Das war die Sonnenfinsternis am 10. Juni

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Nach über 6 Jah­ren War­ten war es wie­der so weit: Der Neu­mond schob sich in Euro­pa wie­der vor die Son­nen­schei­be. Teil­wei­se jeden­falls, denn bei uns war nur eine par­ti­el­le Son­nen­fins­ter­nis sicht­bar, die im Nor­den Deutsch­lands über 20% Bede­ckungs­grad erreich­te. Hier bei uns in Süd­bran­den­burg lag der Grad der Bede­ckung der sicht­ba­ren Son­nen­schei­be zwi­schen 13 und 11 Pro­zent. In der Ark­tis zeig­te sich auf einem schma­len Fins­ter­nis­pfad eine ring­för­mi­ge Son­nen­fins­ter­nis. Über Nord­ame­ri­ka war der par­ti­el­le Bede­ckungs­grad deut­lich grö­ßer und die Men­schen konn­ten dort eine aus­ge­präg­te Son­nen­si­chel betrach­ten. Vie­le Süd­kur­ven­mit­glie­der hat­ten sich für die­sen Tag oder zur Mit­tags­stun­de frei genom­men und konn­ten die Fins­ter­nis, bei recht wech­sel­haf­ter Wet­ter­be­din­gun­gen, eben­falls erfolg­reich beob­ach­ten. Denn auch wenn sich vie­ler­orts mehr oder weni­ger vie­le Wol­ken am Him­mel zeig­ten, kam unser Zen­tral­ge­stirn ab und zu doch mal durch eine Wol­ken­lü­cke hin­durch. Unser lang­jäh­ri­ges Mit­glied Ste­phan hat von sei­nem Stand­ort in Sach­sen die­ses beein­dru­cken­de Bild der Son­nen­fins­ter­nis im H‑Al­pha-Licht geschos­sen und mir freund­li­cher­wei­se zur Ver­fü­gung gestellt.

Sonnenfinsternis in H-Alpha
Teil­ver­fins­ter­te Son­ne im H‑Al­pha-Licht – © Ste­phan Sadowski

Finsternisbeobachtung in Gorden

Dies­mal hat­te ich mich mit Ste­fan und Uwe in Gor­den, in der Nähe von Lauch­ham­mer, ver­ab­re­det. Auch Dr. Die­ter M., ein Bekann­ter von Ste­fans Fami­lie, war mit sei­nem eige­nen Fern­rohr, einen Sky­wat­cher ED 120 auf einer EQ6-Mon­tie­rung, vor Ort. Unser Gast­ge­ber hat­te bereits einen umfang­rei­chen Tele­s­kop­park im Gar­ten auf­ge­baut, als Uwe und ich kurz nach 10:30 Uhr an der Müh­le in Gor­den ein­tra­fen. Noch recht­zei­tig vor dem 1. Kon­takt, der um 11:38 Uhr statt­fin­den soll­te. Lei­der zeig­te sich Rich­tung Nor­den eine schwar­ze Wol­ken­wand, die immer mehr auf uns zu kam. Uns war das nicht geheu­er, obwohl Die­ter mein­te, dass die Wol­ken am Dorf vor­bei­zie­hen wür­den. Wir bau­ten also schnell die Aus­rüs­tung ab, als es kur­ze Zeit spä­ter anfing stark zu reg­nen und zu gewit­tern. Wir flüch­te­ten unter die über­dach­te Ter­ras­se und sahen schon, die Fins­ter­nis im Regen­guss und Gewit­ter­sturm davonschwimmen.

Regen
Gewit­ter­sturm mit Stark­re­gen kurz nach 11 Uhr

Die ande­ren Süd­kur­ven­mit­glie­der, nörd­lich oder süd­lich unse­rer Posi­ti­on, hat­ten dage­gen mehr Glück. Denn dort reg­ne­te es nicht und vie­ler­orts schien die Son­ne. Dafür hat­ten ein paar unse­rer Mit­glie­der Pech wäh­rend der maxi­ma­len Bede­ckung, als Wol­ken die Sicht auf die Son­ne trüb­ten. Glück­li­cher­wei­se hör­te der Regen bei uns nach einer hal­ben Stun­de auf. Lei­der zu spät für den 1. Kon­takt. Der Auf­bau des Instru­men­ta­ri­ums ging schnell von der Hand und kurz vor High Noon stan­den alle Tele­sko­pe wie­der für die Beob­ach­tung bereit. In Rich­tung Nord­wes­ten zeig­te sich auch eine grö­ße­re Wol­ken­lü­cke mit blau­em Him­mel, obwohl es in Rich­tung Süden immer noch der Don­ner des nun abzie­hen­den Gewit­ter groll­te. Nach­dem die letz­te gro­ße Wol­ke die Son­ne end­lich wie­der frei­ge­ge­ben hat­te, konn­ten wir die Fins­ter­nis durch ins­ge­samt 7 Tele­sko­pe beobachten.

Teleskope
Tele­sko­pe ste­hen für die Beob­ach­tung bereit

Beein­dru­ckend war das See­ing nach dem Gewit­ter­guss, denn die schwar­ze Mond­ka­lot­te stand wie aus­ge­stanzt vor der hel­len Son­nen­schei­be. Am Rand waren sogar eini­ge Mond­ber­ge als Sil­hou­et­te deut­lich zu erken­nen. Auf der „Ober­flä­che“ unse­res Zen­tral­ge­stirns zeig­ten sich zwei unauf­fäl­li­ge Fle­cken­grup­pen. Die Fle­cken waren in Ste­fans 8 Zoll Dob­son, der mit einem Son­nen­fil­ter aus Baa­der-Solar­fo­lie aus­ge­stat­tet war, am bes­ten zu sehen. In vie­len der auf­ge­stell­ten Refrak­to­ren, vor allem in Uwes klei­nen 2,5 Zoll Apo, zeig­te sich deut­lich die Son­nen­gra­nu­la­ti­on. In sei­nem Lunt-H-Alpha-Tele­skop konn­ten wir eine Men­ge Pro­tu­ber­an­zen sowie eini­ge Fackel­ge­bie­te am Ort der Son­nen­fle­cken deut­lich erken­nen. Vor allem eine Pro­tu­beranz am Rand war groß und auf­fäl­lig und stach die ande­ren um Län­gen. Auch die ande­ren Süd­kur­ven­mit­glie­der waren nicht untä­tig. Denn zeit­nah wur­den die neus­ten Bil­der in unse­rer Whats­App-Grup­pe geteilt.

Die teil­ver­fins­ter­te Son­ne zum Zeit­punkt der maxi­ma­len Bede­ckung – © Ste­fan Schnelle

Beein­druckt war ich von dem Zeiss-Tele­men­tor, wo die Son­ne auf einen Schirm pro­ji­ziert wur­de. Ste­fan foto­gra­fier­te die Fins­ter­nis mit sei­ner Canon-DSLR am Oku­larau­zug durch sei­nen Sky­wat­cher ED80. Ich hat­te eini­ge Schwie­rig­kei­ten, die teil­ver­fins­ter­te Son­ne in mei­nem Bres­ser Sky­lux 70 mm über­haupt zu fin­den. Hier habe ich auch nach fast 28 Jah­ren prak­ti­scher Astro­no­mie am wenigs­tens Übung dar­in, unser Zen­tral­ge­stirn am Schat­ten des Tele­skop aus­zu­rich­ten. Schwa­che Deep-Sky-Objek­te sind bei mir stets rela­tiv fix hän­disch ein­ge­stellt. Der selbst gebau­te Son­nen­fil­ter, den ich mir zum Venus­tran­sit 2012 aus Solar­fo­lie gebas­telt hat­te, leis­te­te mir auch bei die­ser Fins­ter­nis sehr gute Diens­te. Auch ich konn­te die grö­ße­re Fle­cken­grup­pe mit höhe­rer Ver­grö­ße­rung zumin­dest erahnen.

Telementor
Der Zeiss 60 mm Tele­men­tor mit Sonnenprojektionsschirm

Auch Ste­fans Fami­lie betei­lig­te sich an der Fins­ter­nis­be­ob­ach­tung, als pünkt­lich um 12:38 Uhr der maxi­ma­le Bede­ckungs­grad, mit 11,4% der sicht­ba­ren Flä­che, erreicht wur­de. Danach ging es auf die Ter­ras­se, wo es zum Mit­tag­essen frisch gegrill­te Steaks und Würst­chen gab. 15 Minu­ten vor Fins­ter­nisen­de lie­fen wir wie­der zu den Tele­sko­pen. Denn dies­mal woll­ten wir nicht den 4. Kon­takt ver­pas­sen, der pünkt­lich um 13:40 Uhr Som­mer­zeit statt­fin­den soll­te. Die zu die­sem Zeit­punkt ein­set­zen­de Gewit­ter­schwü­le mach­te uns etwas zu schaf­fen. Und tat­säch­lich sah man nun recht schnell, wie der Mond die teil­ver­fins­ter­te Son­nen­schei­be nach und nach wie­der frei gab.

Stefan
Unser Gast­ge­ber Ste­fan bei der Foto­gra­fie der Fins­ter­nis mit sei­nem Sky­wat­cher ED80

Nach der erfolg­rei­chen Beob­ach­tung wur­de noch nach Her­zens­lust gefach­sim­pelt und auch über ande­re Din­ge gespro­chen, bis wir aber­mals von einem Don­ner­grol­len auf­ge­schreckt wur­de. Wir schaff­ten es aber noch recht­zei­tig, die Aus­rüs­tung vor dem ein­set­zen­den Regen­schau­er zu ver­stau­en. Kurz nach 16 Uhr ver­ab­schie­de­ten wir uns von Ste­fan und fuh­ren zufrie­den nach Hau­se. Aber­mals konn­te die Süd­kur­ve ein astro­no­mi­sches High­light beobachten.

Uwe
Son­nen­be­ob­ach­tung mit dem Lunt-H-Alpha

Die nächs­te Son­nen­fins­ter­nis, die als par­ti­el­le Fins­ter­nis auch von Deutsch­land aus sicht­bar sein wird, fin­det bereits am Diens­tag, dem 25. Okto­ber 2022 um 12:15 Uhr Som­mer­zeit statt. Und dies­mal wer­den sogar 32% der sicht­ba­ren Flä­che der Son­ne vom Mond bedeckt!

Sonnenbeobachtung
Son­nen­be­ob­ach­tung

Unser Süd­kur­ven­mit­glied Oli­ver hat eine beein­dru­cken­de Timel­ap­se aus 3127 Bil­dern auf You­tube online gestellt:

Und auch in den sozia­len Netz­wer­ken war die (par­ti­el­le) Son­nen­fins­ter­nis vom 10. Juni 2021 welt­weit ein Thema… 🙂

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

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