund, gefleckt“. Spä­ter füg­te er es sei­nem „Gene­ral Kata­log“ als GC 3155 hinzu.

Eine elliptische Galaxie mit ungewöhnlichem Zentrum

Die Gala­xie ist mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 9,7 mag und einer Grö­ße von 5,4 x 3,7 Bogen­mi­nu­ten bereits in klei­nen Tele­sko­pen und licht­star­ken Fern­glä­sern zu beob­ach­ten. Sie befin­det sich 52,2 Mil­lio­nen Licht­jah­re von der Erde ent­fernt, im öst­li­chen Teil des Vir­go-Gala­xien­hau­fens. Die Regi­on ist dicht mit Gala­xien besie­delt. Sie gilt als eine der größ­ten ellip­ti­schen Gala­xien (Hub­ble-Typ E5) die­ses Hau­fens. Aller­dings ist sie deut­lich mas­se­är­mer und weni­ger leucht­kräf­tig als die ellip­ti­schen Hau­fen­mit­glie­der Mes­sier 49, Mes­sier 60 und Mes­sier 87. Etwa 1.500 bis 2.000 Gala­xien bil­den das Zen­trum des Vir­go-Super­hau­fens. Die­ser umfasst auch unse­re Loka­le Grup­pe mit der Milch­stra­ße. Der wah­re Durch­mes­ser von M 59 beträgt schät­zungs­wei­se 75.300 Licht­jah­re und ihre Mas­se 270 Mil­li­ar­den Son­nen­mas­sen. Mes­sier 59 ist um 163° gegen­über unse­rer Sicht­li­nie geneigt. Ihr Halo ist nicht voll­kom­men ellip­tisch, son­dern weist spitz zulau­fen­de Kan­ten auf. Die­se kom­men durch die Über­la­ge­rung von drei unter­schied­lich ellip­ti­schen Struk­tu­ren zustan­de. Die Gesamt­form von M 59 weist außer­dem eine Abfla­chung von ca. 50 % auf. Ihr Kern ent­hält ver­mut­lich ein super­mas­se­rei­ches Schwar­zes Loch mit einer Mas­se von 270 Mil­lio­nen Son­nen­mas­sen. Die­ses ist fast 100-mal mas­se­rei­cher als das Schwar­ze Loch im Zen­trum der Milchstraße.

Messier 59
Mes­sier 59 im Stern­bild Jung­frau – Auf­nah­me von Micha­el Brei­te, Ste­fan Heutz & Wolf­gang Ries, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

Das Schwar­ze Loch im Zen­trum der Gala­xie ist der­zeit recht ruhig, leuch­tet aber auch im Radio- und Rönt­gen­be­reich. Dies deu­tet auf einen Aus­fluss in der Akkre­ti­ons­schei­be des Schwar­zen Lochs hin. Obwohl ellip­ti­sche Gala­xien als die am wei­tes­ten ent­wi­ckel­te Form gel­ten, zeigt M 59 Anzei­chen von Stern­ent­ste­hung in einer deut­lich jün­ge­ren stel­la­ren Schei­be nahe dem Zen­trum. Es wird ver­mu­tet, dass die­ses Schei­ben­ma­te­ri­al aus einer frü­hen Ver­schmel­zung mit einer ande­ren Gala­xie stam­men könn­te. Der Kern von Mes­sier 59 erscheint deut­lich blau­er und rotiert bis in eine Ent­fer­nung von 200 Licht­jah­ren vom Zen­trum in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung. Dies ist die kleins­te Regi­on in einer Gala­xie, in der eine sol­che Rota­ti­on bekannt ist. Die Gala­xien­ver­schmel­zung lös­te in der Ver­gan­gen­heit Stern­ent­ste­hung in der Zen­tral­re­gi­on von M 59 aus. Somit fällt die­se Gala­xie etwas aus dem Rah­men. Denn ellip­ti­sche Gala­xien besit­zen in der Regel vie­le rote und alte Ster­ne und wei­sen nur weni­ge oder gar kei­ne Anzei­chen für Stern­ent­ste­hungs­pro­zes­se auf.

Messier 59 (HST)
Mes­sier 59 in einer Auf­nah­me des Hub­ble-Welt­raum­te­le­skops – Cre­dit: ESA/Hubble, CC BY 4.0, via Wiki­me­dia Commons

Wie alle gro­ßen ellip­ti­schen Gala­xien ist auch Mes­sier 59 reich an Kugel­stern­hau­fen. Man schätzt, dass sich in der Gala­xie 2.200 Kugel­stern­hau­fen befin­den. Das ist zehn­mal so viel wie in unse­rer Gala­xis, aber nur ein Zehn­tel der Kugel­stern­hau­fen in M 87. Die hohe Anzahl an die­sen Stern­hau­fen ermög­licht es For­schern, die Ent­ste­hung und Ent­wick­lung die­ser Sys­te­me zu unter­su­chen. In unmit­tel­ba­rer Nähe zu Mes­sier 59 wur­den außer­dem zwei ellip­ti­sche Zwerg­ga­la­xien nach­ge­wie­sen. Die­se gel­ten als Zwi­schen­form zwi­schen einer kom­pak­ten Zwerg­ga­la­xie wie Mes­sier 32 in der Andro­me­da und einer ultra­kom­pak­ten Zwerg­ga­la­xie (M59-UCD3 und M59cO). In M 59 wur­de bis­her nur eine Super­no­va nach­ge­wie­sen. Die Super­no­va SN 1939B wur­de am 19. Mai 1939 vom Schwei­zer Phy­si­ker und Astro­no­men Fritz Zwi­cky ent­deckt. Sie erreich­te eine maxi­ma­le Hel­lig­keit von 11,9 mag. In der Regi­on, in der die­se Super­no­va auf­trat, gibt es kei­ne Anzei­chen für Stern­ent­ste­hung. das deu­tet dar­auf hin, dass es sich um eine Super­no­va vom Typ Ia handelte.

Beobachtung

Mes­sier 59 ist im 10×50 Fern­glas bereits als unschar­fes Stern­chen zu erah­nen. In mei­nem 16×70-Fujinon-Feldstecher ist sie als schwa­cher, ellip­ti­scher Nebel­fleck eben­falls gera­de noch sicht­bar. Aller­dings ist hier­für ein sehr dunk­ler Him­mel erfor­der­lich. Im 3 bis 4‑Zoll gro­ßen Refrak­tor und mit mitt­le­rer Ver­grö­ße­rung erscheint die Gala­xie als 2:1‑elongierter, schwa­cher, ellip­ti­scher Nebel­fleck, mit einem etwas hel­le­ren Kern­ge­biet. Sie bil­det mit zwei hel­len Vor­der­grund­ster­nen ein gleich­schenk­li­ges Drei­eck. Nur 1,8 Bogen­mi­nu­ten nörd­lich des Zen­trums der Gala­xie befin­det sich ein Stern der 12. Grö­ßen­klas­se. Auch mit grö­ße­ren Tele­sko­pen mit 6 bis 8‑Zoll Öff­nung ändert sich wenig an ihrem äuße­ren Erschei­nungs­bild. M 59 wirkt jetzt etwas grö­ßer und hel­ler. Ihr ellip­ti­scher Kern erscheint kon­den­siert und deut­lich hel­ler. Das Zen­trum erscheint stern­för­mig. Der Kern ist von einem gro­ßen, schwa­chen, neb­li­gen Halo umge­ben, des­sen Hel­lig­keit nur mäßig zur Mit­te hin zunimmt. Die Gala­xie erscheint deut­lich licht­schwä­cher als die ellip­ti­sche Rie­sen­ga­la­xie M 60 (8,8 mag). Sie ist zusam­men mit NGC 4647 bei einer 50-fachen Ver­grö­ße­rung im sel­ben Gesichts­feld zu erken­nen. Selbst bei einer noch höhe­ren Ver­grö­ße­rung von über 100-fach sind kei­ne wei­te­ren Details in Mes­sier 59 wahrnehmbar.

Virgo-Galaxienhaufen
Der öst­li­che Bereich des Vir­go-Gala­xien­hau­fens © Andre­as Schnabel

Selbst mit Tele­sko­pen mit 10 bis 12-Zoll Öff­nung erscheint die Gala­xie bei hoher Ver­grö­ße­rung noch recht struk­tur­los und ziem­lich homo­gen. Nun erscheint jedoch das Zen­trum deut­lich aus­ge­präg­ter. Die Hel­lig­keit über die Schei­be ver­läuft etwas asym­me­trisch, wobei der nord­west­li­che Qua­drant deut­lich hel­ler ist als der süd­öst­li­che. In unmit­tel­ba­rer Nähe zu Mes­sier 59, knapp fünf Bogen­mi­nu­ten nörd­lich, befin­det sich die schwa­che Gala­xie IC 809 (IC 3672). Sie ist mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 13,2 mag in Tele­sko­pen ab einer Öff­nung von acht Zoll sichtbar.

Aufsuchkarte
Auf­such­kar­te für Mes­sier 59 – erstellt mit SkytechX

Die bes­te Zeit, um M 59 zu beob­ach­ten, sind die Früh­lings­mo­na­te, wenn das Stern­bild Vir­go mit­tel­hoch im Süden steht. Vie­le der hel­len Gala­xien des Vir­go-Gala­xien­hau­fens lie­gen ent­lang oder in der Nähe einer ima­gi­nä­ren Linie, die Denebo­la (Beta Leo, 2,1 mag) mit Vin­dem­ia­trix (Epsi­lon Vir, 2,8 mag) ver­bin­det. Mes­sier 59 befin­det sich eini­ge Grad west­lich von Vin­dem­ia­trix und auf etwa einem Drit­tel der Ver­bin­dungs­li­nie zwi­schen Epsi­lon Vir­gi­nis und Beta Leo­nis. Wir stel­len Epsi­lon Vir in die Mit­te des Suchers ein und schwen­ken das Tele­skop 5° in west­li­cher Rich­tung. Dort befin­det sich ein Drei­eck aus Ster­nen der 6. bis 7. Grö­ßen­klas­se um den 5 mag hel­len Stern Rho Vir­gi­nis. Nun schwen­ken wir das Tele­skop um wei­te­re ein­ein­halb Grad nach Nor­den, wo wir zur ellip­ti­schen Rie­sen­ga­la­xie M 60 gelan­gen. Mes­sier 59 befin­det sich ein hal­bes Grad wei­ter west­lich von M 60. M 58 steht eben­falls nur ein Grad west­lich von ihr.

Auf­such­kar­te Mes­sier 59 (62,1 KiB, 34 hits)

Steckbrief für Messier 59

Daten und Fak­ten für die Gala­xie Mes­sier 59 in der Jung­frau (Vir­go)
Objekt­na­meMes­sier 59
Kata­log­be­zeich­nungNGC 4621, UGC 7858, PGC 42628, MCG 2−32−183, ZWG 70.223
TypGala­xie, E5
Stern­bildJung­frau (Vir­go)
Rekt­aszen­si­on (J2000.0)12h 42m 02,2s
Dekli­na­ti­on (J2000.0)+11° 38′ 50″
V Hel­lig­keit9,7 mag
Flä­chen­hel­lig­keit12,9 mag
Win­kel­aus­deh­nung5,4′ x 3,7′
Posi­ti­ons­win­kel165°
Abso­lu­te Helligkeit-20,714 mag
Durch­mes­ser75.300 Licht­jah­re
Ent­fer­nung52,2 Mil­lio­nen Lichtjahre
Beschrei­bungB,pL,lE,vsvmbM,2 * p; B diff N;smooth arms
Ent­de­ckerJohann Gott­fried Köh­ler, 1779
Stern­at­lan­tenCam­bridge Star Atlas: Chart 10
Inter­stel­larum Deep Sky Atlas: Chart 45 & D2
Mill­en­ni­um Star Atlas: Charts 723–724 (Vol II)
Pocket Sky Atlas: Chart 45
Sky Atlas 2000: Chart 14
Urano­me­tria 2nd Ed.: Chart 90

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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