Der Sternhimmel im April 2022

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Der lauf des Mondes

Am ers­ten Tag im Monat April ist Neu­mond. Auf­grund der fla­chen Eklip­tik­la­ge am Abend­him­mel kön­nen wir in der Abend­däm­me­rung des 2. April ver­su­chen, die dün­ne, zuneh­men­de Mond­si­chel dicht über dem west­li­chen Hori­zont zu ent­de­cken. Am Abend des 3. April fin­den wir die Mond­si­chel nur 0,3 Grad süd­öst­lich des Pla­ne­ten Ura­nus, was in licht­star­ken Fern­glä­sern und Tele­sko­pen beob­acht­bar ist. Nur einen Abend spä­ter steht unser stil­ler Beglei­ter im „Gol­de­nen Tor der Eklip­tik“, das durch die bei­den offe­nen Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den im Stern­bild Stier flan­kiert wird. Am 5. April befin­det sich die Mond­si­chel rechts ober­halb von Alde­ba­ran, dem Haupt­stern des Stier. An die­sem Abend wer­den auch gleich meh­re­re Ster­ne von der unbe­leuch­te­ten Sei­te des Mon­des bedeckt. Die bei­den Ster­ne Kappa‑1 Tau (4,2 mag) und Ypsi­lon Tau (4,3 mag) ver­schwin­den kurz hin­ter­ein­an­der, um 23:08 Uhr und 23:50 Uhr Som­mer­zeit, hin­ter dem Mond­rand. Die Bede­ckungs­zei­ten sind abhän­gig vom Beob­ach­tungs­stand­ort. An eini­gen Stand­or­ten fin­det die­se Bede­ckung auch strei­fend statt. An den Fol­ge­aben­den wan­dert der Mond wei­ter durch die Stern­bil­der Stier und Zwil­lin­ge. Am 9. des Monats wird das ers­te Vier­tel erreicht. In der Nacht vom 9. auf den 10. April kön­nen wir den Halb­mond unter­halb von Pol­lux in den Zwil­lin­gen auf­spü­ren. Am 10. April ent­de­cken wir ihn ober­halb des offe­nen Stern­hau­fens der Pra­e­se­pe (Mes­sier 44) im Stern­bild Krebs. danach wan­dert der Mond wei­ter durch den Löwen, ober­halb an Regu­lus vor­bei, und wei­ter durch das Stern­bild Jung­frau. Am Abend des 16. April befin­det sich der Voll­mond nur 5 Grad west­lich von Spi­ca, dem Haupt­stern in der Jung­frau. Nach der Voll­mond­pha­se wird unser Mond nach und nach ein Objekt für die zwei­te Nacht­hälf­te und durch­läuft nach­ein­an­der die Stern­bil­der Waa­ge und Skor­pi­on. Am 20. April geht er erst nach Mit­ter­nacht auf. Nur einen Mor­gen spä­ter fin­den wir ihn bereits im Schüt­zen. Am 23. des Monats wird das letz­te Vier­tel durch­lau­fen. Unser Erd­tra­bant reiht sich in den kom­men­den Tagen in die Pla­ne­ten­ket­te am Mor­gen­him­mel ein. In der Mor­gen­däm­me­rung des 25. April steht der abneh­men­de Mond nur 5 ½ Grad unter­halb des Ring­pla­ne­ten Saturn im Stern­bild Stein­bock. Am 26. April fin­den wir ihn 5 Grad unter­halb unse­res roten Nach­barn Mars, der aller­dings nur sehr schwer in der fort­ge­schrit­te­nen Mor­gen­däm­me­rung zu erken­nen ist. In der Mor­gen­däm­me­rung des 27. April kön­nen wir die Mond­si­chel nur 4 ½ Grad von der Venus und 5 ½ Grad von Jupi­ter ent­fernt zum letz­ten Mal vor Neu­mond beob­ach­ten, bis am letz­ten Tag im April aber­mals die Neu­mond­pha­se durch­lau­fen wird.

Die Planeten

Der flin­ke Pla­net Mer­kur steht am 3. April in obe­rer Kon­junk­ti­on zu unse­rem Zen­tral­ge­stirn und ist nicht beob­acht­bar. Danach nimmt sein öst­li­cher Win­kel­ab­stand von der Son­ne schnell zu, so dass er ab dem letz­ten Monats­drit­tel güns­tig am Abend­him­mel sicht­bar wird. Er steht in sei­ner bes­te Abend­sicht­bar­keit des Jah­res 2022 und kann zwi­schen dem 21. April bis zum Monats­en­de, nach dem Ende der bür­ger­li­chen Däm­me­rung, gut 10 Grad hoch im Wes­ten auf­ge­fun­den wer­den. Am 29. April 2022 erreicht er mit 20°36′ Abstand auch in sei­ner größ­ten öst­li­che Elon­ga­ti­on von der Son­ne. Aber bereits ab dem 15. April kann man ver­su­chen, den inners­ten Pla­ne­ten unse­res Son­nen­sys­tems auf­zu­spü­ren. Der an die­sem Abend ‑1,2 mag hel­le Pla­net befin­det sich rund 6 Grad hoch über dem Hori­zont. Sein Unter­gang erfolgt um 21:24 Uhr. Die bes­te Sicht­bar­keit ergibt sich zwi­schen dem 20. bis 25. April. Sei­ne Hel­lig­keit nimmt bis zum 25. April auf ‑0,3 mag ab. An die­sem Tag zeigt sich Mer­kur im Tele­skop als 7,1 Bogen­se­kun­den gro­ßes und halb beleuch­te­tes Scheib­chen. Die so genann­te Dicho­to­mie tritt ein. Bis zum Monats­en­de ver­spä­ten sich sei­ne Unter­gangs­zei­ten auf 22:37 Uhr Som­mer­zeit. Sei­ne Hel­lig­keit ist zu die­sem Zeit­punkt auf 0,4 mag zurück­ge­gan­gen. Inter­es­sant sind die Begeg­nun­gen mit Ura­nus, in 2,1 Grad Abstand, sowie mit den Ple­ja­den im Stern­bild Stier, wobei Mer­kur in nur 1 ½ Grad Ent­fer­nung am Stern­hau­fen vor­bei­zie­hen wird. Auf­grund der hel­len Abend­däm­me­rung benutzt man am bes­ten ein Tele­skop. Am 13. April steht Mer­kur im Peri­hel sei­ner Bahn und befin­det sich dann 46 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von der Son­ne entfernt.

Unser Schwes­ter­pla­net Venus ist nach wie vor als Mor­gen­stern am Mor­gen­him­mel auf­find­bar. Lei­der ver­schlech­tern sich ihre Sicht­be­din­gun­gen über dem süd­öst­li­chen Hori­zont im Lau­fe des Aprils spür­bar. Die die Son­ne immer frü­her auf, obwohl auch die Venus immer frü­her über dem Hori­zont erscheint. Auf­grund der immer kür­zer wer­den­den Nacht, ist die Venus zum Monats­en­de nur noch eine hal­be Stun­de lang sicht­bar. Am 1. April erfolgt ihr Auf­gang um 5:16 Uhr und am 30. April um 4:32 Uhr Som­mer­zeit. Zu Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung des 1. April steht sie nur 8 Grad hoch über dem Hori­zont und befin­det sich 3 ½ bzw. 6 Grad nord­öst­lich der Pla­ne­ten Saturn und Mars. Die schein­ba­re Hel­lig­keit des Mor­gen­sterns geht im Lau­fe des Aprils leicht zurück von ‑4,4 auf ‑4,1 mag. Der Mor­gen­stern nähert sich im Lauf des Aprils dem Jupi­ter, wo es zum Monats­wech­sel hin zu einer engen Kon­junk­ti­on mit dem Rie­sen­pla­ne­ten kommt. Dabei zieht sie gegen 21 Uhr in nur 15 Bogen­mi­nu­ten Abstand, und somit nur eine hal­be Voll­mond­brei­te, am Rie­sen­pla­ne­ten vor­bei. Lei­der ist die­se enge Kon­junk­ti­on der bei­den Him­mels­kör­per nicht beob­acht­bar. An jenem Mor­gen beträgt ihr Abstand zu Jupi­ter noch 43 Bogen­mi­nu­ten. Die extrem enge Begeg­nung mit dem äuße­ren Pla­ne­ten Nep­tun (25 Bogen­se­kun­den Abstand), am Mor­gen des 27. April, ist auf­grund der hel­len Däm­me­rung eben­falls nicht zu beob­ach­ten. Im Lau­fe des Monats nimmt das Venus­scheib­chen von 21,7 auf 16,8 Bogen­se­kun­den wei­ter ab. Dage­gen wächst der Beleuch­tungs­grad von anfangs 55% auf 67%.

Unser roter Nach­bar Mars, recht­läu­fig im Stein­bock, kann am Mor­gen­him­mel beob­ach­tet wer­den, ist aber durch sei­ne Hori­zont­hö­he und der immer kür­zer wer­den­den Nacht ein schwie­ri­ges Objekt. Am 11. April tritt er in das Stern­bild Was­ser­mann über. Zu Beginn des Monats steht er in der Nähe des Mor­gen­sterns, der als Auf­such­hil­fe die­nen kann. Die Hel­lig­keit des Roten Pla­ne­ten nimmt wei­ter leicht zu und beträgt zum Monats­en­de 0,9 Grö­ßen­klas­sen. Im Fern­rohr ist Mars noch kein loh­nen­des Objekt, da sein schein­ba­rer Durch­mes­ser Ende April nur 5,7 Bogen­se­kun­den beträgt. Mit 9 Grad steht er auch nicht sehr hoch über dem öst­li­chen Hori­zont. Der Rote Pla­net kann aber im April, zusam­men mit Venus, Jupi­ter und Saturn, über dem öst­li­chen Hori­zont beob­ach­tet wer­den und geht am 1. April um 5:18 Uhr im Osten auf. Bis zum 30. April ver­frü­hen sich sei­ne Auf­gangs­zei­ten auf 4:07 Uhr Som­mer­zeit. Am 5. April steht Mars nur 19 Bogen­mi­nu­ten süd­lich von Saturn. Am 24. April kann die dün­ne Mond­si­chel in der Nähe unse­res Nach­bar­pla­ne­ten beob­ach­tet werden.

Der Rie­sen­pla­net Jupi­ter stand zu Beginn des Vor­mo­nats in Kon­junk­ti­on mit unse­rem Zen­tral­ge­stirn. Im April nimmt sein west­li­cher Win­kel­ab­stand von der Son­ne wie­der zu, so dass er gegen Ende des Monats, mit ‑2,1 mag Hel­lig­keit, wie­der am Mor­gen­him­mel sicht­bar wird. Davor wan­dert er recht­läu­fig durch den Was­ser­mann und wech­selt am 14. April in das Stern­bild Fische. Zum Ende des Monats erreicht er zu Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung eine Höhe von 5 Grad über dem Hori­zont. Die Auf­gangs­zei­ten des Rie­sen­pla­ne­ten ver­frü­hen sich von anfangs 6:15 Uhr auf 4:32 Uhr Som­mer­zeit. Sein schein­ba­rer Äqua­tor­durch­mes­ser wächst leicht von 33,4 auf 34,7 Bogen­se­kun­den. Am 30. April kommt es zu einer sehr engen Begeg­nung mit dem Mor­gen­stern Venus, wobei die Venus nur 43 Bogen­mi­nu­ten süd­lich von Jupi­ter beob­ach­tet wer­den kann.

Saturn bewegt sich recht­läu­fig durch den Stein­bock und kann immer bes­ser am Mor­gen­him­mel auf­ge­spürt wer­den. Der Ring­pla­net reiht sich mit sei­ner schein­ba­ren Hel­lig­keit von 0,8 Grö­ßen­klas­sen in die Pla­ne­ten­pa­ra­de am Mor­gen­him­mel ein. Am 1. April geht Saturn um 5:22 Uhr im Süd­os­ten auf. Bis zum 30. April ver­frü­hen sich sei­ne Auf­gangs­zei­ten auf 3:33 Uhr Som­mer­zeit. Im Tele­skop erkennt man, dass der 36 Bogen­se­kun­den brei­te Ring noch zu 13 Grad geöff­net ist. Der Äqua­tor­durch­mes­ser des Pla­ne­ten­scheib­chens beträgt 16 Bogen­se­kun­den. Am Mor­gen des 5. April kann Mars in nur 0,3 Grad Abstand in der Nähe des Saturn auf­ge­fun­den wer­den. Am bes­ten beob­ach­tet man die enge Kon­junk­ti­on der bei­den Him­mels­kö­per mit einem licht­star­ken Feld­ste­cher oder Tele­skop. Am 25. des Monats steht die abneh­men­de Mond­si­chel süd­lich des Ringplaneten.

Ura­nus bewegt sich wei­ter recht­läu­fig durch den Wid­der und nähert sich sei­ner Kon­junk­ti­on mit der Son­ne, die er Anfang Mai auch erreicht. Am Abend­him­mel ist der fer­ne Pla­net nur noch ein schwie­ri­ges Objekt und geht zu Beginn des Monats um 22:32 Uhr unter. Bis zum Monats­en­de ver­frü­hen sich sei­ne Unter­gangs­zei­ten auf 20:47 Uhr Som­mer­zeit. Aller­dings ist es bereits nach dem 5. April schwie­rig, den Pla­ne­ten über­haupt auf­zu­spü­ren, selbst mit licht­star­ken Opti­ken. In der zwei­ten Monats­hälf­te wird der Pla­net schließ­lich unsicht­bar. Als Auf­such­hil­fe kann am 3. April die zuneh­men­de Mond­si­chel die­nen. Denn der Erd­tra­bant zieht nur 0,9 Grad süd­lich am 5,9 mag hel­len Pla­ne­ten vor­bei. Gleich­zei­tig befin­det er sich nur 11 ½ Grad süd­öst­lich von Alpha Ari (2,0 mag). Auch mit hoher Ver­grö­ße­rung ist nur ein 3,4 Bogen­se­kun­den gro­ßes grün-blau­es Scheib­chen wahr­nehm­bar, was kei­ner­lei Ein­zel­hei­ten zeigt.

Der äußers­te Pla­net unse­res Son­nen­sys­tems Nep­tun stand im Vor­mo­nat in Kon­junk­ti­on mit der Son­ne und ist mit sei­ner schein­ba­ren Hel­lig­keit von 7,9 mag noch nicht am Mor­gen­him­mel zu beobachten.

Der 14,3 mag hel­le Zwerg­pla­net (134340) Plu­to wird am 30. April im Stern­bild Schüt­ze sta­tio­när und setzt zu sei­ner Oppo­si­ti­ons­schlei­fe an. Aller­dings ist der fer­ne Zwerg­pla­net nur ein Objekt für gro­ße Tele­sko­pe. Sein Auf­gang erfolgt am Mor­gen des 30. April um 2:39 Uhr Som­mer­zeit. Gegen 4 Uhr mor­gens steht Plu­to, kurz vor Beginn der Mor­gen­däm­me­rung, gera­de ein­mal 8 Grad hoch über dem süd­öst­li­chen Hori­zont. Am 20. Juli 2022 erreicht er dann in Oppo­si­ti­on zur Son­ne und ist am bes­ten zu beobachten.

Helle Kometen und Planetoiden

Der kurz­pe­ri­odi­sche Komet 19P/Borrelly zieht im April vom Stern­bild Per­seus in den Fuhr­mann und kann noch zu Beginn der Nacht in mitt­le­ren Tele­sko­pen auf­ge­spürt wer­den. Im Lau­fe des Monats sinkt sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit von 10,5 auf 11,5 Größenklassen.

Der kurz­pe­ri­odi­sche Komet 104P/Kowal ist momen­tan etwas hel­ler als erwar­tet und zieht vom Stern­bild Zwil­lin­ge wei­ter in den Krebs. Er ist somit ein Objekt über­wie­gend für die 1. Nacht­hälf­te. Mit einer Hel­lig­keit um 11 mag kann der Komet bereits in mitt­le­ren Tele­sko­pen auf­ge­spürt werden.

Der Komet C/2017 K2 (Pan­STARRS) ist ein Objekt für den Mor­gen­him­mel und zieht einen klei­nen Bahn­bo­gen im Stern­bild Adler. Zu Beginn der Mor­gen­däm­me­rung erreicht Pan­STARRS bereits eine Höhe von 40 Grad über dem Hori­zont. Die Hel­lig­keit des Schweif­sterns steigt von 10,0 auf 9,0 mag, so dass er bereits in klei­ne­ren Tele­sko­pen und grö­ße­ren Fern­glä­sern auf­ge­sucht wer­den kann. Bis zum Som­mer wird er dann ein leich­tes Fernglasobjekt.

Der Komet C/2019 L3 (ATLAS) wan­dert wei­ter durch die Zwil­lin­ge und kann bereits zu Beginn der Nacht noch hoch im Wes­ten auf­ge­sucht wer­den. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit bleibt um 10 Grö­ßen­klas­se fast nahe­zu kon­stant. Somit ist der Komet noch ein Objekt für klei­ne­re bis mitt­le­re Teleskope.

Der Zwerg­pla­net (1) Ceres bewegt sich recht­läu­fig durch das Stern­bild Stier. Die Hel­lig­keit geht nur leicht zurück von 9,0 auf 9,1 mag. Die Unter­gangs­zei­ten des Zwerg­pla­ne­ten ver­frü­hen sich von anfangs 1:40 Uhr auf 0:46 Uhr Som­mer­zeit. Am 9. April befin­det sich Ceres nur 6 Bogen­mi­nu­ten von 98 Tau (5,8 mag) ent­fernt, der als Auf­such­hil­fe die­nen kann.

Der Aste­ro­id (7) Iris wan­dert wei­ter durch die Zwil­lin­ge und ihre schein­ba­re Hel­lig­keit sinkt bereits zu Beginn des Monats unter die 10. Grö­ßen­klas­se. Am 1. April geht Iris um 3:29 Uhr unter. Bis zum 30. April ver­frü­hen sich ihre Unter­gangs­zei­ten auf 2:03 Uhr Som­mer­zeit. Am 4. April kann der 5,3 mag hel­le Stern 68 Gem als Auf­such­hil­fe die­nen. Iris befin­det sich an die­sem Tag nur 9 ½ Bogen­mi­nu­ten vom Stern entfernt.

Der Aste­ro­id mit der Num­mer (8) Flo­ra steht am 12. April 2021 der Son­ne genau gegen­über und erreicht im Stern­bild Jung­frau eine Hel­lig­keit von gera­de ein­mal 9,8 mag. Zu Beginn des Monats ist sie noch 10 mag hell. Bis Ende April sinkt ihre schein­ba­re Hel­lig­keit auf 10,2 Grö­ßen­klas­sen. Am 1. April steht Flo­ra um 2:16 Uhr im Süden. Am 30. April erreicht der Aste­ro­id bereits um 23:49 Uhr Som­mer­zeit den Meridian.

(10) Hygiea wan­dert zunächst rück­läu­fig durch die Waa­ge und wech­selt ab dem 22. April in das Stern­bild Jung­frau. Am 29. April steht sie in Oppo­si­ti­on zur Son­ne und erreicht eine Hel­lig­keit von 9,3 mag. Anfang April beträgt ihre schein­ba­re Hel­lig­keit noch 9,9 Grö­ßen­klas­sen. Ihre Meri­diandurch­gangs­zei­ten ver­frü­hen sich von anfangs 3:04 Uhr auf 0:51 Uhr Sommerzeit.

(15) Euno­mia erreicht am 9. April bereits ihre maxi­ma­le Hel­lig­keit von 10 Grö­ßen­klas­sen und kommt am 17. April 2022 im Stern­bild Was­ser­schlan­ge in Oppo­si­ti­on zur Son­ne. In die­sem Jahr fällt ihre Oppo­si­ti­on sehr ungüns­tig aus, weil neben ihrer gerin­gen Hel­lig­keit, der Him­mels­kör­per bei ihrem Meri­diandurch­gang nur eine maxi­ma­le Höhe von 12 Grad über dem Süd­ho­ri­zont erreicht. Am 1. April steht der Aste­ro­id um 1:52 Uhr und am 30. April bereits um 23:28 Uhr Som­mer­zeit im Süden.

Meteorströme

Vom 16. bis 25. April tau­chen die Lyri­den auf, deren Aus­strah­lungs­punkt sich rund 7 Grad süd­west­lich von Wega im Stern­bild Lei­er befin­det. Mit einer Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit von 49 km/s in die Erd­at­mo­sphä­re, han­delt es sich bei den Lyri­den um mit­tel­schnel­le Meteo­re, mit einem nicht sehr aus­ge­präg­ten Maxi­mum am 22. April gegen 21 Uhr. Der Maxi­mums­zeit­punkt kann natür­lich auch um meh­re­re Stun­den abwei­chen. Die bes­te Beob­ach­tungs­zeit des Mete­or­stroms ist in den Stun­den zwi­schen 22 Uhr und 4 Uhr mor­gens, wenn der Radi­ant der Lyri­den in guter Beob­ach­tungs­hö­he am Him­mel steht. Zum Maxi­mum sind im Schnitt etwa 10 bis 20 Stern­schnup­pen zu erwar­ten – dar­un­ter auch eini­ge hel­le Exem­pla­re. Der abneh­men­de Mond wird die Beob­ach­tung der Lyri­den erst in der zwei­ten Nacht­hälf­te stö­ren. Die Lyri­den ist auch immer wie­der für Über­ra­schun­gen gut: Im Jahr 1982 wur­den zum Bei­spiel 90 Meteo­re pro Stun­de beob­ach­tet. Ein wei­te­rer Aus­bruch fand im Jahr 1922 statt, als 100 Stern­schnup­pen pro Stun­de regis­triert wur­den. Als Ursprungs­kör­per der Lyri­den gilt der lang­pe­ri­odi­sche Komet C/1861 G1 That­cher, der eine Umlauf­zeit von 415 Jah­ren besitzt.

Vom 19. April bis 28. Mai sind die Eta-Aqua­ri­den zu beob­ach­ten. Hier­bei han­delt es sich um einen mit­tel­star­ken Strom, der vor allem von süd­li­che­ren Brei­ten aus zu beob­ach­ten ist. Für Mit­tel­eu­ro­pa steht der Radi­ant des Stroms nur sehr nied­rig über dem Hori­zont, mit einem kur­zen Zeit­fens­ter für die Beob­ach­tung kurz vor Beginn der Mor­gen­däm­me­rung. Das Maxi­mum wird am 5. Mai erwar­tet, wobei der zuneh­men­de Mond nicht stö­ren wird. Dann sind zum Bei­spiel von Nami­bia aus zwi­schen 50 und 65 sehr schnel­le Meteo­re sicht­bar, die Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 66 Kilo­me­ter pro Sekun­de in die Erd­at­mo­sphä­re zei­gen. Im Jahr 2003 wur­de sogar eine Zeni­tra­te von 100 regis­triert. In Mit­tel­eu­ro­pa schrumpft die­se, auf­grund der gerin­gen Hori­zont­hö­he, auf nur 10 bis 15 Stern­schnup­pen pro Stun­de. Die­se zei­gen aber, durch ihren fla­chen Ein­tritts­win­kel in die Erd­at­mo­sphä­re, mit­un­ter sehr lan­ge Bah­nen am Him­mel. Der Ursprüngs­kör­per ist kein gerin­ge­rer als der Hal­ley­sche Komet.

Die spo­ra­di­schen Meteo­re aus der Eklip­tik­re­gi­on, auch Ant­he­lionquel­le genannt, sind eben­falls im gesam­ten Monat April zu beob­ach­ten. Die Radi­an­ten­po­si­ti­on bewegt sich in die­sem Monat vom Stern­bild Jung­frau in die Waa­ge. Auf­grund der süd­li­chen Dekli­na­ti­on des Radi­an­ten sind im Schnitt nicht mehr als 1 bis 2 Meteo­re pro Stun­de sicht­bar, die Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 30 km/s besitzen.

Der abendliche Fixsternhimmel

Sternhimmel
Der Stern­him­mel am 15. April 2022 um 23:00 Uhr MESZ

Im Norden

Zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit hat der Gro­ße Wagen, der Teil des Stern­bilds Gro­ßer Bär ist, bereits den Zenit erreicht und prangt hoch über unse­ren Köp­fen. Um den Polar­stern auf­zu­fin­den – und damit die Nord­rich­tung zu bestim­men – ver­län­gern wir die bei­den hin­te­ren Kas­ten­ster­ne des Wagens um das Fünf­fa­che. Der Polar­stern ist Teil des Stern­bilds Klei­ner Bär, des­sen Wagen­kas­ten in der nächs­ten Stun­de ihre höchs­te Stel­lung im Nor­den ein­neh­men wer­den. Wei­ter öst­lich schlän­gelt sich das Stern­bild Dra­che um den Klei­nen Wagen her­um. Wei­ter west­lich vom Klei­nen Bären gele­gen kön­nen auf­merk­sa­me Beob­ach­ter noch die schwa­chen Ster­ne der unschein­ba­ren Stern­bil­der Giraf­fe und Luchs aus­ma­chen. Unter­halb des Polar­sterns hat soeben der Kepheus sei­ne tiefs­te Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont, die auch unte­re Kul­mi­na­ti­on genannt wird, über­schrit­ten. West­lich vom Kepheus ent­de­cken wir die Kas­sio­peia, das „Himmels‑W“, das noch nicht ganz ihre tiefs­te Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont erreicht hat. Im Nord­wes­ten steht der Per­seus und etwas ober­halb die­ses Stern­bilds der hel­le Stern Capel­la im Fuhr­mann. Im Nord­os­ten stei­gen die Som­mer­stern­bil­der Schwan und Lei­er, mit den hel­len Haupt­ster­nen Deneb und Wega, eben­falls lang­sam wie­der höher und aus dem Hori­zont­dunst hervor.

Im Osten

In mitt­le­rer Höhe im Osten befin­det sich das Stern­bild Bären­hü­ter, des­sen röt­li­cher Haupt­stern Ark­tur der auf­fäl­ligs­te Stern in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist. Er ist auch ein Weg­wei­ser für die Früh­lings­stern­bil­der in die­sem Teil des Him­mels. Vom Bären­hü­ter aus­ge­hend steht ober­halb die­ses Stern­bilds die Figur des Gro­ßen Wagens, des­sen Deich­sel nun genau in Rich­tung Ost­punkt zeigt. Die Kas­ten­ster­ne des Gro­ßen Bären befin­den sich noch wei­ter höher im Zenit. Rechts von der Deich­sel aus­ge­hend ste­hen die Jagd­hun­de und noch wei­ter im Süd­os­ten, west­lich von Ark­tur gele­gen, das Haar der Bere­ni­ke. In die­sem Stern­bild, das nur aus schwa­chen Ster­nen besteht, kann man in einer kla­ren mond­lo­sen Nacht den Coma-Stern­hau­fen (Melot­te 111) mit blo­ßem Auge erken­nen. Unter­halb des Bären­hü­ters befin­den sich das Halb­rund des Stern­bilds Nörd­li­che Kro­ne, der unschein­ba­re Her­ku­les, die Lei­er, mit der Wega, sowie direkt im Osten der Kopf der Schlan­ge, die vom mäch­ti­gen Schlan­gen­trä­ger getra­gen wird. Die Ster­ne des Schlan­gen­trä­gers befin­den sich aber noch zum größ­ten Teil unter dem Ost­ho­ri­zont. Direkt über dem Süd­ost­ho­ri­zont geht soeben das Stern­bild Waa­ge auf. Die Ster­ne die­ses Stern­bilds ste­hen aber noch über­wie­gend im Horizontdunst.

Im Süden

Die Früh­lings­stern­bil­der haben zu unser Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit end­lich den gesam­ten Süd­him­mel ein­ge­nom­men. Der hells­te Stern in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist der Stern Ark­tur im Stern­bild Bären­hü­ter, hoch im Süd­os­ten. Ver­län­gern wir die Figur des Bären­hü­ters über Ark­tur hin­aus, zeigt die­ser direkt auf einen wei­te­ren hel­len Stern in gerin­ger Höhe über dem Süd­ost­ho­ri­zont. Hier­bei han­delt es sich um den weiß leuch­ten­de Haupt­stern Spi­ca im Stern­bild der Jung­frau. Das auf­fäl­ligs­te Stern­bild in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist aber der mäch­ti­ge Löwe, der soeben sei­nen höchs­ten Punkt im Süden ein­ge­nom­men hat. Die zahl­rei­chen Gala­xien des Vir­go-Gala­xien­hau­fens, etwas wei­ter öst­lich vom Schwanz des Löwen gele­gen, befin­den sich nun eben­falls in opti­ma­ler Beob­ach­tungs­po­si­ti­on fast im Meri­di­an. Ober­halb des Löwen steht der unschein­ba­re Klei­ne Löwe. In mitt­le­rer Höhe im Süd­wes­ten, und rechts vom Löwen gele­gen, sind die schwa­chen Ster­ne des Kreb­ses nur unter einem wirk­lich dunk­len Him­mel aus­zu­ma­chen. Ober­halb der Jung­frau und öst­lich vom Löwen, kön­nen wir noch das unschein­ba­re Stern­bild Haar der Bere­ni­ke, mit dem Coma-Stern­hau­fen, ent­de­cken. Noch wei­ter höher in Rich­tung Zenit befin­den sich die unschein­ba­ren Jagd­hun­de. Bli­cken wir in Rich­tung Süd­ho­ri­zont, direkt unter­halb der Stern­bil­der Jung­frau und Löwe, erken­nen wir das Stern­bild Becher und west­lich davon den Raben. Das eher unschein­ba­re und nur aus schwa­chen Ster­ne bestehen­de aber sehr aus­ge­dehn­te Stern­bild der Was­ser­schlan­ge schlän­gelt sich von mitt­le­rer Höhe im Süd­wes­ten aus­ge­hend, in Rich­tung Süd­ost­ho­ri­zont herab.

Im Westen

Im Wes­ten ste­hen noch eini­ge hel­le Ster­ne und Stern­bil­der des Win­ter­him­mels über dem Hori­zont. Zu den auf­fäl­ligs­ten Stern­bil­dern gehö­ren die Zwil­lin­ge, mit den bei­den Haupt­ster­nen Cas­tor und Pol­lux, die in der nächs­ten Stun­de den West­ho­ri­zont errei­chen wer­den. Rechts von den Zwil­lin­gen gele­gen berei­tet sich auch der Fuhr­mann, mit der hel­len und gelb­lich leuch­ten­den Capel­la, zum Unter­gang vor. Bei opti­ma­ler Hori­zont­sicht fal­len noch Betei­geu­ze, der lin­ke Schul­ter­stern des Ori­on, sowie Alde­ba­ran und der offe­ne Stern­hau­fen der Ple­ja­den im Stier auf. Im Nord­wes­ten sinkt nun end­lich auch der Per­seus lang­sam zum Hori­zont her­ab. Auf der ande­ren Sei­te des West­punk­tes erkennt man noch Pro­kyon im Stern­bild Klei­ner Hund und dar­über den Krebs. Hier kön­nen wir in einer mond­schein­lo­sen Nacht den Stern­hau­fen der Pra­e­se­pe (Mes­sier 44), auch Krip­pe genannt, erken­nen, der einen herr­li­chen Anblick in jedem Fern­glas bie­tet. Ober­halb vom Krebs befin­det sich der Kopf des mäch­ti­gen Löwen. In Zenitnä­he kön­nen wir das Stern­bild Gro­ßer Bär aus­ma­chen. Zwi­schen Zwil­lin­ge, Fuhr­mann und Gro­ßer Bär befin­det sich noch die unschein­ba­re Ster­nen­ket­te des nur aus schwa­chen Ster­nen bestehen­den Stern­bild des Luchs.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum aktu­el­len Stern­him­mel gibt es auf der Sei­te Stern­him­mel.

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

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