Messier 109 (NGC 3992) ist eine Balkenspiralgalaxie im nördlichen Sternbild Großer Bär (Ursa Major). Sie wurde am 12. März 1781 von dem französischen Astronomen Pierre Méchain entdeckt und am 6. Mai 1783 in einem Brief an Johann Bernoulli erwähnt. Charles Messier beobachtete dieses Objekt wahrscheinlich zwischen Ende März und Anfang Mai 1781, als er die Positionen von drei Nebeln überprüfte, die ihm von seinem Kollegen und Freund Méchain gemeldet worden waren. Die anderen Nebel waren Messier 97 und Messier 108. Offenbar hatte Messier vor der Veröffentlichung seines Katalogs nur eines dieser Objekte, den Eulennebel (M 97), vermessen. Kurz nach seiner Beobachtung notierte er die Position des Objekts unter der Nummer 99 in seiner persönlichen Kopie des Katalogs. Die Rektaszension passte gut zu NGC 3953 und zu Gamma Ursae Majoris, während die Deklination zu NGC 3992 passte. Daher ist es möglich, dass er tatsächlich beide Galaxien sah und somit ebenfalls als Entdecker von NGC 3992 gilt.
Der deutsch-britische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel beobachtete das Objekt am 12. April 1789 unabhängig davon. Er nahm die Galaxie anschließend in seinen Katalog der Sternhaufen und Nebel auf. Er beschrieb sie als ziemlich hellen Nebel mit hellem, auflösbarem, fleckigem Kern und sehr schwachen, ausgedehnten Ausläufern. Allerdings klassifizierte er Messier 109 fälschlicherweise als planetarischen Nebel. Die Galaxie wurde daher erst im Jahr 1953 von dem US-amerikanischen Astronomen Owen Gingerich in den „offiziellen” Messier-Katalog aufgenommen. Er vermaß die Position von NGC 3992 und verglich diese mit Messiers Aufzeichnungen. Im Jahr 2006 stellte der niederländische Amateurastronom Henk Bril jedoch fest, dass das von Pierre Méchain gesehene Objekt nicht NGC 3992, sondern NGC 3953 war, ein benachbartes Mitglied der M109-Gruppe. Daher findet man auch manchmal die Bezeichnung M 109B für NGC 3953. Trotzdem gilt NGC 3992 weiterhin als M 109 und wird heute als eine der ursprünglichen Entdeckungen Messiers angesehen.
Ein großes kosmisches Theta aus Sternen und Staub
Ursa Major, die drittgrößte Konstellation am Himmel, enthält sieben Messier-Objekte. Fünf davon sind Galaxien. Die relativ lichtschwache Balkenspirale vom Hubble-Typ SBc wird von den Messier-Galaxien in diesem Sternbild relativ wenig beachtet, obwohl sie in der Nähe des Sterns Phecda sehr leicht aufzufinden ist. Sie besitzt einen scheinbaren Durchmesser von 7,6 x 4,7 Bogenminuten und eine scheinbare Helligkeit von 9,8 mag. Somit ist sie bereits in kleinen Teleskopen sichtbar. Heutzutage wird angenommen, dass sich M 109 in einer Entfernung von ca. 83,5 Millionen Lichtjahren zur Erde befindet. Damit ist M 109 das am weitesten entfernte Objekt in Messiers berühmtem Nebelkatalog. In ihr konzentrieren sich rund 250 Milliarden Sterne auf eine Fläche mit einer wahren Ausdehnung von ungefähr 180.000 Lichtjahren. Damit ist die Galaxie in ihrer Ausdehnung und Masse deutlich größer als unser eigenes Milchstraßensystem.

Die Galaxie verfügt über einen deutlich sichtbaren Balken sowie eine schwache innere Ringstruktur. Der markante zentrale Balken verleiht der Galaxie auf Fotos das Aussehen des griechischen Buchstabens Theta. Im Gegensatz zu den klassischerweise S‑förmigen Balkenspiralen endet ihr Balken in kurzen, gegen den Uhrzeigersinn verlaufenden Armen. Diese winden sich so eng umeinander, dass sie einen umschließenden Ring bilden. Die beiden großen, im Uhrzeigersinn verlaufenden Arme teilen sich in zwei Arme auf, wodurch die Galaxie eine modifizierte S‑Form erhält. Die Gebiete mit neutralem Wasserstoff sind gleichmäßig, mit nur geringer Ausdehnung, über die Galaxienscheibe verteilt. In der Nähe des Balkens zeigen sie jedoch eine Art Loch. Wahrscheinlich wurde das Gas in der Vergangenheit in Richtung Balken transportiert. Aufgrund der Leere des Lochs können in der jüngeren Vergangenheit keine großen Akkretionsereignisse stattgefunden haben. Im inneren Bereich der Scheibe gibt es praktisch kein Gas mehr und die Sternentstehung ist längst zum Erliegen gekommen.
Die Spiralarme von Messier 109 erscheinen auf lang belichteten Aufnahmen komplex und nahezu symmetrisch. Nur im Spiralarm, der am unteren Ende des Balkens beginnt und östlich des Zentrums verläuft, ist eine Störung sichtbar, die mit einer Aufspaltung des Arms verbunden ist. Die Spiralarme zeichnen sich im Allgemeinen durch eine jüngere, bläuliche Sternpopulation aus. Der Balken, der schnell um das Zentrum rotiert, enthält ältere, rötliche Sterne. Ihr Kern ist vom LINER-Typ und weist ein Emissionsspektrum auf, das durch breite Linien schwach ionisierter Atome gekennzeichnet ist. In seinem Zentrum befindet sich ein supermassereiches Schwarzes Loch mit einer Masse von 107 Millionen Sonnenmassen.

Am 8. März 1956 entdeckte Howard S. Gates mit dem 18-Zoll-Schmidt-Teleskop des Palomar-Observatoriums die Supernova SN 1956A. Sie leuchtete im südöstlichen Bereich der Galaxienscheibe auf und erreichte eine maximale Helligkeit von 12,3 bis 12,8 Magnituden. Sie wurde dem Supernova-Typ Ia zugerechnet. In unmittelbarer Nähe von M 109 sind drei Satellitengalaxien bekannt. Hierbei handelt es sich um die Zwerggalaxien UGC 6923, UGC 6940 und UGC 6969, mit Durchmessern von jeweils weniger als 12.000 Lichtjahren. Das Aussehen von M 109 könnte auf den Einfluss dieser Galaxien zurückzuführen sein.
Die M109-Galaxiengruppe
Messier 109 ist die hellste Galaxie der M109-Galaxiengruppe, die auch als Ursa-Major-Wolke bekannt ist. Dabei handelt es sich um einen größeren und lockeren Galaxienhaufen, mit etwa 50 Mitgliedern. Je nach Quelle ist dieser zwischen 55 und 68 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Das würde im Widerspruch zur angegebenen Entfernung von M 109 stehen. Zu dieser Gruppe gehören neben M 109 auch die Galaxie Messier 108 sowie etwa 17 weitere Galaxien, deren Zugehörigkeit noch unklar ist. Die Galaxiengruppe ist eine Untergruppe des Ursa-Major-Galaxienhaufens, der fast 300 Galaxien umfasst. Diese Ansammlung von Welteninseln ist einer von nur drei großen Galaxienhaufen innerhalb eines Radius von 150 Millionen Lichtjahren. Die anderen beiden sind der Virgo-Haufen und der Fornax-Haufen.

Der Ursa-Major-Galaxienhaufen enthält etwa ein Dreißigstel der Masse des Virgo-Haufens und ist Bestandteil des Virgo-Superhaufens. Der Ursa-Major-Haufen ist insofern ungewöhnlich, als dass er fast ausschließlich aus Galaxien des „späten Typs” besteht (meist Sc- und Sbc-Spiralen). Im Gegensatz dazu bestehen die meisten Galaxienhaufen aus Galaxien vom „frühen Typ”, zumeist elliptische und linsenförmige Galaxien sowie Spiralen vom frühen Typ. Laut der NASA/IPAC-Datenbank könnte es sich bei Messier 109 jedoch lediglich um eine Feldgalaxie handeln, die nicht zu einem Haufen oder einer Gruppe gehört und daher gravitativ isoliert zu sein scheint.
Beobachtung
Aufgrund ihrer geringen Flächenhelligkeit ist die Galaxie visuell recht schwer zu beobachten. Sie liegt an der Grenze zur Sichtbarkeit mit einem handelsüblichen 10×50 Fernglas. Unter einem dunklen Landhimmel ist M 109 allerdings bereits in kleinen Teleskopen und bei sehr guten Bedingungen sogar in einem 16×70 Fujinon-Feldstecher sichtbar. Bei einer Öffnung von 3 bis 4‑Zoll ist bei einer 70-fachen Vergrößerung nur der klar definierte helle Kern erkennbar. Dieser wird von einem diffusen, ostnordöstlich bis westsüdwestlich verlaufenden und ziemlich schwachen Nebel umgeben. Die Scheibe selber wird von einem Dreieck aus Sternen eingerahmt. Der in der Nähe stehende Stern Phecda (Gamma UMa) stört ein wenig bei der Beobachtung und sollte aus dem Gesichtsfeld herausgehalten werden. Mit einer Öffnung von 6 bis 8‑Zoll ist optisch nur der helle Mittelteil mit dem scharf und ziemlich hell ausgeprägten Kern zu sehen. Dieser ist von einem fleckigen Nebel umgeben. Der hellste Teil des Balkens ist mit einer 150 bis 200-fachen Vergrößerung erahnbar und weist eine birnenartige Form auf. Die Ränder der Galaxie laufen diffus in den Hintergrund über.
Mit größeren Teleskopen von 10 bis 12-Zoll Öffnung und 150-facher Vergrößerung überrascht die leichte Sichtbarkeit des zentralen Balkens. Er prägt das Erscheinungsbild von Messier 109 mit noch größeren Teleskopen. Im Zentrum des Balkens ist ein ovaler Schimmer sichtbar, der das Zentrum der Galaxie markiert. Der Kern selbst erscheint sternförmig. Vom zentralen Balken gehen nebulöse Bögen und Andeutungen von Spiralarmen aus. Diese sind mit höherer Vergrößerung ohne große Anstrengung zu erkennen. An den langen Achsen des Balkens befinden sich auf beiden Seiten größere Helligkeitskonzentrationen. Die südwestliche Verdickung scheint etwas vom Zentralgebiet abgetrennt zu sein. Direkt neben der Galaxie sind zwei Sterne der 12. Größenklasse zu sehen. Im Norden berührt ein Stern der 13. Größenklasse den zentralen Teil, der nicht mit einer Supernova verwechselt werden sollte. Die 9,8 mag helle Balkenspiralgalaxie NGC 3953 steht nur 1° südöstlich von M 109 und ist bei geringen Vergrößerungen im selben Gesichtsfeld zu erkennen.
Messier 109 ist zirkumpolar und am besten in den Frühlingsmonaten zu beobachten. Die Galaxie ist äußerst einfach aufzuspüren. Sie befindet sich direkt unter dem linken Eckpunkt des Wagenkastens, nur 38 Bogenminuten südöstlich des 2,4 mag hellen Sterns Phecda (Gamma UMa). Bei guten Bedingungen ist sie sogar in einem einfachen Sucherfernrohr zu erkennen.
Aufsuchkarte Messier 109 (79,2 KiB, 85 hits)
Steckbrief für Messier 109
Daten und Fakten für die Galaxie Messier 109 im Großen Bären (Ursa Major)| Objektname | Messier 109 |
| Katalogbezeichnung | NGC 3992, UGC 6937, PGC 37617, MCG 9−20−44, ZWG 269.23 |
| Typ | Galaxie, SBbc |
| Sternbild | Großer Bär (Ursa Major) |
| Rektaszension (J2000.0) | 11h 57m 35,4s |
| Deklination (J2000.0) | +53° 22′ 25″ |
| V Helligkeit | 9,8 mag |
| Flächenhelligkeit | 13,6 mag |
| Winkelausdehnung | 7,5′ x 4,4′ |
| Positionswinkel | 68° |
| Absolute Helligkeit | -21.150 mag |
| Durchmesser | 180.000 Lichtjahre |
| Entfernung | 83,5 Millionen Lichtjahre |
| Beschreibung | cB,vL,pmE,sbM,BN; H IV 61;theta struc barred sp;Gamma UMa 40′ NW |
| Entdecker | Pierre Méchain, 1781 |
| Sternatlanten | Cambridge Star Atlas: Chart 4 & 5 Interstellarum Deep Sky Atlas: Chart 11, 12, 21 & 22 Millennium Star Atlas: Charts 575–576 (Vol II) Pocket Sky Atlas: Chart 32 Sky Atlas 2000: Chart 2 Uranometria 2nd Ed.: Chart 24 |










[…] Spreewald-Spechtler.de – spreewald-spechtler.de […]