Objekte des Monats: Die Balkenspiralgalaxie Messier 109

  • Letz­te Ände­rung:4 Mona­ten 
  • Lese­zeit:6Minu­ten
  • Wör­ter:1471
  • Bei­trags­auf­ru­fe:134

Mes­sier 109 (NGC 3992) ist eine Bal­ken­spi­ral­ga­la­xie im nörd­li­chen Stern­bild Gro­ßer Bär (Ursa Major). Sie wur­de am 12. März 1781 von dem fran­zö­si­schen Astro­no­men Pierre Méchain ent­deckt und am 6. Mai 1783 in einem Brief an Johann Ber­noul­li erwähnt. Charles Mes­sier beob­ach­te­te die­ses Objekt wahr­schein­lich zwi­schen Ende März und Anfang Mai 1781, als er die Posi­tio­nen von drei Nebeln über­prüf­te, die ihm von sei­nem Kol­le­gen und Freund Méchain gemel­det wor­den waren. Die ande­ren Nebel waren Mes­sier 97 und Mes­sier 108. Offen­bar hat­te Mes­sier vor der Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Kata­logs nur eines die­ser Objek­te, den Eulen­ne­bel (M 97), ver­mes­sen. Kurz nach sei­ner Beob­ach­tung notier­te er die Posi­ti­on des Objekts unter der Num­mer 99 in sei­ner per­sön­li­chen Kopie des Kata­logs. Die Rekt­aszen­si­on pass­te gut zu NGC 3953 und zu Gam­ma Ursae Majo­ris, wäh­rend die Dekli­na­ti­on zu NGC 3992 pass­te. Daher ist es mög­lich, dass er tat­säch­lich bei­de Gala­xien sah und somit eben­falls als Ent­de­cker von NGC 3992 gilt.

Der deutsch-bri­ti­sche Astro­nom Fried­rich Wil­helm Her­schel beob­ach­te­te das Objekt am 12. April 1789 unab­hän­gig davon. Er nahm die Gala­xie anschlie­ßend in sei­nen Kata­log der Stern­hau­fen und Nebel auf. Er beschrieb sie als ziem­lich hel­len Nebel mit hel­lem, auf­lös­ba­rem, fle­cki­gem Kern und sehr schwa­chen, aus­ge­dehn­ten Aus­läu­fern. Aller­dings klas­si­fi­zier­te er Mes­sier 109 fälsch­li­cher­wei­se als pla­ne­ta­ri­schen Nebel. Die Gala­xie wur­de daher erst im Jahr 1953 von dem US-ame­ri­ka­ni­schen Astro­no­men Owen Gin­ge­rich in den „offi­zi­el­len” Mes­sier-Kata­log auf­ge­nom­men. Er ver­maß die Posi­ti­on von NGC 3992 und ver­glich die­se mit Mes­siers Auf­zeich­nun­gen. Im Jahr 2006 stell­te der nie­der­län­di­sche Ama­teur­as­tro­nom Henk Bril jedoch fest, dass das von Pierre Méchain gese­he­ne Objekt nicht NGC 3992, son­dern NGC 3953 war, ein benach­bar­tes Mit­glied der M109-Grup­pe. Daher fin­det man auch manch­mal die Bezeich­nung M 109B für NGC 3953. Trotz­dem gilt NGC 3992 wei­ter­hin als M 109 und wird heu­te als eine der ursprüng­li­chen Ent­de­ckun­gen Mes­siers angesehen.

Ein großes kosmisches Theta aus Sternen und Staub

Ursa Major, die dritt­größ­te Kon­stel­la­ti­on am Him­mel, ent­hält sie­ben Mes­sier-Objek­te. Fünf davon sind Gala­xien. Die rela­tiv licht­schwa­che Bal­ken­spi­ra­le vom Hub­ble-Typ SBc wird von den Mes­sier-Gala­xien in die­sem Stern­bild rela­tiv wenig beach­tet, obwohl sie in der Nähe des Sterns Phecda sehr leicht auf­zu­fin­den ist. Sie besitzt einen schein­ba­ren Durch­mes­ser von 7,6 x 4,7 Bogen­mi­nu­ten und eine schein­ba­re Hel­lig­keit von 9,8 mag. Somit ist sie bereits in klei­nen Tele­sko­pen sicht­bar. Heut­zu­ta­ge wird ange­nom­men, dass sich M 109 in einer Ent­fer­nung von ca. 83,5 Mil­lio­nen Licht­jah­ren zur Erde befin­det. Damit ist M 109 das am wei­tes­ten ent­fern­te Objekt in Mes­siers berühm­tem Nebel­ka­ta­log. In ihr kon­zen­trie­ren sich rund 250 Mil­li­ar­den Ster­ne auf eine Flä­che mit einer wah­ren Aus­deh­nung von unge­fähr 180.000 Licht­jah­ren. Damit ist die Gala­xie in ihrer Aus­deh­nung und Mas­se deut­lich grö­ßer als unser eige­nes Milchstraßensystem.

Messier 109
Mes­sier 109 und UGC 6969 im Gro­ßen Bären – Auf­nah­me von Klaus Franz & Man­fred Washu­ber, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

Die Gala­xie ver­fügt über einen deut­lich sicht­ba­ren Bal­ken sowie eine schwa­che inne­re Ring­struk­tur. Der mar­kan­te zen­tra­le Bal­ken ver­leiht der Gala­xie auf Fotos das Aus­se­hen des grie­chi­schen Buch­sta­bens The­ta. Im Gegen­satz zu den klas­si­scher­wei­se S‑förmigen Bal­ken­spi­ra­len endet ihr Bal­ken in kur­zen, gegen den Uhr­zei­ger­sinn ver­lau­fen­den Armen. Die­se win­den sich so eng umein­an­der, dass sie einen umschlie­ßen­den Ring bil­den. Die bei­den gro­ßen, im Uhr­zei­ger­sinn ver­lau­fen­den Arme tei­len sich in zwei Arme auf, wodurch die Gala­xie eine modi­fi­zier­te S‑Form erhält. Die Gebie­te mit neu­tra­lem Was­ser­stoff sind gleich­mä­ßig, mit nur gerin­ger Aus­deh­nung, über die Gala­xien­schei­be ver­teilt. In der Nähe des Bal­kens zei­gen sie jedoch eine Art Loch. Wahr­schein­lich wur­de das Gas in der Ver­gan­gen­heit in Rich­tung Bal­ken trans­por­tiert. Auf­grund der Lee­re des Lochs kön­nen in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit kei­ne gro­ßen Akkre­ti­ons­er­eig­nis­se statt­ge­fun­den haben. Im inne­ren Bereich der Schei­be gibt es prak­tisch kein Gas mehr und die Stern­ent­ste­hung ist längst zum Erlie­gen gekommen.

Die Spi­ral­ar­me von Mes­sier 109 erschei­nen auf lang belich­te­ten Auf­nah­men kom­plex und nahe­zu sym­me­trisch. Nur im Spi­ral­arm, der am unte­ren Ende des Bal­kens beginnt und öst­lich des Zen­trums ver­läuft, ist eine Stö­rung sicht­bar, die mit einer Auf­spal­tung des Arms ver­bun­den ist. Die Spi­ral­ar­me zeich­nen sich im All­ge­mei­nen durch eine jün­ge­re, bläu­li­che Stern­po­pu­la­ti­on aus. Der Bal­ken, der schnell um das Zen­trum rotiert, ent­hält älte­re, röt­li­che Ster­ne. Ihr Kern ist vom LINER-Typ und weist ein Emis­si­ons­spek­trum auf, das durch brei­te Lini­en schwach ioni­sier­ter Ato­me gekenn­zeich­net ist. In sei­nem Zen­trum befin­det sich ein super­mas­se­rei­ches Schwar­zes Loch mit einer Mas­se von 107 Mil­lio­nen Sonnenmassen.

M109 (HST)
Der Kern von Mes­sier 109 in einer Auf­nah­me des Hub­ble-Welt­raum­te­le­skops – Cre­dit: NASA, ESA, and J. Walsh (Texas A&M Uni­ver­si­ty), CC BY-SA 4.0, via Wiki­me­dia Commons

Am 8. März 1956 ent­deck­te Howard S. Gates mit dem 18-Zoll-Schmidt-Tele­skop des Palo­mar-Obser­va­to­ri­ums die Super­no­va SN 1956A. Sie leuch­te­te im süd­öst­li­chen Bereich der Gala­xien­schei­be auf und erreich­te eine maxi­ma­le Hel­lig­keit von 12,3 bis 12,8 Magni­tu­den. Sie wur­de dem Super­no­va-Typ Ia zuge­rech­net. In unmit­tel­ba­rer Nähe von M 109 sind drei Satel­li­ten­ga­la­xien bekannt. Hier­bei han­delt es sich um die Zwerg­ga­la­xien UGC 6923, UGC 6940 und UGC 6969, mit Durch­mes­sern von jeweils weni­ger als 12.000 Licht­jah­ren. Das Aus­se­hen von M 109 könn­te auf den Ein­fluss die­ser Gala­xien zurück­zu­füh­ren sein.

Die M109-Galaxiengruppe

Mes­sier 109 ist die hells­te Gala­xie der M109-Gala­xien­grup­pe, die auch als Ursa-Major-Wol­ke bekannt ist. Dabei han­delt es sich um einen grö­ße­ren und locke­ren Gala­xien­hau­fen, mit etwa 50 Mit­glie­dern. Je nach Quel­le ist die­ser zwi­schen 55 und 68 Mil­lio­nen Licht­jah­re von der Erde ent­fernt. Das wür­de im Wider­spruch zur ange­ge­be­nen Ent­fer­nung von M 109 ste­hen. Zu die­ser Grup­pe gehö­ren neben M 109 auch die Gala­xie Mes­sier 108 sowie etwa 17 wei­te­re Gala­xien, deren Zuge­hö­rig­keit noch unklar ist. Die Gala­xien­grup­pe ist eine Unter­grup­pe des Ursa-Major-Gala­xien­hau­fens, der fast 300 Gala­xien umfasst. Die­se Ansamm­lung von Wel­ten­in­seln ist einer von nur drei gro­ßen Gala­xien­hau­fen inner­halb eines Radi­us von 150 Mil­lio­nen Licht­jah­ren. Die ande­ren bei­den sind der Vir­go-Hau­fen und der For­nax-Hau­fen.

Messier 109 Phecda
Mes­sier 109 nahe Gam­ma Ursae Majo­ris, dem lin­ken unte­ren Kas­ten­stern des Gro­ßen Wagens– Auf­nah­me von Micha­el Deger, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

Der Ursa-Major-Gala­xien­hau­fen ent­hält etwa ein Drei­ßigs­tel der Mas­se des Vir­go-Hau­fens und ist Bestand­teil des Vir­go-Super­hau­fens. Der Ursa-Major-Hau­fen ist inso­fern unge­wöhn­lich, als dass er fast aus­schließ­lich aus Gala­xien des „spä­ten Typs” besteht (meist Sc- und Sbc-Spi­ra­len). Im Gegen­satz dazu bestehen die meis­ten Gala­xien­hau­fen aus Gala­xien vom „frü­hen Typ”, zumeist ellip­ti­sche und lin­sen­för­mi­ge Gala­xien sowie Spi­ra­len vom frü­hen Typ. Laut der NASA/I­PAC-Daten­bank könn­te es sich bei Mes­sier 109 jedoch ledig­lich um eine Feld­ga­la­xie han­deln, die nicht zu einem Hau­fen oder einer Grup­pe gehört und daher gra­vi­ta­tiv iso­liert zu sein scheint.

Beobachtung

Auf­grund ihrer gerin­gen Flä­chen­hel­lig­keit ist die Gala­xie visu­ell recht schwer zu beob­ach­ten. Sie liegt an der Gren­ze zur Sicht­bar­keit mit einem han­dels­üb­li­chen 10×50 Fern­glas. Unter einem dunk­len Land­him­mel ist M 109 aller­dings bereits in klei­nen Tele­sko­pen und bei sehr guten Bedin­gun­gen sogar in einem 16×70 Fuji­non-Feld­ste­cher sicht­bar. Bei einer Öff­nung von 3 bis 4‑Zoll ist bei einer 70-fachen Ver­grö­ße­rung nur der klar defi­nier­te hel­le Kern erkenn­bar. Die­ser wird von einem dif­fu­sen, ost­nord­öst­lich bis west­süd­west­lich ver­lau­fen­den und ziem­lich schwa­chen Nebel umge­ben. Die Schei­be sel­ber wird von einem Drei­eck aus Ster­nen ein­ge­rahmt. Der in der Nähe ste­hen­de Stern Phecda (Gam­ma UMa) stört ein wenig bei der Beob­ach­tung und soll­te aus dem Gesichts­feld her­aus­ge­hal­ten wer­den. Mit einer Öff­nung von 6 bis 8‑Zoll ist optisch nur der hel­le Mit­tel­teil mit dem scharf und ziem­lich hell aus­ge­präg­ten Kern zu sehen. Die­ser ist von einem fle­cki­gen Nebel umge­ben. Der hells­te Teil des Bal­kens ist mit einer 150 bis 200-fachen Ver­grö­ße­rung erahn­bar und weist eine bir­nen­ar­ti­ge Form auf. Die Rän­der der Gala­xie lau­fen dif­fus in den Hin­ter­grund über.

Aufsuchkarte M106
Auf­such­kar­te für Mes­sier 106 – erstellt mit SkytechX

Mit grö­ße­ren Tele­sko­pen von 10 bis 12-Zoll Öff­nung und 150-facher Ver­grö­ße­rung über­rascht die leich­te Sicht­bar­keit des zen­tra­len Bal­kens. Er prägt das Erschei­nungs­bild von Mes­sier 109 mit noch grö­ße­ren Tele­sko­pen. Im Zen­trum des Bal­kens ist ein ova­ler Schim­mer sicht­bar, der das Zen­trum der Gala­xie mar­kiert. Der Kern selbst erscheint stern­för­mig. Vom zen­tra­len Bal­ken gehen nebu­lö­se Bögen und Andeu­tun­gen von Spi­ral­ar­men aus. Die­se sind mit höhe­rer Ver­grö­ße­rung ohne gro­ße Anstren­gung zu erken­nen. An den lan­gen Ach­sen des Bal­kens befin­den sich auf bei­den Sei­ten grö­ße­re Hel­lig­keits­kon­zen­tra­tio­nen. Die süd­west­li­che Ver­di­ckung scheint etwas vom Zen­tral­ge­biet abge­trennt zu sein. Direkt neben der Gala­xie sind zwei Ster­ne der 12. Grö­ßen­klas­se zu sehen. Im Nor­den berührt ein Stern der 13. Grö­ßen­klas­se den zen­tra­len Teil, der nicht mit einer Super­no­va ver­wech­selt wer­den soll­te. Die 9,8 mag hel­le Bal­ken­spi­ral­ga­la­xie NGC 3953 steht nur 1° süd­öst­lich von M 109 und ist bei gerin­gen Ver­grö­ße­run­gen im sel­ben Gesichts­feld zu erkennen. 

Mes­sier 109 ist zir­kum­po­lar und am bes­ten in den Früh­lings­mo­na­ten zu beob­ach­ten. Die Gala­xie ist äußerst ein­fach auf­zu­spü­ren. Sie befin­det sich direkt unter dem lin­ken Eck­punkt des Wagen­kas­tens, nur 38 Bogen­mi­nu­ten süd­öst­lich des 2,4 mag hel­len Sterns Phecda (Gam­ma UMa). Bei guten Bedin­gun­gen ist sie sogar in einem ein­fa­chen Sucher­fern­rohr zu erkennen.

Auf­such­kar­te Mes­sier 109 (79,2 KiB, 85 hits)

Steckbrief für Messier 109

Daten und Fak­ten für die Gala­xie Mes­sier 109 im Gro­ßen Bären (Ursa Major)
Objekt­na­meMes­sier 109
Kata­log­be­zeich­nungNGC 3992, UGC 6937, PGC 37617, MCG 9−20−44, ZWG 269.23
TypGala­xie, SBbc
Stern­bildGro­ßer Bär (Ursa Major)
Rekt­aszen­si­on (J2000.0)11h 57m 35,4s
Dekli­na­ti­on (J2000.0)+53° 22′ 25″
V Hel­lig­keit9,8 mag
Flä­chen­hel­lig­keit13,6 mag
Win­kel­aus­deh­nung7,5′ x 4,4′
Posi­ti­ons­win­kel68°
Abso­lu­te Helligkeit-21.150 mag
Durch­mes­ser180.000 Licht­jah­re
Ent­fer­nung83,5 Mil­lio­nen Lichtjahre
Beschrei­bungcB,vL,pmE,sbM,BN; H IV 61;theta struc bar­red sp;Gamma UMa 40′ NW
Ent­de­ckerPierre Méchain, 1781
Stern­at­lan­tenCam­bridge Star Atlas: Chart 4 & 5
Inter­stel­larum Deep Sky Atlas: Chart 11, 12, 21 & 22
Mill­en­ni­um Star Atlas: Charts 575–576 (Vol II)
Pocket Sky Atlas: Chart 32
Sky Atlas 2000: Chart 2
Urano­me­tria 2nd Ed.: Chart 24

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert