Der Sternhimmel im April 2023

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Der Lauf des Mondes

Am Abend des 1. April kön­nen wir den zuneh­men­den Mond im Stern­bild Löwe auf­fin­den. Nur einen Abend spä­ter befin­det er sich öst­lich von Regu­lus, dem Haupt­stern im Löwen. Am 4. April steht er bereits in der Jung­frau, wo wir ihn am Abend des 6. April als Voll­mond in der Nähe des Haupt­stern Spi­ca, auf­spü­ren kön­nen. Nach der Voll­mond­nacht geht der Mond nach Son­nen­un­ter­gang jeden Abend etwas spä­ter auf und ver­la­gert sei­ne Sicht­bar­keit in die zwei­te Nacht­hälf­te. Am Abend des 8. April hat der Mond bereits die Gren­ze zum Stern­bild Waa­ge über­schrit­ten und geht am 10. des Monats erst nach Mit­ter­nacht auf. An die­sem Mor­gen befin­det sich unser stil­ler Beglei­ter nur 3 Grad nord­west­lich von Ant­ares, dem Haupt­stern des Stern­bilds Skor­pi­on. Gegen 4:50 Uhr kommt es zu einer Bede­ckung des 2,9 mag hel­len spek­tro­sko­pi­schen Mehr­fach­sterns Sig­ma Scor­pii, an der beleuch­te­ten Mond­sei­te, die über eine Stun­de andau­ert. Beim Aus­tritt steht der Mond noch 12 ½ Grad über dem süd­west­li­chen Hori­zont. Nach einem kur­zen Abste­cher in den süd­li­chen Bereich des Stern­bild Schlan­gen­trä­ger, fin­den wir unse­ren Erd­tra­ban­ten am Mor­gen des 12. April im Stern­bild des Schüt­zen. Am 13. des Monats wird das letz­te Vier­tel durch­lau­fen. Nach­dem der abneh­men­de Mond das Stern­bild Stein­bock hin­ter sich gelas­sen hat, kön­nen wir ihn, auf­grund der fla­chen Eklip­tik­la­ge, am Mor­gen des 17. April zum letz­ten Mal als schma­le Sichel auf­ge­hen sehen, bis am 20. April die Neu­mond­pha­se durch­lau­fen wird. Dank der stei­len Eklip­tik­la­ge am Abend­him­mel taucht unser stil­ler Beglei­ter, in der Abend­däm­me­rung des 21. April, wie­der über dem west­nord­west­li­chen Hori­zont auf. Die dün­ne, zuneh­men­de Mond­si­chel steht gegen 21 Uhr nur 5 Grad nord­öst­lich von Mer­kur im Stern­bild Wid­der. Am nächs­ten Abend kön­nen wir die Sichel meh­re­re Grad unter­halb des Abend­sterns Venus im Stern­bild Stier auf­fin­den. Am 23. April kommt es zu einer engen Kon­junk­ti­on mit dem Abend­stern, wobei die zuneh­men­de Mond­si­chel nur 2 ½ Grad ober­halb von Venus zu fin­den ist. Am Abend des 24. April steht der Mond im Grenz­be­reich der Stern­bil­der Stier und Zwil­lin­ge und am 25. April nur 5 Grad west­lich unse­res Roten Nach­barn Mars. Am nächs­ten Abend kön­nen wir den Halb­mond nur weni­ge Grad unter­halb des Haupt­sterns Pol­lux in den Zwil­lin­gen auf­spü­ren, bis am 27. April das ers­te Vier­tel im Stern­bild Krebs durch­lau­fen wird. Dabei fin­den wir den Halb­mond ober­halb des Bie­nen­stock-Hau­fens (Mes­sier 44). In den letz­ten Aben­den im April durch­wan­dert unser stil­ler Beglei­ter aber­mals den Löwen, wo wir ihn am 29. des Monats aber­mals in der Nähe von Regu­lus auf­spü­ren können.

Die Planeten

Der flin­ke Pla­net Mer­kur bie­tet im April die ein­zi­ge Abend­sicht­bar­keit des Jah­res für den deutsch­spra­chi­gen Raum. Die bes­te Zeit, den inners­ten Pla­ne­ten unse­res Son­nen­sys­tems über dem west­li­chen Hori­zont auf­zu­spü­ren, liegt zwi­schen dem 3. bis 13. April. Nach 20 Uhr ist es schließ­lich dun­kel genug, um ihn, auch Dank der stei­len Eklip­tik­la­ge am Abend­him­mel, zu sich­ten. Mer­kur steht dann rund 8 Grad hoch über dem Hori­zont. Am 9. April zeigt sich das 7 Bogen­se­kun­den gro­ße Mer­kur­scheib­chen im Tele­skop halb beleuch­tet. Die so genann­te Dicho­to­mie tritt ein. Danach nimmt sein Beleuch­tungs­grad rasch ab. Sein schein­ba­rer Durch­mes­ser wächst dage­gen bis Monats­en­de auf 11,7 Bogen­se­kun­den. Am 12. April 2023 steht Mer­kur mit 19° 29’ auch in sei­ner größ­ten öst­li­chen Elon­ga­ti­on von der Son­ne. Dabei erreicht er eine maxi­ma­le Hori­zont­hö­he zum Ende der bür­ger­li­chen Däm­me­rung von 12 Grad. Zum letz­ten Mal wer­den wir Mer­kur am Abend des 16. April über dem Hori­zont sich­ten kön­nen. Dabei ver­frü­hen sich die Unter­gän­ge im Lau­fe des April von anfangs 21:06 Uhr auf 20:41 Uhr Som­mer­zeit. In die­ser Zeit geht die schein­ba­re Hel­lig­keit des Pla­ne­ten von ‑1,1 auf 0,9 mag stark zurück. Ab dem 21. April wird Mer­kur wie­der rück­läu­fig und nähert sich schnell unse­rem Zen­tral­ge­stirn an, bis er am 1. Mai in unte­rer Kon­junk­ti­on zu ihr ste­hen wird. Am 21. des Monats erhält er auch Besuch von der schma­len, zuneh­men­den Mond­si­chel. Sie steht dann 5 Grad west­lich von Merkur.

Unser Schwes­ter­pla­net Venus domi­niert im April den Abend­him­mel im Stern­bild Stier und wan­dert immer wei­ter in Rich­tung Nor­den, ent­lang der Eklip­tik. Bis zum Monats­en­de hat sie ihren Abstand, gegen­über der Son­ne, auf 42 Grad aus­ge­wei­tet. Sie nähert sich im Lau­fe des Monats immer wei­ter dem „Gol­de­nen Tor der Eklip­tik“ an, das aus den bei­den offe­nen Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den gebil­det im Stern­bild Stier wird. Zwi­schen dem 9. und 14. April wird der Abend­stern schließ­lich süd­öst­lich an den Ple­ja­den (Mes­sier 45) vor­bei­lau­fen. Am 10. des Monats beträgt der Abstand zum berühm­ten offe­nen Stern­hau­fen nur noch 2 ½ Grad. Ab dem 20. April pas­siert sie den Haupt­stern Alde­ba­ran in 8 Grad Abstand. Die schein­ba­re Hel­lig­keit des Abend­sterns nimmt im April leicht zu und beträgt dann zum Monats­en­de ‑4,1 mag. Nach der Monats­mit­te, wenn sie 70% beleuch­tet ist und im Tele­skop als 15 Bogen­se­kun­den gro­ßes Scheib­chen erscheint, geht sie erst nach Mit­ter­nacht unter. Am 1. April sinkt die Venus um 23:15 Uhr unter die nord­west­li­che Hori­zont­li­nie und am 30. April erst um 0:32 Uhr Som­mer­zeit. Damit ist sie gut 4 Stun­den nach Son­nen­un­ter­gang zu sehen. Am 17. des Monats durch­läuft Venus noch das Peri­hel ihrer Bahn und befin­det sich dann 107,5 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von der Son­ne ent­fernt. Am 23. April kann die zuneh­men­de Mond­si­chel sehr nahe bei Venus und zwi­schen den Hör­nern des Stiers auf­ge­fun­den werden.

Unser roter Nach­bar Mars, recht­läu­fig im Stern­bild Zwil­lin­ge, steht bei bei Ein­bruch der Nacht noch hoch über dem west­li­chen Hori­zont. Er ist im Fern­rohr aller­dings kein attrak­ti­ves Objekt mehr. Denn sein schein­ba­rer Win­kel­durch­mes­ser schrumpft wei­ter von anfangs 6,4 auf nur noch 5,4 Bogen­se­kun­den. So wird es immer schwie­ri­ger, über­haupt Ein­zel­hei­ten auf der Mars­ober­flä­che zu ent­de­cken. Auch sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit geht im Lau­fe des Monats von anfangs 0,9 mag wei­ter zurück und beträgt Ende April nur noch 1,3 Grö­ßen­klas­sen. Am 1. April geht Mars um 3:17 Uhr Som­mer­zeit im Wes­ten unter. Bis zum 30. April ver­frü­hen sich sei­ne Unter­gangs­zei­ten um genau eine Stun­de. Am 14. April wan­dert der Rote Pla­net in nur 0,2 Grad süd­li­chen Abstand am 3,1 mag hel­len Stern Mebsu­ta (Epsi­lon Gemi­no­rum) vor­bei. In der Nacht vom 25. auf den 26. April steht auch der zuneh­men­de Mond in der Nähe unse­res Nachbarplaneten.

Der Rie­sen­pla­net Jupi­ter steht am 11. April 2023 in Kon­junk­ti­on mit der Son­ne. Er hält sich mit ihr am Tag­him­mel auf und ist dem­zu­fol­ge nicht zu beob­ach­ten. Am Tag der Kon­junk­ti­on befin­det sich Jupi­ter 891 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von unse­rem Hei­mat­pla­ne­ten entfernt.

Der Ring­pla­net Saturn taucht nach sei­ner Kon­junk­ti­on im März wie­der am Mor­gen­him­mel auf. Aller­dings stört nach wie vor die Mor­gen­däm­me­rung. Er wan­dert recht­läu­fig durch den Was­ser­mann und kann dann ab der Mit­te des Monats, mit Hil­fe eines Feld­ste­chers, auf­ge­fun­den wer­den. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit steigt auf 0,9 mag. Im Tele­skop erkennt man, dass sein Ring nur noch zu 8 Grad geöff­net ist. Im Jahr 2025 bli­cken wir schließ­lich auf die Kan­te sei­nes Ring­sys­tems. Sein schein­ba­rer Äqua­tor­durch­mes­ser beträgt zum Monats­en­de hin 16,3 Bogen­se­kun­den. Die Saturn­auf­gän­ge ver­frü­hen sich von anfangs 5:46 Uhr auf 3:57 Uhr Sommerzeit.

Der Pla­net Ura­nus, recht­läu­fig im Stern­bild Wid­der, ver­ab­schie­det sich im April end­gül­tig vom Abend­him­mel. Nur erfah­re­nen Beob­ach­ter kön­nen den fer­nen und 5,9 mag hel­len Eis­rie­sen Anfang des Monats noch mit licht­star­ken Instru­men­ten auf­spü­ren. Er steht bei Ein­bruch der Nacht bereits dicht über dem west­li­chen Hori­zont. Sei­ne Unter­gän­ge ver­frü­hen sich von 22:56 Uhr am 1. April bis 21:11 Uhr Som­mer­zeit am Monats­letz­ten. In den letz­ten April­ta­gen ver­blasst der Pla­net schließ­lich in der Abend­däm­me­rung. Am 9. Mai 2023 steht Ura­nus in Kon­junk­ti­on mit unse­rem Zentralgestirn.

Der äuße­re Pla­net unse­res Son­nen­sys­tems, Nep­tun, bewegt sich recht­läu­fig durch die Fische und stand Mit­te März in Kon­junk­ti­on mit der Son­ne. Der in Tele­sko­pen bläu­lich-grün erschei­nen­de Pla­net hält sich noch zu nah bei der Son­ne auf und ist noch nicht am Mor­gen­him­mel auffindbar.

Der 14,4 mag hel­le Zwerg­pla­net (134340) Plu­to, im Stern­bild Stein­bock, ist noch nicht am Mor­gen­him­mel auf­find­bar und bleibt eben­falls unbeobachtbar.

Helle Kometen und Planetoiden

Der kurz­pe­ri­odi­sche Komet 81P/Wild wan­dert vom Schlan­gen­trä­ger in den Schüt­zen und ist ein Objekt für den Mor­gen­him­mel. Mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit um 12 mag benö­tigt man für sei­ne Beob­ach­tung bereits grö­ße­re Teleskope.

Der kurz­pe­ri­odi­sche Komet 364P/PanSTARRS befin­det sich zur Zeit in Erd­nä­he und wan­dert im Monat April sehr schnell über den Him­mel. Dabei bewegt er sich durch die Stern­bil­der Her­ku­les, Lei­er, Füchs­chen, Pfeil, Del­phin, Fül­len, Pega­sus und Was­ser­mann. Der Schweif­stern ist ein Objekt für den Mor­gen­him­mel und kann mit einer Hel­lig­keit von 11 bis 12 mag in grö­ße­ren Tele­sko­pen auf­ge­sucht werden.

Der Komet C/2020 V2 (ZTF) wan­dert vom Stern­bild Drei­eck in den Wid­der und ist zunächst noch ein Objekt für den Abend­him­mel. Ab Mit­te April ver­schwin­det er von unse­rem Him­mel und wird dann Ende Juli wie­der am Mor­gen­him­mel auf­tau­chen. Sei­ne Hel­lig­keit bleibt mit 9,5 Grö­ßen­klas­sen nahe­zu kon­stant. Somit ist der Schweif­stern ein dank­ba­res Objekt für klei­ne­re Teleskope.

Der Komet C/2022 A2 (Pan­STARRS) kann im Stern­bild Andro­me­da am Abend­him­mel auf­ge­fun­den wer­den. Er bewegt sich im Lau­fe des Monats wei­ter in Rich­tung Wes­ten und läuft Anfang April, in nur 2 Grad süd­west­li­chen Abstand, am Andro­me­da­ne­bel (Mes­sier 31) vor­bei. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit beträgt den gesam­ten Monat ca. 10,5 bis 11 Grö­ßen­klas­sen, so dass der Schweif­stern in mitt­le­ren Tele­sko­pen beob­ach­tet wer­den kann.

Der Zwerg­pla­net (1) Ceres ist nach sei­ner Oppo­si­ti­on im März immer noch fast die gesam­te Nacht beob­acht­bar. Ceres wan­dert wei­ter rück­läu­fig durch das Stern­bild Haar der Bere­ni­ke und kann Dank sei­ner gro­ßen schein­ba­ren Hel­lig­keit bereits in Fern­glä­sern und klei­nen Tele­sko­pen auf­ge­spürt wer­den. Im Lau­fe des Monats geht sei­ne Hel­lig­keit aller­dings stark zurück von anfangs 7,0 auf 7,6 mag. Am 1. April steht Ceres um 0:48 Uhr im Süden. Am 30. April erreicht der Zwerg­pla­net bereits um 22:32 Uhr Som­mer­zeit den Meridian.

(2) Pal­las wan­dert zunächst noch durch das Stern­bild Ein­horn und wech­selt ab dem 14. April in das Stern­bild Klei­ner Hund. Der Aste­ro­id ist ein Objekt für die 1. Nacht­hälf­te und geht am 1. April um 1:17 Uhr unter. Bis zum 30. April ver­frü­hen sich sei­ne Unter­gangs­zei­ten auf 0:45 Uhr Som­mer­zeit. In die­ser Zeit fällt sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit von 8,2 auf 8,6 mag. Am 13. April steht Pal­las in der Nähe des 6,8 mag hel­len Sterns SAO 134587. Der gegen­sei­ti­ge Abstand beträgt nur 5 Bogen­mi­nu­ten. Am 23. April kommt es zu einer Begeg­nung mit dem Stern SAO 115719 (6,9 mag) in nur 9 Bogen­mi­nu­ten Abstand.

Der Aste­ro­id (7) Iris wird am 14. April wie­der hel­ler als 10 mag und ist im Stern­bild Waa­ge auf­find­bar. Am 30. April 2023 kommt der Him­mels­kör­per in eine recht ungüns­ti­ge Oppo­si­ti­on zur Son­ne und erreicht eine schein­ba­re Hel­lig­keit von 9,6 mag. An die­sem Tag wan­dert sie auch in das Stern­bild Jung­frau. Zu Beginn des Monats steht Iris um 3:17 Uhr im Süden. Ende April erreicht der Aste­ro­id bereits um 0:58 Uhr Som­mer­zeit den Meridian.

Meteorströme

Vom 16. bis 25. April tau­chen die Lyri­den auf, deren Aus­strah­lungs­punkt sich rund 7 Grad süd­west­lich von Wega im Stern­bild Lei­er befin­det. Mit einer Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit von 49 km/s in die Erd­at­mo­sphä­re, han­delt es sich bei den Lyri­den um mit­tel­schnel­le Meteo­re, mit einem nicht sehr aus­ge­präg­ten Maxi­mum am 23. April gegen 3 Uhr. Der Maxi­mums­zeit­punkt kann natür­lich auch um meh­re­re Stun­den abwei­chen. Die bes­te Beob­ach­tungs­zeit des Lyri­den­stroms ist in den Stun­den zwi­schen 22 Uhr und 4 Uhr mor­gens, wenn der Radi­ant der Lyri­den in guter Beob­ach­tungs­hö­he am Him­mel steht. Zum Maxi­mum sind im Schnitt etwa 10 bis 20 Stern­schnup­pen zu erwar­ten – dar­un­ter auch eini­ge hel­le Exem­pla­re. Der Mond wird auf­grund der Neu­mond­pha­se die Beob­ach­tung des Mete­or­stroms nicht stö­ren. Die Lyri­den sind auch immer wie­der für Über­ra­schun­gen gut: Im Jahr 1982 wur­den zum Bei­spiel 90 Meteo­re pro Stun­de beob­ach­tet. Ein wei­te­rer Aus­bruch fand im Jahr 1922 statt, als 100 Stern­schnup­pen pro Stun­de regis­triert wur­den. Als Ursprungs­kör­per der Lyri­den gilt der lang­pe­ri­odi­sche Komet C/1861 G1 That­cher, der eine Umlauf­zeit von 415 Jah­ren besitzt.

Vom 19. April bis 28. Mai sind die Eta-Aqua­ri­den zu beob­ach­ten. Hier­bei han­delt es sich um einen mit­tel­star­ken Strom, der vor allem von süd­li­che­ren Brei­ten aus zu beob­ach­ten ist. Für Mit­tel­eu­ro­pa steht der Radi­ant des Stroms nur sehr nied­rig über dem Hori­zont. Es exis­tiert für unse­re Brei­ten nur ein kur­zes Zeit­fens­ter für die Beob­ach­tung kurz vor Beginn der Mor­gen­däm­me­rung. Das Maxi­mum wird am 5. Mai erwar­tet. Dann sind zum Bei­spiel von Nami­bia aus zwi­schen 50 und 65 sehr schnel­le Meteo­re sicht­bar, die Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 66 Kilo­me­ter pro Sekun­de in die Erd­at­mo­sphä­re zei­gen. Im Jahr 2003 wur­de sogar eine Zeni­tra­te von 100 regis­triert. In Mit­tel­eu­ro­pa schrumpft die­se, auf­grund der gerin­gen Hori­zont­hö­he, auf nur noch 10 bis 15 Stern­schnup­pen pro Stun­de. Auf­grund der Voll­mond­pha­se zum Maxi­mum sind sogar noch weni­ger Stern­schnup­pen zu erwar­ten. Die­se zei­gen aber, durch ihren fla­chen Ein­tritts­win­kel in die Erd­at­mo­sphä­re, mit­un­ter sehr lan­ge Bah­nen am Him­mel. Der Ursprüngs­kör­per ist kein gerin­ge­rer als der Hal­ley­sche Komet.

Die spo­ra­di­schen Meteo­re aus der Eklip­tik­re­gi­on, auch Ant­he­l­ionquel­le genannt, sind eben­falls im gesam­ten Monat April zu beob­ach­ten. Die Radi­an­ten­po­si­ti­on bewegt sich in die­sem Monat vom Stern­bild Jung­frau in die Waa­ge. Auf­grund der süd­li­chen Dekli­na­ti­on des Radi­an­ten sind von unse­ren Brei­ten im Schnitt nicht mehr als 1 bis 2 Meteo­re pro Stun­de sicht­bar, die Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 30 km/s besitzen.

Der abendliche Fixsternhimmel

Sternhimmel
Der Stern­him­mel am 15. April 2023 um 23:00 Uhr MESZ

Im Norden

Zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit hat der Gro­ße Wagen, der Teil des Stern­bilds Gro­ßer Bär ist, bereits den Zenit erreicht und prangt hoch über unse­ren Köp­fen. Um den Polar­stern auf­zu­fin­den – und damit die Nord­rich­tung zu bestim­men – ver­län­gern wir die bei­den hin­te­ren Kas­ten­ster­ne des Wagens um das Fünf­fa­che. Der Polar­stern ist Teil des Stern­bilds Klei­ner Bär. Sein Wagen­kas­ten wird in der nächs­ten Stun­de die höchs­te Stel­lung im Nor­den ein­neh­men. Wei­ter öst­lich schlän­gelt sich das Stern­bild Dra­che um den Klei­nen Wagen Aste­ris­mus her­um. West­lich vom Klei­nen Bären gele­gen kön­nen auf­merk­sa­me Beob­ach­ter noch die schwa­chen Ster­ne der unschein­ba­ren Stern­bil­der Giraf­fe und Luchs aus­ma­chen. Unter­halb des Polar­sterns hat soeben der Kepheus sei­ne tiefs­te Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont, die auch unte­re Kul­mi­na­ti­on genannt wird, über­schrit­ten. West­lich vom Kepheus ent­de­cken wir die Kas­sio­peia, das „Himmels‑W“, das noch nicht ganz ihre tiefs­te Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont ein­ge­nom­men hat. Im Nord­wes­ten fin­den wir auch den Per­seus und etwas ober­halb die­ses Stern­bilds, noch den hel­len Haupt­stern Capel­la im Stern­bild Fuhr­mann. Im Nord­os­ten stei­gen die Som­mer­stern­bil­der Schwan und Lei­er, mit den hel­len Haupt­ster­nen Deneb und Wega, eben­falls lang­sam wie­der höher und aus dem Hori­zont­dunst empor.

Im Osten

In mitt­le­rer Höhe im Osten ent­de­cken wir das Stern­bild Bären­hü­ter, des­sen röt­li­cher Haupt­stern Ark­tur der auf­fäl­ligs­te Stern in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist. Er ist auch ein Weg­wei­ser für die Früh­lings­stern­bil­der in die­sem Teil des Him­mels. Vom Bären­hü­ter aus­ge­hend steht ober­halb die­ses Stern­bilds die Figur des Gro­ßen Wagens, des­sen Deich­sel nun genau in Rich­tung Ost­punkt zeigt. Die Kas­ten­ster­ne des Gro­ßen Bären befin­den sich noch wei­ter höher im Zenit. Rechts von der Deich­sel aus­ge­hend ste­hen die Jagd­hun­de. Noch wei­ter im Süd­os­ten, west­lich von Ark­tur gele­gen, kön­nen wir auch das Haar der Bere­ni­ke ent­de­cken. In die­sem Stern­bild, das nur aus schwa­chen Ster­nen besteht, kann man in einer kla­ren mond­lo­sen Nacht den Coma-Stern­hau­fen (Melot­te 111) bereits mit blo­ßem Auge erken­nen. Unter­halb des Bären­hü­ters befin­den sich das Halb­rund des Stern­bilds Nörd­li­che Kro­ne, der unschein­ba­re Her­ku­les, die Lei­er, mit der Wega, sowie direkt im Osten der Kopf des Stern­bilds Schlan­ge, das vom mäch­ti­gen Schlan­gen­trä­ger getra­gen wird. Die Ster­ne des Schlan­gen­trä­ger befin­den sich aller­dings noch größ­ten­teils unter dem Ost­ho­ri­zont. Direkt über dem Süd­ost­ho­ri­zont geht auch das Stern­bild Waa­ge auf. Die Ster­ne die­ses Stern­bilds ver­ste­cken sich über­wie­gend noch in den hori­zont­na­hen Dunstschichten.

Im Süden

Die Früh­lings­stern­bil­der haben nun end­lich den gesam­ten Süd­him­mel ein­ge­nom­men. Der hells­te Stern in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist der Stern Ark­tur im Stern­bild des Bären­hü­ters, hoch im Süd­os­ten. Ver­län­gern wir die Figur des Bären­hü­ters über Ark­tur hin­aus, zeigt die­ser direkt auf einen wei­te­ren hel­len Stern in gerin­ger Höhe über dem Süd­ost­ho­ri­zont. Hier­bei han­delt es sich um den weiß leuch­ten­de Haupt­stern Spi­ca im Stern­bild der Jung­frau. Das auf­fäl­ligs­te Stern­bild in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist aber der mäch­ti­ge Löwe, der soeben sei­nen höchs­ten Punkt im Süden ein­ge­nom­men hat. Die zahl­rei­chen Gala­xien des Vir­go-Gala­xien­hau­fens, etwas wei­ter öst­lich vom Schwanz des Löwen gele­gen, befin­den sich nun eben­falls in opti­ma­ler Beob­ach­tungs­po­si­ti­on und fast im Meri­di­an. Ober­halb des Löwen steht das unschein­ba­re Stern­bild des Klei­nen Löwen. In mitt­le­rer Höhe im Süd­wes­ten, west­lich vom Löwen gele­gen, sind die schwa­chen Ster­ne des Kreb­ses nur unter einem wirk­lich dunk­len Him­mel aus­zu­ma­chen. Ober­halb der Jung­frau und öst­lich vom Löwen kön­nen wir noch das unschein­ba­re Stern­bild Haar der Bere­ni­ke, mit dem Coma-Stern­hau­fen, ent­de­cken. Noch wei­ter höher in Rich­tung Zenit befin­den sich auch die unschein­ba­ren Jagd­hun­de. Bli­cken wir in Rich­tung Süd­ho­ri­zont, direkt unter­halb der Stern­bil­der Jung­frau und Löwe, erken­nen wir das Stern­bild Becher und west­lich davon den Raben. Das eher unschein­ba­re und nur aus schwa­chen Ster­ne bestehen­de aber sehr aus­ge­dehn­te Stern­bild der Was­ser­schlan­ge, schlän­gelt sich mit­tel­hoch im Süd­wes­ten, unter­halb des Stern­bilds Krebs aus­ge­hend, in Rich­tung Süd­ost­ho­ri­zont herab.

Im Westen

Im Wes­ten ste­hen noch eini­ge hel­le Ster­ne und Stern­bil­der des Win­ter­him­mels über dem Hori­zont. Zu den auf­fäl­ligs­ten Stern­bil­dern gehö­ren die Zwil­lin­ge, mit den bei­den Haupt­ster­nen Cas­tor und Pol­lux, die in der nächs­ten Stun­de den West­ho­ri­zont errei­chen wer­den. In die­sem Stern­bild kön­nen wir auch unse­ren roten Nach­barn, den Mars, ent­de­cken. West­lich von den Zwil­lin­gen gele­gen berei­tet sich auch der Fuhr­mann, mit der hel­len und gelb­lich leuch­ten­den Capel­la, zum Unter­gang vor. Bei opti­ma­ler Hori­zont­sicht fal­len noch Betei­geu­ze, der lin­ke Schul­ter­stern des Ori­on, sowie Alde­ba­ran im Stier auf. Auch die in die­sem Stern­bild sich befin­den­den offe­nen Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den kön­nen noch über dem Hori­zont gese­hen wer­den. Ein Weg­wei­ser ist die hel­le Venus, die sich als auf­fäl­li­ger Abend­stern, etwas ober­halb der Mit­te die­ser bei­den Stern­hau­fen, befin­det. Im Nord­wes­ten sinkt nun end­lich auch der Per­seus lang­sam zum Hori­zont her­ab. Auf der ande­ren Sei­te des West­punk­tes erken­nen wir noch Pro­kyon im Stern­bild Klei­ner Hund und dar­über den unschein­ba­ren Krebs. Hier kön­nen wir in einer mond­schein­lo­sen Nacht den Stern­hau­fen der Prae­se­pe (Mes­sier 44), auch Krip­pe genannt, erken­nen, der einen herr­li­chen Anblick in jedem Fern­glas bie­tet. Ober­halb vom Krebs sehen wir noch das Haupt des mäch­ti­gen Löwen. In Zenit­nä­he kön­nen wir das Stern­bild Gro­ßer Bär aus­ma­chen. Zwi­schen Zwil­lin­ge, Fuhr­mann und Gro­ßer Bär befin­det sich noch die unschein­ba­re Ster­nen­ket­te des nur aus sehr licht­schwa­chen Ster­nen bestehen­de Stern­bild Luchs.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum aktu­el­len Stern­him­mel gibt es auf der Sei­te Stern­him­mel.

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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