Mücken, NLCs und die ISS

Lese­zeit: 4 Minu­ten

Weil der letz­te Mitt­woch Abend vom Wet­ter her nahe­zu ide­al war, ließ ich Star­ga­te Atlan­tis aus­nahms­wei­se mal sau­sen und fuhr nur mit mei­ner Canon EOS 1000D DSLR bepackt raus, um mal wie­der Leuch­ten­de Nacht­wol­ken zu foto­gra­fie­ren. Auch in den letz­ten Tagen waren sie stets auf­fäl­lig am Him­mel prä­sent, wenn das Wet­ter mal mit­spiel­te. Meis­tens hat­te ich aber kei­ne Zeit, sie zu beob­ach­ten. Und nun woll­te ich sie aber­mals mit der Kame­ra erwischen.

An unse­rem Beob­ach­tungs­stand­ort in Radens­dorf ange­kom­men bemerk­te ich, dass ich irgend­et­was ver­ges­sen hat­te. Rich­tig, mein Mücken­spray lag zu Hau­se irgend­wo noch rum. Dabei ist es zur Zeit über­le­bens­wich­tig, wenn man in der Nacht beob­ach­tet. Und so kam es wie es kom­men muss­te: Schon nach kur­zer Zeit war es ein­fach uner­träg­lich. Die Mücken ent­wi­ckel­ten sich mehr und mehr zur Pla­ge! Ich hat­te sogar Schwie­rig­kei­ten, mei­ne Kame­ra an einem Stern scharf zu stel­len, weil mich stän­dig die Mücken pie­sack­ten. So flüch­te­te ich zurück ins Auto und spiel­te mit dem Gedan­ken, noch ein­mal an die Tan­ke zu fah­ren, um mir ein biss­chen Autan zu besorgen. 😀 

Just in die­sem Moment kam ein jun­ger Fahr­rad­fah­rer vor­bei, der inter­es­siert mein Auto mus­ter­te und an der Fah­rer­sei­te anhielt. Er frag­te mich, ob ich der­je­ni­ge bin, der vor drei Jah­ren mit mei­nem Kum­pel an der sel­ben Stel­le die Ster­ne beob­ach­te­te. Er wuss­te sogar noch, dass Uwe Eisen­bah­ner sei. Na so ein Zufall, dass aus­ge­rech­net er an die­sem Abend vor­bei kam. Lei­der hat­te ich an die­sem Abend mein  Tele­skop nicht mit, weil der Mond schon gegen 23:45 Uhr auf­ge­hen soll­te. Inzwi­schen kann­te ich auch sei­nen Namen: Mathi­as aus dem Nach­bar­dorf Brie­sen­see. Er ver­sprach mir sogleich, noch ein­mal wie­der­zu­kom­men und Mücken­spray mitzubringen.
So ver­trieb ich mir die Zeit mit dem Pro­gramm Astro­mist und schau­te nach, wann die ISS über unse­rem Stand­ort erschei­nen wür­de. Gegen 23:08 Uhr soll­te sie dem­nach im Wes­ten auf­tau­chen und in einer Höhe von 76° durch das Som­mer­drei­eck zie­hen. Inzwi­schen erschie­nen auch die ers­ten Leuch­ten­den Nacht­wol­ken im Norden.

Leuchtende Nachtwolken am 15. Juli 2009

Auf­nah­me­da­tum: 15. Juli 2009 um 22:53 Uhr MESZ / Canon EOS 1000D mit Kit-Objek­tiv 18–55mm, Brenn­wei­te 27 mm, f/4.5, 3.2 Sekun­den Belich­tungs­zeit bei ISO-400

Nach einer Zeit uner­träg­li­chen War­tens und Flu­chends, wegen die­ser sum­men­den und ste­chen­den Pla­ge­geis­ter, kam auch Mathi­as auf einem Moped ange­fah­ren zurück. Sei­ne Freun­din und eine Dose Autan hat­te er mit im Gepäck. Ich erklär­te den Bei­den anschlie­ßend, was NLCs eigent­lich sind, wie sie ent­ste­hen und war­um man sie über­wie­gend in den hei­ßen Som­mer­mo­na­ten beob­ach­ten kann. Außer­dem soll­te spä­ter die ISS über dem West­ho­ri­zont erschei­nen, die die Bei­den noch nie zu Gesicht bekom­men haben. Schließ­lich kamen wir auch auf die Wind­rä­der am Nord­ho­ri­zont zu spre­chen: Er frag­te mich, ob ich das Blin­ken und die Lich­ter am Mast nicht als stö­rend emp­fin­de, was ich zum Teil beja­hen muss­te. Aber ich mein­te dar­auf­hin, dass wir sowie­so über­wie­gend in süd­li­cher, öst­li­cher oder in west­li­cher Rich­tung beob­ach­ten, wo die WKA nicht so ins Gewicht fal­len und glück­li­cher­wei­se außer­halb unse­res Blick­fel­des sind. Er mein­te dar­auf­hin, dass die meis­ten Dorf­be­woh­ner eben­falls nicht gera­de begeis­tert von den Wind­rä­dern sei­en, obwohl am letz­ten Wochen­en­de ein Wind­rad­fest zu Ehren die­ser Din­ger statt­fand – wo der Inves­tor dem Dorf sogar eine nagel­neue Bank spendierte. :mrgreen:

Die Internationale Raumstation

Auf­nah­me­da­tum: 15. Juli 2009 um 23:12 Uhr MESZ / Canon EOS 1000D mit Kit-Objek­tiv 18–55mm, Brenn­wei­te 18 mm, f/4.5, 20 Sekun­den Belich­tungs­zeit bei ISO-400

Ich schoss eini­ge Bil­der im RAW For­mat von den Wol­ken, mit ISO-400, Blen­de 4 zwi­schen 3 und 8 Sekun­den Belich­tungs­zeit. Inzwi­schen ent­wi­ckel­te sich auch ein net­tes Gespräch über Astro­no­mie und Raum­fahrt. Sei­ne Freun­din war übri­gens die Ers­te, die einen leuch­tend hel­len Punkt im Wes­ten bemerk­te. So schwenk­te ich die Kame­ra her­um, stell­te die Brenn­wei­te auf 18 mm und die Belich­tungs­zeit auf 15 Sekun­den und nahm ins­ge­samt drei Bil­der wäh­rend des Über­flu­ges der ISS auf. Und tat­säch­lich hat­te ich sie als hel­le Strich­spur im Ster­nen­feld erwischt. Die Bei­den waren von dem Anblick schlicht­weg begeis­tert, bis sie im Osten in den Erd­schat­ten ein­tauch­te. Mit dem Erschei­nen der ISS waren auch die NLCs am hells­ten und so nahm ich noch eini­ge wei­te­re Fotos auf. Wir ver­ab­schie­de­ten uns anschlie­ßend und er mein­te noch, falls wir das nächs­te Mal mit unse­ren Tele­sko­pen beob­ach­ten, er auf jeden Fall gern dabei sein wer­de. So tausch­ten wir noch schnell unse­re Han­dy­num­mern aus…

 Das Sommerdreieck

Auf­nah­me­da­tum: 15. Juli 2009 um 22:32 Uhr MESZ / Canon EOS 1000D mit Kit-Objek­tiv 18–55mm, Brenn­wei­te 18 mm, f/3.5, 25 Sekun­den Belich­tungs­zeit bei ISO-1600, Einzelbild

Die Leuch­ten­den Nacht­wol­ken ver­blass­ten lang­sam und so nahm ich noch ein Foto des Som­mer­drei­ecks mit ISO 1600, F/3,5 und 25 Sekun­den Belich­tungs­zeit auf. Für einen Schnapp­schuss ist es sogar recht gut gewor­den, weil selbst die Som­mer­milch­stra­ße recht deut­lich auf dem Foto zu sehen ist. Das nächs­te Mal muss ich aber unbe­dingt eine Belich­tungs­rei­he star­ten, anschlie­ßend die Bil­der am Com­pu­ter sta­cken und sogar Dun­kel­bil­der auf­neh­men, weil in den war­men Som­mer­näch­ten die Fotos doch arg ver­rauscht sind. 🙂

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

Ein Kommentar:

  1. Hal­lo Andreas,
    Sind doch net­te Bil­der geworden.
    Sei froh über die Mücken denn die flie­gen nicht bei Regen. Bei uns flie­gen sel­ten Mücken, wegen–> genau Regen.
    Gruß Uwe

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