Astronomen finden starke Hinweise auf zweiten Stern bei Beteigeuze

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End­lich haben Astro­nom­in­nen und Astro­no­men stich­hal­ti­ge Hin­wei­se dar­auf, dass Betei­geu­ze – einer der bekann­tes­ten Ster­ne des Nacht­him­mels – nicht allein ist. Mit­hil­fe des Very Lar­ge Telescope der Euro­päi­schen Süd­stern­war­te (ESO-VLT) gelang einem Team unter der Lei­tung des fran­zö­si­schen For­schers Miguel Mon­tar­gès die bis­lang schärfs­te Auf­nah­me des­sen, was sehr wahr­schein­lich Betei­geu­ze B ist: der Stern, der Betei­geu­ze umkreist. „Das ist der Abschluss einer jahr­hun­der­te­lan­gen Suche“, sagt Montargès.

„Wir haben gezeigt, dass Betei­geu­ze kein Ein­zel­stern ist, son­dern von einem schwa­chen stel­la­ren Beglei­ter beglei­tet wird“, sagt Mon­tar­gès, Astro­nom am Obser­va­toire de Paris – PSL (Frank­reich) und Erst­au­tor der in Astro­no­my & Astro­phy­sics ver­öf­fent­lich­ten Stu­die. Betei­geu­ze – ein röt­li­cher Stern im Stern­bild Ori­on, der mit blo­ßem Auge leicht erkenn­bar und für sei­ne Hel­lig­keits­schwan­kun­gen bekannt ist – wird seit Jahr­tau­sen­den beob­ach­tet. Den­noch über­rascht er Astro­nom­in­nen und Astro­no­men immer wieder.

Beteigeuze B
Mit­hil­fe des Very Lar­ge Telescope (VLT) der ESO haben Astro­no­men das bis­her schärfs­te Bild von dem Stern auf­ge­nom­men, bei dem es sich wahr­schein­lich um Betei­geu­ze B han­delt, einen Stern, der Betei­geu­ze umkreist. Das Bild in der mitt­le­ren Ein­blen­dung in die­ser Abbil­dung wur­de im Janu­ar 2019 mit dem Instru­ment SPHERE am VLT der ESO auf­ge­nom­men und zeigt Betei­geu­ze selbst. Das Bild in der lin­ken Ein­blen­dung wur­de im Dezem­ber 2024 auf­ge­nom­men, als der Begleit­stern aus Sicht der Erde vor­aus­sicht­lich am wei­tes­ten von Betei­geu­ze ent­fernt war. – Cre­dit: ESO/M. Mon­tar­gès et al. Back­ground: N. Ris­sin­ger (skysurvey.org)

„Ich bin von mei­nem Stuhl auf­ge­sprun­gen, als ich die pro­zes­sier­ten Bil­der sah“, erin­nert sich Mon­tar­gès. For­schen­de haben rund ein Jahr­hun­dert lang ver­geb­lich nach die­sem poten­zi­el­len Beglei­ter gesucht, der ursprüng­lich ins Spiel gebracht wur­de, um die Hel­lig­keits­schwan­kun­gen von Betei­geu­ze zu erklä­ren. Zwei im Jahr 2024 ver­öf­fent­lich­te Stu­di­en sag­ten ver­läss­lich vor­aus, dass der Beglei­ter im Dezem­ber des­sel­ben Jah­res den größ­ten Abstand zu Betei­geu­ze haben und somit leich­ter zu erken­nen sein wür­de. Mon­tar­gès und sein Team mach­ten sich an die Arbeit: Sie beob­ach­te­ten den Stern im Dezem­ber 2024 mit dem VLT der ESO und ver­brach­ten meh­re­re Mona­te mit der Datenverarbeitung.

„Ehr­lich gesagt dach­te ich, dass unse­re Emp­find­lich­keit nicht aus­rei­chen wür­de, um Betei­geu­ze B wie vor­her­ge­sagt nach­zu­wei­sen“, erklärt Mon­tar­gès. „Da der Beglei­ter jedoch mas­se­rei­cher ist als gedacht, kön­nen wir ihn sehen!“ Wäh­rend man ursprüng­lich annahm, er besit­ze etwa die Mas­se der Son­ne, offen­ba­ren die neu­en Beob­ach­tun­gen, dass Betei­geu­ze B statt­des­sen etwa die zwei- bis drei­fa­che Son­nen­mas­se auf­weist. „Die Tat­sa­che, dass wir um einen so gut erforsch­ten Stern immer noch einen nahen Beglei­ter ent­de­cken kön­nen, der mas­se­rei­cher und hel­ler als die Son­ne ist, ist bemer­kens­wert“, sagt Mon­tar­gès. „Das gehört zu den bes­ten Momen­ten in der Wis­sen­schaft: etwas Neu­es, Uner­war­te­tes zu sehen.“

Sternkarte Orion
Die­se Gra­fik zeigt die Posi­ti­on des sehr hel­len Roten Über­rie­sen Betei­geu­ze (Alpha Orio­nis) im berühm­ten Stern­bild Ori­on. – Cre­dit: ESO, IAU and Sky & Telescope

Betei­geu­ze B wur­de direkt abge­bil­det – das bedeu­tet, dass das Licht des Sterns selbst nach­ge­wie­sen wur­de. Dies gelang mit dem Instru­ment SPHERE am VLT der ESO in der chi­le­ni­schen Ata­ca­ma-Wüs­te. Obwohl es bereits Hin­wei­se auf die Exis­tenz die­ses Begleit­sterns gab, dar­un­ter ein mög­li­cher direk­ter Nach­weis mit dem Gemi­ni-Nord-Tele­skop auf Hawaiʻi (USA), ist dies der bis­lang stärks­te Hin­weis auf Betei­geu­ze B und die bis­her schärfs­te Auf­nah­me des Sterns. „Es ist bemer­kens­wert, wie SPHERE und moder­ne Daten­ver­ar­bei­tungs­tech­ni­ken, die ursprüng­lich für die Suche nach Exo­pla­ne­ten ent­wi­ckelt wur­den, ihre Stär­ken auch beim Nach­weis eines Beglei­ters um einen mas­se­rei­chen, ent­wi­ckel­ten Stern wie Betei­geu­ze aus­spie­len“, sagt Koau­tor Antho­ny Boc­ca­let­ti, eben­falls Astro­nom am Obser­va­toire de Paris.

„Um abso­lut sicher zu sein, dass der Beglei­ter wirk­lich da ist, müs­sen wir ihn in einem Jahr auf der ande­ren Sei­te des Sterns beob­ach­ten. Aber es bleibt nur sehr wenig Raum für Zwei­fel“, fügt Mon­tar­gès hinzu.

Vor eini­gen Jah­ren zog Betei­geu­ze die Auf­merk­sam­keit von Fach­leu­ten und Öffent­lich­keit glei­cher­ma­ßen auf sich, als sich der Stern zuse­hends ver­dun­kel­te. Da es sich um einen ent­wi­ckel­ten Über­rie­sen han­delt, wird erwar­tet, dass Betei­geu­ze in einer Super­no­va-Explo­si­on stirbt; die Ver­dun­ke­lung ver­lei­te­te eini­ge zu der Spe­ku­la­ti­on, eine Explo­si­on ste­he unmit­tel­bar bevor. Eine Grup­pe von Astro­nom­in­nen und Astro­no­men unter der Lei­tung von Mon­tar­gès unter­such­te den Stern mit dem VLT der ESO und fand her­aus, dass er statt­des­sen durch eine Staub­wol­ke ver­deckt wurde.

Der poten­zi­el­le Nach­weis von Betei­geu­ze B wird den For­schen­den nun dazu ver­an­las­sen zu unter­su­chen, wie der Beglei­ter die erwar­te­te Super­no­va-Explo­si­on von Betei­geu­ze beein­flus­sen könn­te. „Die Fra­ge ist nun völ­lig offen, ob die­ser Beglei­ter einen Ein­fluss auf die Ent­wick­lung des Roten Über­rie­sen haben wird“, schließt Montargès.

MN

Hintergrundinformationen

Die­se For­schungs­ar­beit wur­de in einem Fach­ar­ti­kel mit dem Titel „VLT/SPHERE images the can­di­da­te com­pa­n­ion of Betel­ge­u­se“ prä­sen­tiert, der in der Fach­zeit­schrift Astro­no­my & Astro­phy­sics erschei­nen wird.

Das Team setzt sich zusam­men aus M. Mon­tar­gès (Labo­ra­toire d’In­stru­men­ta­ti­on et de Recher­che en Astro­phy­si­que, Obser­va­toire de Paris, Uni­ver­si­té PSL, Sor­bon­ne Uni­ver­si­té, Uni­ver­si­té Paris Cité, CY Cer­gy Paris Uni­ver­si­té, CNRS, Frank­reich [LIRA]), A. Boc­ca­let­ti (LIRA), O. Flas­seur (Uni­ver­si­té Clau­de Ber­nard Lyon 1, Cent­re de Recher­che Astro­phy­si­que de Lyon UMR5574, ENS de Lyon, CNRS, Frank­reich), A. de Koter (Uni­ver­si­tät von Ams­ter­dam, Anton Pan­ne­koek Insti­tu­te for Astro­no­my, Nie­der­lan­de), J. Mil­li (Univ. Gre­no­ble Alpes, CNRS, IPAG, Frank­reich), P. Ker­vel­la (French-Chi­lean Labo­ra­to­ry for Astro­no­my, IRL 3386, CNRS und U. de Chi­le, Chi­le und LIRA), S. Ridgway (Natio­nal Opti­cal Astro­no­my Obser­va­to­ry, USA), E. Bord­ier (I. Phy­si­ka­li­sches Insti­tut der Uni­ver­si­tät zu Köln, Deutsch­land), E. Lag­a­dec (Uni­ver­si­té Côte d’A­zur, Obser­va­toire de la Côte d’A­zur, CNRS, Labo­ra­toire Lagran­ge, Frank­reich), A. K. Dupree (Cen­ter for Astro­phy­sics | Har­vard & Smit­h­so­ni­an, USA), F. Backs (Insti­tuut voor Ster­ren­kun­de, KU Leu­ven, Bel­gi­en), T. Cald­er­wood (Ame­ri­can Asso­cia­ti­on of Varia­ble Star Obser­vers, USA [AAVSO]) und P. Mor­gan (AAVSO).

Links

Link zur Pres­se­mit­tei­lung der ESO

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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