Objekte des Monats: Der offene Sternhaufen Messier 52

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Mes­sier 52 (NGC 7654) ist ein offe­ner Stern­hau­fen im nörd­li­chen Stern­bild Kas­sio­peia (Cas­sio­peia). Er wur­de am 7. Sep­tem­ber 1774 von dem fran­zö­si­schen Astro­no­men Charles Mes­sier ent­deckt. Mes­sier beob­ach­te­te in jener Nacht den „Sep­tem­ber­ko­me­ten“, der in der Nähe des Stern­hau­fens stand. Der Astro­nom beschrieb ihn als Hau­fen mit sehr schwa­chen Ster­ne in einer Art Nebel. Der deutsch-bri­ti­sche Astro­nom Fried­rich Wil­helm Her­schel beob­ach­te­te den Stern­hau­fen am 29. August 1783. Er bemerk­te „unzäh­li­ge klei­ne Ster­ne, ohne jeg­li­chen Ver­dacht von Nebel“. M 52 zählt, nach M 11 und M 67, zu den schöns­ten und stern­reichs­ten Objek­ten sei­ner Art nörd­lich des Him­mels­äqua­tors. Zusam­men mit NGC 457 und NGC 7789, gilt er auch als einer der schöns­ten Stern­hau­fen in der nörd­li­chen Milch­stra­ße. M 52 wird auf­grund sei­nes Aus­se­hens in klei­nen bis mitt­le­ren Tele­skop auch als „Salz- und Pfef­fer-Hau­fen“ (Salt & Pep­per Clus­ter) bezeichnet.

Ein reicher Sternhaufen mit zwei Phasen der Sternentstehung

Mes­sier 52 ist ein jun­ger und ziem­lich kom­pak­ter offe­ner Stern­hau­fen, in einem rela­tiv stern­rei­chen Gebiet der Herbst­milch­stra­ße, im west­li­chen Teil der Kas­sio­peia. Er besitzt eine schein­ba­re Hel­lig­keit von 6,9 mag und einen schein­ba­ren Durch­mes­ser von 13 Bogen­mi­nu­ten. Dem­zu­fol­ge ist der Hau­fen bereits sehr ein­fach in Fern­glä­sern und Tele­sko­pen beob­acht­bar und sogar auf­lös­bar. Auf einer schein­ba­ren Flä­che, die der hal­ben Grö­ße unse­res Voll­mon­des ent­spricht, sind fast 200 Mit­glieds­ster­ne kon­zen­triert. Bis zur Hel­lig­keit von 19,5 Grö­ßen­klas­se gehö­ren über 6.000 Ster­ne zu dem Hau­fen. Somit zählt Mes­sier 52 zu den reichs­ten offe­nen Stern­hau­fen unse­rer Gala­xis. In sei­nem Zen­trum beträgt die Dich­te rund 3 Ster­ne pro Kubik­par­sec. Der wah­rer Hau­fen­durch­mes­ser wird mit rund 22 Licht­jah­re ange­ge­ben. Sein Gezei­ten­ra­di­us ist mit knapp 43 Licht­jah­ren sogar dop­pelt so groß.

Sternbild Kassiopeia
Die Herbst­milch­stra­ße über dem nörd­li­chen Hori­zont – Das Stern­bild Kas­sio­peia befin­det sich genau in der Bildmitte

Der hells­te Stern im Hau­fen ist BD +60°2532. Er ist ein gelb-oran­ger Über­rie­se der Spek­tral­klas­se F9 und besitzt eine schein­ba­re Hel­lig­keit von 7,8 mag und die 1.000-fache Son­nen­leucht­kraft. Ver­mut­lich ist die­ser Stern ein Vor­der­grund­stern. Im Lau­fe der Jah­re wur­den auch ins­ge­samt 18 pul­sie­ren­de B‑Sterne ent­deckt, wobei einer von ihnen dem Typ Del­ta-Scu­ti ange­hört und drei von ihnen zur Klas­se der Gam­ma-Dora­dus-Ver­än­der­li­che gezählt wer­den. Auch ein Bede­ckungs­ver­än­der­li­cher vom Algol-Typ wur­de in M 52 gefun­den. Es gibt auch Hin­wei­se von drei Be-Ster­nen im Hau­fen. Ins­ge­samt ver­eint der Stern­hau­fen rund 1.200 Son­nen­mas­sen. Die Ent­fer­nung von M 52 zu unse­rem Son­nen­sys­tem beträgt rund 4.600 Licht­jah­re. Aller­dings ist die­se Ent­fer­nungs­an­ga­be noch mit eini­gen Unsi­cher­hei­ten behaf­tet. Denn das Licht der Mit­glieds­ster­ne wird durch die inter­stel­la­re Absorp­ti­on um rund eine Grö­ßen­klas­se abge­schwächt. In der Süd­hälf­te des Hau­fens ist die Extink­ti­on sogar noch stär­ker. Nach neue­ren Daten der Raum­son­de GAIA ist eine Ent­fer­nung von 5.100 bis 5.300 Licht­jah­ren eher wahrscheinlich.

Messier 52
Mes­sier 52 im Stern­bild Kas­sio­peia – Auf­nah­me von Micha­el Brei­te, Ste­fan Heutz & Wolf­gang Ries, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

Genau so unsi­cher wie die Ent­fer­nung, ist auch das Alter von M 52. Die­ses wird oft mit 158 Mil­lio­nen Jah­ren ange­ge­ben. Eini­ge Quel­len spre­chen sogar nur von 35 bis 60 Mil­lio­nen Jah­ren. Mög­li­cher­wei­se fand in Mes­sier 52 nicht eine, son­dern zwei auf­ein­an­der­fol­gen­de Pha­sen der Stern­ent­ste­hung statt, wobei die Alters­span­ne zwi­schen den Ster­nen Dut­zen­de von Mil­lio­nen Jah­ren beträgt. Typi­scher­wei­se liegt das Alter der Ster­ne, in den meis­ten offe­nen Stern­hau­fen, nur ein paar Mil­lio­nen Jah­re aus­ein­an­der. Der Kern des Hau­fens, der einen Radi­us von knapp 3 Licht­jah­ren besitzt, weist einen Man­gel an inter­stel­la­rer Mate­rie auf. Ver­mut­lich ist die­ser Man­gel auf Super­no­va-Explo­sio­nen in der Ent­ste­hungs­zeit des Hau­fens zurückzuführen.

M52 & Bubble
M 52, Czer­nik 43 & der Bubblen­ebel (NGC 7635) – Auf­nah­me von Hart­mut Born­emann, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

Nur 35 Bogen­mi­nu­ten süd­west­lich von Mes­sier 52 befin­det sich der licht­schwa­che Bubblen­ebel (NGC 7635). Es ist ein so genann­ter Wolf-Ray­et-Nebel, die den 8,5 mag hel­len leucht­kräf­ti­gen und mas­se­rei­chen Stern HD 220057 umgibt. Der Nebel wur­de im Jahr 1787 von Wil­helm Her­schel ent­deckt und befin­det sich mit 11.000 Licht­jah­ren weit im Hin­ter­grund. Nur 15 Bogen­mi­nu­ten süd­lich von M 52 steht noch der offe­nen Stern­hau­fen Czer­nik 43, der aller­dings nur in grö­ße­ren Opti­ken visu­ell zu erken­nen ist. Mit­te März 2021 leuch­te­te die Nova Cas 2021 auf, etwas weni­ger als ein hal­bes Grad süd­lich von M 52. Sie erreich­te eine maxi­ma­le Hel­lig­keit von 7,5 Grö­ßen­klas­sen und war bereits sehr gut in Fern­glä­sern beobachtbar.

Beobachtung

Mes­sier 52 ist auf­grund sei­ner Hel­lig­keit schon in jedem Fern­glas und Tele­skop ein ein­fa­ches Objekt. der Hau­fen ist prä­de­sti­niert für einen licht­ver­schmutz­ten Him­mel. Im 10x50 Feld­ste­cher ist aller­dings nur ein klei­nes ova­les Wölk­chen erkenn­bar, das sich neben einem Stern der 8. Grö­ßen­klas­se befin­det. Im 16x70 Fuji­non Feld­ste­cher erscheint der Stern­hau­fen bereits gra­nu­liert und noch nicht ganz in Ein­zel­ster­ne auf­ge­löst. Man erkennt 10 bis 15 schwach leuch­ten­de Mit­glie­der. Im 3 bis 4 Zoll Refrak­tor zei­gen sich bei mitt­le­ren Ver­grö­ße­run­gen bereits rund drei Dut­zend, meist schwa­chen Ein­zel­ster­ne glei­cher Hel­lig­keit. Die­se befin­den sich in einem leicht oval geform­ten bis drei­ecki­gen Hau­fen. Am süd­west­li­chen Rand von M 52 ent­de­cken wir den schon wei­ter oben im Text ange­spro­che­ne Rie­sen­stern, der aller­dings erst mit deut­lich grö­ßer Öff­nung sei­ne oran­ge Fär­bung zeigt. Die übri­gen Ster­ne besit­zen die 11. bis 12. Grö­ßen­klas­se. Sie ver­tei­len sich auf ein Feld von unge­fähr einem Drit­tel der Voll­mond­grö­ße. Mit 6 bis 8 Zoll Öff­nung bie­tet M 52 einen umwer­fen­den Anblick. Nun sind schon 50 bis 80 ein­zel­ne Mit­glieds­ster­ne der 9. bis 12. Grö­ße sicht­bar, die nur eine mäßi­ger Kon­zen­tra­ti­on zur Mit­te zei­gen. Den bes­ten Anblick ergibt sich mit 100-facher Ver­grö­ße­rung. Nun erscheint er wie eine Streu­ung aus Salz und Pfef­fer. Der Hin­ter­grund des Hau­fens bleibt wei­ter­hin dif­fus. Bei hoher Ver­grö­ße­rung sticht nun die oran­ge-gel­be Fär­bung des hells­ten Ein­zel­sterns, am west­li­chen Rand des Hau­fens, regel­recht ins Auge. Ein wei­te­rer gelb­li­cher Stern befin­det sich 10 Bogen­mi­nu­ten süd­öst­lich von M 52. Die rest­li­chen Mit­glie­der leuch­ten eher weiß bis bläulich.

Aufsuchkarte
Auf­such­kar­te für Mes­sier 52 – erstellt mit SkytechX

Mes­sier 52 ist ein typi­sches Objekt des Herbst- und Win­ter­him­mels. Er kann aber als zir­kum­po­la­res Objekt das gesam­te Jahr beob­ach­tet wer­den. Der Stern­hau­fen befin­det sich rund 6 ½ Grad nörd­lich der ver­län­ger­ten Ver­bin­dungs­li­nie von Sche­dar (Alpha Cas, 2,2 mag) zu Caph (Beta Cas, 2,3 mag), dem rech­ten obe­ren Stern des „Himmels‑W“, an der Gren­ze zum Cepheus. Um M 52 auf­zu­su­chen, stel­len wir Beta Cas­sio­peiae in die Sucher­mit­te ein und schwen­ken rund 2° in Rich­tung Nor­den. Nahe der Sucher­mit­te taucht nun ein mar­kan­tes Vier­eck aus Ster­nen der 6. bis 7. Grö­ße auf. Nun schwen­ken wir das Tele­skop wei­te­re 4 ½ Grad in Rich­tung Wes­ten, bis wir auf den 5 mag hel­len roten Rie­sen­stern 4 Cas sto­ßen, der bereits mit blo­ßem Auge zu erken­nen ist. Die­ser bil­det mit zwei wei­te­ren Ster­nen der 6. und 7. Grö­ßen­klas­se ein nahe­zu recht­wink­li­ges Drei­eck. M 52 befin­det sich rund ¾ Grad süd­lich die­ses Sterns.

Auf­such­kar­te Mes­sier 52 (180,1 KiB, 160 hits)

Steckbrief für Messier 52

Objekt­na­meMes­sier 52
Kata­log­be­zeich­nungNGC 7654, OCL 260
Typoffe­ner Stern­hau­fen, I 2 r
Stern­bildKas­sio­peia (Cas­sio­peia)
Rekt­aszen­si­on (J2000.0)23h 24m 50,5s
Dekli­na­ti­on (J2000.0)+61° 36′ 23″
V Hel­lig­keit6,9 mag
Flä­chen­hel­lig­keit12,0 mag
Win­kel­aus­deh­nung16,0′
Anzahl der Sterne200
Hells­ter Stern8,2 mag
Durch­mes­ser22 Licht­jah­re
Ent­fer­nung4.600 Licht­jah­re
Beschrei­bungL,Ri,mCM,*9..13; Mes­sier saw neby the­re is none
Ent­de­ckerCharles Mes­sier, 1774
Stern­at­lan­tenCam­bridge Star Atlas: Chart 1, 2 & 7
Inter­stel­larum Deep Sky Atlas: Chart 8 & 15
Mill­en­ni­um Star Atlas: Charts 1069–1070 (Vol III)
Pocket Sky Atlas: Chart 71
Sky Atlas 2000: Chart 3
Urano­me­tria 2nd Ed.: Chart 18

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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