Beobachtungstipp: Sonnenfinsternis am 10. Juni

Lese­zeit: 3 Minu­ten
Globale Ansicht der Sonnenfinsternis
Sicht­bar­keits­ge­biet der ring­för­mi­gen Son­nen­fins­ter­nis am 10. Juni 2021

Nach über 6 Jah­ren War­te­zeit kommt Deutsch­land am Don­ners­tag, dem 10. Juni 2021 wie­der in den Genuss einer (par­ti­el­len) Son­nen­fins­ter­nis. Die­se wird in den Mit­tags­stun­den statt­fin­den und im gesam­ten deutsch­spra­chi­gen Raum sicht­bar sein. Der Bede­ckungs­grad nimmt vom Nor­den der Repu­blik aus gese­hen ab, je süd­öst­li­cher man sich befin­det. Dabei wer­den im äußers­ten Nor­den Deutsch­lands bis zu 22% der Son­nen­schei­be vom Neu­mond bedeckt. Für Ham­burg bedeu­tet das 17,3%, für den Raum Mün­chen 6,3% Bede­ckungs­grad und für Wien nur noch 4,4%. In der Nord­po­lar­re­gi­on, direkt auf der Zen­tral­li­nie, ist eine ring­för­mi­ge Son­nen­fins­ter­nis sicht­bar. Da sich der Mond mit 404.228 Kilo­me­tern Abstand noch in Erd­fer­ne befin­det und auch die Son­ne fast in ihrer maxi­ma­len Ent­fer­nung zur Erde, deckt der Schat­ten unse­res Erd­tra­ban­ten die sicht­ba­re Son­nen­schei­be nicht voll­stän­dig ab. Ein 2 Bogen­mi­nu­ten schma­ler Ring der glei­ßend hel­len Son­nen­schei­be bleibt übrig. Der nur weni­ge hun­dert Kilo­me­ter brei­te Kern­schat­ten des Mon­des ver­läuft dabei vom äußers­ten Nor­den Kana­das, über Nord­grön­land, dem nörd­li­chen Eis­meer bis nach Nord­ost-Sibi­ri­en. Die maxi­ma­le Pha­se, mit 3 Minu­ten und 51,2 Sekun­den Dau­er, wird am Ort 80° 48,9′ nörd­li­che Brei­te und 66° 48,3′ west­li­cher Län­ge erreicht, wobei der Bede­ckungs­grad 91,52% der sicht­ba­ren Son­nen­schei­be betra­gen wird. Die par­ti­el­le Pha­se der Fins­ter­nis kann in gro­ßen Tei­len Kana­das, im nörd­li­chen Asi­en, Euro­pa und ent­lang des nörd­li­chen Mit­tel­mee­res ver­folgt wer­den. Von Deutsch­land aus gese­hen dau­ert die par­ti­el­le Pha­se etwas über 2 Stun­den. Zur maxi­ma­len Bede­ckung, um 12:30 Uhr Som­mer­zeit, befin­det sich die Son­ne gut 60° hoch über dem Süd­ho­ri­zont. Damit ist die Son­nen­fins­ter­nis auch sehr gut von der Stadt aus zu beob­ach­ten vor­aus­ge­setzt, die Wet­ter­be­din­gun­gen las­sen eine Beob­ach­tung unse­res Zen­tral­ge­stirns über­haupt zu. Ein­zel­ne Wol­ken­lü­cken rei­chen aber aus, um die Fins­ter­nis zeit­wei­se zu sehen.

Die Finsternis beobachten

Die Son­ne soll­te man nie unge­schützt beob­ach­ten, da sonst schwe­re Augen­schä­den die Fol­ge sein können! 

Beobachtung
Mit­glie­der der Süd­kur­ve bei der Beob­ach­tung der Son­nen­fins­ter­nis am 20. März 2015

Nur in den weni­gen Minu­ten der voll­stän­di­gen Tota­li­tät, wenn der Mond die glei­ßen­de Son­nen­schei­be kom­plett abdeckt, ist eine gefahr­lo­se Beob­ach­tung mit dem unge­schütz­tem Auge mög­lich. Im astro­no­mi­schen Fach­han­del gibt es aber geeig­ne­te Fil­ter (z.B. Son­nen­fil­ter­fo­lie oder Glas­fil­ter), die man vor der Öff­nung eines Tele­skops, Tele­ob­jek­tivs oder Fern­gla­ses befes­tigt kann. Die­se Fil­ter blo­cken über 99,5% des sicht­ba­ren Lichts und die nicht min­der gefähr­li­che unsicht­ba­re Infra­rot­strah­lung ab. Bau­an­lei­tun­gen für einen Objek­tiv­son­nen­fil­ter aus zer­ti­fi­zier­ter Son­nen­fil­ter­fo­lie gibt es zum Bei­spiel beim ClearS­ky-Blog. Beob­ach­tet man ohne opti­sche Hilfs­mit­tel, soll­te man die Augen mit einer geeig­ne­ten Son­nen­fins­ter­nis­bril­le schüt­zen, die eben­falls für rela­tiv wenig Geld im Astro­no­mie­fach­han­del käuf­lich zu erwer­ben ist. Völ­lig unge­fähr­lich ist dage­gen die Pro­jek­ti­ons­me­tho­de mit Hil­fe eines Fern­gla­ses oder Fern­roh­res, wobei die Son­ne auf ein wei­ßen Kar­ton bzw. ein wei­ßes Blatt Papier im ent­spre­chen­den Abstand hin­ter dem Oku­lar pro­ji­ziert wird. Das hat auch den Vor­teil, dass meh­re­re Beob­ach­ter gleich­zei­tig das Ereig­nis ver­fol­gen kön­nen. Am bes­ten beob­ach­tet man aber mit erfah­ren­den Stern­freun­den, zum Bei­spiel auf einer Volks­stern­war­te die, natür­lich coro­nabe­dingt, hof­fent­lich an die­sem Tag Beob­ach­tun­gen für Besu­cher anbie­ten wird. So kann die­ses Natur­er­eig­nis für Jeder­mann zum Erleb­nis werden.

Kontaktzeiten der Finsternis

Kontaktzeiten
Kon­takt­zei­ten der par­ti­el­len Pha­se für mei­nen Hei­mat­ort Lüb­ben (für ande­re Orte in Deutsch­land weicht die­se nur um weni­ge Minu­ten ab)
Kon­takt­zei­ten zur Ring­för­mi­gen Son­nen­fins­ter­nis am 10. Juni 2021 für aus­ge­wähl­te Orte
OrtBeginnMit­teEndeGrö­ße
Ber­lin11:36 Uhr12:39 Uhr13:43 Uhr13,4%
Basel11:27 Uhr12:19 Uhr13:15 Uhr7,5%
Dres­den11:39 Uhr12:38 Uhr13:38 Uhr10,5%
Frankfurt/Main11:27 Uhr12:26 Uhr12:28 Uhr11,3%
Genf11:24 Uhr12:14 Uhr13:06 Uhr6,1%
Graz11:54 Uhr12:36 Uhr13:20 Uhr3,1%
Ham­burg11:29 Uhr12:34 Uhr13:42 Uhr17,4%
Inns­bruck11:39 Uhr12:27 Uhr13:17 Uhr5,0%
Köln 11:23 Uhr12:24 Uhr13:29 Uhr13,7%
Mün­chen11:38 Uhr12:29 Uhr13:22 Uhr6,3%
Ros­tock11:33 Uhr12:38 Uhr13:46 Uhr17,3%
Salz­burg11:43 Uhr12:32 Uhr13:22 Uhr5,1%
Stutt­gart11:30 Uhr12:25 Uhr13:22 Uhr8,6%
Wien11:53 Uhr12:40 Uhr13:28 Uhr4,4%
Zürich11:30 Uhr12:21 Uhr13:15 Uhr6,6%

Auf die nächs­te Son­nen­fins­ter­nis, die auch von Deutsch­land zu sehen ist, müs­sen wir nicht all zu lan­ge war­ten. Denn bereits im kom­men­den Jahr, näm­lich am 25. Okto­ber 2022, fin­det die nächs­te vom deutsch­spra­chi­gen Raum aus sicht­ba­re par­ti­el­le Ver­fins­te­rung der Son­ne statt.

Wei­ter­füh­ren­de Links:

Astrofan80’s Astro­sei­te – Fins­ter­nis­se
Sonnenfinsternis.org – Info­sei­te zur Sofi am 10. Juni 2021
Astro­no­mie-Ver­lag – Infos zur Son­nen­fins­ter­nis als PDF
Wiki­pe­dia – All­ge­mei­ne Infos zu Sonnenfinsternissen

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

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