Spechtelnacht im T‑Shirt und Optiktest

Lese­zeit: 5 Minu­ten

Die war­men Som­mer­mo­na­te im August sind die­ses Jahr ide­al, um in die Ster­ne zu schau­en. Man kann es, Dank der tro­pi­schen Näch­te mit über 20°C, sogar in kur­zen Hosen und T‑Shirt bewerk­stel­li­gen. Neben­bei war in der ers­ten Monats­hälf­te und Nacht­hälf­te die Inter­na­tio­na­le Raum­sta­ti­on ISS am Him­mel prä­sent und zog als auf­fäl­li­ger Punkt regel­mä­ßig durch das Som­mer­drei­eck. So lohn­te es sich, auch mal öfters zur spä­ten Stun­de raus zu gehen, auch wenn Deep-Sky-Beob­ach­tun­gen noch nicht loh­nen. Denn dafür stör­te lei­der noch der abneh­men­de Mond die Sze­ne­rie. Erst ab dem 2. Monats­drit­tel ging der Mond dann erst nach Mit­ter­nacht auf, so dass man end­lich die Gele­gen­heit hat­te, zwei Stun­den bei abso­lu­ter Dun­kel­heit zu beob­ach­ten. In der Nacht vom 12. auf den 13. August war es dann end­lich soweit. Ich woll­te das Maxi­mum der Per­sei­den beob­ach­ten und berei­te­te schon alles vor. Pünkt­lich zum Maxi­mum lag aber der Osten der Repu­blik unter einer geschlos­se­nen Wol­ken­de­cke. Wenigs­tens ver­sprach die kom­men­de Nacht für Beob­ach­tun­gen auch eini­ger Per­sei­den­nach­züg­ler ide­al zu wer­den. Und so war es dann auch…

ISS_Sommer

Die ISS am 5. August 2015, 23:21 Uhr MESZ

Ich fuhr kurz vor 21 Uhr raus  zu mei­nem Beob­ach­tungs­stand­ort und bau­te erst mal in aller Ruhe die Aus­rüs­tung auf. Nach der Wäsche des Haupt­spie­gel mei­nes 8 Zoll Dob­son eine Woche zuvor, woll­te ich die nun wie­der sau­be­re Optik mal gründ­lich am Ster­nen­him­mel tes­ten. Eben­falls mit dabei hat­te ich die Astro­trac, mit der ich in die­ser Nacht zwei Milch­stra­ßen­re­gio­nen auf­neh­men woll­te. Vor eini­gen Wochen hat­te ich mir das Canon EF 50 mm f/1.8 STM Objek­tiv zuge­legt und den alten „Joghurtbecher„verkauft, mit dem ich nie wirk­lich völ­lig zufrie­den war. Nun muss­te das neue Objek­tiv sei­ne Leis­tung am Ster­nen­him­mel unter Beweis stel­len. Und ich muss sagen, dass sich die Inves­ti­ti­on gelohnt hat. Denn bei f/4 waren kei­ner­lei chro­ma­ti­sche Aberra­ti­on erkenn­bar. Auch die Ecken des Bil­des zeig­ten schön run­de Ster­ne. Das alte 50er Objek­tiv war mei­ner Mei­nung nach kaum für astro­no­mi­sche Auf­nah­men zu gebrau­chen. Es sei denn, man blen­det auf f/5.6 ab. Des Wei­te­ren hat­te ich noch die Canon 600D ein­ge­packt und hat­te die Hoff­nung, mit die­ser ein­zel­nen Per­sei­den zu erwi­schen. Die­ses Expe­ri­ment hat lei­der nicht geklappt. Zwar zeig­ten sich Per­sei­den in jener Nacht reich­lich – auch eini­ge sehr hel­le Exem­pla­re waren dar­un­ter – lei­der tauch­ten die­se stets außer­halb des Blick­fel­des bei­der Kame­ras auf bzw. waren zu schwach, um abge­bil­det zu wer­den. Dafür gab es wirk­lich sehr viel Satel­li­ten am Him­mel zu sehen und sogar ein Durch­gang der ISS. Den bemerk­te ich aber erst, als die Raum­sta­ti­on in mitt­le­rer Höhe im Süden im Erd­schat­ten ver­schwand. An die 600D hat­te ich einen wei­te­ren Neu­zu­gang in mei­nem Objek­tiv­park geklemmt: das Walimex Pro 14 mm f/2.8. Wenn man mal den kor­rek­ten Fokus­punkt gefun­den hat (Die Ent­fer­nungs­ska­la ist eine ein­zi­ge Kata­stro­phe), zeigt es selbst bei Offen­blen­de eine gute Abbil­dungs­qua­li­tät – jeden­falls wenn man kei­ne Gur­ke erwischt hat. Das obe­re Bild ist ein ers­tes Test­fo­to des Objek­tivs – lei­der noch leicht außer­halb des Fokus.

Teleskop_Ost

Blick in Rich­tung Osten mit dem Dob­son und der Astrotrac

In die­ser Nacht wur­den eini­ge bekann­te Objek­te von mir beob­ach­tet. Die Spie­gel­rei­ni­gung in der Vor­wo­che hat­te sich gelohnt, denn hel­le Ster­ne zeig­ten sich im Oku­lar als per­fek­te punkt­för­mi­ge Objek­te – dies­mal ohne stö­ren­den Hof. Außer­dem war ich der Mei­nung, dass Deep-Sky-Objek­te nun kon­trast­rei­cher im Oku­lar erschie­nen. Mein Tele­skop­spie­gel war nach 9 Jah­ren der Benut­zung schon ziem­lich ver­dreckt, so dass eine Rei­ni­gung auch mal nötig wur­de. Hier ist die Lis­te der Objek­te, die am 13. August auf­ge­sucht wurden:

Bar­nard 143 & Bar­nard 142 – Dun­kel­ne­bel im Adler, M 13 – Her­ku­le­shau­fen, M 57 – Ring­ne­bel in der Lei­er, M 15 im Pega­sus, M 27 – Han­tel­ne­bel, M 31 – Andro­me­da Gala­xie mit Begleiter
M 33 – Drei­ecks­ga­la­xie, M 51 – Whirl­pool Gala­xie, NGC 869 & NGC 884 Dop­pel­stern­hau­fen im Per­seus, NGC 891 in der Andro­me­da, NGC 6781 im Adler, NGC 6960/NGC 6992/NGC 6995 – Cir­rus­ne­bel im Schwan, NGC 7000 – Nord­ame­ri­ka­ne­bel, NGC 7331 im Pega­sus, NGC 7479 & NGC 7814 im Pegasus

comp_Zielbild_Aquila_A

Dun­kel­wol­ken­kom­plex in der Milch­stra­ße im Bereich der Stern­bil­der Adler, Pfeil und Füchs­chen [Canon EOS 1000Da, Canon EF 50 mm f/1.8 STM bei f/4, ISO-1600, 16x7 Min.]

Am nächs­ten Tag bear­bei­te­te ich die Bil­der, die in jener Nacht mit dem neu­en 50 mm Objek­tiv und der Astro­trac ent­stan­den sind. Die Bild­be­ar­bei­tung erfolg­te wie imer durch Fits­work und Pho­to­shop. Das 1. Bild zeigt die Milch­stra­ße mit zahl­rei­chen Dun­kel­wol­ken – die sogar struk­tu­riert erschei­nen – im Bereich der Stern­bil­der Adler, Pfeil und Füchs­chen. Wenn man genau hin­sieht, kann man noch eini­ge hel­le Deep-Sky-Objek­te erken­nen. Vor allem sticht die dunk­le Höh­le (Bar­nards E) mit der Kata­lo­gnu­mer B 142/143 im Adler, nahe Gam­ma Aqui­lae, regel­recht her­aus. Auch mit Fern­glas ist die­ser Dun­kel­ne­bel sehr gut erkenn­bar. Der Kugel­stern­hau­fen M 71 im Pfeil ist eben­falls sicht­bar sowie der Han­tel­ne­bel M 27 im Stern­bild Füchs­chen, etwas ober­halb der Pfeil­spit­ze gele­gen. Der berühm­te Klei­der­bü­gel­hau­fen Cr 399 wur­de eben­falls auf dem Foto ver­ewigt. Hier lohnt es sich, den Stern­hau­fen mal mit grö­ße­rer Brenn­wei­te abzulichten.

comp_Zielbild_Cassiopeia_A

Die Milch­stra­ße im Stern­bild Kas­sio­peia [Canon EOS 1000Da, Canon EF 50 mm f/1.8 STM bei f/4, ISO-1600, 17x7 Min.]

Das 2. Bild zeigt die Milch­stra­ßen­re­gi­on im Stern­bild der Kas­sio­peia. Erkenn­bar sind hier u.a. die offe­nen Stern­hau­fen h & Chi Persei (NGC 869/884) und der dich­te Hau­fen NGC 7789. Selbst die H‑II-Regio­nen Shar­pless 185 bei Gam­ma Cas und Shar­pless 184 (NGC 281) ste­chen her­aus. In der unte­ren lin­ken Ecke haben sich noch der Dop­pel­stern­hau­fen im Per­seus sowie der Herz­ne­bel IC 1805 verewigt.
Dunst_Sued

Hori­zont­dunst in Rich­tung Süden

Kurz nach dem Ende der astro­no­mi­schen Däm­me­rung bau­te ich das Sta­tiv mit der EOS 600D und dem Walimex-Objek­tiv auf und belich­te­te erst­mal 30 Sekun­den in Rich­tung Süden bei Offen­blen­de. Der Süd­him­mel mit der aus­ge­präg­ten Licht­ver­schmut­zung sieht hier schlim­mer aus als in ande­ren Näch­ten. Bei weni­ger Dunst kann man gut bis 10 Grad über dem Hori­zont beob­ach­ten. In die­ser Nacht war die Hori­zont­ge­gen­den aller­dings nicht zu gebrau­chen. Über­rascht war ich aber vom Nord­him­mel. Dort war die Lich­ter­glo­cke des 70 km ent­fern­ten Ber­lins kaum wahr­zu­neh­men. Kurz nach Mit­ter­nacht bes­ser­te sich die Sicht auch spür­bar. Die Milch­stra­ße trat immer bes­ser in Erschei­nung. Mein SQM‑L zeig­te zu die­sem Zeit­punkt in Rich­tung des Stern­bild Klei­ner Bär eine Wert von 21,31 mag/arcsec² an – für mein Stand­ort sehr gute durch­schnitt­li­che Bedin­gun­gen. Über­rascht war ich dann, als ich die Strich­spur­auf­nah­me bear­bei­te­te. Dort in Rich­tung Osten ist ein beleuch­te­ter Hoch­stand zu erken­nen. Offen­bar wur­de ich von dem dort ansit­zen­den Jäger inten­siv beob­ach­tet. Mit blo­ßem Auge war das Rot­licht aller­dings nicht zu erkennen.

comp_Startrails

Ster­nen­spu­ren in Rich­tung Osten in der Nacht vom 13. auf den 14. August 2015

Beob­ach­tungs­en­de war dann gegen 3 Uhr mor­gens, nach­dem die letz­te Auf­nah­me mit der Astro­trac im Kas­ten war.

P.S. Eine Woche spä­ter, zum 1. SST hat sich mein Walimex lei­der doch noch als Gur­ke her­aus­ge­stellt. Ich foto­gra­fier­te die Milch­stra­ße mit der Astro­trac. Schon auf den Roh­bil­dern waren an der rech­ten obe­ren Ecke sphä­ri­sche Aberra­ti­on sowie an der gegen­über­lie­gen­den Sei­te mas­si­ve Koma sicht­bar, die sich nahe­zu über 1/3 des Bild­fel­des erstreck­te. Selbst im Zen­trum waren die Ster­ne nicht per­fekt. Das Objek­tiv ging am dar­auf­fol­gen­den Tag post­wen­dend zurück an den Händler. 🙁

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.