Der Sternhimmel im Monat Januar 2012

Lese­zeit: 9 Minu­ten

Der Lauf des Mondes

Am ers­ten Abend des neu­en Jah­res kön­nen wir den zuneh­men­den Halb­mond im Stern­bild Fische auf­fin­den. Am Abend des 3. Janu­ar befin­det er sich knapp 5 Grad nörd­lich des Rie­sen­pla­ne­ten Jupi­ter. Danach wan­dert unser Erd­tra­bant wei­ter durch den Wid­der und steht am Abend des 5. Janu­ar zwi­schen den bei­den Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den im „Gol­de­nen Tor der Eklip­tik“. Am 9. Janu­ar befin­det sich der Voll­mond schließ­lich im Stern­bild Zwillinge.
Nach der Voll­mond­pha­se am dar­auf­fol­gen­den Abend kön­nen wir unse­ren Erd­tra­ban­ten im Stern­bild Krebs beob­ach­ten. Nur zwei Aben­de spä­ter hat er bereits den Löwen erreicht und befin­det sich knapp 7 Grad süd­west­lich des Haupt­sterns Regu­lus. Danach wird der Mond mehr und mehr ein Objekt für die zwei­te Nacht­hälf­te. Am 14. Janu­ar gesellt sich der abneh­men­den Mond zum Pla­ne­ten Mars am Mor­gen­him­mel. Dabei kön­nen wir ihn fast 9 Grad süd­lich unse­res roten Nacht­bar­pla­ne­ten beob­ach­ten. Am 16. Janu­ar steht der Halb­mond mit Spi­ca in der Jung­frau und dem Ring­pla­ne­ten Saturn in einer gedach­ten Linie. Nur einen Mor­gen spä­ter befin­det sich unser stil­ler Beglei­ter 8,5 Grad süd­lich von Saturn und bil­det mit Saturn und Spi­ca ein recht­wink­li­ges Drei­eck. Nach die­ser Begeg­nung wan­dert der Mond wei­ter durch die Waa­ge und steht am 19. Janu­ar als Sichel­mond knapp 3,5 Grad nörd­lich von Ant­ares im Skor­pi­on. Zum letz­ten Mal kön­nen wir die Sichel in der Mor­gen­däm­me­rung des 21. Janu­ar sich­ten, knapp 33 Stun­den vor Neu­mond, wenn die­se knapp über dem süd­öst­li­chen Hori­zont steht. Die Neu­mond­pha­se ist schließ­lich am 23. Janu­ar erreicht.
Nur 33 Stun­den nach Neu­mond kön­nen wir aber­mals die dün­ne Sichel des zuneh­men­den Mon­des beob­ach­ten. Sie steht am Abend des 24. Janu­ar nied­rig im Süd­wes­ten. Nur zwei Aben­de spä­ter befin­det sie sich knapp 6 Grad nörd­lich des Abend­sterns Venus im Stern­bild Was­ser­mann. Nach­dem unser Mond an den fol­gen­den Aben­den durch die nur aus schwa­chen Ster­nen bestehen­den Fische gewan­dert ist, steht er am 30. Janu­ar, nur einen Abend vor dem ers­ten Vier­tel, aber­mals 4,5 Grad nord­öst­lich von Jupiter.

Die Planeten

Der flin­ke Pla­net Mer­kur stand im Vor­mo­nat in einer west­li­chen Elon­ga­ti­on zur Son­ne und hat sich vom Mor­gen­him­mel zurück­ge­zo­gen. Er eilt recht­läu­fig der Son­ne hin­ter­her. Erfah­re­ne Beob­ach­ter kön­nen den inners­ten Pla­ne­ten des Son­nen­sys­tems viel­leicht noch mit Hil­fe eines Feld­ste­chers zu Beginn des Monats knapp über dem süd­öst­li­chen Hori­zont auf­spü­ren. Am 1. des Monats geht der ‑0,4 mag hel­le Mer­kur um 6:42 Uhr auf. Etwa 20 Minu­ten spä­ter kann man ver­su­chen, ihn dicht über dem Hori­zont zu sich­ten. Ab 7:30 Uhr ver­blasst er zuse­hends in der hel­len Mor­gen­däm­me­rung. Am 18. Janu­ar pas­siert Mer­kur mit 69,8 Mil­lio­nen Kilo­me­ter auch das Aphel sei­ner Bahn.

Venus baut ihre Abend­sicht­bar­keit wei­ter aus und leuch­tet in der spä­ten Abend­däm­me­rung als hell leuch­ten­des Gestirn über dem süd­west­li­chen Hori­zont. Am 1. des Monats steht der ‑4,0 mag hel­le Abend­stern bei Ein­bruch der Dun­kel­heit etwa 10 Grad hoch über dem Hori­zont und geht um 18:58 Uhr unter. Am 31. Janu­ar befin­det sie sich schon 20 Grad hoch im Süd­wes­ten und sinkt erst um 20:33 Uhr unter die Hori­zont­li­nie. Im Fern­rohr erkennt man zu Monats­be­ginn ein 13 Bogen­se­kun­den und 83% beleuch­te­tes Scheib­chen. Am Monats­en­de zeigt sie sich dann als 75% beleuch­te­tes und schein­bar 15 Bogen­se­kun­den gro­ßes Objekt. Am 13. Janu­ar zieht Venus in nur 1,2 Grad Abstand am äuße­ren Pla­ne­ten Nep­tun vorbei.

Unser roter Nach­bar­pla­net Mars steht erst Anfang März in Oppo­si­ti­on zur Son­ne und kul­mi­niert immer frü­her am Mor­gen­him­mel. Ab 14. Janu­ar wech­selt der Pla­net recht­läu­fig vom Stern­bild Löwe in die Jung­frau und setzt ab der letz­ten Janu­ar­wo­che zu sei­ner Oppo­si­ti­ons­schlei­fe an. Die Hel­lig­keit steigt von anfangs 0,2 auf ‑0,5 mag stark an. Auch sein schein­ba­rer Durch­mes­ser ver­grö­ßert sich von anfangs 9 auf nun­mehr 11,7 Bogen­se­kun­den, so dass sich eine Beob­ach­tung unse­res Nach­bar­pla­ne­ten mit dem Tele­skop lohnt. Im Lau­fe des Monats geht Mars auch immer frü­her auf. Am 1. Janu­ar erfolgt sein Auf­gang um 22:12 Uhr und am Ende des Monats schon um 20:25 Uhr.

Jupi­ter steht zu Beginn der Nacht hoch im Süden und wech­selt am 8. Janu­ar vom Stern­bild Fische recht­läu­fig in den Wid­der. Mit ‑2,6 mag Hel­lig­keit ist der gelb­lich erschei­nen­den Rie­sen­pla­net ein auf­fäl­li­ges Objekt und nach Venus ein wei­te­rer Glanz­punkt der ers­ten Nacht­hälf­te. Bis zum Ende des Monats sinkt die Hel­lig­keit auf ‑2,3 mag. Im Fern­rohr erkennt man ein 41 Bogen­se­kun­den gro­ßes Scheib­chen und eini­ge sei­ner hel­len Mon­de. Am 1. Janu­ar ist der Rie­sen­pla­net 4,54 AE bzw. 679 Mio. Kilo­me­ter von der Erde ent­fernt und geht um 2:18 Uhr unter. Am 31. Janu­ar erfolgt sein Unter­gang bereits um 00:32 Uhr. In der Nacht vom 2. auf den 3. Janu­ar begeg­net der zuneh­men­de Halb­mond Jupi­ter und wan­dert dann knapp 5 Grad nörd­lich am Pla­ne­ten vor­bei. Am 30. Janu­ar steht der Mond mit 4,5 Grad Abstand aber­mals nahe am Rie­sen­pla­ne­ten. Ab Mit­te März wird der hel­le Abend­stern Venus den Rie­sen­pla­ne­ten schließ­lich überholen.

Saturn bremst sei­ne recht­läu­fi­ge Bewe­gung durch die Jung­frau lang­sam ab und kann am Mor­gen­him­mel ca. 7 Grad vom Haupt­stern Spi­ca ent­fernt auf­ge­fun­den wer­den. Der 0,7 mag hel­le Ring­pla­net kul­mi­niert schon Ende Janu­ar unge­fähr 1 Stun­de vor Beginn der Mor­gen­däm­me­rung. Die Auf­gän­ge von Saturn ver­frü­hen sich von anfangs 1:53 Uhr auf Mitternacht.

Ura­nus bewegt sich recht­läu­fig durch die Fische und kann noch am Abend­him­mel auf­ge­fun­den wer­den. Im Lau­fe des Monats rutscht er aber mehr und mehr in Rich­tung Süd­west­ho­ri­zont her­ab. Geht Ura­nus zu Beginn des Monats um 23:27 Uhr unter, ver­schwin­det er Ende Janu­ar bereits um 21:34 Uhr unter die Hori­zont­li­nie. Im Fern­rohr erkennt man ein 5,9 mag hel­les und 3,4 Bogen­se­kun­den gro­ßes grün­li­ches Scheibchen.

Der äuße­re Pla­net des Son­nen­sys­tems Nep­tun been­det in die­sem Monat sei­ne Sicht­bar­keit tief am süd­west­li­chen Abend­him­mel. Er bewegt sich wei­ter durch den Was­ser­mann an der Gren­ze zum Stein­bock. Mit einer Hel­lig­keit von 8 mag und 2,4 Bogen­se­kun­den schein­ba­ren Durch­mes­sers kann er gege­be­nen­falls noch von erfah­re­nen Beob­ach­tern auf­ge­fun­den wer­den. Ura­nus sinkt am 1. Janu­ar um 20:25 Uhr und Mit­te des Monats bereits um 19:32 Uhr unter die Hori­zont­li­nie. Am 13. Janu­ar zieht die Venus etwas mehr als 1 Grad süd­lich am Pla­ne­ten vor­bei, was mit licht­star­ken Opti­ken gegen 18 Uhr beob­ach­tet wer­den kann. Im Febru­ar steht Nep­tun schließ­lich in Kon­junk­ti­on zur Sonne.

Der licht­schwa­che Zwerg­pla­net (134340) Plu­to im Stern­bild Schüt­ze hält sich in der Nähe der Son­ne auf und kann des­halb nicht beob­ach­tet werden.

Helle Kometen und Planetoiden

Der Komet C/2009 P1 Garr­add erreich­te am 23. Dezem­ber sein Peri­hel und wan­dert nun wei­ter durch das Stern­bild Her­ku­les wie­der schnel­ler wer­dend in Rich­tung Nor­den. Durch sei­nen klei­ner wer­den­den Erd­ab­stand nimmt sei­ne Hel­lig­keit sogar noch etwas zu und steigt bis zum Ende des Monats auf gut 6 mag. Damit lässt er sich schon sehr leicht in Feld­ste­chern und klei­nen Fern­roh­ren am Mor­gen­him­mel beob­ach­ten. Im letz­ten Janu­ar­d­rit­tel wird der Komet schließ­lich zir­kum­po­lar. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Sicht­bar­keit von Komet Garr­add gibt es in einem eige­nen Blog-Arti­kel.

Komet C/2010 G2 Hill im Stern­bild Wal­fisch ver­schwin­det nun lang­sam aber sicher vom Abend­him­mel. Bis zum Ende des Monats fällt sei­ne Hel­lig­keit auf unter 12 mag, so dass er nur noch in mitt­le­ren Tele­sko­pen ab 20 cm Öff­nung auf­ge­fun­den wer­den kann.

Der kurz­pe­ri­odi­sche Komet 21P/­Gia­co­bi­ni-Zin­ner erreicht am 11. Febru­ar 2012 wie­der die Son­nen­nä­he. Durch sei­ne gerin­ge Elon­ga­ti­on zur Son­ne ist der rund 11 mag hel­le Komet im Stern­bild Was­ser­mann nur sehr schwie­rig zu beob­ach­ten. Er steht kurz nach Ende der astro­no­mi­schen Däm­me­rung nur weni­ge Grad über dem Westhorizont.

Komet P/2006 T1 Levy in den Fischen soll­te am 20. Janu­ar 2012 in nur 0,19 AE Ent­fer­nung an der Erde vor­bei­zie­hen und eine Hel­lig­keit von 7 mag errei­chen. Aller­dings konn­te der Schweif­stern bis­her nicht wie­der­ent­deckt werden.

Der Zwerg­pla­net (1) Ceres wech­selt am 3. Janu­ar vom Stern­bild Was­ser­mann kom­mend in den Wal­fisch und kann immer noch am frü­hen Abend­him­mel auf­ge­fun­den wer­den. Die Hel­lig­keit sinkt leicht um 0,1 Grö­ßen­klas­sen von anfangs 9,1 auf 9,2 mag. Sei­ne Unter­gangs­zei­ten ver­frü­hen sich um eine Stun­de von anfangs 22:25 Uhr auf 21:25 Uhr. Am 20. Janu­ar steht der Zwerg­pla­net nur 10 Bogen­mi­nu­ten vom 5,1 mag hel­len Stern SAO 128655 entfernt.

(4) Ves­ta bewegt sich wei­ter durch das Stern­bild Was­ser­mann und kann mit einer Hel­lig­keit von 8,2 mag sehr leicht in licht­star­ken Fern­glä­sern bei Ein­bruch der Dun­kel­heit auf­ge­fun­den wer­den. Sie sinkt zu Beginn des Monats um 20:42 Uhr und Ende Janu­ar bereits um 20:03 Uhr unter die Hori­zont­li­nie. Am 9. Janu­ar steht der Aste­ro­id nur 7 Bogen­mi­nu­ten von Iota Aqua­rii (4,0 mag) ent­fernt, der sehr gut als Auf­such­hil­fe die­nen kann.

Aste­ro­id Nr. 6 Hebe wan­dert durch den Löwen und wird in der letz­ten Janu­ar­wo­che wie­der hel­ler als 10 mag. Anfang Janu­ar erreicht der Aste­ro­id um 4:40 Uhr sei­ne höchs­te Stel­lung im Süden und Ende Janu­ar bereits zwei Stun­den früher.

(15) Euno­mia wech­selt am 2. Janu­ar vom Stern­bild Per­seus in den Stier und erreicht immer frü­her ihre höchs­te Stel­lung im Süden. Zu Beginn des Monats noch 8,6 mag hell, kul­mi­niert Euno­mia um 21:03 Uhr. Ende des Monats ist die Hel­lig­keit wie­der auf 9,3 mag gefal­len und sie erreicht bereits um 19:18 Uhr den Meridian.

Der Amor-Aste­ro­id (433) Eros bewegt sich sehr schnell am Him­mel süd­wärts durch den Löwen und wech­selt am 20. Janu­ar schließ­lich ins Stern­bild Sex­tant. Die Hel­lig­keit nimmt stark zu von anfangs 9,4 mag, zu Beginn des Monats, auf 8,6 mag Ende Janu­ar. Auf­grund sei­ner lang­ge­zo­ge­nen Ellip­sen­bahn, die nahe an der Erde vor­bei läuft, erreicht er bereits am 31. Janu­ar mit 0,179 AE bzw. 26,8 Mio. Kilo­me­ter sei­nen gerings­ten Abstand zur Erde und steht dann am 1. März in Oppo­si­ti­on zur Son­ne. Sei­ne Kul­mi­na­ti­ons­zei­ten ver­frü­hen sich von 3:55 Uhr auf 2 Uhr.

Meteorströme

Vom 1. bis 6. Janu­ar 2010 sind die Qua­dran­ti­den aktiv, des­sen Aus­strah­lungs­punkt (Radi­ant) sich im Stern­bild Bären­hü­ter an der Posi­ti­on RA 15h 20m und Dec +49° befin­det. Das spit­ze Maxi­mum fin­det am 4. Janu­ar gegen 8 Uhr mor­gens statt. Zum Maxi­mums­zeit­punkt sind bis zu 120 Meteo­re pro Stun­de sicht­bar, die mit mitt­le­ren Geschwin­dig­kei­ten von 41 km/s in die Erd­at­mo­sphä­re ein­tau­chen. Aller­dings stört in der ers­ten Nacht­hälf­te noch der zuneh­men­de Mond. Gleich­zei­tig steht der Radi­ant noch zu tief, so dass nur weni­ge Meteo­re sicht­bar sind. Gegen 3 Uhr hat der Radi­ant bereits eine Höhe von 40° über dem Hori­zont erreicht und auch der Ein­fluss des Mon­des nimmt ste­tig ab, so dass der Anstieg der Meteor­ak­ti­vi­tät noch bis 7 Uhr mor­gens ver­folgt wer­den kann. Die Anzahl der Meteo­re wird in die­sen Stun­den ste­tig zuneh­men. Ein Ursprungs­kör­per der Qua­dran­ti­den ist nicht bekannt. Seit 2003 wird aller­dings ver­mu­tet, dass der Aste­ro­id 2003 EH1 als Ursprung die­ses Mete­or­stroms in Fra­ge kommt und ein inak­ti­ver Rest des zer­fal­le­nen Kome­ten C/1490 Y1 ist.

Ein rela­tiv neu­er Strom sind die Gam­ma-Ursi­den, des­sen Radi­ant sich in der Nähe des Sterns Gam­ma im Klei­nen Bären (Ursa Minor) befin­det. Das Maxi­mum, mit rund 10 Stern­schnup­pen pro Stun­de, fin­det in der Nacht vom 20. auf den 21. Janu­ar statt. Die Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit der Gam­ma-Ursi­den streu­en um 30 km/s.
Über das Jahr ver­teilt gibt es eine Häu­fung an Meteo­ren in der Eklip­tik­re­gi­on, in der Nähe des Gegen­son­nen­punkts. Die­ser als Ant­he­lionquel­le bezeich­ne­te Strom kommt im Janu­ar aus der Rich­tung des Stern­bilds Krebs. Im Mit­tel sind hier nicht mehr als 4 bis 6 Stern­schnup­pen zu erwar­ten, die eine rela­tiv lang­sa­me Geschwin­dig­keit von 30 km/s besitzen.

Der abendliche Fixsternhimmel

Der Stern­him­mel am 15. Janu­ar 2012 um 22:00 MEZ

Im Nor­den

Zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit fin­den wir den Gro­ßen Wagen, der Teil des Stern­bilds Gro­ßer Bär ist, nahe­zu senk­recht über dem Nord­ost­ho­ri­zont. Er wird im Lau­fe der Nacht lang­sam wei­ter in Rich­tung Zenit empor­stei­gen. Ver­län­gert man die hin­te­ren Kas­ten­ster­ne des Wagens um das Fünf­fa­che, trifft man auch auf den Polar­stern, der exakt die Nord­rich­tung angibt. Der Polar­stern befin­det sich am Ende der Deich­sel des Klei­nen Wagens bzw. Klei­nen Bären, des­sen Kas­ten nun die tiefs­te Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont – auch unte­re Kul­mi­na­ti­on genannt – über­schrit­ten hat. Dar­un­ter hat auch der mar­kan­te Kopf des Stern­bilds Dra­che sei­ne tiefs­te Stel­lung erreicht. Die übri­gen Ster­ne des Dra­chen schlän­geln sich ent­ge­gen dem Uhr­zei­ger­sinn um die Figur des Klei­nen Wagens herum.
Tief im Nord­wes­ten und links unter­halb des Dra­chens soll­te bei guter Hori­zont­sicht noch Deneb im Schwan erkenn­bar sein. Dar­über befin­det sich der Kepheus und noch wei­ter höher das W‑förmige Stern­bild der Kas­sio­peia. Die Zenitge­gend wird aus dem kaum auf­fäl­li­gen Stern­bild der Giraf­fe gebil­det, das nur aus äußerst schwa­chen Ster­nen besteht.

Im Osten

Genau über dem Ost­ho­ri­zont ist soeben das Früh­lings­stern­bild Löwe voll­stän­dig auf­ge­gan­gen. Es kün­digt vom nahen­den Früh­ling. Bei exzel­len­ter Hori­zont­sicht soll­te direkt unter­halb des Löwen auch der der Pla­net Mars erkenn­bar sein. Die­ser befin­det sich zu unse­rer Beob­ach­tungs­zeit aber noch recht nied­rig über dem Hori­zont. Ein wei­te­res Stern­bild des Früh­lings ist der unschein­ba­re Krebs, der sich nord­west­lich des Löwen­kop­fes befin­det. In die­sem Stern­bild erkennt man unter einem dunk­len Him­mel einen blas­sen Nebel­fleck. Hier­bei han­delt es sich um den offe­nen Stern­hau­fen der Pra­e­se­pe (Mes­sier 44). Unter­halb des Kreb­ses sind eben­falls schon Kopf und Hals der Was­ser­schlan­ge erschienen.
In mitt­le­rer Höhe im Süd­os­ten ent­de­cken wir das Stern­bild des Klei­nen Hun­des mit sei­nem hel­len Haupt­stern Pro­kyon. Dar­über ste­hen die bei­den Stern­ket­ten der Zwil­lin­ge, mit den hel­len Haupt­ster­nen Kas­tor und Pol­lux. Genau gegen­über im Nord­os­ten steigt nun auch der Gro­ße Bär immer höher und wird gegen Mor­gen die Zenitre­gi­on errei­chen. Unter­halb der Deich­sel des Gro­ßen Wagens befin­det sich das klei­ne aber unschein­ba­re Stern­bild der Jagd­hun­de. Zwi­schen den Vor­der­pran­ken des Bären und der Zwil­lin­ge befin­det sich noch der unschein­bar Luchs, der aller­dings nur aus äußerst schwa­chen Ster­nen besteht.

Im Süden

Der Süden wird jetzt von den hel­len Win­ter­stern­bil­dern domi­niert. Der beein­dru­cken­de Him­mels­jä­ger Ori­on, mit sei­nen drei mar­kan­ten Gür­tel­ster­nen, dem röt­lich leuch­ten­den Stern Betei­geu­ze an der lin­ken Schul­ter und dem bläu­lich erschei­nen­den Rigel am rech­ten Fuß, hat soeben die höchs­te Stel­lung über dem Süd­ho­ri­zont erreicht. Dar­un­ter befin­det sich das unschein­ba­re Stern­bild des Hasen und links dane­ben der Gro­ße Hund, mit dem hel­len Siri­us – der hells­te Stern des irdi­schen Fir­ma­ments. Dar­über erkennt man – einen dunk­len Stand­ort vor­aus­ge­setzt – die schwa­chen Ster­ne des Ein­horns und noch wei­ter höher den unschein­ba­ren Klei­nen Hund mit sei­nem hel­len Haupt­stern Prokyon.
Ober­halb des Him­mels­jä­gers ste­hen noch wei­te­re typi­sche Win­ter­stern­bil­der: Zum einen sind das die Zwil­lin­ge, mit den bei­den Haupt­ster­nen Kas­tor und Pol­lux sowie der Stier, mit den bei­den offe­nen Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den. Die Zenitre­gi­on wird vom Stern­bild Fuhr­mann, mit der hel­len und gelb­lich leuch­ten­den Kapel­la, sowie dem Per­seus ein­ge­nom­men. Die hells­ten Ster­ne die­ser Him­mels­re­gi­on bil­den auch das so genann­te Win­ter­sechs­eck, das durch die Ster­ne Alde­ba­ran im Stier, Rigel im Ori­on, Siri­us im Gro­ßen Hund, Pro­kyon im Klei­nen Hund und Pol­lux in den Zwil­lin­gen mar­kiert wird. Vom rech­ten Fuß­punkt des Ori­ons aus­ge­hend schlän­gelt sich noch der Fluss Eri­da­nus lang­sam zum Süd­ho­ri­zont herab.

Im Wes­ten

Im Wes­ten ver­schwin­den nun auch die letz­ten Ster­ne des Herbst­him­mels. Das mar­kan­te Pega­sus­qua­drat, mit der unmit­tel­bar öst­lich anschlie­ßen­den Andro­me­da, steht schon sehr nied­rig über dem West­ho­ri­zont. Der Kopf des geflü­gel­ten Pfer­des ist zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit aber schon längst unter­ge­gan­gen. In einer dunk­len und mond­schein­lo­sen Nacht ent­de­cken wir im Stern­bild Andro­me­da die 2,5 Mil­lio­nen Licht­jah­re ent­fern­te Andro­me­da­ga­la­xie. Noch wei­ter höher befin­det sich das Stern­bild Per­seus. Auch hier soll­te unmit­tel­bar an der Spit­ze der Y‑förmigen Figur ein läng­li­cher Nebel­fleck erkenn­bar sein. Dabei han­delt es sich um den Dop­pel­stern­hau­fen h und Chi Persei.
Schau­en wir hoch in Rich­tung Süd­wes­ten ent­de­cken wir den öst­li­chen Teil des Stern­bilds Stier mit den bei­den Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den. Rechts unter­halb des Stiers und west­lich der Stern­ket­te der Andro­me­da befin­den sich die Stern­bil­der Drei­eck und Wid­der. Dar­un­ter erkennt man eini­ge Ster­ne der Fische. Ein „Stern“ in die­ser Him­mel­re­gi­on sticht einem beson­ders ins Auge. Dabei han­delt es sich um den Rie­sen­pla­ne­ten Jupi­ter, der sich noch halb­hoch am Him­mel befin­det. Schluss­end­lich wird er im Lau­fe der Nacht unter dem West­ho­ri­zont ver­schwin­den. Auch der Wal­fisch im Süd­wes­ten befin­det sich noch halb über dem Hori­zont. Auf der gegen­über­lie­gen­den Sei­te hoch im Nord­wes­ten sinkt nun auch die Kas­sio­peia, das so genann­te Himmels‑W, lang­sam zum Hori­zont her­ab. Unmit­tel­bar ober­halb der Vor­der­läu­fe des Pega­sus steht noch das unschein­ba­re Stern­bild Eidechse.

Erwei­ter­te Infor­ma­tio­nen zum aktu­el­len Stern­him­mel gibt es auf die­ser Sei­te

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

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