Impressionen von der Mondfinsternis am 16. Mai

  • Letz­te Ände­rung:4 Mona­ten 
  • Lese­zeit:3Minu­ten

Am Mon­tag­mor­gen – um 2:30 Uhr und damit rund 1 Stun­de vor Fins­ter­nis­be­ginn – klin­gel­te der Wecker. Schon gegen Abend hat­te ich mir die Aus­rüs­tung zurecht gelegt, die ich für die Beob­ach­tung und Doku­men­ta­ti­on der tota­len Mond­fins­ter­nis ver­wen­den woll­te. Die­se beinhal­te­te neben mei­nem 16x70 Fuji­non Fern­glas, inklu­si­ve Sta­tiv­ad­ap­ter, Sta­ti­ve für das Fern­glas und mei­ne bei­den Kame­ras. Die Canon EOS 6D hat­te ich mit dem Canon EF 24–105 mm Stan­dard­zoom aus­ge­stat­tet. Für die Canon EOS 100D ver­wen­de­te ich das Canon EF 70–200 f/4L Tele­ob­jek­tiv. Kurz nach 3 Uhr war ich an mei­nem Aus­weich­stand­ort in Trep­pen­dorf und bemerk­te schon hier, dass der Platz lei­der nicht opti­mal gewählt war. Ich bau­te trotz­dem erst­mal die Aus­rüs­tung auf. Der Voll­mond, im Stern­bild Waa­ge, stand zu die­sem Zeit­punkt nur 13° hoch im SSW und zeig­te eine hüb­sche Pol­len­koro­na. Das Wet­ter war für die Beob­ach­tung sehr gut, das See­ing dage­gen hundsmiserabel. 

Pollenekorona (Landschaft)
Pol­len­koro­na um den Vollmond

Eine Pol­len­koro­na wird durch Pflan­zen­pol­len in der Luft ver­ur­sacht, die das Licht des Mon­des beu­gen. Bemerk­bar macht sich die­ser, je nach Höhe und Pol­len­art, als run­der bis ova­ler Licht­kranz, mit einem Licht­hof um den Mond. Die „Rin­ge“ der Koro­na wer­den dabei in eine Regen­bo­gen­far­ben getaucht, die visu­ell aber weni­ger auf­fällt, auf Fotos dage­gen deut­li­cher her­vor­ste­chen. In Hori­zont­nä­he gab es leich­te Zir­rus­be­wöl­kung, so dass unser Erd­tra­bant, durch das Fern­glas betrach­tet, drei­di­men­sio­nal erschien. Die 16-fache Ver­grö­ße­rung des Feld­ste­chers erwies sich hier opti­mal für die Beob­ach­tung. Kur­ze Zeit spä­ter erschien der Mond auch etwas im Licht gedämpft, weil er sich immer wei­ter in den Halb­schat­ten der Erde hin­ein beweg­te und auch die Höhe über dem Hori­zont immer wei­ter abnahm. 

Pollenkorona
Pol­len­koro­na (Detail­auf­nah­me mit ein­ge­füg­tem Mond)

Als die Mor­gen­däm­me­rung gegen 3:30 Uhr ein­setz­te, konn­te ich Jupi­ter und Saturn recht deut­lich über dem öst­li­chen Hori­zont erken­nen. Mars war wahr­schein­lich zu licht­schwach, so dass ich ihn mit dem blo­ßen Auge ver­geb­lich such­te. Und der Mor­gen­stern Venus stand lei­der unbe­ob­acht­bar direkt hin­ter den Bäu­men am Wald­rand. Der Mond hat­te kurz vor 4 Uhr nur noch eine Höhe von gera­de ein­mal 7,5° über dem Hori­zont erreicht und hier merk­te ich lei­der, dass es doch deut­lich sinn­vol­ler wäre, den Stand­ort zu wechseln.

Mondfinsternis 1
Der Voll­mond taucht in den Kern­schat­ten ein

Also pack­te ich schnell die Aus­rüs­tung zurück ins Auto und fuhr eini­ge Kilo­me­ter wei­ter in Rich­tung Osten. Ziel war ein klei­ner Hügel über Trep­pen­dorf. Dort ange­kom­men, war die öst­li­che Sei­te des Erd­tra­ban­ten schon in Dun­kel­heit getaucht. Der Ein­tritt des Mon­des in den Kern­schat­ten der Erde hat­te um 4:28 Uhr begon­nen. Nun hieß es sich beei­len, damit ich noch etwas von der Mond­fins­ter­nis mit­be­kam. Als die Aus­rüs­tung nach wei­te­ren 10 Minu­ten schließ­lich stand, bekam ich Besuch von einer Pas­san­tin, die hier am Ort eben­falls Fins­ter­nis beob­ach­ten woll­te. Es stell­te sich her­aus, dass es die Mut­ter ein Klas­sen­ka­me­ra­din mei­nes Bru­ders war. Sie hört von der Mond­fins­ter­nis am Tag zuvor und woll­te die­se eigen­hän­dig beob­ach­ten. Sie war ganz begeis­tert von dem Anblick der Fins­ter­nis in mei­nem 16x70 Feldstecher.

Mondfinsternis 2
Der ver­fins­ter­te Mond 2° über dem Südwesthorizont

Unser ver­dun­kel­ter Erd­tra­bant stand nur noch 4° hoch über dem Hori­zont. Die Rötung sei­ner Ober­flä­che kam hier aber bereits durch die gerin­ge Hori­zont­hö­he zu Stan­de und nicht etwa durch den Erd­schat­ten. Der Bereich des Mon­des, der sich bereits voll­stän­dig im Kern­schat­ten befand, war durch die fort­ge­schrit­te­nen Mor­gen­däm­me­rung nicht mehr sicht­bar. Nun mach­te sich auch eine leich­te Dunst­schicht nahe des Hori­zonts bemerk­bar, die das Licht des Mon­des wei­ter ein­trüb­te. Knapp 10 Minu­ten vor Unter­gang des Mon­des, der um 5:15 Uhr MESZ statt­fin­den soll­te, ver­schwand die­ser hin­ter der Baum­grup­pe. Der Voll­mond war zu die­sem Zeit­punkt über 50% in den Kern­schat­ten der Erde eingetaucht.

Ausrüstung
Beob­ach­tungs­aus­rüs­tung

Nach­dem der Voll­mond unter dem Hori­zont ver­schwun­den war und die über dem Ost­ho­ri­zont erschien, unter­nahm ich noch einen klei­nen Droh­nen­flug, um die Stim­mung des Mor­gens über mei­ner Hei­mat­stadt Lüb­ben einzufangen.

Drohnenbild
Blick nach Süd­wes­ten von der DJI Mini 2 aus

Die nächs­ten Mond­fins­ter­nis­se, die vom deutsch­spra­chi­gen Raum aus sicht­bar sein wird, fin­det am 5. Mai 2023 (Halb­schat­ten­fins­ter­nis) und am 28. Okto­ber 2023 (par­ti­el­le Mond­fins­ter­nis) statt.

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.