Objekte des Monats: Der Kaliforniennebel NGC 1499

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NGC 1499 ist ein hel­ler Emis­si­ons­ne­bel im nörd­li­chen Stern­bild Per­seus. Er wur­de am 3. Novem­ber 1885 von dem ame­ri­ka­ni­schen Astro­no­men Edward Emer­son Bar­nard mit­hil­fe des 6‑Zoll-Coo­ke-Refrak­tors am Obser­va­to­ri­um der Van­der­bilt-Uni­ver­si­tät in Nash­ville, Ten­nes­see (USA), ent­deckt. J. L. E. Drey­er nahm das Objekt schließ­lich in sei­nem 1888 erschie­ne­nen „New Gene­ral Cata­lo­gue of Nebu­lae and Clus­ters of Stars“ (NGC) auf. Auf­grund sei­ner Form, die an die Umris­se des US-Bun­des­staats Kali­for­ni­en auf einer Land­kar­te erin­nert, erhielt der Nebel den Namen „Kali­for­ni­en­ne­bel“ (Cali­for­nia Nebu­la). NGC 1499 wur­de außer­dem in den bekann­ten Kata­log der HII-Regio­nen von Ste­wart Shar­pless auf­ge­nom­men. Dort trägt er die Bezeich­nung Sh2-220.

Eine ausgedehnte Sternentstehungsregion in direkter Nachbarschaft

Der Kali­for­ni­en­ne­bel ist eines der größ­ten selbst­leuch­ten­den Nebel­ge­bie­te, die wir ken­nen. Die HII-Regi­on befin­det sich nur eine Voll­mond­brei­te nörd­lich des Sterns Men­kib (Xi Pers­ei). Sie besitzt eine Aus­deh­nung von 160 x 40 Bogen­mi­nu­ten und ist 5,0 mag hell. Der Nebel liegt im Ori­on-Arm der Milch­stra­ße, in dem auch unse­re Son­ne ein­ge­bet­tet ist. Er befin­det sich in einer Ent­fer­nung von etwa 1.000 bis 1.500 Licht­jah­ren von der Erde und zählt zu den dem Son­nen­sys­tem am nächs­ten gele­ge­nen Stern­ent­ste­hungs­ge­bie­ten. Die Mas­se von NGCC 1499 wird auf etwa 240 Son­nen­mas­sen und sei­ne Aus­deh­nung auf 70 bis 100 Licht­jah­re geschätzt. Der Nebel ist etwa so groß wie der Herz­ne­bel (IC 1805) im benach­bar­ten Stern­bild Kas­sio­peia und erscheint grö­ßer als der Ori­on­ne­bel (Mes­sier 42/Messier 43) im Ori­on, der Roset­ten­ne­bel (Sh2-275) im Ein­horn, der Car­i­na­ne­bel (NGC 3372) im Schiffs­kiel, der Lagu­n­en­ne­bel (Mes­sier 8) im Schüt­zen und der Nord­ame­ri­ka­ne­bel (NGC 7000) im Stern­bild Schwan.

Kalifornien-Nebel
Der Kali­for­ni­en­ne­bel im Stern­bild Per­seus © Andre­as Schnabel

Der 4,1 mag hel­le Stern Xi Pers­ei, der in direk­ter Nach­bar­schaft zu NGC 1499 liegt, ist ein bläu­lich-weiß leuch­ten­der, hei­ßer Haupt­rei­hen­stern der Spek­tral­klas­se O7.5 III. Er regt den Nebel ver­mut­lich mit sei­ner inten­si­ven UV-Strah­lung größ­ten­teils zum Leuch­ten an. Durch die Strah­lung ver­lie­ren die Was­ser­stoff­ato­me ihre Elek­tro­nen und wer­den ioni­siert. Bei der Rekom­bi­na­ti­on der Was­ser­stof­fio­nen mit den Elek­tro­nen sen­det das Was­ser­stoff­gas die cha­rak­te­ris­ti­sche rote Linie aus. Der Stern besitzt die 26 bis 36-fache Mas­se der Son­ne, eine Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tur von 35.000 Kel­vin und eine Leucht­kraft von 12.000 Son­nen. Er ist Mit­glied der Per­seus-OB2-Asso­zia­ti­on, aus der er vor unge­fähr sie­ben Mil­lio­nen Jah­ren her­vor­ge­gan­gen ist. Vor­aus­sicht­lich wird er in den nächs­ten Mil­lio­nen Jah­ren als Super­no­va explodieren.

NGC 1499 & Messier 45
Weit­feld­auf­nah­me von NGC 1499 und den Ple­ja­den © Andre­as Schnabel

Neben Xi Per gehö­ren Zeta Per, der eine Leucht­kraft von 6.300 Son­nen und eine abso­lu­te Hel­lig­keit von ‑4,7 mag besitzt, sowie Omic­ron Per, 40 Per, 42 Per und der Dop­pel­stern Struve 448 zu den hel­len Mit­glie­dern der Per­seus-OB2-Asso­zia­ti­on. NGC 1499 selbst ist Teil einer viel grö­ße­ren Struk­tur in der Win­ter­milch­stra­ße. Die­se wird teil­wei­se von den 400 bis 500 Licht­jah­re ent­fern­ten Mole­kül­wol­ken in den Stern­bil­dern Stier und Per­seus ver­deckt. Der Nebel befin­det sich in der Nähe der Ple­ja­den (Mes­sier 45) und wird oft bei Weit­win­kel­auf­nah­men der Regi­on mit abgelichtet.

Eine Herausforderung für den Beobachter

Trotz sei­ner Hel­lig­keit von 5 bis 6 Grö­ßen­klas­sen besitzt der Kali­for­ni­en­ne­bel auf­grund sei­ner Aus­deh­nung von mehr als 2,5° am Him­mel, was etwa fünf­mal so groß ist wie der Voll­mond, lei­der nur eine gerin­ge Flä­chen­hel­lig­keit. Dies macht es für Beob­ach­ter extrem schwie­rig, die­sen Nebel über­haupt visu­ell zu sehen. Er ist über­wie­gend nur auf län­ger belich­te­ten Auf­nah­men zu erken­nen. Mit einer astro­mo­di­fi­zier­ten Kame­ra und einem ein­fa­chen Objek­tiv ist es jedoch über­ra­schend leicht, ihn abzu­lich­ten, wes­halb er ein belieb­tes Ziel für Astro­fo­to­gra­fen darstellt.

NGC 1499 ist ein gutes Bei­spiel für einen Nebel, der nicht nur auf­grund von H‑Al­pha-Emis­sio­nen (656,3 nm), son­dern auch auf­grund von H‑Be­ta-Emis­sio­nen (486,1 nm) stark leuch­tet, wie dies auch beim Pfer­de­kopf­ne­bel im Stern­bild Ori­on der Fall ist. Für die­se Art von Objek­ten emp­fiehlt sich die Beob­ach­tung mit einem mono­chro­ma­ti­schen H‑Al­pha- oder H‑Be­ta-Fil­ter. Mit blo­ßem Auge und mit­hil­fe eines sol­chen Fil­ters, der die Emis­si­ons­li­nie bei 486 Nano­me­tern iso­liert, sowie mit licht­star­ken Rich-Field-Tele­sko­pen, kann NGC 1499 nur in einer wirk­lich sehr dunk­len und kla­ren Herbst- oder Win­ter­nacht vom Beob­ach­ter über­haupt visu­ell wahr­ge­nom­men werden.

Beobachtung

Tat­säch­lich ist es nicht unge­wöhn­lich, dass NGC 1499 selbst unter dem dun­kels­ten Him­mel mit einem 12- bis 14-Zoll-Tele­skop unsicht­bar bleibt, aber den­noch mit einem han­dels­üb­li­chen Fern­glas oder sogar mit blo­ßem Auge mit­hil­fe von Nebel­fil­tern sicht­bar wird. Unter sehr guten Bedin­gun­gen und bei einem wirk­lich dunk­len Land­him­mel kann man den Nebel bereits mit einem 10×50 Fern­glas erken­nen, wenn man vor die Oku­la­re einen schmal­ban­di­gen OIII-Fil­ter hält. Dann erscheint der Nebel als ca. 2° gro­ßes, läng­li­ches, dif­fu­ses Wölk­chen inmit­ten des Ster­nen­felds. Mit einem 10×70 Feld­ste­cher erkennt man, dass die nörd­li­che Sei­te des Nebels etwas hel­ler erscheint. Um den Nebel im Tele­skop zu sehen, nutzt man am bes­ten die größt­mög­li­che sinn­vol­le Aus­tritts­pu­pil­le und die gerings­te Vergrößerung.

Das Stern­bild Per­seus © Andre­as Schnabel

Mit einem Nebel­fil­ter und einer 10-fachen Ver­grö­ße­rung erkennt man im 3‑Zöller schon die cha­rak­te­ris­ti­sche Form des US-Bun­des­staa­tes Kali­for­ni­en. Mit einem 4 bis 6‑Zoll Refrak­tor und einem H‑Be­ta-Fil­ter erscheint der Nebel etwas hel­ler. Am auf­fäl­ligs­ten sind dabei der nörd­li­che und der süd­li­che Teil. Lei­der ist der Nebel dann nicht mehr voll­stän­dig zu über­bli­cken. Der Stern Men­kib stört mit sei­ner Hel­lig­keit die Wahr­neh­mung des Nebels recht stark. Aus die­sem Grund soll­te der Stern mög­lichst außer­halb des Gesichts­fel­des plat­ziert wer­den. Mit­hil­fe eines 8‑Zoll Reflek­tors und gerin­ger Ver­grö­ße­rung ist der Nebel fast auf eine Län­ge von 3° zu sehen. Mit sehr gro­ßen Tele­sko­pen und einem H‑Be­ta-Fil­ter ist der Kali­for­ni­en­ne­bel als groß­flä­chi­ger Nebel klar erkenn­bar. Auch ein­zel­ne Struk­tu­ren inner­halb der HII-Regi­on sind nun sicht­bar. Unab­hän­gig davon, wel­ches opti­sche Instru­ment ver­wen­det wird, bleibt NGC 1499 sehr schwach und schwer zu erkennen.

Aufsuchkarte NGC 1499
Auf­such­kar­te für NGC 1499 – erstellt mit SkytechX

Der Kali­for­ni­en­ne­bel ist am bes­ten in den dunk­len Herbst- und Win­ter­näch­ten zu beob­ach­ten, wenn das Stern­bild Per­seus in Zenit­nä­he kul­mi­niert. Um NGC 1499 zu fin­den, ori­en­tie­ren wir uns am hells­ten Stern in die­ser Gegend, Men­kib (Xi Per, 4,0 mag). Die­ser Stern befin­det sich ziem­lich genau zwi­schen den Ster­nen Epsi­lon (2,9 mag) und Atik (Zeta Per, 2,8 mag). Wenn wir Xi Per nun an den süd­li­chen Rand des Gesichts­fel­des stel­len, soll­te der Nebel nörd­lich des Sterns mit gerings­ter Ver­grö­ße­rung auf­zu­fin­den sein.

Auf­such­kar­te Kali­for­ni­en­ne­bel (NGC 1499) (127,8 KiB, 12 hits)

Steckbrief für NGC 1499

Daten und Fak­ten für den Kali­for­ni­en­ne­bel (NGC 1499) im Perseus
Objekt­na­meNGC 1499
Kata­log­be­zeich­nungLBN 756, Sh2-220
Eigen­na­meKali­for­ni­en­ne­bel, Cali­for­nia Nebula
TypEmis­si­ons­ne­bel, EN
Stern­bildPer­seus (Per­seus)
Rekt­aszen­si­on (J2000.0)04h 03m 14.4s
Dekli­na­ti­on (J2000.0)+36° 21′ 33″
V Hel­lig­keit5,0 mag
Win­kel­aus­deh­nung160,0′ x 40,0′
Durch­mes­ser85 Licht­jah­re
Ent­fer­nung1.250 Licht­jah­re
Beschrei­bungCali­for­nia Nebu­la; 0.6 deg from Xi Per; vF,vL,mE ns,dif;
Ent­de­ckerE.E. Bar­nard, 1885
Stern­at­lan­tenCam­bridge Star Atlas: Chart 2 & 3
Inter­stel­larum Deep Sky Atlas: Chart 25, 26, 37 & 38
Mill­en­ni­um Star Atlas: Charts 117–118 (Vol I)
Pocket Sky Atlas: Chart 13
Sky Atlas 2000.0: Chart 5
Urano­me­tria 2nd Ed.: Chart 60

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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