Der Sternhimmel im April 2026

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Der Lauf des Mondes

In der Nacht vom 1. auf den 2. April kön­nen wir den Voll­mond im Stern­bild der Jung­frau beob­ach­ten. Am Abend des 2. April steht er nur 2 ½ Grad süd­lich von Spi­ca, dem Haupt­stern der Jung­frau. Am 5. April hat der Mond die Waa­ge erreicht und ist dann ein Objekt für die zwei­te Nacht­hälf­te. Zwi­schen dem 6. und 7. April wan­dert der Mond durch das Stern­bild Skor­pi­on. In den Mor­gen­stun­den des 7. April kön­nen wir ihn 3 ¾ Grad süd­öst­lich von Ant­ares auf­spü­ren. Nach einem kur­zen Abste­cher in den süd­li­chen Bereich des Schlan­gen­trä­gers sehen wir ihn am Mor­gen des 9. April im Schüt­zen. Einen Tag spä­ter erreicht er das letz­te Vier­tel. Anschlie­ßend durch­läuft der Mond nach­ein­an­der die Stern­bil­der Stein­bock, Was­ser­mann und Fische. Am Mor­gen des 16. April sehen wir ihn zum letz­ten Mal als dün­ne Sichel im Osten auf­ge­hen, bevor am 17. April die Neu­mond­pha­se durch­lau­fen wird. Auf­grund der stei­len Eklip­tik­la­ge taucht die schma­le Sichel des zuneh­men­den Mon­des in der Abend­däm­me­rung des 18. April wie­der über dem west­nord­west­li­chen Hori­zont auf. Dabei kann man ihn 8 ½ Grad süd­west­lich des Abend­sterns Venus auf­spü­ren. Am dar­auf­fol­gen­den Abend hat die Mond­si­chel die Venus bereits hin­ter sich gelas­sen und steht direkt ober­halb des offe­nen Stern­hau­fens der Ple­ja­den im Stern­bild Stier, nur 7 ½ Grad von der Venus ent­fernt. Zusam­men mit dem Abend­stern ergibt sich ein fas­zi­nie­ren­der Anblick über dem west­li­chen Hori­zont, der auch für Astro­fo­to­gra­fen inter­es­sant ist. Die Mond­si­chel wan­dert wei­ter durch den Stier und über­schrei­tet in der Nacht vom 21. auf den 22. April die Gren­ze zum Stern­bild Zwil­lin­ge. In der Nacht vom 22. auf den 23. April zieht der zuneh­men­de Mond in einem Abstand von nur 2 ¾ Grad nörd­lich am Rie­sen­pla­ne­ten Jupi­ter vor­bei. Am Mor­gen des 24. April wird schließ­lich das ers­te Vier­tel im Stern­bild Krebs durch­lau­fen. In der Nacht vom 25. auf den 26. April nähert sich der zuneh­men­de Mond dem Haupt­stern Regu­lus im Stern­bild Löwe wei­ter an. Gegen 4 Uhr ver­schwin­det er, weni­ger als ein Grad vom Stern ent­fernt, unter dem Hori­zont. Vom 28. April bis zum Monats­en­de kön­nen wir den Erd­tra­ban­ten aber­mals in der Jung­frau aus­fin­dig machen.

Die Planeten

Der flin­ke Pla­net Mer­kur erreicht am 4. April 2026 in einem Abstand von 27°49′ sei­ne größ­te west­li­che Elon­ga­ti­on zur Son­ne. Auf­grund der fla­chen Eklip­tik­la­ge reicht dies lei­der nicht für eine Mor­gen­sicht­bar­keit des inners­ten Pla­ne­ten unse­res Son­nen­sys­tems aus, obwohl der Elon­ga­ti­ons­win­kel fast größt­mög­lich aus­fällt. Mer­kur bleibt für uns am Mor­gen­him­mel unsicht­bar. Nur süd­lich von 38° nörd­li­cher Brei­te kann Mer­kur in der Mor­gen­däm­me­rung über dem öst­li­chen Hori­zont auf­ge­fun­den wer­den. Am sel­ben Tag durch­läuft er auch das Aphel sei­ner Bahn und befin­det sich dann 69,9 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von der Son­ne entfernt.

Im Lau­fe des Monats baut unser Schwes­ter­pla­net Venus ihre Sicht­bar­keit am Abend­him­mel wei­ter aus. Sie wan­dert durch das Stern­bild Wid­der und wech­selt ab dem 19. April in das Stern­bild Stier. Auf­grund der immer spä­ter ein­set­zen­den Abend­däm­me­rung ver­schiebt sich ihre Sicht­bar­keit ledig­lich um eine Drei­vier­tel­stun­de. Am 1. April geht Venus um 21:33 Uhr Som­mer­zeit unter. Bis zum Monats­en­de ver­schiebt sich die Unter­gangs­zeit des Abend­sterns auf 23:06 Uhr. Ende April, zum Ende der bür­ger­li­chen Däm­me­rung, befin­det sie sich noch 16 Grad hoch über dem West­ho­ri­zont. Ihre schein­ba­re Hel­lig­keit von ‑3,9 mag bleibt den gesam­ten Monat über kon­stant. Ende des Monats ist im Tele­skop ein 12 Bogen­se­kun­den gro­ßes Venus­scheib­chen sicht­bar, das zu 88 Pro­zent beleuch­tet ist. Am 19. April steht die schma­le, zuneh­men­de Mond­si­chel in der Nähe der Venus – die Mond­si­chel selbst befin­det sich direkt nord­west­lich der Ple­ja­den. Im letz­ten Monats­drit­tel wan­dert der Abend­stern durch das „Gol­de­ne Tor der Eklip­tik“ und kann nur 3,5 Grad süd­lich der Ple­ja­den auf­ge­fun­den wer­den. Beson­ders inter­es­sant ist die Begeg­nung der Venus mit dem Pla­ne­ten Ura­nus am 24. April. An die­sem Tag zieht der Abend­stern in nur 47 Bogen­mi­nu­ten Abstand am fer­nen Eis­rie­sen vor­bei. Dies ist aller­dings nur erfah­re­nen Beob­ach­tern vorbehalten.

Unser roter Nach­bar Mars steht immer noch zu dicht bei der Son­ne und wird von den hel­len Strah­len unse­res Zen­tral­ge­stirns über­strahlt. Er bleibt auch im April am Mor­gen­him­mel noch unsichtbar.

Der Rie­sen­pla­net Jupi­ter bewegt sich recht­läu­fig im Stern­bild Zwil­lin­ge und domi­niert die ers­te Nacht­hälf­te. Im Lau­fe des Monats zieht er sich lang­sam aus der zwei­ten Nacht­hälf­te zurück. Zu Beginn des Monats steht er bei Ein­bruch der Dun­kel­heit noch gut 60 Grad hoch im Süden. Bis zum Monats­en­de ver­rin­gert er sei­nen Hori­zont­ab­stand auf 40 Grad. Gleich­zei­tig nimmt sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit von ‑2,2 auf ‑2,0 Grö­ßen­klas­sen ab. Am 1. des Monats geht Jupi­ter um 3:50 Uhr im Wes­ten unter. Bis zum Monats­en­de ver­frü­hen sich sei­ne Unter­gangs­zei­ten auf 2:06 Uhr Som­mer­zeit. Im Tele­skop erscheint sei­ne abge­plat­te­te Pla­ne­ten­ku­gel nur noch unter einem Win­kel von 37 Bogen­se­kun­den. Am 22. des Monats kommt es zu einer engen Begeg­nung mit der abneh­men­den Mond­si­chel in nur drei Grad nörd­li­chen Abstand.

Der Ring­pla­net Saturn stand Ende März in Kon­junk­ti­on mit der Son­ne und ist auch in die­sem Monat von unse­ren Brei­ten aus noch nicht zu sehen. Am 20. April ste­hen Saturn, Mer­kur und Mars in einem Gesichts­feld von nur 1,7 Grad. Die­se inter­es­san­te Kon­junk­ti­on ist von Mit­tel­eu­ro­pa aus lei­der nicht zu sehen. Sie kann jedoch in den Tro­pen und auf der Süd­halb­ku­gel der Erde am Mor­gen­him­mel beob­ach­tet werden.

In die­sem Monat zieht sich Ura­nus voll­stän­dig vom Abend­him­mel zurück und wird unsicht­bar. Er ist im Stern­bild Stier zu fin­den und steht 4 ½ Grad süd­west­lich der Ple­ja­den. Nur erfah­re­ne Hob­by­as­tro­no­men kön­nen den 5,8 mag hel­len, fer­nen Eis­rie­sen zu Beginn des Monats noch nied­rig im Wes­ten auf­spü­ren. Dabei ver­frü­hen sich sei­ne Unter­gän­ge von 0:06 Uhr auf 22:17 Uhr. Im Tele­skop erscheint sein win­zi­ges, blau­grü­nes Scheib­chen nur 3,5 Bogen­se­kun­den groß. Am 23. April zieht die hel­le Venus nord­west­lich am Pla­ne­ten vorbei.

Im Vor­mo­nat stand der äuße­re Pla­net unse­res Son­nen­sys­tems, Nep­tun, im Stern­bild Fische in Kon­junk­ti­on zur Son­ne. Auch er bleibt unse­ren Bli­cken verborgen.

Der 14,5 mag hel­le Zwerg­pla­net (134340) Plu­to im Stern­bild Stein­bock bleibt eben­falls noch unsichtbar.

Helle Kometen und Planetoiden

Der Komet C/2026 A1 (MAPS) ist ein Son­nen­kreu­zer der Kreutz-Grup­pe, der erst am 13. Janu­ar 2026 ent­deckt wur­de. Er wird am 4. April 2026 sein Peri­hel in einem sehr gerin­gen Son­nen­ab­stand von nur 800.000 Kilo­me­tern durch­lau­fen. Falls er die Son­nen­nä­he über­steht, wird er kurz­zei­tig sehr hell wer­den und einen sehr lan­gen Schweif ent­wi­ckeln. Zwi­schen dem 4. und 5. April soll­te man kurz nach Son­nen­un­ter­gang in der hel­len Abend­däm­me­rung nach dem Kome­ten Aus­schau hal­ten, der zum Peri­hel­zeit­punkt eine maxi­ma­le schein­ba­re Hel­lig­keit von ‑5 bis ‑8 mag errei­chen könnte.

Der Komet C/2025 R3 (Pan­STARRS) ist noch bis Mit­te April tief am Mor­gen­him­mel im Stern­bild Pega­sus zu beob­ach­ten. Mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 10 mag kann er bereits in klei­nen Tele­sko­pen auf­ge­spürt wer­den. Bis Mit­te April wird die Hel­lig­keit vor­aus­sicht­lich noch bis auf 7. Grö­ße anstei­gen, dann wird er in der hel­len Mor­gen­däm­me­rung unsicht­bar und durch­läuft schließ­lich am 19. April sein Perihel.

Der Komet C/2024 E1 (Wierz­chos) ist im April ein Objekt für den Abend­him­mel. Er bewegt sich in die­sem Monat vom Stern­bild Stier in die Zwil­lin­ge. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit von zu Beginn 11 mag geht im Lau­fe des April wei­ter zurück auf 12. Grö­ßen­klas­sen. Somit ist der Schweif­stern nur noch in grö­ße­ren Tele­sko­pen sicht­bar. Zu Beginn des Monats ist Wierz­chos nur 4 Grad süd­lich von Alde­ba­ran und den Hya­den aufzufinden.

(7) Iris wird am 14. April im Stern­bild Sex­tant sta­tio­när und been­det damit ihre Oppo­si­ti­ons­pe­ri­ode. Im Lau­fe des Monats sinkt ihre schein­ba­re Hel­lig­keit von 9,7 mag am 1. April auf 10,4 mag. Zu Beginn des Monats geht sie um 4:50 Uhr unter, Ende des Monats bereits um 3:04 Uhr Som­mer­zeit. Am 2. April kann der 6,5 mag hel­le Stern 13 Sex­tan­tis als Auf­such­hil­fe die­nen. Iris befin­det sich an die­sem Tag nur 5 Bogen­mi­nu­ten von die­sem Stern entfernt.

(15) Euno­mia stand am 25. März 2026 im Stern­bild Becher in Oppo­si­ti­on zur Son­ne, erreich­te dabei jedoch nur eine maxi­ma­le Hel­lig­keit von 9,9 Grö­ßen­klas­sen. Bereits am 3. April sinkt ihre schein­ba­re Hel­lig­keit wie­der unter die 10. Grö­ßen­klas­se. Ihre Kul­mi­na­ti­ons­zei­ten ver­früh­ten sich dabei von 0:11 Uhr zu Beginn des Monats auf 21:56 Uhr.

Auch (20) Mas­sa­lia stand im Vor­mo­nat in Oppo­si­ti­on zur Son­ne und bewegt sich wei­ter­hin durch das Stern­bild der Jung­frau. Im Lau­fe des Monats nimmt ihre schein­ba­re Hel­lig­keit deut­lich ab und schrumpft bis Ende April von 9,4 mag auf 10,2 mag. Am 1. April erreicht sie um 0:21 Uhr ihre höchs­te Stel­lung im Süden. Am 30. April steht sie um 22:08 Uhr im Meridian.

Meteorströme

Vom 16. bis 25. April sind die Lyri­den zu sehen, deren Aus­strah­lungs­punkt sich etwa sie­ben Grad süd­west­lich von Wega im Stern­bild Lei­er befin­det. Mit einer Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit in die Erd­at­mo­sphä­re von 49 km/s zäh­len die Lyri­den zu den mit­tel­schnel­len Meteo­ren. Ihr Maxi­mum ist nicht sehr aus­ge­prägt und tritt am Abend des 22. April gegen 20:40 Uhr auf. Der genaue Zeit­punkt des Maxi­mums kann sich natür­lich um meh­re­re Stun­den ver­schie­ben. Die bes­te Beob­ach­tungs­zeit für den Lyri­den­strom sind die Stun­den zwi­schen 22 Uhr und 4 Uhr mor­gens, wenn der Radi­ant des Mete­or­stroms ab 22:30 Uhr in guter Beob­ach­tungs­hö­he am Him­mel steht. Im Maxi­mum sind durch­schnitt­lich 18 Stern­schnup­pen zu erwar­ten, dar­un­ter eini­ge sehr hel­le Exem­pla­re. Der zuneh­men­de Mond stört die Beob­ach­tung der Lyri­den nur gering­fü­gig. Der Stern­schnup­pen­strom ist auch immer wie­der für Über­ra­schun­gen gut: So wur­den bei­spiels­wei­se 1982 90 Meteo­re pro Stun­de beob­ach­tet. Ein wei­te­rer Aus­bruch fand 1922 statt, als 100 Stern­schnup­pen pro Stun­de regis­triert wur­den. In die­sem Jahr ist kei­ne erhöh­te Akti­vi­tät zu erwar­ten. Als Ursprungs­kör­per der Lyri­den gilt der lang­pe­ri­odi­sche Komet C/1861 G1 That­cher mit einer Umlauf­zeit von 415 Jahren.

Vom 19. April bis zum 28. Mai sind die Eta-Aqua­ri­den zu beob­ach­ten. In die­sem Jahr wer­den sie jedoch nach­hal­tig durch den abneh­men­den Mond gestört. Es han­delt sich um einen mit­tel­star­ken Strom, der vor allem in süd­li­che­ren Brei­ten zu sehen ist. In Mit­tel­eu­ro­pa steht der Radi­ant nur sehr nied­rig über dem Hori­zont. Daher gibt es nur ein kur­zes Beob­ach­tungs­fens­ter kurz vor Beginn der Mor­gen­däm­me­rung. Das Maxi­mum wird für den 5. Mai erwar­tet. Dann sind bei­spiels­wei­se von Nami­bia aus zwi­schen 50 und 65 sehr schnel­le Meteo­re mit Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 66 Kilo­me­tern pro Sekun­de in die Erd­at­mo­sphä­re zu sehen. Im Jahr 2003 wur­de sogar eine Zeni­tra­te von 100 regis­triert. In Mit­tel­eu­ro­pa redu­ziert sich die­se Zahl auf­grund der gerin­gen Hori­zont­hö­he auf 10 bis 15 Stern­schnup­pen pro Stun­de. Auf­grund ihres fla­chen Ein­tritts­win­kels in die Erd­at­mo­sphä­re zei­gen die­se jedoch zum Teil sehr lan­ge Bah­nen am Him­mel. Der Ursprungs­kör­per der Eta-Aqua­ri­den ist der berühm­te Hal­ley­sche Komet.

Die spo­ra­di­schen Meteo­re aus dem Bereich der Eklip­tik, die auch als Ant­he­l­ionquel­le bezeich­net wer­den, kön­nen im gesam­ten April beob­ach­tet wer­den. In die­sem Monat ver­schiebt sich die Radi­an­ten­po­si­ti­on vom Stern­bild Jung­frau in die Waa­ge. Auf­grund der süd­li­chen Dekli­na­ti­on des Radi­an­ten mit einer Höhe von nur 30 Grad über dem Hori­zont sind in unse­ren Brei­ten durch­schnitt­lich nicht mehr als zwei bis vier Meteo­re pro Stun­de sicht­bar, die eine Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit von 30 km/s erreichen.

Der abendliche Fixsternhimmel

Sternhimmel April 2026
Der Stern­him­mel am 15. April 2026 um 23:00 Uhr MESZ

Im Norden

Zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit steht der Gro­ße Wagen, der zum Stern­bild Gro­ßer Bär gehört, bereits im Zenit hoch über unse­ren Köp­fen. Um den Polar­stern und somit die Nord­rich­tung zu fin­den, ver­län­gern wir die bei­den hin­te­ren Kas­ten­ster­ne des Wagens um das Fünf­fa­che. Der Polar­stern gehört zum Stern­bild Klei­ner Bär. In der nächs­ten Stun­de wird sein Wagen­kas­ten eben­falls die höchs­te Posi­ti­on im Nor­den ein­neh­men. Wei­ter öst­lich wird der Klei­ne Wagen vom Stern­bild Dra­che umschlos­sen. West­lich des Klei­nen Bären kön­nen auf­merk­sa­me Beob­ach­ter noch die schwa­chen Ster­ne der unschein­ba­ren Stern­bil­der Giraf­fe und Luchs aus­ma­chen. Unter­halb des Polar­sterns hat das Stern­bild Kepheus sei­ne tiefs­te Posi­ti­on über dem Nord­ho­ri­zont, auch unte­re Kul­mi­na­ti­on genannt, gera­de über­schrit­ten. West­lich des Kepheus ent­de­cken wir die Kas­sio­peia, das „Himmels‑W“, das sei­ne tiefs­te Posi­ti­on über dem Nord­ho­ri­zont noch nicht ganz erreicht hat. Tief im Nord­wes­ten fin­den wir bereits das Stern­bild Per­seus. Etwas ober­halb davon steht der hel­le Haupt­stern Capel­la im Stern­bild Fuhr­mann. Im Nord­os­ten stei­gen nun die Som­mer­stern­bil­der Schwan und Lei­er mit den hel­len Haupt­ster­nen Deneb und Wega lang­sam wie­der auf und tau­chen aus dem dich­ten Hori­zont­dunst empor.

Im Osten

In mitt­le­rer Höhe im Osten kön­nen wir das Stern­bild Bären­hü­ter ent­de­cken. Sein röt­li­cher Haupt­stern Ark­tur ist in die­sem Him­mels­ab­schnitt der auf­fäl­ligs­te Stern. Gleich­zei­tig dient er als Weg­wei­ser zu den Früh­lings­stern­bil­dern in die­sem Him­mels­are­al. Aus­ge­hend vom Bären­hü­ter steht über die­sem Stern­bild die Figur des Gro­ßen Wagens, des­sen Deich­sel nun genau auf den öst­li­chen Punkt des Hori­zonts zeigt. Noch höher im Zenit ste­hen die Kas­ten­ster­ne des Gro­ßen Bären. Rechts von der Deich­sel ent­de­cken wir das unschein­ba­re Stern­bild der Jagd­hun­de. Noch wei­ter im Süd­os­ten, west­lich von Ark­tur, kön­nen wir schließ­lich das Haar der Bere­ni­ke aus­ma­chen. In die­sem nur aus schwa­chen Ster­nen bestehen­den Stern­bild kann man in einer kla­ren, mond­lo­sen Nacht den Coma-Stern­hau­fen (Melot­te 111) mit blo­ßem Auge erken­nen. Unter­halb des Bären­hü­ters befin­den sich das Halb­rund des Stern­bil­des Nörd­li­che Kro­ne, der unschein­ba­re Her­ku­les und die Lei­er mit dem hel­len Stern Wega. Im Osten sehen wir bereits den Kopf des Stern­bil­des Schlan­ge, der vom mäch­ti­gen Schlan­gen­trä­ger getra­gen wird. Die Ster­ne des Schlan­gen­trä­gers sind aller­dings noch weit­ge­hend unter dem Ost­ho­ri­zont ver­bor­gen. Direkt über dem Süd­ost­ho­ri­zont geht das Stern­bild Waa­ge auf. Die Ster­ne die­ses Stern­bil­des ver­ste­cken sich aller­dings zum größ­ten Teil noch in den Dunst­schich­ten des Horizonts.

Im Süden

Nun haben die Früh­lings­stern­bil­der end­lich den gesam­ten süd­li­chen Teil des Him­mels ein­ge­nom­men. Der hells­te Stern in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist Ark­tur im Stern­bild des Bären­hü­ters, der sich hoch im Süd­os­ten befin­det. Ver­län­gert man die Figur des Bären­hü­ters über Ark­tur hin­aus, zeigt die Stre­cke direkt auf einen wei­te­ren hel­len Stern, der sich in gerin­ger Höhe über dem Süd­ost­ho­ri­zont befin­det. Dabei han­delt es sich um den wei­ßen Haupt­stern Spi­ca im Stern­bild der Jung­frau. Das auf­fäl­ligs­te Stern­bild die­ses Him­mels­ab­schnitts ist jedoch der mäch­ti­ge Löwe, der gera­de sei­nen höchs­ten Punkt im Süden erreicht hat. Die zahl­rei­chen Gala­xien des Vir­go-Gala­xien­hau­fens befin­den sich nun eben­falls in einer opti­ma­len Beob­ach­tungs­po­si­ti­on. Sie lie­gen etwas wei­ter öst­lich vom Schwanz des Löwen und ste­hen fast genau auf dem Meri­di­an. Ober­halb des Löwen befin­det sich das unschein­ba­re Stern­bild des Klei­nen Löwen. In mitt­le­rer Höhe im Süd­wes­ten, west­lich des Löwen, sind die schwa­chen Ster­ne des unschein­ba­ren Kreb­ses nur bei sehr dunk­lem Him­mel zu sehen. Öst­lich des Löwen und ober­halb der Jung­frau kön­nen wir schließ­lich das Stern­bild Haar der Bere­ni­ke mit dem Coma-Stern­hau­fen ent­de­cken. Noch wei­ter in Rich­tung Zenit befin­den sich die eben­falls unschein­ba­ren Jagd­hun­de. Blickt man in Rich­tung Süd­ho­ri­zont, so erkennt man direkt unter­halb der Stern­bil­der Jung­frau und Löwe das Stern­bild Becher und west­lich davon den Raben. Das Stern­bild Was­ser­schlan­ge, das sich nur aus schwa­chen Ster­nen zusam­men­setzt, aber sehr aus­ge­dehnt erscheint, schlän­gelt sich in mitt­le­rer Höhe im Süd­wes­ten unter­halb des Stern­bil­des Krebs in Rich­tung Süd­ost­ho­ri­zont herab.

Im Westen

Im Wes­ten sind noch eini­ge hel­le Ster­ne und Stern­bil­der des Win­ter­him­mels über dem Hori­zont zu sehen. Zu den auf­fäl­ligs­ten Stern­bil­dern gehö­ren die Zwil­lin­ge mit den bei­den Haupt­ster­nen Cas­tor und Pol­lux. In den nächs­ten zwei Stun­den wer­den sie den West­ho­ri­zont errei­chen. Dort kön­nen wir auch den Rie­sen­pla­ne­ten Jupi­ter ent­de­cken, der sich nun fast genau über dem West­punkt des Hori­zonts befin­det. Er ist der auf­fäl­ligs­te Licht­punkt in die­sem Him­mels­ab­schnitt. West­lich der Zwil­lin­ge berei­tet sich der Fuhr­mann mit der hel­len, gelb­lich leuch­ten­den Capel­la auf sei­nen Unter­gang vor. Bei opti­ma­ler Hori­zont­sicht sind außer­dem Betei­geu­ze, der lin­ke Schul­ter­stern des Ori­on, und Alde­ba­ran im Stier zu sehen. Auch die offe­nen Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den, die sich in die­sem Stern­bild befin­den, sind noch im Hori­zont­dunst zu erken­nen. Im Nord­wes­ten sinkt nun auch das Stern­bild Per­seus lang­sam in Rich­tung Hori­zont hin­ab. Auf der ande­ren Sei­te des West­punkts erken­nen wir den Stern Pro­kyon im Stern­bild Klei­ner Hund und dar­über den unschein­ba­ren Krebs. In einer mond­lo­sen Nacht kön­nen wir hier den Stern­hau­fen Prae­se­pe (Mes­sier 44), auch Krip­pe genannt, als schwa­chen Nebel­fleck mit blo­ßem Auge erken­nen. Beson­ders in einem Fern­glas bie­tet er einen wun­der­schö­nen Anblick. Ober­halb des Kreb­ses sehen wir den Kopf des Löwen. In Zenit­nä­he ist das Stern­bild Gro­ßer Bär zu erken­nen. Zwi­schen den Stern­bil­dern Zwil­lin­ge, Fuhr­mann und Gro­ßer Bär liegt die unschein­ba­re Ster­nen­ket­te des Stern­bil­des Luchs. Es besteht aus sehr licht­schwa­chen Ster­nen und ist selbst am dunk­len Land­him­mel nur schwer auszumachen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum aktu­el­len Stern­him­mel gibt es auf der Sei­te Stern­him­mel

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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