IC 342 ist eine Spiralgalaxie im nördlichen Sternbild Giraffe (Camelopardalis). Sie wurde im Jahr 1890 von dem amerikanischen Astronomen Edward Emerson Barnard entdeckt. Er notierte seine Beobachtung im Logbuch des Lick-Observatoriums. Da Barnard diese Beobachtung jedoch nicht veröffentlichte, wird die Entdeckung der Galaxie dem britischen Amateurastronomen William Frederick Denning zugeschrieben, der sie am 19. August 1892 beobachtete und seine Beobachtung 1893 veröffentlichte. Anfangs ging man bei diesem Objekt von einem galaktischen Nebel aus. Erst die amerikanischen Astronomen Edwin P. Hubble und Milton Humason entdeckten die Spiralstruktur von IC 342 und klassifizierten das Objekt als Galaxie. Hubble nahm auch an, dass IC 342 der Lokalen Gruppe zugehörig ist, was sich später jedoch als falsch herausstellte. Die Bezeichnung „IC” steht für den Index-Katalog, einen in den Jahren 1895⁄1908 in zwei Teilen durch L. E. Dreyer veröffentlichten astronomischen Katalog von galaktischen Nebeln, Sternhaufen und Galaxien, die nicht im Messier- oder NGC-Katalog verzeichnet sind. Das Objekt ist auch in Sir Patrick Caldwell-Moores Katalog als Caldwell 5 gelistet. Aufgrund ihrer geringen Flächenhelligkeit ist sie auch als „The Hidden Galaxy“ (Die Verborgene Galaxie) bekannt.
Eine benachbarte Balkenspirale unserer Lokalen Gruppe
Die Galaxie IC 342 wird als Balken-Spiralgalaxie vom Hubble-Typ SAB(rs)cd mit aktivem Galaxienkern klassifiziert. Sie steht im bei uns zirkumpolaren Sternbild Camelopardalis. Sie besitzt eine scheinbare Helligkeit von 8,4 mag und eine Ausdehnung von 21,4 x 20,9 Bogenminuten am Himmel. Damit ist ihre Ausdehnung nur ein Drittel kleiner als die scheinbare Größe unseres Vollmondes. Wir blicken genau senkrecht auf die Galaxienscheibe, die nur geringfügig von unserer Sichtlinie abweicht. Je nach Schätzung befindet sie sich zwischen 7 und 12 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Ihr wahrer Durchmesser wird mit rund 62.000 Lichtjahren angegeben. Sie beherbergt etwa 100 Milliarden Sterne. Damit ist sie etwas größer als die Dreiecksgalaxie (Messier 33) in unserer Lokalen Gruppe. Ferner ähnelt sie in Form und Aussehen unserer eigenen Galaxis.

Auf lang belichteten Fotos erscheinen die Spiralarme von IC 342 sehr gut definiert und werden von dunklen Staubbahnen durchbrochen. Zahlreiche junge Sternhaufen und HII-Regionen sind erkennbar. Da sich die Galaxie nur 11° vom galaktischen Äquator entfernt befindet, wird ihre scheinbare Helligkeit durch das interstellare Gas unserer Milchstraße um 2,4 Größenklassen abgeschwächt. Aus diesem Grund ist sie in kleinen bis mittleren Amateurteleskopen visuell relativ schwer zu beobachten. Unter sehr guten Bedingungen gelingt die Beobachtung sogar mit einem größeren Feldstecher. Wäre die Galaxie nicht durch den Staub unserer Milchstraße verdeckt, könnte man sie mit dem bloßen Auge erkennen. Sie wäre eine der hellsten Galaxien an unserem Himmel. Der Staub behindert auch eine genaue Entfernungsbestimmung von IC 342. In der modernen astronomischen Literatur wird heutzutage oft eine Entfernung von 10,6 Millionen Lichtjahren angegeben.
Junger Starburst
Mit dem Very Large Array Interferometer wurde in ihrem Zentrum heißes Ammoniakgas mit einer Temperatur von 412 Kelvin nachgewiesen sowie Siliziummonoxid entdeckt. Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops zeigen in der „Verborgenen Galaxie“ zahlreiche Sternentstehungsgebiete, in denen heiße und junge Sterne entstehen. Diese werden von blauen, kompakten Sternhaufen und HII-Regionen unterbrochen. Einige dieser jungen Sterne sind nur 10 Millionen Jahre alt und besitzen eine Masse von 12 bis 18 Sonnen. Der Kern wird von einem 230 Lichtjahre großen Ring aus ionisiertem Wasserstoffgas umgeben. Östlich und westlich des Kerns existieren zwei massereiche, nur fünf Millionen Jahre alte Sternhaufen, die mit der 30-Doradus-Region in der Großen Magellanschen Wolke vergleichbar sind. Ihr Kern wird auch als HII-Kern bezeichnet. Deshalb gilt sie auch als Starburstgalaxie. In solchen Starburst-Regionen entstehen im Laufe von ein paar Millionen Jahren Tausende neuer Sterne. Jeder junge, extrem heiße, blaue Stern strahlt ultraviolettes Licht aus, wodurch der umgebende Wasserstoff weiter ionisiert wird.

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die Scheibe aus neutralem Wasserstoffgas einen Durchmesser von 42 Bogenminuten hat und somit deutlich größer ist. Lang belichtete Fotos zeigen sogar Sternentstehungsgebiete in den äußeren, ferneren Regionen. Unter Berücksichtigung der am weitesten entfernten sichtbaren HII-Regionen beträgt der Durchmesser von IC 342 sogar 115.000 Lichtjahre und ist somit mit der Größe unserer eigenen Milchstraße vergleichbar! IC 342 besitzt ferner einen hellen aktiven Galaxienkern. Deshalb wird sie auch als Seyfert-2-Galaxie klassifiziert. Das supermassive Schwarze Loch in ihrem Zentrum besitzt eine Masse von 1,4 bis 5,4 Millionen Sonnenmassen. Es ist von der Masse ebenfalls vergleichbar mit dem Supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum unserer Galaxis.
Die Maffei-Gruppe
IC 342 ist ein Mitglied der IC342/Maffei-Gruppe, einem kleinen Galaxienhaufen, der unserer Lokalen Gruppe nicht unähnlich ist. Die rund zehn Millionen Lichtjahre entfernte Maffei-Galaxiengruppe befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserer eigenen Lokalen Gruppe. Gleichzeitig ist sie die uns am nächsten gelegene Gallaxiengruppe. IC 342 ist eines der beiden hellsten Mitglieder. Zur Maffei-Gruppe gehören außerdem noch die irreguläre Zwerggalaxie NGC 1569, die Spiralgalaxie NGC 1560, die elliptische Riesengalaxie Maffei I (PGC 9892) sowie die Spiralgalaxie Maffei II (PGC 10217). Zu diesen fünf Galaxien kann man noch die Galaxie UGCA 86 sowie rund ein Dutzend weiterer kleinerer Zwerggalaxien hinzufügen. Neuere Beobachtungen haben jedoch gezeigt, dass die beiden Galaxiengruppen um IC 342 und Maffei I nicht gravitativ aneinander gebunden sind.
Mithilfe des Weltraumteleskops Hubble wurde im Jahr 2019 die Galaxie KKH 32 (LEDA 2807114) als erster bekannter Satellit von IC 342 identifiziert. Diese sphäroide Zwerggalaxie ist 10,2 Millionen Lichtjahre entfernt und besitzt einen Durchmesser von 4.300 Lichtjahren. Im Gegensatz zu Spiralgalaxien mit entwickelten Bulge wie der Andromedagalaxie (Messier 31) oder Bodes Galaxie (Messier 81) besitzen IC 342 und andere Spiralgalaxien ohne sichtbare Bulge nicht viele Satellitengalaxien. Die „Verborgene Galaxie” ähnelt stark der Feuerwerksgalaxie (NGC 6946), einer weiteren Face-On-Spiralgalaxie, die stark von Staub der Milchstraße verdeckt ist. Die Feuerwerksgalaxie liegt mit 25,2 Millionen Lichtjahren jedoch deutlich weiter entfernt und befindet sich an der Grenze zwischen den Sternbildern Kepheus und Schwan. Sie ist für ihre zahlreichen Supernovae bekannt. IC 342 ist nahe genug, um die Entwicklung der Lokalen Gruppe und der Milchstraße gravitativ zu beeinflussen.
Beobachtung
IC 342 ist unter einem dunklen Landhimmel schon in kleineren bis mittleren Teleskopen auffindbar. Aufgrund der Trübung durch Staubschleier und das Sternengewimmel unserer Milchstraße ist die Galaxie jedoch nicht ganz einfach zu beobachten. Bei perfekten Bedingungen ist sogar eine Sichtung mit einem handelsüblichen Feldstecher möglich. Aufgrund ihrer geringen Flächenhelligkeit sollte man deshalb geringe Vergrößerungen benutzen. In einem 3 bis 4‑Zoll Refraktor ist nur der helle Galaxienkern sichtbar. Dieser ist von einem schwachen, rundlichen Halo mit einer Ausdehnung von einigen Bogenminuten umgeben. Die optimale Vergrößerung, um IC 342 zu sehen, liegt bei rund 14-fach.
Mit einer Öffnung von 6 bis 8‑Zoll erscheint die Galaxie mit einer 24-fachen Vergrößerung etwas heller und der Halo etwas größer. Sie erscheint wie ein 12 mag heller Stern, der in einem diffusen Kokon aus Nebel gefangen ist. In einem Dreieck um den Kern stehen mehrere schwache Sterne. Im südlichen Bereich des Halos befindet sich ein auffälliges Paar aus Sternen der 12. Größenklasse. Das Erscheinungsbild ändert sich auch mit 10-Zoll Teleskopöffnung kaum. Die Beobachtung der Galaxie wird nun eher durch die vielen schwachen Vordergrundsterne erschwert. Obwohl sie schwach ist, lässt sich die Spiralstruktur in IC 342 viel einfacher verfolgen als die in M 74 oder M 101. In noch größeren Teleskopen jenseits von 12-Zoll sind hellere und dunklere Gebiete in der Galaxienscheibe wahrnehmbar. Sie zeichnen die Spiralarme nach, die von zahlreichen Vordergrundsternen gesprenkelt werden.
IC 342 kann am besten in den Herbst- und Wintermonaten beobachtet werden, wenn das Sternbild Camelopardalis hoch am Nordhimmel steht. Ab einer geografischen Breite von 22 Grad Nord ist die Galaxie zirkumpolar. Jedoch ist sie von südlichen Standorten aus nur sehr schwer sichtbar, da sie dort nur eine geringe Höhe über dem Horizont erreicht. Sie steht nahe der Grenze zum Sternbild Kassiopeia, etwa auf halbem Weg zwischen Polaris im Kleinen Bären und Mirfak im Perseus. Um die Galaxie aufzusuchen, geht man vom Sternbild Kassiopeia aus. Dazu verlängert man die Linie zwischen Ruchbah (Delta Cas, 2,7 mag) und Segin (Epsilon Cas, 3,3 mag) um das Dreifache in Richtung Nordosten. Die Galaxie liegt nahezu in der Mitte der Verbindungslinie zwischen Gamma Camelopardalis (4,6 mag) und dem 4,4 mag hellen, veränderlichen roten Stern BE Camelopardalis, knapp 3 ¼ Grad südlich von Gamma.
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Steckbrief für IC 342
Daten und Fakten für die Hidden Galaxy (IC 342) in der Giraffe (Camelopardalis)| Objektname | IC 342 |
| Katalogbezeichnung | UGC 2847, PGC 13826, MCG 11−5−3, ZWG 305.2 |
| Eigenname | Hidden Galaxy, Die Verborgene Galaxie |
| Typ | Galaxie, SBc |
| Sternbild | Giraffe (Camelopardalis) |
| Rektaszension (J2000.0) | 03h 46m 48,4s |
| Deklination (J2000.0) | +68° 05′ 44″ |
| V Helligkeit | 8,4 mag |
| Flächenhelligkeit | 14,9 mag |
| Winkelausdehnung | 21,4′ x 20,9′ |
| Positionswinkel | 168° |
| Absolute Helligkeit | -20,406 mag |
| Durchmesser | 62.000 Lichtjahre |
| Entfernung | 10,6 Millionen Lichtjahre |
| Beschreibung | F,vL,R,vsBN; Local Group Member |
| Entdecker | William Frederick Denning, 1892 |
| Sternatlanten | Cambridge Star Atlas: Chart 1 & 2 Interstellarum Deep Sky Atlas: Chart 6, 7 & 14 Millennium Star Atlas: Charts 31–32 (Vol I) Pocket Sky Atlas: Chart 11 Sky Atlas 2000: Chart 1 Uranometria 2nd Ed.: Chart 16 |












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