Die Spiralgalaxie Messier 100 (NGC 4321), im Sternbild Haar der Berenike (Coma Berenices), wurde am 15. März 1781 vom französischen Astronomen Pierre Méchain zusammen mit M 98 und M 99 entdeckt. Nach seiner eigenen Beobachtung am 13. April desselben Jahres nahm sein Freund und Kollege Charles Messier das Objekt schließlich in seinen berühmten Nebelkatalog auf, kurz bevor er die dritte und letzte Ausgabe seines Katalogs fertigstellte. Er beschrieb M 100 als schwachen Nebel ohne Sterne in der Ähre der Jungfrau. Der deutsch-britische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel beschrieb M 100 als „Nebel mit einem Durchmesser von etwa 10 Bogenminuten” und fügte hinzu, dass sich „in seiner Mitte ein kleiner, heller Haufen vermeintlicher Sterne” befindet. Sein Sohn John katalogisierte die Galaxie als h 1211. Er nahm sie später als GC 2890 in den „General Catalogue” auf. Die Spiralstruktur in Messier 100 wurde erstmals im Jahr 1850 von dem irischen Astronomen William Parsons, dem 3. Earl of Rosse, beobachtet. Sie war einer der 14 von ihm entdeckten Spiralnebel, die er beobachtete und beschrieb. Er verglich den zentralen Teil mit einem planetarischen Nebel, während er die spiralförmige Struktur des Halos deutlich erkennen konnte. Weitere von William Parson aufgeführte Messier-Galaxien waren M 58, M 63 (Sonnenblumengalaxie), M 74 (Phantomgalaxie), M 77 (Cetus A), M 88 und M 96.
Die hellste Spiralgalaxie des Virgo-Galaxienhaufens
Die Galaxie ist eine „Grand Design“ Balken-Spiralgalaxie vom Typ SAB(s)bc mit einem scheinbaren Durchmesser von 7,5 x 6,1 Bogenminuten und einer Helligkeit von 9,3 mag. Somit ist die Galaxie bereits in kleinen Teleskopen auffindbar. Nur rund 10 % aller Spiralgalaxien gehören zu der Gruppe der „Grand Design Spiralen“. Sie besitzt Merkmale von Messier 51 in den Jagdhunden und von Messier 101 im Großen Bären. Ähnlich wie M 51 zeichnen sie sich durch besonders prominente und gut definierte Spiralarme aus. M 100 befindet sich im südlichen Bereich des Sternbilds Coma Berenices, an der Grenze zum Sternbild Virgo. Sie ist ein Mitglied des Virgo-Galaxienhaufens, der ca. 1.500 bis 2.000 Galaxien enthält und sich in einer Entfernung von 56 Millionen Lichtjahren befindet. Sie steht im äußersten Norden dieser großen Ansammlung von Galaxien und weit vom dicht besiedelten Zentrum des Haufens entfernt. Gleichzeitig ist sie die hellste Spiralgalaxie des Galaxienhaufens. Sie besitzt einen wahren Durchmesser von knapp 118.000 Lichtjahren, eine Masse von ca. 200 Milliarden Sonnenmassen und schätzungsweise 400 Milliarden Sterne. Damit ist Messier 100 ungefähr so groß wie unser eigenes Milchstraßensystem. Sie besitzt eine ähnliche Leuchtkraft wie die Andromedagalaxie (Messier 31). Absolut gesehen ist M 100 allerdings deutlich heller als unsere Milchstraße und zählt somit zu den leuchtkräftigsten Galaxien im Virgo-Galaxienhaufen.

Messier 100 ist eine Starburstgalaxie. Die Sternenentstehung hat in den letzten 500 Millionen Jahren in mehreren Schüben überwiegend innerhalb eines Rings eng gewundener Spiralarme nahe des Kerns stattgefunden. Dieses Phänomen wird vermutlich durch Dichtewellen verursacht, die sich durch die Galaxie bewegen. Im Zentrum von Messier 100 befindet sich ein supermassereiches Schwarzes Loch mit einer geschätzten Masse von 25 Millionen Sonnenmassen. In den auf lang belichteten Aufnahmen komplex erscheinenden zwei deutlich sichtbaren Spiralarmen sehen wir zahlreiche auffällige blaue Knoten. Dabei handelt es sich um riesige Sternhaufen aus jungen, sehr heißen, blauen Überriesen. Es sind aktive Sternentstehungsgebiete, in denen auf tieferen Schmalbandaufnahmen rot leuchtende Emissionsnebel sichtbar werden. Außerdem sind einige schwächere, fragmentierte Spiralarme zu erkennen, die von den beiden Hauptarmen abzweigen.
Die leichten Asymmetrien sowohl in der Spiralstruktur – die Hauptarme erscheinen leicht gebogen – als auch im Kernbereich der Galaxie werden Gezeitenkräften zugeschrieben. Diese werden durch die räumliche Nähe anderer Galaxien des Virgo-Galaxienhaufens verursacht. Die Asymmetrie wird auch dadurch geprägt, dass die südliche Seite der Galaxienscheibe mehr junge Sterne enthält. Im Zentrum ist eine schwach ausgeprägte, balkenartige Struktur mit einer Länge von einem Kiloparsec sichtbar, die anhand von Beobachtungen in anderen Wellenlängen bestätigt werden konnte. M 100 weist auch Merkmale einer LINER-Galaxie auf. In ihrem Kern ist ein Emissionsspektrum vorhanden, das durch breite Linien schwach ionisierter Atome gekennzeichnet ist. Messier 100 ist deutlich größer als auf herkömmlichen Fotografien zu sehen. Tiefenaufnahmen haben gezeigt, dass sich der Großteil ihrer Masse in den schwächeren äußeren Bereichen konzentriert, die einen Durchmesser von 167.000 Lichtjahren aufweisen. Wie die meisten Spiralgalaxien im Virgo-Cluster weist auch M 100 im Vergleich zu ähnlichen, isolierten Galaxien einen Mangel an neutralem Wasserstoffgas auf. Daher zeigt die Galaxie im restlichen Teil der Scheibe keine Anzeichen von Sternentstehung. Beim Durchqueren des Virgo-Galaxienhaufens erfährt Messier 100 einen Staudruck, der ihr Gas entzieht.

Die galaktische Ebene von Messier 100 ist um mehr als 60° zu unserer Sichtlinie geneigt. So haben wir eine sehr gute Sicht auf die Scheibe dieser großen Spiralgalaxie. Aus diesem Grund wurde sie im Rahmen des „H0 Key Projects“ zur Messung der Hubble-Konstante ausgewählt. Mithilfe des Hubble-Weltraumteleskops konnten 20 Cepheiden in der Galaxienscheibe aufgelöst und somit aufgrund der Perioden-Leuchtkraft-Beziehung die Entfernung sehr gut bestimmt werden. M 100 steht uns wahrscheinlich etwas näher als der zentrale Bereich des Virgo-Galaxienhaufens mit den beiden elliptischen Riesengalaxien M 86 und M 87. Mit Hilfe der Perioden-Leuchtkraft-Beziehung der Cepheiden wurde ihre Entfernung auf 52,5 Millionen Lichtjahre bestimmt. Dies steht jedoch im Widerspruch zu der durch Neukalibrierung des Hubble-Parameters berechneten Entfernung von 66,5 Millionen Lichtjahren. Messier 100 gilt ferner als Hauptgalaxie einer kleineren Ansammlung von Welteninseln, die überwiegend aus Zwerggalaxien besteht. Die Galaxiengruppe wird als Holm 387 bezeichnet. Zwei Satellitengalaxien von Messier 100 sind bekannt: Zum einen ist dies NGC 4323, die durch eine Materiebrücke mit M 100 verbunden ist. Zum anderen ist dies die SA0-Spirale NGC 4328, die bereits ab einer Öffnung von 8‑Zoll indirekt zu sehen ist. Aufgrund der deutlich geringeren Rotverschiebung muss diese Galaxie allerdings ein Vordergrundobjekt sein.
Sieben Supernovae in 120 Jahren
Im Jahr 1979 wurde die Supernova SN 1979C in Messier 100 aufgefunden. Sie erreichte eine maximale Helligkeit von 11,6 Größenklassen. Mithilfe des Röntgenteleskops XMM-Newton konnte festgestellt werden, dass die Supernova vom Typ II (Kernkollaps-Supernova) nach wie vor so hell im Röntgenlicht leuchtet wie zum Zeitpunkt der Explosion. Vermutlich hat der Ursprungsstern mit 18 Sonnenmassen vor 16.000 Jahren einen starken Sternenwind abgestrahlt. Aufgrund der Supernovaexplosion verursacht das dem Stern umgebene Gas ein Nachleuchten im Röntgenlicht. Dies ist an sich schon ungewöhnlich, da die meisten Supernova-Ereignisse innerhalb weniger Monate recht schnell verblassen. Vermutlich ist der Rest des Sterns zu einem Schwarzen Loch kollabiert.
Neben SN 1979C wurden sechs weitere Supernovae in M 100 nachgewiesen. Die erste wurde im März 1901 entdeckt und trägt die Bezeichnung SN 1901B. Dabei handelte es sich um eine Supernova vom Typ I, die eine Helligkeit von 15,6 mag erreichte. Im Februar und März 1914 wurde die Supernova SN 1914A entdeckt, die bei ihrem Maximum eine Helligkeit von 15,7 mag erreichte. Ihre Art konnte jedoch nicht bestimmt werden. Die Supernova SN 1959E erreichte im August 1959 ihre maximale Helligkeit von 17,5 mag, bevor sie im Februar 1960 tatsächlich entdeckt wurde. Auch sie war vom Typ I. Am 7. Februar 2006 wurde die Supernova SN 2006X registriert, die im Maximum eine Helligkeit von 14,1 mag aufwies. Die Supernova SN 2019ehk wurde am 29. April 2019 entdeckt und erreichte eine Helligkeit von 15,8 Größenklassen. Sie war vom Typ Ib. Am 7. Januar 2020 wurde die aktuell letzte Supernova in Messier 100 gefunden. SN 2020oi erreichte eine scheinbare Helligkeit von 13,2 mag und war vom Typ Ic.
Beobachtung
Mit einem 7×50 oder 10×50 Feldstecher ist Messier 100 nur schwer zu erkennen, da sie frontal betrachtet nur eine geringe Flächenhelligkeit besitzt. Deutlich leichter kann sie mit einem 16x70-Fujinon-Feldstecher gesehen werden. Sie erscheint dort als runder, nebelhafter Fleck. Mit einem Teleskop mit 3 bis 4‑Zoll Öffnung und mittlerer Vergrößerung ist nur der innere Bereich der Galaxie als leicht ovaler Lichtfleck mit zentraler Verdichtung erkennbar. Selbst bei hoher Vergrößerung erscheint die Galaxie nur als blasse Kugel mit weichem Kern und fast sternförmigem Zentrum. M 100 bildet mit zwei hellen Sternen ein flaches, gleichschenkliges Dreieck. Mit einer Öffnung von 6 bis 8‑Zoll und Vergrößerungen von 100 bis 200-fach sind bereits die hellsten Teile der Spiralarme als schattige Nebelstrukturen in der Galaxienscheibe zu erahnen. Das Kerngebiet erscheint sternförmig. Der Kern erscheint recht hell und ist ebenfalls von einem nebligen Halo umgeben. Westlich des Kerns ist eine helle Stelle sichtbar, an der die Spiralarme ansetzen. Die Galaxienscheibe selbst ist relativ hell mit einem nach außen hin verlaufenden Halo.
Bei sehr guten Bedingungen sind ab einer Öffnung von 10 bis 12-Zoll einzelne Staubstrukturen in der Galaxienscheibe nachweisbar, die die Spiralarme nachzeichnen. Diese erscheinen als hellere Bereiche östlich und westlich des Kerns. Bei einer Öffnung von 16 bis 20-Zoll schälen sich die zwei schwachen und eng gewundenen Spiralarme regelrecht aus dem Galaxienhalo heraus. Sie vollziehen eine vollständige Umdrehung um das Zentrum. Der nördliche Arm ist schwächer, der südliche deutlich besser definiert. Der Zentralbereich der Galaxie wird von einem nahezu kreisförmigen, hellen Halo geprägt. Der Zentralbereich enthält einen sternartigen Kern und erscheint ebenfalls leicht gemottelt. Am westlichen Rand von Messier 100 befinden sich mehrere Sterne, die von einer Reihe schwacher Galaxien umgeben sind. Dies sind NGC 4322 (13,9 mag), NGC 4328 (13,3 mag), NGC 4312 (11,8 mag) und IC 783 (13,5 mag).
Die beste Zeit, um Messier 100 zu beobachten, sind die Frühlingsmonate. Die Galaxie befindet sich in der Nähe des galaktischen Nordpols, rund 2° südöstlich des 4,7 mag hellen Sterns 11 Comae Berenices sowie nordöstlich der Verbindungslinie zwischen Denebola (Beta Leo, 2,1 mag) und Vindemiatrix (Epsilon Vir, 2,8 mag). Denebola befindet sich rund 8,4° westlich von M 100. Wir starten bei Beta Leonis, den wir im Sucher einstellen. Anschließend schwenken wir zu 6 Comae Berenices (5,1 mag). Ein halbes Grad nordöstlich dieses Sterns erkennen wir einen Stern der 6. Größenklasse. Verlängern wir diese Linie um ein Grad weiter in Richtung Nordosten, stoßen wir auf einen weiteren Stern der 6. Größenklasse. Wenn wir die Linie nun weiter nach Nordosten verlängern, sollte M 100 schon im Sucher auftauchen.
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Steckbrief für Messier 100
Daten und Fakten für die Galaxie Messier 100 im Haar der Berenike (Coma Berenices)| Objektname | Messier 100 |
| Katalogbezeichnung | NGC 4321, UGC 7450, PGC 40153, MCG 3−32−15 |
| Typ | Galaxie, SBbc |
| Sternbild | Haar der Berenike (Coma Berenices) |
| Rektaszension (J2000.0) | 12h 22m 54,9s |
| Deklination (J2000.0) | +15° 49′ 22″ |
| V Helligkeit | 10,1 mag |
| Flächenhelligkeit | 13,4 mag |
| Winkelausdehnung | 7,5′ x 6,1′ |
| Positionswinkel | 30° |
| Absolute Helligkeit | -22.049 mag |
| Durchmesser | 118.000 Lichtjahre |
| Entfernung | 56 Millionen Lichtjahre |
| Beschreibung | pF,vL,R,vg,psbMrN,spiral-Rosse; SN 1901–14-59;NGC 4322 @ 5.2′;NGC 4328 @ 6.1′ |
| Entdecker | Pierre Méchain, 1781 |
| Sternatlanten | Cambridge Star Atlas: Chart 4, 5 & 11 Interstellarum Deep Sky Atlas: Chart 45 & D2 Millennium Star Atlas: Charts 701–702 (Vol II) Pocket Sky Atlas: Chart 45 Sky Atlas 2000: Chart 14 Uranometria 2nd Ed.: Chart 91 |












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