Farbenprächtige Einblicke in die Sternentstehungsregion NGC 7129

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Eine far­ben­präch­ti­ge Traum­land­schaft offen­bart sich in die­ser neu­en Auf­nah­me des James-Webb-Welt­raum­te­le­skops von NASA, ESA und CSA. Sie zeigt die Stern­ent­ste­hungs­re­gi­on NGC 7129, einen Nebel, der zahl­rei­che Pro­tos­ter­ne und Ster­ne in sei­nen Gas- und Staub­fel­dern birgt. Webb fing Infra­rot­licht ein, das die dich­te Mate­rie durch­dringt, wel­che ande­re Licht­ar­ten streut oder absor­biert. Die­se Regi­on, reich an Ster­nen in ver­schie­de­nen Ent­wick­lungs­sta­di­en, bie­tet die Mög­lich­keit zu erfor­schen, wie Ster­ne ihre Umge­bung prägen.

NGC 7129 (JWST)
Die NIR­Cam (Nahin­fra­rot­ka­me­ra) des James-Webb-Welt­raum­te­le­skops der NASA, ESA und CSA hat zahl­rei­che Pro­tos­ter­ne und Ster­ne in den leuch­ten­den Gas­wol­ken von NGC 7129 ent­deckt. – Cre­dit: NASA, ESA, CSA, STScI; Image Pro­ces­sing: A. Pagan (STScI)

Ein neu­es Bild des Webb-Tele­skops ent­hüllt einen wah­ren Schmelz­tie­gel kos­mi­scher Schöp­fung. Es zeigt zahl­rei­che Ster­ne, die zuvor von Staub­wol­ken in einem Stern­ent­ste­hungs­ge­biet namens NGC 7129 ver­bor­gen waren, das etwa 3.300 Licht­jah­re von der Erde ent­fernt liegt.

Ster­ne, die Moto­ren der ele­men­ta­ren Schöp­fung, durch­lau­fen Lebens­zy­klen, die mit ihrer Ent­ste­hung in Mole­kül­wol­ken – kal­ten, dich­ten Regio­nen aus Staub und Gas – begin­nen. Auf­grund die­ser stau­bi­gen Hül­len sind jun­ge Ster­ne oft mit vie­len Tele­sko­pen nicht sicht­bar, ins­be­son­de­re mit sol­chen, die kein Infra­rot­licht erfas­sen kön­nen. Das Webb-Tele­skop hin­ge­gen besitzt eine hohe Infra­rotem­pfind­lich­keit, die es Astro­no­men ermög­licht, durch den Staub hin­durch­zu­se­hen und den Beginn des Stern­le­bens­zy­klus zu erforschen.

Die Ster­ne die­ses Stern­hau­fens befin­den sich in unter­schied­li­chen Ent­wick­lungs­sta­di­en, wobei mas­se­rei­che­re Ster­ne am schnells­ten ent­ste­hen und sich am schnells­ten ent­wi­ckeln. Der mas­se­reichs­te (und am wei­tes­ten ent­wi­ckel­te) Stern ist der leucht­star­ke Zen­tral­stern der Regi­on, LkH(alpha) 234 (aus­ge­spro­chen Lick-H-alpha). Die­ser Stern, der das mar­kan­tes­te Beu­gungs­mus­ter im Bild auf­weist, ist ein Vor­haupt­rei­hen­stern mit etwa der 5 bis 8‑fachen Mas­se unse­rer Son­ne. Vor­haupt­rei­hen­ster­ne wie die­ser haben ihre Mas­senzu­nah­me weit­ge­hend abge­schlos­sen und zie­hen sich unter dem Ein­fluss der Schwer­kraft zusam­men, wodurch ihre Tem­pe­ra­tur ansteigt. Mit der Zeit wird die­ser Stern, wie unse­re Son­ne, sei­nen eige­nen Was­ser­stoff fusionieren.

Die links davon befind­li­che, gold­far­be­ne Ver­tie­fung von etwa 3,5 Licht­jah­ren Durch­mes­ser ist das größ­te Zeug­nis des Ein­flus­ses des Zen­tral­sterns. Aus­flüs­se aus einem frü­he­ren Sta­di­um des Stern­le­bens­zy­klus schnit­ten in die dich­te Was­ser­stoff­mo­le­kül­wol­ke ein. Sowohl die Aus­flüs­se als auch das Licht des Sterns regen das Gas an und las­sen es leuch­ten. Wäh­rend ein Groß­teil die­ses Was­ser­stoff­ga­ses weg­ge­bla­sen wird, wird ein gro­ßer Teil kom­pri­miert, wodurch die Bedin­gun­gen für die Ent­ste­hung wei­te­rer Ster­ne geschaf­fen werden.

Eini­ge die­ser Ster­ne sind inner­halb der Höh­le sicht­bar. Meh­re­re von ihnen sind zudem Vor­haupt­rei­hen­ster­ne und emit­tie­ren Stern­win­de. Die nahe­ge­le­ge­nen Bug­stoß­wel­len, die gekrümm­ten, kom­pri­mier­ten Gas­strö­me, die in der Nähe der Ster­ne auf­tre­ten, ent­ste­hen, wenn die­se Win­de in das ener­gie­rei­che Gas drü­cken und eige­ne, klei­ne­re Höh­len bilden.

Zusam­men bil­den die zen­tra­len und die ein­ge­bet­te­ten Ster­ne auch den schar­fen Grat, der am obe­ren Rand der gol­de­nen Höh­le zu sehen ist. Ihr Licht erzeugt eine hei­ße Umge­bung, die gegen das käl­te­re und dich­te­re mole­ku­la­re Gas außer­halb der Höh­le drückt und eine Gren­ze schafft, die als Pho­to­dis­so­zia­ti­ons­re­gi­on bekannt ist. In die­ser Regi­on zer­fal­len die Was­ser­stoff­mo­le­kü­le in Ato­me. Indem sie die Tem­pe­ra­tur und die Che­mie der Regi­on beein­flus­sen, bie­tet die­se Ansamm­lung von Ster­nen Ein­bli­cke dar­in, wie die­se Mole­kül­wol­ken über Mil­lio­nen von Jah­ren hin­weg all­mäh­lich ero­diert werden.

Die Regi­on rechts vom Zen­tral­stern erzählt eine ande­re, aber eben­so chao­ti­sche Geschich­te. Die klum­pi­ge Mate­rie, rot dar­ge­stellt, ver­birgt deut­lich jün­ge­re Objek­te als jene links: Pro­tos­ter­ne. Das Pro­tos­tern­sta­di­um liegt vor dem Vor­haupt­rei­hen­sta­di­um und tritt ein, nach­dem sich Mole­kül­wol­ken aus Gas und Staub zunächst kom­pri­miert und frag­men­tiert haben.

Wäh­rend Pro­tos­ter­ne Mate­rie ansam­meln und ihre Mas­se erhö­hen, sto­ßen sie Aus­flüs­se über­hitz­ten Mate­ri­als aus. Die­se Aus­flüs­se inter­agie­ren mit der dich­ten, grau­en Mate­rie, die die Pro­tos­ter­ne umgibt, und erzeu­gen Schock­wel­len, die ein struk­tu­rier­tes Erschei­nungs­bild ver­ur­sa­chen. Auch das rote Leuch­ten ist eine Fol­ge die­ser Wech­sel­wir­kung. Meh­re­re Aus­flüs­se ver­schie­de­ner Ster­ne über­la­gern sich aus unse­rer Per­spek­ti­ve und tra­gen so zum chao­ti­schen Aus­se­hen der Sze­ne bei.

Wei­te­re die­ser pro­tostel­la­ren Aus­flüs­se sind oben links im Bild, nahe einem blau­en Nebel, zu sehen. Im Zen­trum die­ser blau­en Regi­on befin­det sich ein Pro­tos­tern, der von einer ring­för­mi­gen Mate­rie­schei­be umge­ben ist. Die­se Schei­be wirft einen Schat­ten auf den umge­ben­den Nebel, ähn­lich dem soge­nann­ten „Fle­der­maus­schat­ten“, der vom NASA/ESA-Welt­raum­te­le­skop Hub­ble beob­ach­tet wurde.

Die hohe räum­li­che Auf­lö­sung des Webb-Tele­skops offen­bart zahl­rei­che kom­ple­xe Struk­tu­ren im Gas der Regi­on. Astro­no­men wer­den die­se Webb-Daten wei­ter­hin nut­zen, um zu unter­su­chen, wie die Ster­ne und Pro­tos­ter­ne in die­ser Regi­on das umge­ben­de Gas und den Staub beeinflussen.

Hintergrundinformationen

Webb ist das größ­te und leis­tungs­stärks­te Tele­skop, das jemals ins All gebracht wur­de. Im Rah­men einer inter­na­tio­na­len Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung stell­te die ESA den Start­dienst für das Tele­skop unter Ein­satz der Trä­ger­ra­ke­te Aria­ne 5 bereit. In Zusam­men­ar­beit mit ihren Part­nern war die ESA für die Ent­wick­lung und Qua­li­fi­zie­rung der Anpas­sun­gen der Aria­ne 5 für die Webb-Mis­si­on sowie für die Beschaf­fung des Start­diens­tes durch Aria­nespace ver­ant­wort­lich. Die ESA stell­te außer­dem den Haupt­spek­tro­gra­fen NIR­Spec sowie 50 % des Mit­tel­in­fra­rot-Instru­ments MIRI bereit, das von einem Kon­sor­ti­um staat­lich finan­zier­ter euro­päi­scher Insti­tu­te (dem MIRI Euro­pean Con­sor­ti­um) in Zusam­men­ar­beit mit dem JPL und der Uni­ver­si­ty of Ari­zo­na ent­wi­ckelt und gebaut wurde.

Webb ist eine inter­na­tio­na­le Part­ner­schaft zwi­schen der NASA, der ESA und der Kana­di­schen Welt­raum­agen­tur (CSA).

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung heic2620

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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