Astronomische Jahresvorschau 2013, Teil 4 – Meteorströme und Jahreszeiten

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Wie man in den vor­her­ge­hen­den Arti­keln der astro­no­mi­schen Jah­res­vor­schau 2013 nach­le­sen kann, gibt es in die­sem Jahr wie­der zahl­rei­che High­lights an unse­rem Him­mel, die es Wert sind, beob­ach­tet zu wer­den. So bin ich schon auf die Sicht­bar­keit der bei­den hel­len Kome­ten gespannt. Ich wer­de das Erschei­nen zeich­ne­risch wie auch foto­gra­fisch doku­men­tie­ren. So bleibt zu hof­fen, dass dies­mal deut­lich mehr Arti­kel in mei­nem Blog erschei­nen. Für jeden Inter­es­sier­ten, die kein eige­nes Tele­skop besit­zen und mehr über astro­no­mi­sche Him­mels­er­schei­nun­gen erfah­ren möch­ten, kann der Besuch einer Volks­stern­war­te oder Pla­ne­ta­ri­um ans Herz gelegt wer­den. Die Ver­ei­ni­gung der Stern­freun­de e.V. plant auch in die­sem Jahr, einen Astro­no­mietag statt­fin­den zu las­sen. So fin­det der 11. Tag der Astro­no­mie am Sams­tag dem 16. März 2013 statt. An die­sem Abend steht neben dem Mond auch die hel­len Pla­ne­ten Jupi­ter und Saturn am Abend­him­mel. Und auch der Komet C/2011 L4 Pan­starrs kann zum Tag der Astro­no­mie beob­ach­tet werden.

Bleibt zum Abschluss die­ser astro­no­mi­schen Jah­res­vor­schau noch die Mete­or­strö­me und die Ter­mi­ne der Jah­res­zei­ten zu nen­nen. Über das Jahr ver­teilt sind zahl­rei­che Stern­schnup­pen­strö­me am Him­mel sicht­bar, von denen eini­ge sehr ergie­bi­ge sind, ande­re wie­der­um in ihrer Akti­vi­tät stark schwan­ken. Zum Abschluss blei­ben dann noch die wich­tigs­ten Mete­or­strö­me sowie der Zeit­punkt der Jah­res­zei­ten zu nennen:

Qua­dran­ti­den

Der Radi­ant der Qua­dran­ti­den befin­det sich im Stern­bild Bären­hü­ter. Sie sind vom 1. Janu­ar bis 5. Janu­ar aktiv und besit­zen mitt­le­re Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 41 km/s. Das Maxi­mum von 120 bis 200 Meteo­ren pro Stun­de fin­det in der Nacht vom 3. auf den 4. Janu­ar statt. Der Mond steht kurz vor dem 1. Vier­tel und stört die Beob­ach­tung in den Stun­den nach Mit­ter­nacht. Der Ursprunsgkör­per der Qua­dran­ti­den ist der Aste­ro­id 2003 EH1, der wahr­schein­lich der Kern des ehe­ma­li­gen Kome­ten C/1490 Y1 ist.

Lyri­den

Die Lyri­den kom­men aus dem Stern­bild Lei­er und sind vom 16. bis 25. April die gan­ze Nacht über sicht­bar. Das oft nicht sehr aus­ge­präg­te Maxi­mum von 18 Meteo­ren pro Stun­de fin­det in der Nacht vom 21. auf den 22. April statt. In eini­gen Jah­ren gab es star­ke Aus­brü­che von mehr als 300 Stern­schnup­pen, so dass sich auf jeden Fall eine Beob­ach­tung des Mete­or­stroms lohnt. Die Teil­chen des Stro­mes drin­gen mit einer Geschwin­dig­keit von 49 km/s in die Erd­at­mo­sphä­re ein und erzeu­gen mit­tel­schnel­le Stern­schnup­pen. Am 25. April ist Voll­mond, so dass die Lyri­den Opfer des zuneh­men­den Mon­des wer­den. Als Ursprungs­kör­per gilt der Komet C/1861 Thatcher.

Eta-Aqua­ri­den

Zwi­schen dem 19. April bis 28. Mai sind die Eta-Aqua­ri­den am Mor­gen­him­mel sicht­bar, mit einem Maxi­mum von 85 Stern­schnup­pen pro Stun­de am 6. Mai. Da der Radi­ant im Stern­bild Was­ser­mann im Mai nicht sehr hoch über dem Hori­zont steht, machen sich in unse­ren Brei­ten deut­lich weni­ger Meteo­re bemerk­bar. Der abneh­men­de Mond stört die Beob­ach­tung der Eta-Aqua­ri­den dies­mal nicht. Mit 66 km/s han­delt es sich um sehr schnell Meteo­re, die auf­grund des nied­ri­gen Radi­an­ten­stan­des lan­ge Leucht­spu­ren zei­gen. Der Ursprungs­kör­per der Eta-Aqua­ri­den ist kein gerin­ge­rer als der Komet 1P/Halley.

Süd­li­che Delta-Aquariden

Die süd­li­chen Del­ta-Aqua­ri­den sind zwi­schen dem 12. Juli und 19. August aktiv. Der Radi­ant liegt 3 Grad west­lich von Del­ta Aqua­rii und erreicht in unse­ren Brei­ten zum Maxi­mums­zeit­punkt, in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli, gut 25 Grad Höhe über dem Hori­zont. Bei opti­ma­len Bedin­gun­gen und hohem Radi­an­ten­stand sind bis zu 20 Meteo­re sicht­bar, die mit einer Geschwin­dig­keit von 41 km/s in die Erd­at­mo­sphä­re ein­drin­gen. Lei­der wird der im 1. Vier­tel ste­hen­de Mond und die früh ein­set­zen­de Mor­gen­däm­me­rung die Beob­ach­tung die­ses Mete­or­stroms mas­siv behindern.

Per­sei­den

Der bekann­tes­te Mete­or­strom des Jah­res sind die Per­sei­den, des­sen Radi­ant sich im Stern­bild Per­seus befin­det. Sie tau­chen zwi­schen dem 17. Juli bis 24. August auf und sind vor­ran­gig am spä­ten Abend bis zum Mor­gen­grau­en hin sicht­bar. Das Maxi­mum, mit einer stünd­li­chen Zeni­tra­te (ZHR) von mehr als 100 Stern­schnup­pen, fin­det in der Nacht vom 11. auf den 12. August statt. Der Mond stört die Beob­ach­tung nicht, weil er rund 1 Stun­de vor dem Ende der astro­no­mi­schen Däm­me­rung unter dem Hori­zont ver­schwin­den wird. Als Ursprungs­kör­per der 59 km/s schnel­len Meteo­re gilt der peri­odi­sche Komet 109­P/S­wift-Tut­tle.

Dra­co­n­i­den

Die Dra­co­n­i­den im Stern­bild Dra­che, auch nach ihrem Ursprungs­kör­per dem Kome­ten 21P/­Gia­co­bi­ni-Zin­ner Gia­co­bi­ni­den genannt, sind die gan­ze Nacht über vom 7. bis 11. Okto­ber sicht­bar. In den meis­ten Jah­ren wer­den in der Maxi­mums­nacht am 8. Okto­ber nur wenig Meteo­re regis­triert, die mit einer äußerst lang­sa­men Geschwin­dig­kei­ten von 18 km/s auf die Erd­at­mo­sphä­re tref­fen und des­halb sehr gemäch­lich über den Him­mel zie­hen. Im Jahr 2011 gab es mit einer stünd­li­chen Zeni­tra­te von 600 aber eine deut­lich gestei­ger­te Akti­vi­tät. Der Mond stört die Beob­ach­tung der Dra­co­n­i­den nicht, weil die­ser schon weit vor Mit­ter­nacht untergeht.

Orio­ni­den

Die Orio­ni­den im Stern­bild Ori­on sind vom 2. Okto­ber bis 7. Novem­ber aktiv. Das Maxi­mum des mit 30 Meteo­ren pro Stun­de nicht sehr akti­ven Stroms ist in der Nacht vom 21. auf den 22. Okto­ber zwi­schen Mit­ter­nacht und der Mor­gen­däm­me­rung zu erwar­ten. Mit 66 km/s han­delt sich um sehr schnel­le Meteo­re. Als Ursprungs­kör­per gilt auch hier der Komet 1P/Halley. In die­sem Jahr stört der noch nahe­zu voll beleuch­te­te Mond mas­siv die Beob­ach­tun­gen der Orioniden.

Der Leoniden-Meteorsturm aus dem Jahr 1833 (E. Weiß: "Bilderatlas der Sternenwelt")

Der Leo­ni­den-Mete­or­sturm aus dem Jahr 1833 (E. Weiß: „Bil­der­at­las der Sternenwelt“)

Leo­ni­den

Neben den Per­sei­den im August zäh­len auch die Leo­ni­den, die schein­bar aus dem Stern­bild des Löwen zu kom­men schei­nen, zu den bekann­tes­ten Mete­or­strö­men des Jah­res. Alle 33 Jah­re zei­gen die Leo­ni­den stär­ke­re Aus­brü­che mit hohen Zeni­tra­ten, die mit der Umlauf­zeit des Ursprungs­kör­pers, dem peri­odi­schen Komet 55P/­Temp­le-Tut­tle, kor­re­liert ist. So wur­den im Jahr 1998 340 und in den Jah­ren 1966 und 1866 meh­re­re Tau­send Stern­schnup­pen pro Stun­de regis­triert. Der berühm­tes­te Aus­bruch der Leo­ni­den fand aller­dings im Jahr 1833 mit mehr als 200.000 Stern­schnup­pen pro Stun­de statt! In nor­ma­len Jah­ren sind die Leo­ni­den, die mit einer Geschwin­dig­keit von 71 km/s auf die Erd­at­mo­sphä­re tref­fen, eher unauf­fäl­lig. So auch wie­der in die­sem Jahr. Sicht­bar sind die Leo­ni­den vom 10. bis 23. Novem­ber zwi­schen Mit­ter­nacht und dem Mor­gen­grau­en. Das Maxi­mum, mit im Schnitt 50 Meteo­ren pro Stun­de, fin­det in der Nacht vom 17. auf den 18. Novem­ber statt. Weil am 17. Novem­ber Voll­mond ist, wer­den noch deut­lich weni­ger Leo­ni­den sicht­bar sein.

Gemi­ni­den

Zu den stärks­ten Mete­or­strö­men des Jah­res, auf­grund der kal­ten Wit­te­rung meis­tens rela­tiv unbe­ach­tet, zäh­len die Gemi­ni­den. Der Radi­ant befin­det sich unge­fähr 1 Grad nord­west­lich vom Haupt­stern Kas­tor in den Zwil­lin­gen. Der Mete­or­strom ist zwi­schen dem 7. bis 17. Dezem­ber die gan­ze Nacht über sicht­bar und erzeugt auf­grund der gerin­gen Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit der Teil­chen von 35 km/s lan­ge fla­che und zum Teil sehr hel­le Meteor­er­schei­nun­gen. Zum Maxi­mum, in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezem­ber, sind bis zu 120 Stern­schnup­pen sicht­bar. In die­sem Jahr fin­det das Maxi­mum kurz vor Voll­mond statt, so dass die meis­ten Gemi­ni­den-Meteo­re durch den auf­ge­hell­ten Him­mel nicht sicht­bar sind. Als Ursprungs­kör­per der Gemi­ni­den gilt der Aste­ro­id (3200) Pha­e­thon, der ein “erlo­sche­ner Komet” zu sein scheint.

Die Jahreszeiten

Das Jahr 2013 ist nach dem Gre­go­ria­ni­schen Kalen­der ein Gemein­jahr mit 365 Tagen. Am 2. Janu­ar um 6 Uhr steht die Erde mit 0,98329 AE oder knapp 147,1 Mil­lio­nen Kilo­me­ter in Son­nen­nä­he (Peri­hel). Am 20. März beginnt um 12:02 Uhr MEZ auf der Nord­halb­ku­gel der Erde der Früh­ling (Tag­und­nacht­glei­che). Am 21. Juni um 07:04 Uhr MESZ ist Som­mer­an­fang (Son­nen­wen­de) und damit der längs­te Tag des Jah­res. Die Son­ne geht an die­sem Tag in mei­ner Hei­mat­stadt Lüb­ben um 4:45 Uhr auf und erst um 21:28 Uhr Som­mer­zeit wie­der unter. Am 5. Juli um 16 Uhr steht die Erde am wei­tes­ten von der Son­ne ent­fernt, im Aphel ihrer Bahn. An die­sem Tag tren­nen uns 1,01674 AE oder 152,1 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von unse­rem Zen­tral­ge­stirn. Herbst­be­ginn (Tag­und­nacht­glei­che) ist am 22. Sep­tem­ber um 22:44 Uhr MESZ. Am 21. Dezem­ber beginnt um 18:11 Uhr MEZ schließ­lich der Win­ter mit der Win­ter­son­nen­wen­de. An die­sem kür­zes­ten Tag des Jah­res geht die Son­ne um 8:10 Uhr auf und ver­schwin­det um 15:55 Uhr wie­der unter der Horizontlinie.

Som­mer­zeit

Die Mit­tel­eu­ro­päi­sche Som­mer­zeit (MESZ) geht gegen­über der Mit­tel­eu­ro­päi­schen Zeit (MEZ) um eine Stun­de vor. Sie gilt vor­aus­sicht­lich vom 31. März bis 27. Okto­ber 2013.

Astro­no­mi­sche Jah­res­vor­schau 2013, Teil 1 – Planetenlauf
Astro­no­mi­sche Jah­res­vor­schau 2013, Teil 2 – Das Finsternisjahr
Astro­no­mi­sche Jah­res­vor­schau 2013, Teil 3 – Aste­ro­iden und Kometen

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

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