Der Sternhimmel im Monat April 2014

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 Der Lauf des Mondes

Anfang April steht die schma­le zuneh­men­de Mond­si­chel über dem west­li­chen Hori­zont am Abend­him­mel. Am 3. April kann sie zwi­schen den offe­nen Stern­hau­fen Ple­ja­den und Hya­den im Stern­bild Stier, im so genann­ten „Gol­de­nen Tor der Eklip­tik“, auf­ge­fun­den wer­den. Der Mond wan­dert wei­ter am Abend­him­mel und befin­det sich am 6. des Monats in der Nähe von Jupi­ter im Stern­bild Zwil­lin­ge. Bis Mit­ter­nacht nähert sich der Mond bis auf 5 Grad süd­lich den Rie­sen­pla­ne­ten an. Am Vor­mit­tag des 7. April ist zuneh­men­der Halb­mond (ers­tes Vier­tel). Nach­dem unser Erd­tra­bant das Stern­bild Krebs hin­ter sich gelas­sen hat, pas­siert er in der Nacht vom 10. auf den 11. April den Stern Regu­lus im Stern­bild des Löwen. Am 14. des Monats kön­nen wir unse­ren stil­len Beglei­ter in der Jung­frau, zwi­schen dem Haupt­stern Spi­ca und unse­ren roten Nach­barn Mars, am Abend­him­mel beob­ach­ten. Am 15. April ist dann auch die Voll­mond­pha­se erreicht. Im Pazi­fik­raum, in Aus­tra­li­en sowie in Nord- und Süd­ame­ri­ka kann um 9:07 Uhr bis 10:25 Uhr MESZ eine tota­le Mond­fins­ter­nis beob­ach­tet werden.
Nach der Voll­mond­nacht befin­det sich unser Mond im Stern­bild Waa­ge und am 17. April bereits in der Nähe von Saturn am Mor­gen­him­mel. An den Fol­ge­aben­den bewegt sich der abneh­men­de Mond durch die Stern­bil­der Schlan­gen­trä­ger und Schüt­ze und wird mehr und mehr ein Objekt für die 2. Nacht­hälf­te. Am 22. April ist abneh­men­der Halb­mond (letz­tes Vier­tel). In der Mor­gen­däm­me­rung des 26. April steht unser Erd­tra­bant in der Nähe von Venus in den Fischen. Nur einen Mor­gen spä­ter sehen wir ihn dann zum letz­ten Mal als abneh­men­de Mond­si­chel, bis am 29. April schließ­lich die Neu­mond­pha­se erreicht ist. An die­sem Tag kann in Aus­tra­li­en sowie im Indi­schen Oze­an eine par­ti­el­le Son­nen­fins­ter­nis beob­ach­tet wer­den. Am letz­ten Abend des Monats taucht die zuneh­men­de Mond­si­chel wie­der in der Däm­me­rung auf und steht dann dicht über dem west­li­chen Horizont.

Die Planeten

Mer­kur steht am 26. April in obe­rer Kon­junk­ti­on zur Son­ne und hält sich mit unse­rem Zen­tral­ge­stirn am Tag­him­mel auf. Dem­zu­fol­ge ist der flin­ke Pla­net den gan­zen Monat über unbe­ob­acht­bar. Am Tag der Kon­junk­ti­on befin­det sich der inners­te Pla­net des Son­nen­sys­tems 1,33 AE bzw. 199 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von der Erde ent­fernt. Danach ent­fernt er sich lang­sam wie­der in öst­li­cher Rich­tung von der Sonne.

Venus ist nach wie vor Mor­gen­stern und tritt am 4. April vom Stern­bild Stein­bock kom­mend in den Was­ser­mann über. Die Hel­lig­keit geht leicht zurück von anfangs ‑4,4 auf ‑4,1 mag. Im Fern­rohr erkennt man, dass das Venus­scheib­chen immer klei­ner und rund­li­cher wird. Anfang April beträgt ihr Beleuch­tungs­grad 54% und ihr schein­ba­rer Durch­mes­ser 22 Bogen­se­kun­den. Ende des Monats beträgt ihr Beleuch­tungs­grad bereits 67% und ihr Durch­mes­ser 17 Bogen­se­kun­den. Am 1. April geht Venus um 5:15 Uhr auf. Bis zum 30. April ver­frü­hen sich ihre Auf­gän­ge auf 4:31 Uhr Som­mer­zeit. Ihre Sicht­bar­keits­be­din­gun­gen ver­schlech­tern sich ein wenig, weil auch die Son­ne immer frü­her auf­geht. So blei­ben am Ende des Monats nur noch gut eine Stun­de, um Venus über dem öst­li­chen Hori­zont zu beob­ach­ten. Am 12. des Monats pas­siert die Venus den Pla­ne­ten Nep­tun nur 40 Bogen­mi­nu­ten nörd­lich. Auf­grund der Licht­schwä­che Nep­tuns, bleibt die­se Begeg­nung mit dem äuße­ren Pla­ne­ten des Son­nen­sys­tems unse­ren Bli­cken ver­bor­gen. Am 26. April zieht der abneh­men­de Mond am Mor­gen­stern vorbei.

Unser roter Nach­bar Mars bewegt sich wei­ter rück­läu­fig durch die Jung­frau und kommt am 8. April 2014 wie­der in Oppo­si­ti­on zur Son­ne. Dem­zu­fol­ge ist der Rote Pla­net die gan­ze Nacht über zu beob­ach­ten. Nur 6 Tage spä­ter steht er mit 0,618 AE bzw. 92,6 Mil­lio­nen Kilo­me­tern auch in Erdnähe.Die Oppo­si­ti­on ist die bes­te Zeit, die ste­tig schrump­fen­de Nord­pol­kap­pe, sei­ne inter­es­san­ten Albe­do­struk­tu­ren auf der Pla­ne­ten­ober­flä­che und diver­se Details in der Atmo­sphä­re zu beob­ach­ten. Zur Beob­ach­tung der Ober­flä­chen­de­tails eig­net sich am bes­ten ein Rot­fil­ter. Ein Blau­fil­ter emp­fiehlt sich, um atmo­sphä­ri­sche Details wie Wol­ken und Staub­stür­me sicht­bar zu machen. Die Oppo­si­ti­on im April 2014 ist übri­gens etwas güns­ti­ger als die letz­te, die vor zwei Jah­ren im März 2012 statt­fand. Sei­ne Hel­lig­keit beträgt ‑1,5 mag und sein schein­ba­rer Durch­mes­ser 15,2 Bogen­se­kun­den. So groß erschien der rote Pla­net bei sei­ner Oppo­si­ti­on im Dezem­ber 2007. Zu Beginn des Monats geht Mars um 20:15 Uhr auf und erreicht um 1:52 Uhr sei­ne höchs­te Stel­lung, mit gut 34 Grad, über dem Süd­ho­ri­zont. Bis Ende April ver­frü­hen sich sei­ne Auf­gän­ge auf 17:27 Uhr und sei­ne Meri­diandurch­gän­ge auf 23:14 Uhr Som­mer­zeit. Die Mar­s­hel­lig­keit geht leicht zurück und beträgt zum Monats­en­de ‑1,2 mag. Am 14./15. April steht noch der Mond in der Nähe von Mars und dem Haupt­stern Spi­ca in der Jungfrau.

Der Rie­sen­pla­net Jupi­ter bewegt sich immer schnel­ler wer­dend recht­läu­fig durch die Zwil­lin­ge und zieht sich lang­sam aber sicher aus der zwei­ten Nacht­hälf­te zurück. Er nähert sich dabei dem Stern Del­ta Gemi­no­rum in den Zwil­lin­gen. Sein öst­li­cher Win­kel­ab­stand zur Son­ne ver­rin­gert sich von anfangs 90 auf 64 Grad. Die Hel­lig­keit geht wei­ter zurück und sinkt von anfangs ‑2,2 auf ‑2,0 mag. Auch sein schein­ba­rer Durch­mes­ser ver­rin­gert sich und beträgt Ende April 35 Bogen­se­kun­den. Sei­ne Unter­gän­ge ver­frü­hen sich von anfangs 3:35 Uhr auf 1:53 Uhr Som­mer­zeit. Das hat zur Fol­ge, dass wir Jupi­ter zum Monats­en­de hin – auch durch die spä­ter ein­set­zen­de Däm­me­rung – nur noch 3 Stun­den am Him­mel beob­ach­ten kön­nen. Am 6. April zieht der zuneh­men­de Mond nur 6 Grad süd­lich an Jupi­ter vorbei.

Saturn bewegt sich immer schnel­ler wer­dend rück­läu­fig durch die Waa­ge und ist schon die gan­ze Nacht über sicht­bar. Am 10. Mai kommt der Ring­pla­net schließ­lich in Oppo­si­ti­on zur Son­ne. Sei­ne Hel­lig­keit steigt von anfangs 0,3 auf 0,1 mag. Auch sein schein­ba­rer Äqua­tor­durch­mes­ser steigt auf 19 und der Ring­durch­mes­ser auf gut 42 Bogen­se­kun­den. Am 1. April geht Saturn um 23:09 Uhr Som­mer­zeit auf. Am 30. erscheint der Ring­pla­net bereits 2 Stun­den frü­her über der öst­li­chen Hori­zont­li­nie. In der Nacht vom 16. auf den 17. April zieht der fast vol­le Mond an Saturn vor­bei. Der gerings­te Abstand wird gegen Mor­gen mit knapp 2 Grad Abstand erreicht.

Ura­nus kommt am 2. April in den Fischen in Kon­junk­ti­on zur Son­ne und ist nicht beob­acht­bar. An die­sem Tag steht der grün­li­che Pla­net 21,03 AE bzw. 3146 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von der Erde entfernt.

Der äuße­re Pla­net unse­res Son­nen­sy­tems Nep­tun bewegt sich recht­läu­fig durch den Was­ser­mann und ver­grö­ßert sei­nen west­li­chen Win­kel­ab­stand zur Son­ne. Auf­grund der fla­chen Eklip­tik­la­ge am Mor­gen­him­mel, bleibt der 8 mag hel­le Pla­net im April iom­mer noch unbeobachtbar.

Der Zwerg­pla­net (134340) Plu­to wird Mit­te April im Schüt­zen sta­tio­när und setzt zu sei­ner Oppo­si­ti­ons­schlei­fe an. Er steht in den frü­hen Mor­gen­stun­den knapp 18 Grad über dem süd­li­chen Hori­zont. Aber erst am 4. Juli kommt der Zwerg­pla­net wie­der in Oppo­si­ti­on zur Sonne.

Helle Kometen und Planetoiden

Die Hel­lig­keit des Kome­ten C/2012 K1 (PANSTARRS) soll Anfang April 10 mag über­schrei­ten, so dass er ein Objekt für klei­ne bis mitt­le­re Tele­sko­pe wird. Er steht Anfang April im Stern­bild Nörd­li­che Kro­ne und bewegt sich dann durch den nörd­li­chen Teil des Stern­bilds Bären­hü­ter nahe­zu durch den Zenit. Bis zum Ende des Monats stei­gert er sei­ne Hel­lig­keit auf gut 9 mag. Am 29. April zieht er nur weni­ge Bogen­mi­nu­ten süd­lich am äuße­ren Deich­sels­tern des Gro­ßen Bären Eta Ursae Majo­ris vorbei.

Der Komet C/2013 R1 (Lovejoy) been­det lang­sam aber sicher sei­ne Sicht­bar­keit am Mor­gen­him­mel. Zu Beginn des Monats steht der Schweif­stern vor Beginn der Mor­gen­däm­me­rung rund 15 Grad hoch über dem Ost­ho­ri­zont im Stern­bild Schild. Ab der zwei­ten April­wo­che kann er dann wie­der im Kopf der Schlan­ge auf­ge­fun­den wer­den. Die Hel­lig­keit geht zurück von anfangs 9,5 auf 10,5 mag.

Der Zwerg­pla­net (1) Ceres kommt am 15. April in der Jung­frau in Oppo­si­ti­on zur Son­ne und erreicht eine Hel­lig­keit von 7,0 mag. Das ist hell genug, um den Zwerg­pla­ne­ten in einem klei­nen Fern­glas auf­zu­spü­ren. Knapp 2 ½ Grad ent­fernt steht auch die deut­lich hel­le­re (4) Ves­ta. Zu Beginn des Monats geht die 7,1 mag hel­le Ceres um 20:12 Uhr auf und steht um 2:33 Uhr Uhr in ihrer höchs­ten Stel­lung im Süden. Ende des Monats erscheint der nun wie­der 7,2 mag hel­le Zwerg­pla­net bereits um 17:48 Uhr über der öst­li­chen Hori­zont­li­nie und steht dann um 0:05 Uhr Som­mer­zeit im Meri­di­an. Am 3. April zieht Ceres nur 1,3 Grad nörd­lich am 4,2 mag hel­len Stern Tau Vir­gi­nis vorbei.

Der Pla­ne­to­id (2) Pal­las wech­selt am 9. April vom Stern­bild Was­ser­schlan­ge kom­mend in den Löwen. Am 1. April geht der 7,6 mag hel­le Him­mels­kör­per um 22:02 Uhr durch den Meri­di­an und am 30. April bereits um 20:24 Uhr Som­mer­zeit. Sei­ne Hel­lig­keit sinkt auf 8,4 mag. Am Mor­gen des 10. April steht Pal­las nur ein hal­bes Grad vom 5,0 mag hel­len Stern 10 Leo­nis entfernt.

(4) Ves­ta hält sich wie der Zwerg­pla­net (1) Ceres in der Jung­frau auf und kommt am 13. April in Oppo­si­ti­on zur Son­ne. Ves­ta erreicht dabei eine Hel­lig­keit von 5,8 mag und ist unter einem dunk­len Land­him­mel theo­re­tisch schon mit blo­ßem Auge sicht­bar. Dies ist auch die größ­te Oppo­si­ti­ons­hel­lig­keit von Ves­ta seit Mai 2007! Am 1. April geht der 5,9 mag hel­le Aste­ro­id um 20:08 Uhr auf und erreicht um 2:24 Uhr den Meri­di­an. Bis zum Monats­en­de ver­frü­hen sich die Auf­gän­ge auf 17:37 Uhr und die Meri­dandurch­gän­ge auf 23:59 Uhr Som­mer­zeit. Am Mor­gen des 25. April begeg­net die 5,8 mag hel­le Ves­ta den 4,9 mag hel­len Stern 78 Vir­gi­nis. Ihr gegen­sei­ti­ger Abstand beträgt dabei nur 1 Bogen­mi­nu­te, was schon mit blo­ßem Auge, spä­tes­tens aber in jedem Opern­glas erkannt wer­den kann.

Aste­ro­id Nr. 43 Ari­ad­ne hält sich im Stern­bild Jung­frau auf und wird Mit­te April wie­der hel­ler als 10 mag. Am 18. April kommt der Aste­ro­id in Oppo­si­ti­on zur Son­ne und erreicht eine Hel­lig­keit von 9,9 mag. Am 1. April geht Ari­ad­ne um 21:52 Uhr auf und steht um 2:22 Uhr im Süden. Bis zum 30. April, nun wie­der schwä­cher als 10 mag, geht der Pla­ne­to­id bereits um 19:13 Uhr auf und erreicht um 23:57 Uhr Som­mer­zeit den Meridian.

Meteorströme

Vom 16. bis 25. April tau­chen die Lyri­den auf, deren Aus­strah­lungs­punkt sich rund 7 Grad süd­west­lich von Wega im Stern­bild Lei­er befin­det. Mit 49 km/s han­delt es sich um mit­tel­schnel­le Meteo­re, mit einem nicht sehr aus­ge­präg­ten Maxi­mum in der Nacht vom 22. auf den 23. April. Die bes­te Beob­ach­tungs­zeit liegt in den Stun­den zwi­schen 22 Uhr und 4 Uhr mor­gens. Zum Maxi­mums­zeit­punkt sind im Schnitt etwa 10 bis 20 Stern­schnup­pen zu erwar­ten – dar­un­ter auch eini­ge hel­le Exem­pla­re. Lei­der stört auch in die­sem Jahr der abneh­men­de Mond mit sei­nem Licht ab ca. 3 Uhr mor­gens, so dass hier deut­lich weni­ger Stern­schnup­pen zu erwar­ten sind. Das eigent­li­che Maxi­mum wird aber gegen 23 Uhr am 22. April ein­tre­ten, wenn der Radi­ant der Lyri­den noch tief über dem öst­li­chen Hori­zont steht. Die Lyri­den sind immer wie­der für Über­ra­schun­gen gut: Im Jahr 1982 wur­den zum Bei­spiel 90 Meteo­re pro Stun­de beob­ach­tet. Ein wei­te­rer Aus­bruch fand im Jahr 1922 statt, als 100 Meteo­re pro Stun­de regis­triert wur­den. Als Ursprungs­kör­per des Mete­or­stroms gilt der lang­pe­ri­odi­sche Komet C/1961 G1 That­cher, der eine Umlauf­zeit von 415 Jah­ren besitzt.

Die spo­ra­di­schen Meteo­re aus der Eklip­tik­re­gi­on, auch Ant­he­lionquel­le genannt, sind eben­falls im gesam­ten Monat April zu beob­ach­ten. Die Radi­an­ten­po­si­ti­on bewegt sich dabei vom Stern­bild Jung­frau in die Waa­ge. Durch die süd­li­che Dekli­na­ti­on des Radi­an­ten sind im Schnitt nicht mehr als 1 bis 2 Meteo­re pro Stun­de sicht­bar, die Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 30 km/s besitzen.

Im letz­ten Aprild­rit­tel tau­chen auch schon die ers­ten Eta-Aqua­ri­den auf, die Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 66 Kilo­me­tern pro Sekun­de besit­zen. Auf­grund der nied­ri­gen Radi­an­ten­stel­lung über dem Hori­zont, erzeu­gen die Eta-Aqua­ri­den lan­ge Spu­ren am Nachthimmel.

Der abendliche Fixsternhimmel

Der Sternhimmel am 15. April 2014 um 23:00 MESZ

Der Stern­him­mel am 15. April 2014 um 23:00 MESZ

Im Nor­den

Bli­cken wir zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit senk­recht nach oben in Rich­tung Zenit, ent­de­cken wir das Stern­bild des Gro­ßen Bären mit der ein­präg­sa­men Figur des Gro­ßen Wagens. Das bekann­tes­te aller Stern­bil­der der Nord­halb­ku­gel hat nun sei­ne höchs­te Stel­lung hoch über unse­ren Köp­fen ein­ge­nom­men. Um den Polar­stern auf­zu­fin­den – und damit die Nord­rich­tung zu bestim­men – ver­län­gern wir die bei­den hin­te­ren Kas­ten­ster­ne des Wagens um das Fünf­fa­che. Der Polar­stern ist Teil des Stern­bilds Klei­ner Bär, des­sen Kas­ten­ster­ne in der nächs­ten Stun­de ihre höchs­te Stel­lung im Nor­den ein­neh­men wer­den. Wei­ter öst­lich schlän­gelt sich das Stern­bild Dra­che um den Klei­nen Wagen her­um. Wei­ter west­lich vom Klei­nen Bären kön­nen auf­merk­sa­me Beob­ach­ter noch die schwa­chen Ster­ne der unschein­ba­ren Stern­bil­der Giraf­fe und Luchs ausmachen.
Unter­halb des Polar­sterns hat soeben der Kepheus sei­ne tiefs­te Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont über­schrit­ten. West­lich vom Kepheus ent­de­cken wir noch die Kas­sio­peia, das „Himmels‑W“, im Nord­wes­ten den Per­seus und etwas ober­halb davon den hel­len Stern Capel­la im Stern­bild Fuhr­man. Im Nord­os­ten stei­gen die Som­mer­stern­bil­der Schwan und Lei­er, mit den hel­len Haupt­ster­nen Deneb und Wega, lang­sam wie­der höher.

Im Osten

In mitt­le­rer Höhe im Osten steht das Stern­bild Bären­hü­ter, des­sen röt­li­cher Haupt­stern Ark­tur der auf­fäl­ligs­te Stern in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist. Vom Bären­hü­ter aus gese­hen steht ober­halb die­ses Stern­bilds die Figur des Gro­ßen Wagens, des­sen Deich­sel genau in Rich­tung Ost­punkt zeigt. Die Kas­ten­ster­ne befin­den sich hoch oben im Zenit. Rechts von der Deich­sel ste­hen die Jagd­hun­de und noch wei­ter im Süd­os­ten das Haar der Bere­ni­ke. In die­sem Stern­bild, das nur aus schwa­chen Ster­nen besteht, kann man in einer kla­ren mond­lo­sen Nacht den Offe­nen Stern­hau­fen Melot­te 111 erkennen.
Unter­halb des Bären­hü­ters befin­den sich das Halb­rund des Stern­bilds Nörd­li­che Kro­ne, der unschein­ba­re Her­ku­les sowie der Kopf der Schlan­ge, die vom mäch­ti­gen Schlan­gen­trä­ger getra­gen wird. Die Ster­ne des Schlan­gen­trä­gers befin­den sich aber noch zum größ­ten Teil unter dem Ost­ho­ri­zont. Ein wei­te­rer Stern, dicht über dem Nord­ost­ho­ri­zont, zieht unse­re Bli­cke auf sich. Hier­bei han­delt es sich um den hel­len und weiß leuch­ten­den Haupt­stern Wega im Stern­bild der Lei­er. Noch wei­ter höher steht der rau­ten­för­mi­ge Kopf des Stern­bilds Dra­che. Auf der ande­ren Sei­te des Ost­punk­tes ent­de­cken wir noch in Hori­zont­nä­he den Ring­pla­ne­ten Saturn, der sich zur­zeit im unschein­ba­ren Stern­bild der Waa­ge aufhält.

Im Süden

Die Früh­lings­stern­bil­der haben nun end­lich den gesam­ten Süd­him­mel über­nom­men. Als ers­tes fällt noch in gerin­ger Höhe über dem Süd­ost­ho­ri­zont der hel­le und weiß­lich leuch­ten­de Stern Spi­ca im Stern­bild Jung­frau auf. In die­sem Stern­bild gibt auch unser roter Nach­bar­pla­net Mars sein Stell­dich­ein. Er befin­det sich eini­ge Grad nord­west­lich von Spi­ca und wird kurz nach Mit­ter­nacht den Meri­di­an über­schrei­ten. Das auf­fäl­ligs­te Stern­bild in die­sem Him­mel­ab­schnitt ist aber der mäch­ti­ge Löwe, der soeben sei­nen höchs­ten Punkt im Süden ein­ge­nom­men hat. Ober­halb die­ses Stern­bil­des steht der unschein­ba­re Klei­ne Löwe. In mitt­le­rer Höhe im Süd­wes­ten, und rechts vom Löwen gele­gen, sind die schwa­chen Ster­ne des Kreb­ses nur unter einem wirk­lich dunk­len Him­mel aus­zu­ma­chen. Ober­halb der Jung­frau und öst­lich vom Löwen befin­den sich das unschein­ba­re Stern­bild Haar der Bere­ni­ke und noch wei­ter höher die unschein­ba­ren Jagdhunde.
Bli­cken wir in Rich­tung Süd­ho­ri­zont, direkt unter­halb der Stern­bil­der Jung­frau und Löwe, erken­nen wir den Becher und west­lich davon das Stern­bild des Raben. Das eher unschein­ba­re aber sehr aus­ge­dehn­te Stern­bild der Was­ser­schlan­ge schlän­gelt sich vom Süd­wes­ten aus­ge­hend in Rich­tung Süd­ost­ho­ri­zont herab.

Im Wes­ten

Im Wes­ten ste­hen noch eini­ge hel­le Ster­ne und Stern­bil­der des Win­ter­him­mels über dem Hori­zont. Zu den auf­fäl­ligs­ten Stern­bil­dern gehö­ren die Zwil­lin­ge, mit den bei­den Haupt­ster­nen Cas­tor und Pol­lux, die in der nächs­ten Stun­de den West­ho­ri­zont errei­chen wer­den. Inmit­ten der bei­den Stern­ket­ten der Zwil­lin­ge befin­det sich auch das auf­fäl­ligs­te Objekt in die­sem Him­mels­ab­schnitt. Hier­bei han­delt es sich um den Rie­sen­pla­ne­ten Jupi­ter, der nun genau in mitt­le­rer Höhe im Wes­ten steht. Rechts von den Zwil­lin­gen gele­gen berei­tet sich auch der Fuhr­mann, mit der hel­len und gelb­lich leuch­ten­den Capel­la, zum Unter­gang vor. Auf der ande­ren Sei­te des West­punk­tes erkennt man noch Pro­kyon im Stern­bild Klei­ner Hund. Bei opti­ma­ler Hori­zont­sicht fällt auch Betei­geu­ze, der lin­ke Schul­ter­stern des Ori­on, sowie Alde­ba­ran im Stier auf. Im Nord­wes­ten sinkt nun end­lich auch der Per­seus lang­sam zum Hori­zont herab.
In mitt­le­rer Höhe im Süd­wes­ten erken­nen wir in einer mond­schein­lo­sen Nacht den Stern­hau­fen der Pra­e­se­pe, auch Krip­pe genannt, im unschein­ba­ren Stern­bild Krebs. Ober­halb vom Krebs befin­det sich der Kopf des mäch­ti­gen Löwen. In Zenitnä­he kön­nen wir auch das Stern­bild Gro­ßer Bär ent­de­cken. Zwi­schen Zwil­lin­ge, Fuhr­mann und Gro­ßer Bär befin­det sich noch die Ster­nen­ket­te des nur aus schwa­chen Ster­nen bestehen­den Stern­bilds Luchs.

Wei­te­re, aus­führ­li­che­re Infor­ma­tio­nen zum aktu­el­len Stern­him­mel gibt es auf der Sei­te Stern­him­mel.

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

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