Das war das 18. Herzberger Teleskoptreffen

Lese­zeit: 7 Minu­ten

Nun ist das 18. Herz­ber­ger Tele­skop­tref­fen (HTT), was vom 21. bis 24. Sep­tem­ber 2017 statt­fand, auch wie­der Geschich­te. Und trotz der eher wid­ri­gen Wet­ter­um­stän­de und Aus­sich­ten, konn­te zumin­dest in der Nacht von Frei­tag auf Sams­tag aus­gie­big beob­ach­tet wer­den. Feucht fröh­lich ging es aber nicht nur am Him­mel zu.

Donnerstag

Eini­ge Stern­freun­de reis­ten schon ab Mitt­woch Nach­mit­tag an und konn­ten in die­ser Nacht ca. zwei Stun­den lang beob­ach­ten. Offi­zi­ell wur­de das Tref­fen aber erst am Don­ners­tag eröff­net. Ich erreich­te Punkt 13 Uhr Jeß­nigk und staun­te erst mal nicht schlecht, dass ich Ein­tritt für mein Auto und das Zelt zah­len soll­te, obwohl ich wie­der am HTT-Sky­gui­de mit­ge­ar­bei­tet hat­te. Die Sach­la­ge konn­te aber schnell mit Dirk Land­rock geklärt wer­den. Unse­re Süd­kur­ve, auf der gro­ßen Beob­ach­ter­wie­se, war zu die­sem Zeit­punkt schon gut gefüllt, obwohl eini­ge Süd­kur­ven­mit­glie­der, auf­grund der wid­ri­gen Wet­ter­aus­sich­ten, abge­sagt hatten.

Am Stand von Vixen auf der Nordwiese

Ich bau­te schnell mein Zelt auf und setz­te mich dann zu den ande­ren Mit­glie­der, die schon ihre Beob­ach­tungs­in­stru­men­te auf­ge­baut hat­ten. Zu sehen gab es aber nicht gera­de viel, da der Him­mel lei­der voll­stän­dig bewölkt war. So mach­ten Tho­mas, Gabi und ich einen ers­ten Rund­gang über den Platz. Am Stand von Vixen, die zum 1. Mal auf dem HTT waren, blie­ben wir ste­hen und konn­ten eini­ge Neu­ig­kei­ten bestau­nen. So war ich von der neu­en wei­ßen Kopf­lam­pe aus Japan recht ange­tan. Die „Bril­le zum Erhalt der Dun­ke­ald­ap­ti­on“ über­zeug­te mich aller­dings nicht. Vor allem der Preis war schlicht über­teu­ert, han­del­te es sich doch um eine ein­fa­che rote Laser­schutz­bril­le, die man für ein paar weni­ge Euro bei Ama­zon & Co. fin­det. Ein Fern­glas­ver­gleich­test unter­schied­li­cher Fuji­non-Feld­ste­cher über­zeug­te da schon eher. Am Abend saß man dann in gesel­li­ger Run­de beisammen.

Modell­flie­ger auf dem Platz

Eini­ge Stern­freun­de hat­ten ihre Modell­flie­ger und auch diver­se Droh­nen mit­ge­bracht und flo­gen die­se über dem nahen Feld. So auch Jörg aus Chem­nitz, der sei­ne Mini­droh­ne prä­sen­tier­te. Die­se passt mit­samt des Steu­er­pads in eine klei­ne Kame­ra­ta­sche. So konn­te auch von oben unse­re Süd­kur­ve bestaunt wer­den. Denn die Droh­ne über­trug Live­bil­der direkt auf das Pad.

Die Süd­kur­ve aus der Adler­per­spek­ti­ve am Donnerstagabend

In der Nacht erzähl­te Uwe aus Fins­ter­wal­de dann den Anwe­sen­den von sei­ner Rei­se in die USA zur Tota­len Son­nen­fins­ter­nis, die er mit eini­gen ande­ren Stern­freun­den aus der Süd­kur­ve in Wyo­ming bei­woh­nen konn­te. Und auch die hüb­schen Land­schafts­bil­der vom Yel­low­stone konn­ten über­zeu­gen. Jörg zeig­te dar­auf­hin sei­ne Bil­der vom Nord­kap mit fan­tas­ti­schen Bil­dern der Polar­lich­ter. Nach einem Vor­mit­ter­nachts­schmaus in der H‑Al­pha-Bar, ging man schon um 1 Uhr in die Schlaf­sä­cke. Denn der Him­mel woll­te den gan­zen Abend lang nicht auf­rei­ßen. Nur hier und da waren in der Nacht ein­zel­ne klei­ne Wol­ken­lü­cken zu sehen, die ein wenig Ster­nen­licht zeigten.

Freitag

Jörg mit sei­nem 8 Zoll Apo – Der größ­te Refrak­tor auf dem Platz

In die­ser Nacht schlief ich über­ra­schend sehr gut in mei­nem Zelt, wahr­schein­lich weil die Käl­te noch erträg­lich war. Das soll­te sich in der fol­gen­den Nacht aber ändern. Nach dem Früh­stück fuhr ich zur Abwechs­lung mal allein nach Kolochau raus, um zu duschen und ver­pass­te ganz knapp die ande­ren Stern­freun­de, die mit dem Schlüs­sel des Kolochau­er Sport­ler­heims zurück­fuh­ren. Glück­li­cher­wei­se waren zwei Platz­war­te vor Ort, die mir das Gebäu­de auf­schlos­sen. Kurz nach Mit­tag kehr­te ich wie­der zur Süd­kur­ve zurück. Wei­te­re Stern­freun­de tra­fen am frü­hen Nach­mit­tag an der Süd­kur­ve ein u.a. Fami­lie Mül­ler, Uwe aus Chem­nitz, Tilo – der nach 3 Jah­ren Absti­nenz wie­der ein HTT besuch­te – sowie die bei­den enthu­si­as­ti­schen Hob­by­as­tro­nom­in­nen Anja und Michae­la aus Dres­den, die wir im letz­ten Jahr ken­nen­ge­lernt haben. Sie hat­ten auch aller­lei Din­ge von zu Hau­se mit­ge­bracht, die das Über­le­ben der bei­den auf der Süd­wie­se sichern soll­te. So waren neben einem rie­si­gen Zelt gleich zwei Was­ser­ko­cher, liter­wei­se Glüh­wein und sogar einen Sand­wich­ma­ker mit im Gepäck. Aber wo war der Fön für den Tau geblie­ben, der vor allem in der kom­men­den Nacht zu erwar­ten war?

Tho­mas und Thors­ten bei der Kol­li­ma­ti­on des 10 Zoll Gala­xy Newtons

Gegen 16 Uhr besuch­te ich Mar­tin Fied­lers Work­shop Video­as­tro­no­mie. Und auch dies­mal konn­te die Zuhö­rer neue tech­ni­sche Errun­gen­schaf­ten (vor allem Kame­ras) des Rade­beu­ler Astro­clubs bestau­nen. Aller­dings zog sich der prak­ti­sche Teil des Work­shops doch ziem­lich in die Län­ge, so dass ich vor­zei­tig den Work­shop ver­ließ und Tho­mas und Thors­ten noch bei der Kol­li­mie­rung des 10 Zoll New­tons half. Nach einer wei­te­ren Run­de über dem Platz sah ich mir am Stand vom Tele­skop Shop Ost die neue Fern­glas­rei­he von APM Tele­scopes an, die mit guter Kor­rek­tur auf der Ach­se und einer exzel­len­ten Rand­schär­fe auf­war­ten konn­te. Auch das neue Nikon-Fern­glas am Stand von Inter­con Spa­ce­tec über­zeug­te, war mir aber vom Preis her deut­lich zu teu­er. Zum Abend hin traf auch Chris­ti­an aus Burg ein, so dass nun die Süd­kur­ve fast voll­stän­dig anwe­send war. Als die Nacht her­ein­ge­bro­chen war, rich­te­te ich mei­ne StarA­dven­tu­rer ein. Auch Chris­ti­an hat­te sei­ne Nach­führ­platt­form mit­ge­bracht, mit der er im Mai die­sen Jahrs in Nami­bia foto­gra­fie­ren und beein­dru­cken­de Fotos mit nach Hau­se brin­gen konn­te. Er konn­te mich über­zeu­gen, irgend­wann mal einen eige­nen MGEN (stan­da­lo­ne Auto­gui­der) zu besor­gen, damit ich irgend­wann mit lan­gen Brenn­wei­ten län­ger belich­ten kann als nur maxi­mal 3 Minuten.

Die Süd­kur­ve am Frei­tag Nachmittag

Lei­der herrsch­te in die­ser Nacht eine extre­me Luft­feuch­tig­keit vor, so dass die Tele­sko­pe an der Süd­kur­ve schon früh­zei­tig mit Tau beschlu­gen. Ich muss­te Anja und Michae­la mit mei­nem 12V Fön aus­hel­fen, da auch ihr 4 Zoll Refrak­tor voll­stän­dig zuge­taut war. Bis 20 Grad hoch über dem Hori­zont war die Durch­sicht in allen Him­mels­rich­tun­gen schlecht bis mise­ra­bel. Nur die Zenitre­gi­on konn­te mit guter Durch­sicht auf­war­ten, so dass ich mei­ne Kame­ra in Rich­tung des Stern­bilds Schwan dreh­te. In Rich­tung Nor­den war die Lich­ter­glo­cke von Ber­lin kaum auf­fäl­lig. Wahr­schein­lich ver­hin­der­te hier eine Inver­si­ons­schicht, dass das Licht der Groß­stadt in Rich­tung Him­mel gestreut wird. Dage­gen behin­der­te die extrem auf­fäl­li­ge Lich­ter­glo­cke von Herz­berg eine Beob­ach­tung bis rauf in das Stern­bild Adler.

Die Som­mer­milch­stra­ße mit Nebel­ge­bie­ten bei Deneb und Gam­ma Cyg­ni im Schwan
Canon EOS 1000Da, Canon EF 50 f1.8 STM, F/4, ISO-800, 29x7 Min mit Sky­wat­cher StarAdventurer

Nach­dem wir eini­ge Stan­dard­ob­jek­te, u.a. Mes­sier 31, h & Chi Persei sowie den Zir­rus­ne­bel, mit mei­nem 8 Zoll Dob­son beob­ach­tet hat­ten, bra­chen die Mädels und ich in Rich­tung Rie­send­ob­son auf. Wir woll­ten eini­ge Stim­mungs­bil­der in der Nähe des Tele­skops auf­neh­men, wo sich schon den gan­zen Abend eine Men­schen­trau­be gebil­det hat­te. Die bei­den hat­ten dort auch die Gele­gen­heit, zum 1. Mal durch einen ein Meter Spie­gel zu schau­en. Denn im letz­ten Jahr wur­de das Tele­skop, auf­grund der eben­so schlech­ten Wet­ter­aus­sich­ten, nicht auf­ge­baut. Der Anblick der Andro­me­da­ga­la­xie über­zeug­te, irgend­wann ein grö­ße­res Tele­skop anzu­schaf­fen. Nach einem kur­zen Mit­ter­nachts­s­nack zurück in der Süd­kur­ve, fand man sich schließ­lich in gesel­li­ger und feucht fröh­li­cher Run­de wie­der. Gele­gent­lich guck­ten wir auch mal durch ein Tele­skop, falls es noch nicht ganz beschla­gen war. Gegen 2 Uhr wur­de es auch auf der gro­ßen Wie­se lang­sam etwas ruhi­ger. Nach­dem wir einen Blick auf den über­ra­schend licht­schwa­chen Kome­ten C/2017 O1 (ASASSN) nahe der Ple­ja­den gewor­fen hat­ten, waren die meis­ten Stern­freun­de an der Süd­kur­ve schon in ihren Schlaf­sä­cken ver­schwun­den. Nur Spee­dy, der sei­ne Deep-Sky-Auf­nah­me des Pacman-Nebels fer­tig­stel­len woll­te, und ich waren zu die­sem Zeit­punkt noch auf dem Platz.

Frei­tag Nacht am Riesendobson

Samstag

Nach einer deut­lich kür­ze­ren und ziem­lich kal­ten Nacht, ent­schie­den wir uns kurz nach dem Früh­stück ein­ver­nehm­lich, das Lager abzu­bau­en. Denn für die kom­men­de Nacht wur­de ergie­bi­ge Regen­fäl­le vor­her­ge­sagt, die sich noch bis in den Sonn­tag­mor­gen hin­ein erstre­cken soll­ten. Gegen Mit­tag bra­chen dann die meis­ten Astro­freun­de unse­rer Süd­kur­ve die Heim­rei­se an. Nur Chris­ti­an, Jörg und unse­re bei­den Damen hiel­ten noch etwas län­ger durch. Nach­dem wir uns von Jörg ver­ab­schie­det hat­ten und um die Zeit bis zum Haupt­vor­trag mit Dani­el Fischer zu über­brü­cken, gin­gen wir in den nahe gele­ge­nen Wald auf Pilz­su­che und konn­ten schon nach einer Stun­de knapp 5 Kilo Maro­nen her­aus tra­gen. Ande­re Vor­trä­ge, die zu die­sem Zeit­punkt statt­fin­den, besuch­ten wir nicht, obwohl ich gern bei der Prä­sen­ta­ti­on des eVscope fran­zö­si­scher Stern­freun­de teil­ge­nom­men hät­te, wovon eini­ge unse­rer Süd­kur­ven­mit­glie­der schwärmten.

Das Ergeb­nis aus­gie­bi­gen Sam­melns – Michae­la, Chris­ti­an und Anja vor der „Beu­te“

Im Vor­trags­raum traf ich dann auf Chris­toph, Rick und Ilka von den Kirch­hai­ner Stern­freun­den, die unse­re Grup­pe am Stand­ort auf der Süd­wie­se schon ver­miss­ten. Wäh­rend des Vor­trags über Astro­fo­to­gra­fie mit ein­fa­chen Mit­teln, war es lei­der extrem schwie­rig, Dani­el Fischer zu fol­gen, da der Refe­rent sehr schnell und über­wie­gend in Rich­tung der Lein­wand und nicht zum Publi­kum sprach. So beka­men wir auf den hin­te­ren Plät­zen nur 20% vom Vor­trag mit. Auch kam mir die Prä­sen­ta­ti­on der Bil­der etwas zu lang vor. Am Inter­es­san­tes­ten fand ich aber die Bil­der von der Son­nen­fins­ter­nis vom 21. August 2017, den der Refe­rent in Ore­gon beob­ach­ten konn­te. Danach saßen wir noch in gesel­li­ger Run­de im H‑Al­pha-Bier­gar­ten zusam­men. In der Zwi­schen­zeit hat­te es auch begon­nen aus­gie­big zu reg­nen. Glück­li­cher­wei­se hat­ten wir alle zu die­sem Zeit­punkt schon unse­re Cam­ping­aus­rüs­tung sicher und tro­cken in den Fahr­zeu­gen verstaut.

Die Som­mer­milch­stra­ße ver­schwin­det im Wes­ten im Horizontdunst

Rick hat­te extra für das Tref­fen einen 10 Liter Kanis­ter Met besorgt, den wir zur Hälf­te lee­ren konn­ten. Auch Dani­el Fischer und Ste­fan Simon (vom Astro­team Elbe-Els­ter) freu­ten sich auf ein Glas Honig­wein, denn um 23:00 Uhr schloss die H‑Alpha Bar ihre Pfor­ten bis zum nächs­ten Jahr. Gegen 23:30 Uhr ver­ab­schie­de­te ich mich von den Kirch­hai­nern sowie von Anja und Michae­la, die eben­falls wie ich die Heim­rei­se antraten.

Im nächs­ten Jahr fin­det das 19. Herz­ber­ger Tele­skop­tref­fen zwi­schen dem 6. und 9. Sep­tem­ber 2018 statt, bei hof­fent­lich deut­lich bes­se­ren Wetteraussichten…

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

4 Kommentare:

  1. Pingback:HTT 2017 (2): Auftritt des Enhanced Vision Telescope – Daniels Dies & Das

  2. Hal­lo Andreas,
    schö­ner Bericht 🙂 gut zusam­men gefasst.
    Erwähnt müs­sen noch Mir­ko und Tino, wel­che auf der Foto­wie­se schon seit Diens­tag campierten
    und auch zum erwei­ter­ten Süd­kur­ven­kreis zählen.
    Bis zum nächs­ten Treffen
    Uwe

  3. Die gabs natür­lich auch noch. Aller­dings habe ich sie nur sel­ten bei uns gesehen. 😉

  4. Hier gibts die Bil­der­ga­le­rie zum 18. HTT: http://www.astrofan80.de/galerie/index.php/Veranstaltungen/HTT-2017

    Außer­dem wur­den neue Bil­der vom Tref­fen auf der Home­page des Herz­ber­ger Tele­skop­tref­fens ver­öf­fent­licht: http://www.herzberger-teleskoptreffen.de/

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