Beobachtungsbericht: Milchstraße, Nordamerika, Pelikan und Schmetterling

Lese­zeit: 4 Minu­ten

An mei­nem letz­ten Urlaubs­tag, dem 7. August 2016, konn­te ich mich mal wie­der über­win­den, zu mei­nem ange­stamm­ten Beob­ach­tungs­platz zu fah­ren. Das Ziel war end­lich die Star Adven­tu­rer von Sky­wat­cher aus­zu­pro­bie­ren. Seit Mai hat­te ich näm­lich für Aus­flü­ge in die galak­ti­schen Wei­ten des Kos­mos kei­ne Zeit gehabt. Lei­der war das Wet­ter in die­ser Nacht nicht gera­de berau­schend, obwohl mei­ne Wet­ter-App was ande­res vor­her­ge­sagt hat. Mitt­ler­wei­le habe ich die­se von mei­nen mobi­len Gerä­ten verbannt. 🙂

Sommermilchstraße von Schwan bis Schild - Canon EOS 600D, Canon EF-S 24mm STM Pancake, f/4, ISO-800, 20x5 Min. + 5x5 Min mit Cokin P820

Som­mer­milch­stra­ße von Schwan bis Schild – Canon EOS 600D, Canon EF‑S 24mm STM Pan­ca­ke, f/4, ISO-800, 20x5 Min. + 5x5 Min mit Cokin P820

Als ich gegen 21:30 Uhr an mei­nem Beob­ach­tungs­ort ein­traf, war der Him­mel zu 50% mit Wol­ken bedeckt. Na super… Also bau­te ich erst­mal die Gerät­schaf­ten in aller Ruhe auf. Für mei­ne Astro­trac hat­te ich vor kur­zem einen Pan­ora­m­atel­ler gekauft, um die Mon­tie­rung noch bes­ser ein­nor­den zu kön­nen. Das schwe­re UNI-Ber­le­bach­sta­tiv besitzt näm­lich kei­ne Mit­tel­säu­le. Auch der Auf­bau der Star Adven­tu­rer ging recht zügig vor­an. Die­se hat­te ich auf mein Ber­le­bach Report geklemmt. Die Höhe des Sta­tivs erwies sich als sehr ange­nehm, konn­te ich doch zur Abwechs­lung im Ste­hen ein­nor­den, was mei­nem Rücken sehr gut tat. Lei­der ver­hin­der­ten immer noch Wol­ken die­se Pro­ze­dur. Ich muss­te mich doch tat­säch­lich noch bis Mit­ter­nacht gedul­den, bis die zähen Wol­ken nach und nach ver­schwan­den. Somit ver­pass­te ich auch den ‑7 mag Iri­di­um­fla­re, weil zu die­sem Zeit­punkt eine Wol­ke die Sicht auf das Ereig­nis ver­deck­te. Schließ­lich war es so weit: First Light der Star Adven­tu­rer. Ich hat­te zu die­sem Zweck mei­ne Canon EOS 600D mit dem Canon  EF‑S 24 mm STM auf die Nach­füh­rein­heit geklemmt. Die Aus­rich­tung der Polach­se vor­her ging auch rela­tiv schnell von stat­ten, weil mir die Android-App „Polar­Fin­der“ dabei half, Pola­ris genau auf die Mar­kie­rung im Pol­su­cher zu stel­len. Um die Mar­kie­rung im Pol­su­cher über­haupt zu sehen, ver­wen­de­te ich eine rote Taschen­lam­pe, die die Mar­kie­rung schräg von oben beleuch­te­te. Ich schwenk­te die Kame­ra in Rich­tung Som­mer­milch­stra­ße zwi­schen Schwan und Schild­wol­ke. Kurz nach Mit­ter­nacht zeig­te sich die Milch­stra­ße reich struk­tu­riert und spann­te sich hoch über mei­nem Kopf.

Nordamerika- und Pelikannebel im Schwan - Canon EOS 1000Da, Canon EF 200 mm f/2.8L USM, ISO-1600, f3.5, 34x3 Min mit Astrotrac, Bildbearbeitung: Fitswork + Photoshop

Nord­ame­ri­ka- und Peli­kan­ne­bel bei Deneb im Schwan – Canon EOS 1000Da, Canon EF 200 mm f/2.8L USM, ISO-1600, f3.5, 34x3 Min mit Astro­trac, Bild­be­ar­bei­tung: Fits­work + Photoshop

In der Zwi­schen­zeit lie­fen auch schon die ers­ten Auf­nah­men mit der Astro­trac. Hier hat­te ich die Canon EOS 1000Da mit dem Canon EF 200 mm L Objek­tiv bestückt. Die Kame­ra zeig­te in Rich­tung Deneb im Stern­bild Schwan. Aber was war das, Strich­spu­ren? Der Kugel­kopf ist doch fest geklemmt? Auch die Objek­tiv­schel­le beweg­te sich kein Stück­chen. Komisch… Ein Blick durch den Pol­su­cher schaff­te mir Gewiss­heit: Pola­ris befin­det sich nicht mehr im Gesichts­feld. Was war da los? Schließ­lich fand ich den Übel­tä­ter recht schnell: Die Klem­mung der Pan­ora­ma­ein­heit hat­te ich ver­ges­sen fest zu ziehen.

Schmetterlingsnebel im Schwan bei Gamma Cygni - Canon EOS 1000Da, Canon EF 200 mm f/2.8L USM, 20x3 Min., f/3.5, ISO-1600, Fitswork + Photoshop

Schmet­ter­lings­ne­bel im Schwan bei Gam­ma Cyg­ni – Canon EOS 1000Da, Canon EF 200 mm f/2.8L USM, 20x3 Min., f/3.5, ISO-1600, Fits­work + Photoshop

Wäh­rend die Belich­tung lief, beob­ach­tet ich mit dem 8 Zoll Dob­son und ver­trieb mir die Zeit mit den Stan­dard­ob­jek­ten des Som­mer- und Herbst­him­mels. Zwi­schen­durch zogen lei­der immer wie­der Wol­ken durch den Him­mel, so dass ich beson­ders die Weit­feld­be­lich­tung der Som­mer­milch­stra­ße hin und wie­der unter­bre­chen muss­te. In die­ser Nacht waren über­ra­schen­der­wei­se auch eine Men­ge Per­sei­den unter­wegs. Eine Stern­schnup­pe davon war sehr hell und zeig­te sogar noch weni­ge Sekun­den nach dem Auf­tau­chen ein Nach­glü­hen. Nach­dem der 1. Durch­lauf mit der Astro­trac im Kas­ten war, schwenk­te ich auf Sadr, dem mitt­le­ren Stern in der Figur des Schwans. Lei­der schaff­te ich es nicht, über eine Stun­de zu belich­ten, denn im Osten kün­dig­te das Zodia­kal­licht schon das Ende der Nacht an. Mit der Star Adven­tu­rer lief es wei­ter­hin sehr gut, obwohl die zum teil zähen Wol­ken zeit­wei­lig nerv­ten. Ab und zu hat­te ich auch die Gele­gen­heit, die Hel­lig­keit des Him­mels­hin­ter­grun­des mit dem SQM‑L zu mes­sen. Es zeig­te für mei­nen Stand­ort, mit 21.21 mag/arcsec², durch­schnitt­li­che Wer­te an. Kurz vor Ende der Belich­tungs­rei­he mit der Star Adven­tu­rer, klemm­te ich noch einen Weich­zeich­ner-Fil­ter vom Typ Cokin P820 vor das Objektiv.

Obwohl es die­se Nacht nicht all zu feucht war, beschlug der Fil­ter schon nach weni­gen Minu­ten, so dass ich doch noch mei­ne USB-Heiz­man­schet­te raus­kra­men muss­te, die ich mit einer 20 Ah Power­bank betrieb. Gegen 3:15 Uhr begann schließ­lich die Mor­gen­däm­me­rung, so dass ich die Auf­nah­men abbre­chen muss­te, weil der Him­mels­hin­ter­grund immer hel­ler wur­de. Zwi­schen den Auf­nah­men der Dun­kel- und Hell­bil­der, ver­stau­te ich mei­ne Aus­rüs­tung zurück im Auto. Kurz nach 4 Uhr, die Mor­gen­däm­me­rung war schon wei­ter fort­ge­schrit­ten, brach ich schließ­lich den Heim­weg an.

 

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.