Der Kugelsternhaufen Messier 68 (NGC 4590), im südlichen Sternbild Wasserschlange (Hydra), wurde am 9. April 1780 von dem berühmten französischen Astronomen Charles Messier entdeckt. Messier beschrieb den Haufen als sehr schwachen Nebel ohne Sterne unterhalb des Raben und der Hydra in der Nähe eines Sterns der 6. Größenklasse. Das Objekt war in seinem Refraktor sehr schwer zu sehen. Der deutsch-britische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel beschrieb das Objekt hingegen als wunderschöne Ansammlung von Sternen, die extrem reich, kompakt und komprimiert erscheinen, sodass die meisten Sterne regelrecht miteinander verschmelzen. Herschel war auch der erste Beobachter, der den Sternhaufen in seine Einzelsterne auflösen konnte. Sein Sohn John katalogisierte den Haufen im Jahr 1836 als h 3404. Er nahm ihn später als GC 3128 in seinen Generalkatalog auf. Er notierte: „Ganz klar aufgelöst in Sterne der 12. Magnitude, sehr locker und zerklüftet an den Rändern”. Admiral William Henry Smyth, der den Kugelsternhaufen 1837 beobachtete, schrieb die Entdeckung von M 68 fälschlicherweise Messiers Freund und Kollegen Pierre Méchain zu. Diese Angabe wurde von zahlreichen späteren Quellen übernommen.
Ein metallarmer Kugelsternhaufen aus einer anderen Galaxie
Messier 68 ist ein typischer kugelförmiger Sternhaufen des äußeren galaktischen Halos mit einer scheinbaren Größe von 11 Bogenminuten am Himmel. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 7,3 Größenklassen kann man ihn an dunklen und klaren Nächten sehr leicht mit dem Feldstecher auffinden. M 68 ist ein weniger konzentrierter Kugelsternhaufen der Konzentrationsklasse X. Er befindet sich in einer Entfernung von 33.580 Lichtjahren zur Erde, auf der gegenüberliegenden Seite des galaktischen Zentrums, und besitzt einen wahren Durchmesser von rund 106 Lichtjahren. Er beherbergt wahrscheinlich mehr als 100.000 Sterne. Seine Gesamtmasse wird mit 223.000 Sonnenmassen angegeben. M 68 enthält 25 Sterne, die heller als 14,8 mag sind. Insgesamt sind rund 2.000 Sterne des Haufens mit Amateurinstrumenten beobachtbar. Aufgrund seiner südlichen Position am Himmel, mit einer Deklination von ‑26,7°, ist das Objekt von Mitteleuropa aus nur relativ schwierig zu beobachten.

Der Sternhaufen umkreist das Zentrum unserer Milchstraße innerhalb von 500 Millionen Jahren, mit einer großen Bahnexzentrizität von 0,5 und einer Neigung von 30°. Dadurch entfernt er sich zeitweise bis über 100.000 Lichtjahre von unserer Heimatgalaxie und nähert sich ihr dann wieder bis auf 30.000 Lichtjahre an. Gleichzeitig zählt M 68 zu den metallärmsten kugelförmigen Sternhaufen der Milchstraße. Das bedeutet, dass im Spektrum seiner Sterne nur wenige schwere Elemente enthalten sind, die schwerer als Wasserstoff und Helium sind. Im Durchschnitt enthält jeder seiner Sterne etwa 1⁄170 so viel Metall pro Einheiten Wasserstoff wie unsere Sonne. Interessanterweise weist M 68 jedoch, ähnlich wie Messier 15 im Sternbild Pegasus, eine erhöhte Siliziumhäufigkeit auf, im Gegensatz zu Titan. Diese ungewöhnliche chemische Anreicherung ist möglicherweise auf Beiträge von Supernovae mit etwas massereicheren Vorläufern zurückzuführen. Möglicherweise befindet sich M 68 in einem Kernkollaps und zeigt Anzeichen einer Rotation. Außerdem wird vermutet, dass der Sternhaufen Teil des Milchstraßensystems wurde, als in der Vergangenheit eine kleine Zwerggalaxie von unserer Heimatgalaxie verschlungen wurde.
Im Sternhaufen wurden im Jahr 2015 bis zu 50 veränderliche Sterne identifiziert, die meisten davon vom Typ RR Lyrae. Diese Veränderlichen sind überaus wichtig für die Entfernungsleiter im Universum. 27 dieser Sterne wurden von dem amerikanischen Astronomen Harlow Shapley entdeckt. Sechs dieser Sterne gehören zum Typ SX Phoenicis und weisen ein kurzes Pulsationsverhalten sowie starke Amplitudenschwankungen auf. In Messier 68 wurden außerdem über 250 Riesensterne mit einer absoluten Helligkeit von 0. Größe oder heller gezählt. Somit besitzt er etwa halb so viele helle Riesensterne wie die deutlich berühmteren Kugelsternhaufen Messier 3 in den Jagdhunden oder Messier 13 im Sternbild Herkules. Schätzungen zufolge ist der Sternhaufen 11,2 Milliarden Jahre alt. Dieses Alter ist vergleichbar mit dem anderer Kugelsternhaufen unserer Galaxie, deren Alter zwischen 10,24 Milliarden Jahren (NGC 1261 und NGC 3201) und 13,95 Milliarden Jahren (NGC 6171) liegt.

Am Rand des Sternhaufens, 7,4 Bogenminuten nordöstlich von M 68, befindet sich der kleine, rote Stern FI Hydrae. Dieser Stern ist kein echtes Mitglied des Sternhaufens und steht weit im Vordergrund. Es handelt sich um einen veränderlichen Stern vom Mira-Typ. Dieser erscheint sehr rötlich und weist eine Periode von etwa 324 Tagen auf. Er besitzt eine Amplitude von 7,2 mag und kann bei seinem Maximum eine Helligkeit von 9 Magnituden erreichen. Dadurch verändert sich das Aussehen des Sternhaufens erheblich.
Beobachtung
Messier 68 steht sehr weit südlich des Himmelsäquators. Aus diesem Grund ist er vor allem von der südlichen Hemisphäre aus am besten zu beobachten. Von Mitteleuropa aus verblasst der mächtige Kugelsternhaufen dagegen im Dunst des Horizonts. Unter optimalen Bedingungen und bei sehr guter Horizontsicht ist M 68 mit einem handelsüblichen 7×50 oder 10×50 Fernglas als unscharfer Stern erkennbar. Selbst mit größeren Feldstechern erscheint er nur als diffuser Nebelfleck. In einem 3 bis 4‑Zoll Refraktor ist ein helles Zentrum erkennbar, das von einem unscharfen Halo umgeben ist, der zu den Rändern hin allmählich verblasst. Bei einer 80-fachen Vergrößerung erscheint der Randbereich des Haufens schon leicht körnig, vor allem, wenn man von südlicheren Breiten der Erde aus beobachtet. Ein 5 mag heller Stern steht direkt südwestlich des Haufens.
Spätestens ab einer Öffnung von 6‑Zoll sollten in Nächten mit guter Transparenz und Sicht sowie einer hohen Vergrößerung von etwa 120-fach erste Einzelsterne in den Randbereichen zu erkennen sein. Das hellste Haufenmitglied erreicht dabei eine Helligkeit von 12,6 Größenklassen. Außerdem erscheint der Haufen nun eher oval als rund. Nordwestlich des Zentrums, fünf Bogenminuten entfernt, steht ein rötlicher Stern. Mit einer Öffnung von 8 bis 10-Zoll und einer 150-fachen Vergrößerung sind die Randbereiche des Haufens eindeutig in Einzelsterne aufgelöst. Selbst im fleckig erscheinenden Zentrum blitzen einzelne Sterne hinter einem Nebel unaufgelöster Sterne hervor. Befindet sich M 68 hoch am Himmel, wie beispielsweise in Namibia, kann er im Zentrum sogar vollständig in einzelne Sterne aufgelöst werden. Mit noch größeren Teleskopen mit 12 bis 14-Zoll Öffnung zeigt sich ein reichhaltiger Kugelsternhaufen. Mit diesem Instrumentarium gelingt auch eine vollständige Auflösung des Kernbereichs von Mitteleuropa aus. Dabei erscheint sein Kern recht locker und nicht kompakt. Der hellste Abschnitt ist nach Nordwesten verschoben. Dort konzentrieren sich die Sterne in einem keilförmigen Muster zwischen dunklen Strängen und Bögen hellerer Sterne.
Die Hydra ist das größte Sternbild am Nachthimmel. Die beste Zeit, um Messier 68 zu beobachten, sind die Frühlingsmonate. In Namibia erreicht der Sternhaufen sogar den Zenit. Messier 68 ist für mitteleuropäische Beobachter ein relativ schwieriges Objekt. Bei seinem Meridiandurchgang, im östlichen Bereich des Sternbilds Wasserschlange, erreicht er keine große Höhe über dem Horizont. Dadurch wird er durch die dichteren Atmosphärenschichten in seiner Helligkeit deutlich beeinträchtigt. Um ihn aufzusuchen, geht man am besten vom Sternbild Rabe (Corvus) aus. Von dort folgt man einer Linie, die vom Stern Delta Corvi (2,9 mag) ausgeht und in Richtung des Sterns Kraz (Beta Cor, 2,7 mag) verläuft. Verlängert man diese Linie um weitere 4 ½ Grad in südlicher Richtung, taucht ein Doppelstern (ADS 8612) mit einer Helligkeit von 5,4 Größenklassen auf. M 68 befindet sich ungefähr 45 Bogenminuten nordöstlich dieses Sterns.
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Steckbrief für Messier 68
Daten und Fakten für den Kugelsternhaufen Messier 68 in der Wasserschlange (Hydra)| Objektname | Messier 68 |
| Katalogbezeichnung | NGC 4590, GCL 20, ESO 506-SC30 |
| Typ | Kugelsternhaufen, X |
| Sternbild | Wasserschlange (Hydra) |
| Rektaszension (J2000.0) | 12h 39m 28,0s |
| Deklination (J2000.0) | -26° 44′ 32″ |
| V Helligkeit | 7,3 mag |
| Flächenhelligkeit | 13,0 mag |
| Winkelausdehnung | 11,0′ |
| Durchmesser | 106 Lichtjahre |
| Entfernung | 33.600 Lichtjahre |
| Beschreibung | B,pL,R,vmbMBN,rr; * mags 17… |
| Entdecker | Charles Messier, 1780 |
| Sternatlanten | Cambridge Star Atlas: Chart 11, 16 & 17 Interstellarum Deep Sky Atlas: Chart 81 Millennium Star Atlas: Charts 869–870 (Vol II) Pocket Sky Atlas: Chart 47 Sky Atlas 2000: Chart 21 Uranometria 2nd Ed.: Chart 150 |












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