Tristan und andere Exponate im Naturkundemuseum in Berlin

Lese­zeit: 4 Minu­ten

Nun ist er also da, mein 500. Arti­kel hier im Blog. In den letz­ten 2 Wochen habe ich end­lich auch die Besu­cher­mar­ke von 500.000 in mei­nem Blog über­schrit­ten. Ich habe mir schon län­ger über­legt, wel­cher Arti­kel der 500. sein soll und habe mich dafür ent­schie­den, den Arti­kel mei­nem Lieb­lings­mu­se­um zu wid­men: dem Muse­um für Natur­kun­de in Ber­lin. Nach etwas über 4 Jah­ren Pau­se, war mal wie­der die Zeit Reif für einen aus­gie­bi­gen Besuch.

Der Große Saal mit den ausgestellten Skeletten von Dinosauriern aus dem Jura

Der Gro­ße Saal mit den aus­ge­stell­ten Ske­let­ten von Sau­ro­po­den wie Diplo­do­cus, Bra­chio­sau­rus und Dicre­a­sau­rus aus dem Jura

Ein Vor­teil, wenn man allei­ne das Muse­um besucht ist, dass man sich den Expo­na­ten aus­gie­big wid­men kann. Man ist nicht in Zeit­druck und muss gleich­zei­tig nicht auf even­tu­el­le Beglei­ter Rück­sicht neh­men. So konn­te ich die dort aus­ge­stell­ten inter­ak­ti­ven Schau­ta­feln auch mal lesen und für mich inter­es­san­te Neu­ig­kei­ten erfah­ren. Auf­grund der Feri­en­zeit in Ber­lin und Bran­den­burg, war das Muse­um schon am Vor­mit­tag deut­lich über­lau­fen. Vie­le Kin­der besuch­ten mit ihren Eltern das Muse­um und es war schön anzu­schau­en, dass die Kin­der tat­säch­lich gro­ßes Inter­es­se an den Expo­na­ten zeig­ten. Vie­ler­orts wur­den die Eltern mit Fra­gen gelö­chert, wor­auf sie u.a. selbst kei­ner­lei Ant­wor­ten wussten. 😀

Lebensgroßes Modell einer Libelle aus dem Zeitalter des Karbons

Lebens­gro­ßes Modell einer Libel­le aus dem Zeit­al­ter des Karbons

Die gro­ße Dino­sau­ri­er­au­stel­lung des Juras fin­de ich immer noch am Inter­es­san­tes­ten. Vor allem der Bra­chio­sau­rus (der neu­er­dings taxo­misch zu Giraf­fa­t­i­tan gestellt wird) fas­zi­niert unge­mein. Die Auf­stel­lung des Ske­lett wur­de wäh­rend der Schlie­ßung von 2005 bis 2007 über­ar­bei­tet. Es ist das größ­te frei­ste­hen­de Dino-Ske­lett der Welt. Aber auch ande­re Sau­ri­er wie Ken­tro­sau­rus, Allosau­rus, Dys­a­lo­to­sau­rus, Elaphro­sau­rus sowie Dic­raeo­sau­rus und Diplo­do­cus, die von einer deut­schen Expe­di­ti­on um Wer­ner Janensch 1909 bis 1913 in den Ten­da­ga­ru-Schich­ten in Tan­sa­nia gefun­den wur­den, sind erwäh­nens­wert und dort im gro­ßen Saal ausgestellt.

Blick vom Saal "Erde & Kosmos" auf die Saurierausstellung

Blick vom Saal „Erde & Kos­mos“ auf die Sau­ri­er­aus­stel­lung des Naturkundemuseums

Auf der lin­ken Sei­te, vom Haupt­ein­gang aus gese­hen, kön­nen die Besu­cher hüb­sche Expo­na­te aus den Eich­stät­ter und Soln­ho­fer Schich­ten bewun­dern. Lei­der ver­miss­te ich am Stand der Flug­sauri­er den best erhal­te­nen Abdruck des Archaeo­pte­ryx, der wohl recht kurz­fris­tig aus der Aus­stel­lung ent­fernt wur­de. An sei­ner Stel­le war nur eine nack­te Tafel am Ende des Saa­les vor­han­den. Bei mei­nem letz­ten Besuch vor knapp 4 Jah­ren, war der klei­ne Ver­wand­te unser heu­ti­gen Vögel ein High­light des Museums.

Fische, Amphibien, Ammoniten und Krebse aus dem Solnhofener Plattenkalken

Fische, Ammo­ni­ten und Kreb­se aus dem Soln­ho­fe­ner Plat­ten­kal­ken in Mittelfranken

Wei­ter ging es dann zur Aus­stel­lung „Sys­tem Erde und Uni­ver­sum“, wo die Besu­cher den Lebens­lauf der Gestei­ne in Erfah­rung brin­gen konn­ten. Für Hob­by­as­tro­no­men ist die­ser Abschnitt des Muse­ums beson­ders inter­es­sant. Neben dem Auf­bau unse­rer Erde, des Son­nen­sys­tems und des Uni­ver­sums, wer­den auch über die Gefah­ren von Meteo­ri­ten­ein­schlä­gen auf­ge­klärt. Unter ande­rem wur­de erläu­tert, wel­che Aus­wir­kung ein Meteo­ri­ten­ein­schlag auf die Stadt Ber­lin haben wür­de. Im Trep­pen­haus des Muse­ums wer­den Meteo­ri­te aller Arten aus­ge­stellt: vom ein­fa­chen Chon­drit, über Pal­la­si­ten bis hin zum Oktae­trit ist alles vor­han­den. In einem Neben­raum, gleich neben der Dino­sau­ri­er­aus­stel­lung, kann man dann die ver­schie­dens­ten Mine­ra­li­en bewun­dern. Lei­der wird man von der schie­ren Viel­falt der Expo­na­te förm­lich erschlagen.

Schwerer Eisenmeteorit

Schwe­rer Eisenmeteorit

Ein wei­te­res High­light stellt für mich die 12 Meter lan­ge und 4 Meter hohe Bio­di­ver­si­täts­wand dar, mit ihrem hüb­schen und vor allem noch lebens­ech­ten Prä­pa­ra­ten der ver­schie­dens­ten Tier­ar­ten. Und auch die Aus­stel­lung von Tier­mo­del­len ist beson­ders erwäh­nens­wert: Schließ­lich sieht man nicht alle Tage, wie eine Flie­ge oder eine Amei­se in 30-facher Ver­grö­ße­rung erscheint. Seit mei­nem letz­ten Auf­ent­halt ver­misst habe ich aber die hüb­schen Diora­men in einem Neben­flü­gel des Gebäu­des sowie Fos­si­li­en aus ande­ren Zeit­al­tern der Erd­ge­schich­te. Dafür konn­te man durch zahl­rei­che Mikro­sko­pe schau­en und zum Bei­spiel dem Leben in einem Heu­auf­guss bei­woh­nen oder ein Fer­tig­prä­pa­rat eines Hun­de­flohs bewundern.

Übri­gens wird gleich eine neue Aus­stel­lung vor­be­rei­tet die der Roset­ta-Mis­si­on der ESA zum Kome­ten 67P/T­schur­ju­mow-Geras­si­men­ko und der Kome­ten­for­schung im All­ge­mei­nen gewid­met ist. Die­se Aus­stel­lung fin­det am 8. August 2016 ihre Premiere!

Tristans Original-Schädel - der besterhaltenste Schädel eines T-Rex überhaupt

Tris­tans Ori­gi­nal-Schä­del – der best­erhal­tens­te Schä­del eines T‑Rex überhaupt

Das High­light mei­nes dies­jäh­ri­gen Besuchs war aber TRISTAN. Hier­bei han­delt es sich um ein 66 Mil­lio­nen Jah­ren altes, 12 Meter lan­ges und 3,63 Meter hohes Ori­gi­nal-Ske­lett eines Tyran­no­sau­rus rex aus dem Maas­trich­ti­um (Ober­krei­de). Die Über­res­te wur­den im Jahr 2012 in der Hell-Creek-For­ma­ti­on in Mon­ta­na (USA) ent­deckt. Es zählt zu den best­erhal­tens­ten Ske­lett die­ser Art welt­weit. Außer­dem ist das ein­zi­ge Ori­gi­nal­ske­lett die­ser Gat­tung, was in Euro­pa aus­ge­stellt ist. Vor allem die Geschich­te, wie das Ske­lett nach Ber­lin gelangt ist, ist span­nend. Denn kein natur­his­to­ri­sches Muse­um woll­te es kau­fen, obwohl es in die­ser Art wohl ein­zig­ar­tig ist. Ein gesam­ter Flü­gel des Muse­ums ist dem Ske­lett Tris­tans gewid­met, dass eine unge­wöhn­li­che dunk­le Fär­bung auf­weist, was wahr­schein­lich durch Ein­la­ge­rung ver­schie­de­ner Ton­mi­ne­ra­le wäh­rend der Fos­si­li­sa­ti­on zurück­zu­füh­ren ist. Der Schä­del von Tris­tan gilt als best­erhal­tens­ter Schä­del eines T‑Rex über­haupt. Die­ser zeigt neben einem ver­län­ger­ten Zahn, auch eine eigen­tüm­li­che Kno­chen­wu­che­rung am lin­ken unte­ren Kie­fer­kno­chen. Man ver­mu­tet, dass Tris­tan an einer schwe­ren Ent­zün­dung oder einem Tumor litt. Wahr­schein­lich ist der Dino­sau­ri­er durch die­se Erkran­kung auch zugrun­de gegan­gen und wur­de dann in einem Bach­bett für die Nach­welt erhal­ten. Der Schä­del auf dem Ske­lett ist übri­gens eine Kopie des Ori­gi­nal­schä­dels, der in einer sepa­ra­ten Vitri­ne bewun­dert wer­den kann.

Noch bis 2018 kann Tris­tan in Ber­li­ner Natur­kun­de­mu­se­um bewun­dert wer­den und es bleibt zu hof­fen, dass Tris­tan auch in Zukunft den Ber­li­ner Besu­chern erhal­ten bleibt.

Bildergalerie von „Tristans“ T‑Rex Skeletts

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

Ein Kommentar:

  1. Herz­li­chen Glück­wunsch, 500 Arti­kel und 500k Besu­cher ist schon ne Haus­num­mer. Und das Natur­kun­de­mu­se­um ist auch eines mei­ner High­lights in Ber­lin. Bin gern dort. Vor allem in der Planetenausstellung.

    LG
    Stefan

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