Der Sternhimmel im März 2022

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Der Lauf des Mondes

Zu Beginn des Monats März ist der Mond nicht sicht­bar, weil am 2. März die Neu­mond­pha­se durch­lau­fen wird. Auf­grund der stei­len Eklip­tik­la­ge am Abend­him­mel kann man am 3. März ver­su­chen, die sehr dün­ne Mond­si­chel, knapp 24 Stun­den nach Neu­mond, über dem west­süd­west­li­chen Hori­zont auf­zu­spü­ren. An den Fol­ge­ta­gen gelingt uns das deut­lich leich­ter, weil der Mond jeden Abend etwas höher über dem Hori­zont steht. Unser Erd­tra­bant wan­dert an den Fol­ge­ta­gen wei­ter nach Osten durch Gebie­te des Him­mels, die nur schwa­che Ster­ne ent­hal­ten. Nach­dem der Mond nach­ein­an­der die Stern­bil­der Wal­fisch, Fische und Wid­der durch­lau­fen hat, kön­nen wir ihn in der Nacht vom 8. auf den 9. März durch das „Gol­de­ne Tor der Eklip­tik“ lau­fen sehen. Die­ses wird aus den bei­den offe­nen Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den gebil­det. Lei­der geht der Mond an die­sem Abend bereits kurz nach Mit­ter­nacht im Nord­wes­ten unter. Am 10. März wird schließ­lich das ers­te Vier­tel erreicht. Unser stil­ler Beglei­ter wan­dert wei­ter durch die Stern­bil­der Stier und Zwil­lin­ge. In der Nacht vom 12. auf den 13. März steht er nur 4 ½ Grad süd­west­lich von Pol­lux in den Zwil­lin­ge. Nach­dem der Mond das Stern­bild Krebs hin­ter sich gelas­sen hat, fin­den wir ihn anschlie­ßend in der Nacht vom 15. auf den 16. März ober­halb von Regu­lus, dem Haupt­stern im Stern­bild Löwe. Am Mor­gen des 18. März ist Voll­mond im Stern­bild Jung­frau. Nach der Voll­mond­pha­se wird unser Beglei­ter nach und nach ein Objekt für die zwei­te Nacht­hälf­te und geht dann immer spä­ter im Osten auf. In der Nacht vom 19. auf den 20. März fin­den wir den nun wie­der abneh­men­den Mond ober­halb von Spi­ca. Am Mor­gen des 21. März fin­det eine Stern­be­de­ckung statt. Dabei wird der 4,5 mag hel­le Stern Lamb­da Vir­gi­nis gegen 4:49 Uhr von der beleuch­te­ten Sei­te des Mon­des bedeckt. Das Ereig­nis dau­ert etwas mehr als eine Stun­de, bis der Stern wie­der an der unbe­leuch­te­ten Sei­te auf­taucht. In der gan­zen Zeit steht der Mond genü­gend hoch über dem Süd­west­ho­ri­zont. Am 22. März geht der Mond erst nach Mit­ter­nacht auf. Wir fin­de ihn dann im Stern­bild Waa­ge und in den dar­auf fol­gen­den Näch­ten in den Stern­bil­dern Skor­pi­on und Schlan­gen­trä­ger, nied­rig über dem Hori­zont. Am 25. des Monats wird das letz­te Vier­tel im Stern­bild Schüt­ze durch­lau­fen. In der Mor­gen­däm­me­rung des 27. März steht die Mond­si­chel dicht über dem süd­öst­li­chen Hori­zont. Öst­lich unse­res Erd­tra­ban­ten ist auch der Mor­gen­stern Venus und unter sehr guten Sicht­be­din­gun­gen, nur 5 Grad west­lich von die­sem, unser roter Nach­bar Mars zu erken­nen. Am Mor­gen des 28. März kön­nen wir die dün­ne Mond­si­chel zum letz­ten Mal vor Neu­mond im Süd­os­ten auf­ge­hen sehen. An die­sem Mor­gen steht knapp 4 Grad nörd­lich des Erd­tra­ban­ten auch unser roter Nach­bar Mars, der aller­dings nur im Feld­ste­cher zu erken­nen ist.

Die Planeten

Unser Schwes­ter­pla­net Venus ist nach wie vor Mor­gen­stern. Am 20. März 2022 erreicht sie ihre größ­te west­li­che Elon­ga­ti­on zur Son­ne. Der Win­kel­ab­stand beträgt dann statt­li­che 46°35′. Auf­grund der fla­chen Eklip­tik­la­ge am Mor­gen­him­mel, erreicht die Venus trotz­dem kei­ne gro­ße Höhe über dem süd­öst­li­chen Hori­zont und prä­sen­tiert sich somit in einer eher beschei­de­nen Mor­gen­sicht­bar­keit. Wenn man den glei­chen Son­nen­stand, zu Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung, berück­sich­tigt, steht die Venus Anfang März sogar noch etwas höher als am Monats­en­de. Im Lau­fe des März wan­dert der Mor­gen­stern aus dem Stern­bild Schüt­ze kom­mend, wei­ter in den Stein­bock. Die Hel­lig­keit nimmt nach ihrem größ­ten Glanz im Vor­mo­nat wie­der etwas ab von anfangs ‑4,7 auf ‑4,4 Grö­ßen­klas­sen. Damit ist sie, trotz ihrer gerin­gen Höhe, selbst noch in der hel­le­ren Mor­gen­däm­me­rung ein recht auf­fäl­li­ges Objekt. . Am 1. März erfolgt der Venus­auf­gang um 4:43 Uhr. Bis zum 31. März ver­frü­hen sich ihre Auf­gän­ge auf 4:17 Uhr (5:17 Uhr Som­mer­zeit). Am 12. März wan­dert die Venus an unse­res Nach­bar­pla­ne­ten Mars, in nur 4 Grad nörd­li­chen Abstand vor­bei. Für Sich­tung des Roten Pla­ne­ten benö­tigt man aber sehr gute Beob­ach­tungs­be­din­gun­gen oder ein licht­star­kes Fern­glas. Am 21. des Monats zeigt sich das 24,6 Bogen­se­kun­den gro­ße Venus­scheib­chen halb beleuch­tet. Man spricht dabei von Dicho­to­mie. Danach nimmt ihr schein­ba­rer Durch­mes­ser wei­ter ab und der Beleuch­tungs­grad wei­ter zu. Am 27. des Monats kann die dün­ne, abneh­men­de Mond­si­chel in der Nähe der Venus gesich­tet wer­den. Am 29. März steht der Mor­gen­stern schließ­lich nur 2 Grad nörd­lich des Ring­pla­ne­ten Saturn.

Unser roter Nach­bar Mars ist bereits in der Mor­gen­däm­me­rung, in der Nähe des Mor­gen­sterns Venus, erkenn­bar und bewegt sich wei­ter recht­läu­fig durch den Tier­kreis. Am 6. März wech­selt er vom Stern­bild Schüt­ze in den Stein­bock. Lei­der ist er mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 1,1 mag zum Monats­en­de hin nur schwer zu sehen. Man benö­tigt ein Fern­glas, denn der Pla­net steht zu Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung nur 7 Grad hoch über dem Hori­zont. Ab dem 12. des Monats zieht die Venus nörd­lich am Roten Pla­ne­ten vor­bei, die als Auf­such­hil­fe die­nen kann. Die engs­te Begeg­nung bei­der Him­mels­kör­per fin­det am 16. März in nur 4 Grad Abstand statt. Am Mor­gen des 28. März kann die abneh­men­de Mond­si­chel nur 5 Grad süd­lich des Pla­ne­ten auf­ge­fun­den wer­den. Die Auf­gän­ge von Mars ver­frü­hen sich im März von anfangs 5:20 Uhr auf 4:20 Uhr (5:20 Uhr Som­mer­zeit). Für eine tele­sko­pi­sche Beob­ach­tung des am Monats­en­de nur 5 Bogen­se­kun­den gro­ßen Mars­scheib­chens ist es aber immer noch zu früh.

Der Rie­sen­pla­net Jupi­ter, im Stern­bild Was­ser­mann, hat sich vom Abend­him­mel zurück­ge­zo­gen und kommt am 5. März 2022 in Kon­junk­ti­on zu unse­rem Zen­tral­ge­stirn. Er hält sich mit der Son­ne am Tag­him­mel auf und ist nicht beob­acht­bar. Zur Kon­junk­ti­on befin­det sich der Rie­sen­pla­net 893 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von der Erde entfernt.

Saturn bewegt sich recht­läu­fig durch den Stein­bock und erscheint erst in der zwei­ten Monats­hälf­te wie­der am Mor­gen­him­mel. Noch im Febru­ar stand der Ring­pla­net in Kon­junk­ti­on mit unse­rem Zen­tral­ge­stirn. Der Auf­gang des 0,8 mag hel­len Saturn erfolgt am 15. März um 5:25 Uhr und am 31. März bereits um 4:25 Uhr (5:25 Uhr Som­mer­zeit). Rund eine hal­be Stun­de nach dem Auf­gang soll­te man ihn zum Monats­en­de hin über dem süd­öst­li­chen Hori­zont auch ohne wei­te­re Hilfs­mit­tel erken­nen kön­nen. Er hält sich in der Nähe der Pla­ne­ten Mars und Venus auf. Am 29. März zieht der Mor­gen­stern Venus in nur 2,1 Grad nörd­li­chen Abstand an Saturn vor­bei. Die­se Begeg­nung beob­ach­tet man am bes­ten in einem licht­star­ken Feldstecher.

Ura­nus, recht­läu­fig im Stern­bild Wid­der, kann noch am Abend­him­mel beob­ach­tet wer­den. Die Sicht­bar­keits­dau­er über dem west­li­chen Hori­zont ver­kürzt sich aber dras­ti­schen, weil es immer spä­ter dun­kel wird und sich der Pla­net immer schnel­ler der Son­ne annä­hert. Aus die­sem Grund sind Beob­ach­tun­gen zu Monats­be­ginn ziel­füh­ren­der. Er befin­det sich unge­fähr 11 Grad süd­öst­lich von Alpha Ari­e­tis. Sinkt der fer­ne Eis­rie­se am 1. März um 23:27 Uhr unter den Hori­zont, erfolgt sein Unter­gang Ende des Monats bereits um 21:36 Uhr (22:36 Uhr Som­mer­zeit). Mit einer Hel­lig­keit von 5,9 Grö­ßen­klas­sen ist Ura­nus theo­re­tisch schon mit dem blo­ßen Auge, spä­tes­tens aber in jedem Feld­ste­cher und Tele­skop erkenn­bar. Auch mit hoher Ver­grö­ße­rung erscheint sein 3,4 Bogen­se­kun­den gro­ßes blass­grü­nes Scheib­chen ohne wei­te­rer Details.

Der äuße­re Pla­net unse­res Son­nen­sys­tems Nep­tun, im Stern­bild Was­ser­mann, kommt am 13. März eben­falls in Kon­junk­ti­on zur Son­ne und bleibt im gesam­ten Monat unsicht­bar. Am Tag der Kon­junk­ti­on steht Nep­tun 4624 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von der Erde entfernt.

Der 14,3 mag hel­le Zwerg­pla­net (134340) Plu­to im Stern­bild Schüt­ze steht nach wie vor zu nah bei der Son­ne und ist noch nicht beobachtbar.

Helle Kometen und Planetoiden

Der kurz­pe­ri­odi­sche Komet 19P/Borrelly wan­dert im März vom Stern­bild Wid­der in den süd­li­chen Bereich des Stern­bilds Per­seus und kann nach wie vor am Abend­him­mel beob­ach­tet wer­den. Er stand Anfang Febru­ar im Peri­hel. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit geht im Lau­fe des März leicht zurück von anfangs 9,5 auf 10,5 mag. Somit kann der Schweif­stern noch in klei­ne­ren bis mitt­le­ren Tele­sko­pen auf­ge­spürt wer­den. Ende März hält sich der Komet süd­lich des Cali­for­nian­e­bels (NGC 1499) und ist auch für Astro­fo­to­gra­fen ein loh­nen­des Ziel.

Der Komet C/2017 K2 (Pan­STARRS) ist im März ein Objekt für den Mor­gen­him­mel und wan­dert vom Stern­bild Schlan­gen­trä­ger in den Adler. Vor Beginn der Mor­gen­däm­me­rung steht der Komet bereits 30 Grad hoch im Süd­os­ten in guter Beob­ach­tungs­po­si­ti­on. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit steigt in die­ser Zeit von 10,5 auf 10 mag leicht an. Mit die­ser Hel­lig­keit ist der Pan­STARRS bereits in klei­ne­ren bis mitt­le­ren Tele­sko­pen beob­acht­bar. Der Komet bleibt dann noch bis in den Früh­herbst hin­ein sicht­bar und ent­wi­ckelt sich in den nächs­ten Mona­ten zu einem schö­nen Fern­glas­ko­me­ten. Am 19. März kann der Komet in der Nähe des offe­nen Stern­hau­fens NGC 6709 auf­ge­fun­den werden.

Der Komet C/2019 L3 (ATLAS) kann im Stern­bild Zwil­lin­ge auf­ge­sucht wer­den und ist eben­falls ein Objekt für den Abend­him­mel. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit beträgt Anfang März noch 10 Grö­ßen­klas­sen, fällt dann aber bis zum Ende des Monats leicht auf rund 10,5 mag. Damit kann der Schweif­stern noch in klei­ne­ren bis mitt­le­ren Tele­sko­pen auf­ge­sucht wer­den. Ende des Monats befin­det sich ATLAS ca. 2,5 Grad nord­öst­lich von Gam­ma Gemi­no­rum entfernt.

Der Zwerg­pla­net (1) Ceres kann, recht­läu­fig im Stern­bild Stier, in der 1. Nacht­hälf­te auf­ge­fun­den wer­den. Zu Monats­be­ginn hält sich der Him­mels­kör­per noch im „Gol­de­nen Tor der Eklip­tik“ auf, das aus den bei­den offe­nen Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den gebil­det wird. Die Hel­lig­keit von Ceres geht im Lau­fe des März wei­ter zurück von anfangs 8,8 auf 9,0 mag. Am 1. März sinkt der Zwerg­pla­net um 1:45 Uhr unter die west­li­che Hori­zont­li­nie. Bis zum 31. März ver­frü­hen sich die Unter­gangs­zei­ten auf 0:42 Uhr (1:42 Uhr Som­mer­zeit). Am 7. März kann Ceres nur 6,5 Bogen­mi­nu­ten vom 6,1 mag hel­len Stern SAO 76505 auf­ge­fun­den werden.

Der Aste­ro­id (7) Iris wan­dert durch die Zwil­lin­ge und kann fast die gesam­te Nacht beob­ach­tet wer­den. Die Hel­lig­keit des Him­mels­kör­pers geht im Lau­fe des Monats von 9,2 auf 9,9 mag stark zurück. Die Unter­gangs­zei­ten von Iris ver­frü­hen sich von anfangs 4:11 Uhr auf 2:32 Uhr (3:32 Uhr Som­mer­zeit). Am 8. März steht Iris in der Nähe des 5,0 mag hel­len Stern 51 Gemi­no­rum. Der gegen­sei­ti­ge Abstand bei­der Him­mels­kör­per beträgt dann nur 2 Bogenminuten.

(10) Hygiea kann im Stern­bild Waa­ge auf­ge­fun­den wer­den und wird erst Ende März wie­der hel­ler als 10 mag. Zu Beginn des Monats liegt ihre Hel­lig­keit noch bei 10,5 Grö­ßen­klas­sen. Am 1. März steht Hygiea um 4:10 Uhr im Süden. Am 31. des Monats über­schrei­tet sie bereits um 2:09 Uhr (3:09 Uhr Som­mer­zeit) den Meridian.

(20) Mas­sa­lia bewegt sich durch das Stern­bild Krebs und ist zu Beginn des Monats noch 9,4 mag hell. Am 21. März sinkt ihre Hel­lig­keit wie­der unter die 10 Grö­ßen­klas­se. Zu Beginn des Monats geht Hygiea um 22:20 Uhr durch den Meri­di­an. Ende März steht der Aste­ro­id bereits um 20:21 Uhr (21:21 Uhr Som­mer­zeit) im Süden.

Meteorströme

Im gesam­ten Monat März sind die Meteo­re aus der Eklip­tik­re­gi­on am bes­ten zu beob­ach­ten, die ihren aus­ge­dehn­ten Aus­strah­lungs­punkt in den Stern­bil­dern Löwe und Jung­frau haben. Zu die­ser so genann­ten Ant­he­lionquel­le wer­den nach neue­ren Meteor­lis­ten auch die Vir­gi­ni­den gezählt. Das Gebiet erstreckt sich rund 30 Grad par­al­lel und 20 Grad senk­recht zur Eklip­tik in leicht öst­li­cher Rich­tung des Gegen­son­nen­punkts. Im Mit­tel sind hier nicht mehr als 5 Meteo­re pro Stun­de zu erwar­ten, die mit einer durch­schnitt­li­chen Geschwin­dig­keit von rund 30 km/s in die Erd­at­mo­sphä­re eindringen.

Seit neus­tem sind die Eta-Vir­gi­ni­den, als ein eige­ner Teil­strom der Ant­he­lionquel­le, iden­ti­fi­ziert, die ihr schwa­ches Maxi­mum am 18. März errei­chen. Der Radi­ant befin­det sich unge­fähr an der Posi­ti­on RA: 184° und Dec: +4°. Als Ursprungs­kör­per gilt der Komet D/1766 G1 (Hel­fenz­rie­der).

Die von unse­ren Brei­ten aus zir­kum­po­la­ren Chi-Her­cu­l­i­den sind ein schwa­cher und rela­tiv neu­er Strom, der sei­nen Akti­vi­täts­zeit­raum zwi­schen dem 11. bis 16. März ent­fal­tet. Das Maxi­mum fin­det in der Nacht vom 12. zum 13. März statt. Der Mond wird die Beob­ach­tung stö­ren, da er erst in der Mor­gen­däm­me­rung unter­ge­hen wird. Der Radi­ant befin­det sich an der Posi­ti­on RA: 254° und Dec: +48°. Die Teil­chen die­ses Stroms tre­ten mit einer Geschwin­dig­keit von 37 Kilo­me­tern in der Sekun­de in die Erd­at­mo­sphä­re ein und erzeu­gen lang­sa­me Sternschnuppen.

Der abendliche Fixsternhimmel

Sternhimmel
Der Stern­him­mel am 15. März 2022 um 22:00 Uhr MEZ 

Im Norden

Zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit hat der Gro­ße Bär schon fast die Zenitre­gi­on erreicht und befin­det sich im Nord­os­ten hoch über unse­ren Köp­fen. Ver­län­gern wir die hin­te­ren Kas­ten­ster­ne des Wagens um das Fünf­fa­che, haben wir auch den Polar­stern gefun­den, der exakt die Nord­rich­tung angibt. Der Polar­stern gehört zum Stern­bild Klei­ner Bär, des­sen Wagen­kas­ten sich nun auf unge­fähr 3 Uhr Posi­ti­on befin­det. Unter­halb die­ses Stern­bilds steht der Dra­che, der sich um den Wagen­kas­ten des Klei­nen Bären her­um­schlän­gelt. Gleich­zei­tig hat der Kopf des Dra­chen sei­ne tiefs­te Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont schon längst über­schrit­ten und wird bis zum Mor­gen­grau­en lang­sam am Him­mel empor­stei­gen. Unter­halb des Polar­sterns fällt noch die Rau­te des Stern­bilds Kepheus auf. Die­se steht nun in sei­ner tiefs­ten Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont, auch unte­re Kul­mi­na­ti­on genannt. Direkt west­lich davon schließt sich die Kas­sio­peia an, die die Form des Buch­sta­ben „W“ besitzt und des­halb auch als „Himmels‑W“ bezeich­net wird. Bei sehr guter Hori­zont­sicht über dem Nord­punkt des Hori­zonts kann man noch den Haupt­stern Deneb im Schwan erken­nen, der gera­de sei­ne unte­re Kul­mi­na­ti­on über­schrit­ten hat. Wei­ter öst­lich davon ent­de­cken wir die hel­le Wega im Stern­bild der Lei­er. Auf der ande­ren Sei­te des Nord­punk­tes steht das unschein­ba­re Stern­bild Eidech­se und noch wei­ter west­lich, die Andro­me­da. Ober­halb der Andro­me­da gele­gen befin­det sich der Per­seus. Gehen wir wei­ter in Rich­tung Zenit, sto­ßen wir auf das unschein­ba­re Stern­bild der Giraf­fe, das aller­dings nur äußerst schwa­che Ster­ne ent­hält und sehr schwer zu erken­nen ist.

Im Osten

Der Ost­him­mel wird von einem hel­len, oran­ge­far­be­nen Stern domi­niert. Hier­bei han­delt es sich um Ark­tur, der Haupt­stern des Stern­bilds Bären­hü­ter, der jetzt genau den Ost­punkt die­ses Him­mels­ab­schnitts mar­kiert, aller­dings noch recht tief über dem Hori­zont steht. Direkt über dem Bären­hü­ter in gro­ßer Höhe fällt das Stern­bild Gro­ßer Bär auf. Sei­ne Kas­ten­ster­ne haben schon fast den Zenit erreicht. Nun ist auch die bes­te Zeit, die bei­den hel­len Gala­xien Mes­sier 81 und Mes­sier 82 im Gro­ßen Bären zu beob­ach­ten. Zwi­schen Bären­hü­ter und Wagen­kas­ten, in hal­ber Höhe über dem Hori­zont, befin­den sich die unschein­ba­ren Stern­bil­der Jagd­hun­de sowie das Haar der Bere­ni­ke, mit dem aus­ge­dehn­ten Coma-Stern­hau­fen (Melot­te 111), der aber nur unter einem dunk­lem Him­mel und ohne stö­ren­des Mond­licht mit blo­ßem Auge sicht­bar ist. Am bes­ten benutzt man hier einen Feld­ste­cher, um den Stern­hau­fen zu beob­ach­ten. Bei guter Hori­zont­sicht, nied­rig im Nord­os­ten, kön­nen wir bereits das Stern­bild Her­ku­les und den Ster­nen­halb­kreis der nörd­li­chen Kro­ne erken­nen. Auf der ande­ren Sei­te des Ost­punk­tes, im Süd­os­ten, sind auch schon die rei­chen Gala­xien­fel­der im Stern­bild Jung­frau auf­ge­gan­gen. Der weiß erschei­nen­de Haupt­stern der Jung­frau, Spika, befin­det sich aber noch sehr tief über dem Süd­ost­ho­ri­zont. Ober­halb der Jung­frau strebt auch der mäch­ti­ge Löwe schon sei­ner höchs­ten Stel­lung am Him­mel entgegen.

Im Süden

In mitt­le­rer Höhe über dem Süd­ho­ri­zont hat soeben das unschein­ba­re Stern­bild Krebs den Meri­di­an über­schrit­ten. Hier kann man in einer dunk­len und mond­schein­lo­sen Nacht den offe­nen Stern­hau­fen Mes­sier 44, der auch als Pra­e­se­pe bzw. Krip­pe bekannt ist, als mat­ten Licht­fleck erken­nen. Wei­ter in west­li­cher Rich­tung befin­den sich die bei­den Ster­nen­ket­ten der Zwil­lin­ge, mit den bei­den Haupt­ster­nen Kas­tor und Pol­lux. Auf der gegen­über­lie­gen­den Sei­te des Meri­di­ans steht der Löwe, der in der nächs­ten Stun­de sei­ne höchs­te Stel­lung im Süden über­schrei­ten wird. Wei­ter in Rich­tung Zenit sind die unschein­ba­ren Stern­bil­der Klei­ner Löwe und die unschein­ba­re Ster­nen­ket­te des Luchs kaum auf­fäl­lig. Direkt unter­halb des Kreb­ses fin­den wir den Kopf und ein Teil des Rump­fes der Was­ser­schlan­ge, die sich zum Süd­ost­ho­ri­zont hin­ab schlän­gelt. Dort befin­den sich auch die bei­den deut­lich klei­ne­ren Stern­bil­der Rabe und Becher. Auf der ande­ren Sei­te des Meri­di­ans steht in glei­cher Höhe der hells­te Stern an unse­rem Him­mel, Siri­us im Stern­bild Gro­ßer Hund. Dar­über soll­ten auf­merk­sa­me Beob­ach­ter das unschein­ba­re Stern­bild Ein­horn erken­nen kön­nen. Noch wei­ter höher, unter­halb der Zwil­lin­ge, befin­det sich der hel­le Stern Pro­kyon im Stern­bild des Klei­nen Hundes.

Im Westen

In west­li­cher Rich­tung haben sich nun fast alle Stern­bil­der des Win­ter­him­mels ver­sam­melt. Des­halb wird die­ser Abschnitt des Him­mels von einer Viel­zahl hel­ler Stern geprägt, die im wei­te­ren Ver­lauf der Nacht alle unter­ge­hen wer­den. Die hells­ten Ster­ne die­ser Him­mels­re­gi­on bil­den das so genann­te Win­ter­sechs­eck, das durch die Ster­ne Alde­ba­ran im Stier, Rigel im Ori­on, Siri­us im Gro­ßen Hund, Pro­kyon im Klei­nen Hund sowie Pol­lux in den Zwil­lin­gen gebil­det wird. Das Stern­bild Stier, mit den bei­den offe­nen Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den, befin­det sich nun in gerin­ger Höhe über dem west­li­chen Hori­zont. Die Ple­ja­den sind sehr leicht mit blo­ßem Auge erkenn­bar und bie­ten einen herr­li­chen Anblick in jedem Fern­glas. Links neben dem Stier sinkt nun auch der Him­mels­jä­ger Ori­on lang­sam immer tie­fer zum Hori­zont her­ab. Ober­halb des Him­mels­jä­gers ste­hen die Zwil­lin­ge, mit den bei­den hel­len Haupt­ster­nen Kas­tor und Pol­lux. Ober­halb des Stiers ent­de­cken wir noch den Fuhr­mann, mit der gelb­lich leuch­ten­den Kapel­la und noch wei­ter höher die unschein­ba­ren Stern­bil­der Luchs und die Giraf­fe, die aller­dings nur aus sehr schwa­chen Ster­nen bestehen und dem­zu­fol­ge schwie­rig zu erken­nen sind. Im Nord­wes­ten sinkt nun auch das Stern­bild Per­seus immer wei­ter Rich­tung Hori­zont her­ab. Hier stellt der Dop­pel­stern­hau­fen h und Chi Persei ein inter­es­san­tes Objekt für die Beob­ach­tung dar. Auch mit blo­ßem Auge ist der Dop­pel­stern­hau­fen als hel­ler Licht­fleck zu erken­nen. Mit Andro­me­da, Drei­eck und Wid­der, tief im Nord­wes­ten, ver­schwin­den nun auch die letz­ten Boten des ver­gan­ge­nen Herbsthimmels.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum aktu­el­len Stern­him­mel gibt es auf der Sei­te Stern­him­mel.

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

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