Der Sternhimmel im September 2022

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Der Lauf des Mondes

Am ers­ten Abend im Sep­tem­ber kön­nen wir die zuneh­men­de Mond­si­chel über dem süd­west­li­chen Hori­zont im Stern­bild Waa­ge auf­fin­den. Der Mond wan­dert an den Fol­ge­aben­den wei­ter in Rich­tung Osten und steht am 3. Sep­tem­ber als zuneh­men­der Halb­mond im ers­ten Vier­tel. Gleich­zei­tig befin­det er sich nur 2 ½ Grad ober­halb von Ant­ares, dem Haupt­stern im Stern­bild Skor­pi­on. Nach­dem unser stil­ler Beglei­ter vom 4. bis 6. Sep­tem­ber die Stern­bil­der Schlan­gen­trä­ger und Schüt­ze durch­lau­fen hat, wan­dert er anschlie­ßend durch Gebie­te des Him­mels, die nur sehr schwa­che Ster­ne ent­hal­ten. Am 6. Sep­tem­ber kommt es noch zu einer Stern­be­de­ckung der 4,7 und 4,8 mag hel­len Ster­ne Ome­ga und 60 Sagi­ta­rii. Der Beginn der Bede­ckung, am dunk­len Mond­rand, fin­den um 23:57 bzw. 1:12 Uhr Som­mer­zeit am Mor­gen des 7. Sep­tem­ber statt. Die Höhe des Mon­des über dem Hori­zont beträgt bei den Bede­ckun­gen in die­ser Nacht 10 bzw. 4 ½ Grad. In der Nacht vom 8. auf den 9. Sep­tem­ber kön­nen wir den zuneh­men­den Mond knapp 6 Grad süd­öst­lich vom Ring­pla­ne­ten Saturn im Stern­bild Stein­bock auf­spü­ren. Am Mor­gen des 10. Sep­tem­ber steht der Voll­mond im Stern­bild des Was­ser­mann. Nach der Voll­mond­nacht wird der Mond immer mehr ein Objekt für die zwei­te Nacht­hälf­te. In der Nacht vom 11. auf den 12. Sep­tem­ber kön­nen wir den noch fast vol­len Mond 3 Grad unter­halb von Jupi­ter im Stern­bild Wal­fisch ent­de­cken. Am 14. Sep­tem­ber kommt es gegen 23:21 Uhr zu einer Bede­ckung des äuße­ren Pla­ne­ten Ura­nus im Stern­bild Wid­der, was in Fern­glä­sern und klei­nen Tele­sko­pen ver­folgt wer­den kann. Vor allem der Aus­tritt, am dunk­len Mond­rand, ist gut zu beob­ach­ten. Die­ser fin­det um 0:20 Uhr statt. Die genau­en Uhr­zei­ten hän­gen vom Stand­ort des Beob­ach­ters ab. Einen Abend spä­ter steht unser stil­ler Beglei­ter nur 3 ½ Grad süd­lich des offe­nen Stern­hau­fens der Ple­ja­den, im „Gol­de­nen Tor der Eklip­tik“ im Stern­bild Stier. Am 16. Sep­tem­ber wird um 5:07 Uhr der 4,4 mag hel­le Stern 37 Tau­ri vom hel­len Mond­rand bedeckt. Der Aus­tritt des Sterns fin­det um 6:29 Uhr statt. In den Mor­gen­stun­den des 17. Sep­tem­ber wan­dert der Halb­mond, in nur 3 Grad Abstand, nörd­lich am Mars vor­bei. Am 17. Sep­tem­ber wird schließ­lich das letz­te Vier­tel durch­lau­fen. Der Mond geht in die­ser Nacht erst kurz vor Mit­ter­nacht im Nord­os­ten auf. Am 20. Sep­tem­ber befin­det sich die abneh­men­de Mond­si­chel nur 4 Grad west­lich von Pol­lux in den Zwil­lin­gen und am 21. ober­halb des Stern­hau­fens der Pra­e­se­pe im Stern­bild Stier. Am Mor­gen des 23. Sep­tem­ber kön­nen wir die sehr dün­ne, abneh­men­de Mond­si­chel 4 ½ Grad nörd­lich des Haupt­sterns Regu­lus im Löwen ent­de­cken. Am 24. des Monats sehen wir die Sichel zum letz­ten Mal über dem öst­li­chen Hori­zont auf­ge­hen, bis am 25. Sep­tem­ber schließ­lich die Neu­mond­pha­se durch­lau­fen wird. Auf­grund der fla­chen Eklip­tik­la­ge am Abend­him­mel, müs­sen wir uns noch bis zum 27. Sep­tem­ber gedul­den, bis wir die dün­ne, zuneh­men­de Mond­si­chel wie­der dicht über dem süd­west­li­chen Hori­zont in der Abend­däm­me­rung auf­spü­ren kön­nen. Bis zum Monats­en­de zieht unser Erd­tra­bant aber­mals durch die Stern­bil­der Waa­ge und Skor­pi­on und steht schließ­lich in der Abend­däm­me­rung des 30. Sep­tem­ber zum 2. Mal in die­sem Monat ober­halb des Haupt­sterns im Skorpion.

Die Planeten

Der flin­ke Pla­net Mer­kur stand im Vor­mo­nat in sei­ner größ­ten öst­li­chen Elon­ga­ti­on von der Son­ne und nähert sich ab dem 9. Sep­tem­ber der Son­ne wie­der an. Am 23. Sep­tem­ber 2022 steht er schließ­lich in unte­rer Kon­junk­ti­on zu unse­rem Zen­tral­ge­stirn und ist dem­zu­fol­ge unbe­ob­acht­bar. Anfang Okto­ber wird Mer­kur wie­der am Mor­gen­him­mel sicht­bar werden.

Der Mor­gen­stern Venus zieht sich im Sep­tem­ber all­mäh­lich vom Mor­gen­him­mel zurück und wird Ende des Monats schließ­lich unsicht­bar. Dabei wan­dert unser ‑3,9 mag hel­ler Schwes­ter­pla­net wei­ter durch den Löwen und zieht am 5. Sep­tem­ber, in nur 0,8 Grad Abstand, nörd­lich am Haupt­stern Regu­lus vor­bei. Am Tag zuvor stand die Venus auch im Peri­hel ihrer Bahn und befand sich 107,5 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von der Son­ne ent­fernt. Venus nähert sich im Lau­fe des Monats, vom Wes­ten her kom­mend, der Son­ne wei­ter an und ver­schwin­det bereits im letz­ten Sep­tem­ber­drit­tel im Hori­zont­dunst. Anfang Sep­tem­ber erreicht sie, zu Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung, aber noch eine akzep­ta­ble Hori­zont­hö­he von 6 ½ Grad. Die Auf­gän­ge des Mor­gen­sterns ver­spä­ten sich im Lau­fe des Monats von anfangs 4:54 Uhr auf 6:27 Uhr Som­mer­zeit. Im Fern­rohr zeigt sich das Venus­scheib­chen fast voll beleuch­tet und Mit­te Sep­tem­ber gut 10 Bogen­se­kun­den groß. Am 25. Sep­tem­ber steht die sehr dün­ne Mond­si­chel nur 2 Grad nörd­lich des Mor­gen­sterns, was bei guter und kla­rer Hori­zont­sicht in Fern­glä­sern beob­ach­tet wer­den kann.

Unser roter Nach­bar Mars wan­dert immer lang­sa­mer wer­dend, recht­läu­fig durch den Stier kann Ende Sep­tem­ber bereits beim Ein­dun­keln im Osten auf­ge­fun­den wer­den. Mars befin­det sich dabei nörd­lich des offe­nen Stern­hau­fens der Hya­den und zieht am 9. des Monats, in nur 4,3 Grad Abstand, am Haupt­stern Alde­ba­ran vor­bei. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit steigt im Lau­fe des Monats stark an von ‑0,1 auf ‑0,6 mag. Das ist auch ein Hin­weis, dass er sich lang­sam sei­ner Oppo­si­ti­on nähert, die er aber erst im Dezem­ber errei­chen wird. Am 1. Sep­tem­ber geht Mars um 22:45 Uhr im Osten auf. Bis zum 30. Sep­tem­ber ver­frü­hen sich sei­ne Auf­gän­ge auf 21:32 Uhr Som­mer­zeit. Der schein­ba­re Durch­mes­ser des Mars­scheib­chen wächst zum Ende des Monats hin auf 11,9 Bogen­se­kun­den an, so dass bereits ers­te Ober­flä­chen­de­tails, wie dunk­le Albe­do­struk­tu­ren und die Pol­kap­pe, in Tele­sko­pen gut beob­ach­tet wer­den kön­nen. Das Mars­scheib­chen zeigt sich dabei zu 87% beleuch­tet. In der Nacht vom 16. auf den 17. Sep­tem­ber wan­dert der abneh­men­de Halb­mond knapp 3 Grad nörd­lich an unse­rem Nach­bar­pla­ne­ten vorbei.

Der Rie­sen­pla­net Jupi­ter wan­dert immer schnel­ler wer­dend, rück­läu­fig ent­lang der Eklip­tik und kommt am 26. Sep­tem­ber 2022 im Stern­bild Fische schließ­lich in Oppo­si­ti­on zur Son­ne. Er kann dann die gesam­te Nacht als auf­fäl­li­ges ‑2,9 mag hel­les Objekt und halb­hoch am Nacht­him­mel auf­ge­fun­den wer­den. Am Tag der Oppo­si­ti­on geht Jupi­ter um 18:55 Uhr im Osten auf und erreicht um 1:02 Uhr sei­ne höchs­te Stel­lung im Süden. Er steht dann 38 Grad über dem Süd­ho­ri­zont und befin­det sich 591 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von unse­rem Hei­mat­pla­ne­ten ent­fernt. Sein Unter­gang erfolgt um 7:05 Uhr Som­mer­zeit. Zu Beginn und zum Ende des Monats geht Jupi­ter um 2:51 Uhr bzw. um 0:44 Uhr durch den Meri­di­an. Im Tele­skop kön­nen nun bei ruhi­ger Luft zahl­rei­che Atmo­sphä­ren­struk­tu­ren, wie Fle­cken, Strei­fen und Bän­der, beob­ach­tet wer­den. Sei­ne 4 hells­ten Mon­de sind bereits in klei­nen Fern­glä­sern sicht­bar. Zur Oppo­si­ti­on zei­gen die Gali­lei­schen Mon­de Io, Euro­pa, Gany­me­de und Cal­lis­to Schat­ten­wür­fe, Ver­fins­te­run­gen und Vor­rüber­gän­ge vor Jupi­ters Pla­ne­ten­ku­gel. Dabei zeigt sich die an den Polen abge­plat­te­te Jupiter­schei­be gut 50 Bogen­se­kun­den groß. Am 11. des Monats zieht noch der fast voll­stän­dig beleuch­te­te Mond, in nur 3 Grad süd­li­chen Abstand, am Rie­sen­pla­ne­ten vorbei.

Der Ring­pla­net Saturn, rück­läu­fig im Stern­bild Stein­bock, stand Mit­te August in Oppo­si­ti­on zur Son­ne. Er kann immer noch fast die gesam­te Nacht gese­hen wer­den, am bes­ten vor Mit­ter­nacht. Sei­ne Meri­diandurch­gän­ge ver­frü­hen sich von anfangs 23:54 Uhr Som­mer­zeit auf zwei Stun­den. Vom Mor­gen­him­mel zieht sich der Ring­pla­net zum Ende des Monats lang­sam zurück. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit geht eben­falls leicht zurück und beträgt zum Monats­en­de 0,5 Grö­ßen­klas­sen. Im Fern­rohr erkennt man, dass sein 43 Bogen­se­kun­den brei­tes Ring­sys­tem, mit 14,8 Grad, immer noch rela­tiv weit geöff­net ist. Sein Äqua­tor­durch­mes­ser beträgt Ende Sep­tem­ber gut 18 Bogen­se­kun­den. Am 8. Sep­tem­ber zieht der Erd­tra­bant, in unge­fähr 6 Grad Abstand, am Ring­pla­ne­ten vorbei.

Ura­nus zieht rück­läu­fig durch den Wid­der und ver­la­gert sei­ne Auf­gän­ge in die frü­hen Abend­stun­den. Damit ist der Pla­net fast die gesam­te Nacht beob­acht­bar und geht am 1. des Monats um 21:50 Uhr im Osten auf. Bis zum 30. Sep­tem­ber ver­frü­hen sich die Auf­gän­ge auf 19:55 Uhr Som­mer­zeit. Mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 5,7 mag, ist der fer­ne Pla­net theo­re­tisch schon mit dem blo­ßen Auge erkenn­bar. Am 14. Sep­tem­ber kommt es zu einer Bede­ckung durch den abneh­men­den Mond. Der Ein­tritt erfolgt am hel­len Mond­rand und fin­det zwi­schen 23:22 Uhr und 0:20 Uhr statt. Zum Bede­ckungs­be­ginn steht Ura­nus aller­dings erst 20 Grad hoch über dem Hori­zont. Das Bede­ckungs­en­de ist dann deut­lich bes­ser zu beob­ach­ten, selbst im Feld­ste­cher, weil die­ser am dunk­len Mond­rand und deut­lich höher über dem Hori­zont statt­fin­den wird. Beob­ach­tet man Ura­nus mit Hil­fe eines Tele­skops, ist aller­dings nur ein 3,7 Bogen­se­kun­den gro­ßes, blau­grü­nes Scheib­chen wahr­nehm­bar, was kei­ner­lei Ein­zel­hei­ten zeigt. Als Auf­such­hil­fe kann der 4,4 mag hel­le Del­ta Ari­es die­nen, der ca. 3 Grad nord­öst­lich von Ura­nus zu fin­den ist.

Der äuße­re Pla­net unse­res Son­nen­sys­tems Nep­tun bewegt sich rück­läu­fig durch den Was­ser­mann und kommt in der Nacht vom 16. auf den 17. Sep­tem­ber 2022 eben­falls in Oppo­si­ti­on zur Son­ne. In die­ser Nacht ist der Pla­net 4,325 Mil­li­ar­den Kilo­me­ter von unse­rem Hei­mat­pla­ne­ten ent­fernt. Am Tag der Oppo­si­ti­on geht der 7,7 mag hel­le Nep­tun um 19:16 Uhr auf und erreicht um 1:01 Uhr den Meri­di­an. Sein Unter­gang erfolgt um 6:50 Uhr Som­mer­zeit. Zu Beginn des Monats steht Nep­tun um 2:05 im Süden und Ende Sep­tem­ber bereits um 0:08 Uhr. Im Tele­skop zeigt sich der Pla­net als 2,4 Bogen­se­kun­den gro­ßes bläu­li­ches Scheib­chen, ohne wei­te­rer Details. Nep­tun steht dabei im Grenz­ge­biet der Stern­bil­der Fische und Was­ser­mann knapp 6 ½ Grad nörd­lich von Phi Aquarii.

Der Zwerg­pla­net (13434) Plu­to, im Stern­bild Schüt­ze, soll­te bereits zu Beginn der Nacht auf­ge­sucht wer­den. Mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 14,3 mag, benö­tigt man für die Sich­tung des fer­nen Him­mels­kör­pers ein grö­ße­res Tele­skop. Plu­tos Meri­diandurch­gän­ge ver­frü­hen sich im Lau­fe des Monats von anfangs 22:16 Uhr auf 20:21 Uhr Sommerzeit.

Helle Kometen und Planetoiden

Der Komet C/2017 K2 (Pan­STARRS) kann noch in den ers­ten Sep­tem­ber­ta­gen, nur weni­ge Grad über dem süd­west­li­chen Hori­zont, am Abend­him­mel im Stern­bild Skor­pi­on gese­hen wer­den. Lei­der ist der Komet etwas schwä­cher als erwar­tet, so dass er, trotz einer Hel­lig­keit um 8,5 mag und sei­ner extrem nied­ri­gen Hori­zont­hö­he, am bes­ten in mitt­le­ren Tele­sko­pen, beob­ach­tet wer­den muss. In der zwei­ten Sep­tem­ber­wo­che endet schließ­lich die Beob­ach­tungs­pe­ri­ode. Im August 2023 taucht der Komet wie­der am Mor­gen­him­mel auf, wahr­schein­lich mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von rund 10 mag.

Der Komet C/2022 E3 (ZTF) kann am Abend­him­mel im Stern­bild Nörd­li­che Kro­ne auf­ge­fun­den wer­den. Bis zum Monats­en­de stei­gert der Komet sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit auf rund 12 mag, so dass mitt­le­re Tele­sko­pe erfor­der­lich sind, um den Schweif­stern zu beob­ach­ten. Im Febru­ar 2023 wird der C/2022 E3 wahr­schein­lich eine Hel­lig­keit von 5,5 Grö­ßen­klas­sen errei­chen und von Mit­tel­eu­ro­pa aus die gesam­te Nacht opti­mal zu beob­ach­ten sein.

Der Zwerg­pla­net (1) Ceres kann am Mor­gen­him­mel im Stern­bild Löwe, mit 8,9 mag schein­ba­rer Hel­lig­keit, auf­ge­fun­den wer­den. Die Auf­gän­ge des Zwerg­pla­ne­ten ver­frü­hen sich im Lau­fe des Sep­tem­bers von 3:48 Uhr auf 3:08 Uhr Sommerzeit.

Der Aste­ro­id (2) Pal­las ist eben­falls am Mor­gen­him­mel sicht­bar und wan­dert vom Ori­on kom­mend, am 4. Sep­tem­ber in das Stern­bild Ein­horn. Am 16. Sep­tem­ber wird Pal­las schließ­lich die Gren­ze zum Stern­bild Gro­ßer Hund über­schrei­ten. Ihre schein­ba­re Hel­lig­keit steigt im Lau­fe des Monats von 9,2 auf 8,9 mag. Am 1. Sep­tem­ber geht Pal­las um 2:53 Uhr im Süd­os­ten auf und am 30. des Monats bereits um 2:16 Uhr Sommerzeit.

Der Aste­ro­id mit der Num­mer (3) Juno kommt am 7. Sep­tem­ber 2022 im Stern­bild Was­ser­mann wie­der in eine recht güns­ti­ge Oppo­si­ti­on zur Son­ne und erreicht eine maxi­ma­le Hel­lig­keit von 7,8 mag. Damit ist Juno bereits in licht­star­ken Fern­glä­sern und klei­nen Tele­sko­pen ein­fach zu beob­ach­ten. Bis zum 3. Sep­tem­ber kann man den Aste­ro­iden noch im Stern­bild Fische auf­su­chen. Bis zum Monats­en­de sinkt ihre schein­ba­re Hel­lig­keit wie­der auf 8,4 mag. Zu Beginn des Monats geht die 8,1 mag hel­le Juno um 1:31 Uhr durch den Meri­di­an. Ende Sep­tem­ber erreicht sie bereits um 23:12 Uhr Som­mer­zeit ihre höchs­te Stel­lung im Süden. Am 12. Sep­tem­ber kann der 6,3 mag hel­le Stern SAO 146404 als Auf­such­hil­fe für den Him­mels­kör­per die­nen. Bei­de Objek­te befin­den sich an die­sem Tag nur 8 Bogen­mi­nu­ten von­ein­an­der entfernt.

(4) Ves­ta stand im Vor­mo­nat in Oppo­si­ti­on zur Son­ne und ist nach wie vor die gesam­te Nacht im Stern­bild Was­ser­mann beob­acht­bar. Am 16. Sep­tem­ber wan­dert sie in das Stern­bild Stein­bock. Ende Sep­tem­ber kommt der Aste­ro­id schließ­lich fast zum Still­stand. Ihre schein­ba­re Hel­lig­keit sinkt in die­ser Zeit von 6,3 auf 7,1 Grö­ßen­klas­sen, so dass der Him­mels­kör­per nach wie vor ein leich­tes Objekt für jedes Fern­glas und Tele­skop dar­stellt. Am 1. Sep­tem­ber steht Ves­ta um 0:36 Uhr im Meri­di­an. Bis zum 30. Sep­tem­ber ver­frü­hen sich ihre Meri­diandurch­gän­ge auf 22:21 Uhr Sommerzeit.

(216) Kleo­pa­tra steht am 11. Sep­tem­ber 2022 im Stern­bild Pega­sus in einer recht güns­ti­gen Oppo­si­ti­on zur Son­ne und erreicht eine Hel­lig­keit von 9,8 Grö­ßen­klas­sen. Zu Beginn und Ende Sep­tem­ber beträgt ihre schein­ba­re Hel­lig­keit jeweils 10,0 mag. Am 1. Sep­tem­ber steht Kleo­pa­tra um 1:25 Uhr im Süden und am 30. Sep­tem­ber bereits um 23:09 Uhr Sommerzeit.

Meteorströme

Die Alpha-Auri­gi­den sind vom 25. August bis zum 10. Sep­tem­ber aktiv. Das nicht sehr aus­ge­präg­te Maxi­mum ist am Mor­gen des 1. Sep­tem­ber gegen 11 Uhr zu erwar­ten. Der zuneh­men­de Mond wir nicht wei­ter stö­ren, weil er 2 Stun­den vor Mit­ter­nacht unter­ge­hen wird. Der Radi­ant steht kurz vor der Mor­gen­däm­me­rung rund 50 Grad hoch im Osten und befin­det sich in der Nähe von Capel­la und nord­öst­lich von The­ta Auri­gae im nörd­li­chen Stern­bild Fuhr­mann. Im Schnitt sind in der Maxi­mums­nacht 5 bis 10 Stern­schnup­pen pro Stun­de sicht­bar, die mit hohen Geschwin­dig­kei­ten von 66 km/s in die Erd­at­mo­sphä­re ein­drin­gen. Im Jahr 2007 gab es einen kur­zen Akti­vi­täts­aus­bruch, mit kor­ri­gier­ten Raten, von über 130 Meteo­ren pro Stun­de wäh­rend eines Zeit­raums von 45 Minu­ten, wobei die hells­ten Auri­gi­den eine Hel­lig­keit von ‑2 mag erreich­ten. Im Jahr 2019 wur­den zum Maxi­mum 20 Meteo­re pro Stun­de und im Jahr 2021, in einem Zeit­raum von nur 10 Minu­ten, eine Akti­vi­tät von 70 Stern­schnup­pen regis­triert. Wei­te­re Akti­vi­täts­aus­brü­che wur­den in den Jah­ren 1935, 1986 und 1994 ver­zeich­net. Auch in die­sem Jahr könn­te es zu einer höhe­ren Akti­vi­tät kom­men. Die Alpha-Auri­gi­den gehen auf den Kome­ten C/1911 N1 Kiess zurück, der eine Umlauf­zeit von rund 2500 Jah­ren besitzt.

Zwi­schen dem 5. und 17. Sep­tem­ber sind die Sep­tem­ber-Epsi­lon-Per­sei­den aktiv. Das Maxi­mum ist in der Nacht vom 9. auf den 10. Sep­tem­ber gegen 4 Uhr zu erwar­ten. Zu die­sem Zeit­punkt, und eini­ge Stun­den spä­ter, durch­läuft die Erde dich­te­re Berei­che des Stroms. Lei­der stört der Voll­mond die Beob­ach­tung des Mete­or­stroms in die­sem Jahr. Der Radi­ant, in der Nähe von Algol gele­gen, erreicht zu Beginn der Mor­gen­däm­me­rung Höhen von 80 Grad über dem Hori­zont. Im Schnitt sind aber nur 5 bis 10 Meteo­re pro Stun­de sicht­bar, die Geschwin­dig­kei­ten von 64 km/s besit­zen und damit sehr schnell sind. Im Jahr 2008 und 2013 wur­de eine deut­lich höhe­re Akti­vi­tät mit rund 30 Stern­schnup­pen und einer Viel­zahl von sehr hel­len Meteo­ren registriert.

Die Del­ta-Auri­gi­den sind ein rela­tiv neu­er Strom, der frü­her mit den Sep­tem­ber-Per­sei­den als gemein­sa­mer Mete­or­strom betrach­tet wur­de. Der Strom ist ab dem 17. Sep­tem­ber bis zum 9. Okto­ber aktiv, mit einem gerin­gen Maxi­mum von 3 bis 5 Stern­schnup­pen pro Stun­de um den 3. Okto­ber. Die Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit der Teil­chen ist mit 60 km/s ähn­lich hoch wie die der Alpha-Aurigiden.

Der ver­mut­lich auf den peri­odi­schen Kome­ten 2P/Encke zurück­ge­hen­de Süd­li­che Tau­ri­den­strom ist vom letz­ten Sep­tem­ber­drit­tel bis Ende Novem­ber hin­ein aktiv. Ihr Radi­ant liegt im Sep­tem­ber noch in den Fischen, so dass die­ser Teil­strom mit der Ant­he­lionquel­le zusam­men­fällt. Die Meteo­re besit­zen Geschwin­dig­kei­ten von 27 km/s und erschei­nen des­halb sehr lang­sam am Him­mel. Man unter­schei­det die Süd­li­chen Tau­ri­den und die Nörd­li­chen Tau­ri­den. Die Akti­vi­tät der Nörd­li­chen Tau­ri­den beginnt aber erst im Oktober.

Die Meteo­re der Ant­he­lionquel­le kom­men in die­sem Monat aus dem Stern­bild Fische. Mit ihrer rela­tiv nied­ri­gen Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit von im Durch­schnitt 30 km/s, las­sen sie sich recht gut von den in die­sem Monat sicht­ba­ren Stern­schnup­pen ande­rer Strö­me unterscheiden.

Der abendliche Fixsternhimmel

Der Stern­him­mel am 15. Sep­tem­ber 2022 um 23:00 Uhr MESZ

Im Norden

Das Stern­bild Gro­ßer Bär, mit der bekann­ten Figur des Gro­ßen Wagens, hat zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit schon fast sei­ne nied­rigs­te Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont ein­ge­nom­men. Die­se Stel­lung wird unte­re Kul­mi­na­ti­on genannt. Den Polar­stern fin­den wir, indem wir die hin­te­ren bei­den Kas­ten­ster­ne des Gro­ßen Bären fünf­mal nach oben hin ver­län­gern. Damit haben wir auch exakt die Nord­rich­tung gefun­den. Der Polar­stern gehört zum Stern­bild Klei­ner Bär, des­sen Wagen­kas­ten sich nun auf 9 Uhr Posi­ti­on befin­det. Die­ser wird im Lau­fe der Nacht wei­ter hin­ab­stei­gen. Wei­ter west­lich des klei­nen Wagen­kas­tens erkennt man den Dra­chen, der sich um den Klei­nen Bären her­um schlän­gelt. Sein ein­präg­sa­mer rau­ten­för­mi­ger Kopf befin­det sich dabei immer noch in guter Beob­ach­tungs­po­si­ti­on hoch im Nord­wes­ten. Ober­halb des Klei­nen Bären hat das Stern­bild Kepheus nun sei­ne höchs­te Stel­lung im Zenit ein­ge­nom­men. Rechts dane­ben fin­den wir die Kas­sio­peia, die im Volks­mund auch als „Himmels‑W“ bezeich­net wird. Die­se steigt eben­falls lang­sam immer höher. Recht nied­rig im Nord­os­ten erken­nen wir noch den hell leuch­ten­den Stern Kapel­la im nun wie­der voll­stän­dig über dem Hori­zont erschie­nen Stern­bild Fuhr­mann. Zwi­schen Fuhr­mann und Gro­ßer Bär gele­gen befin­det sich der unschein­ba­re Luchs. Sei­ne schwa­chen Ster­ne sind nahe am Hori­zont aber kaum aus­zu­ma­chen. Schwie­rig zu erken­nen sind auch die schwa­chen Ster­ne der Giraf­fe, die sich in mitt­le­rer Höhe zwi­schen Fuhr­mann und Klei­ner Bär befindet.

Im Osten

Der Ost­him­mel wird nun nahe­zu voll­stän­dig von den Herbst­stern­bil­dern domi­niert. In gro­ßer Höhe im Süd­os­ten steht das mäch­ti­ge Pega­sus­qua­drat. Öst­lich davon schließt sich die Andro­me­da an, in denen wir unter einem rela­tiv dunk­len Him­mel und ohne Mond­schein die Andro­me­da­ga­la­xie als läng­li­chen Nebel­fleck erken­nen kön­nen. Die Andro­me­da­ga­la­xie ist unse­re nächst grö­ße­re Nach­bar­ga­la­xie der Milch­stra­ße. Unter­halb der Stern­bil­der Pega­sus und Andro­me­da befin­den sich die schwa­chen Ster­ne der Fische und öst­lich davon die eher unschein­ba­ren Stern­bil­der Nörd­li­ches Drei­eck und den Wid­der. Süd­lich der Fische und wei­ter in Rich­tung Hori­zont haben soeben die schwa­chen Ster­ne des Wal­fisch die Hori­zont­li­nie über­schrit­ten. In den Fischen kön­nen wir momen­tan den Rie­sen­pla­ne­ten Jupi­ter beob­ach­ten, der unüber­seh­bar als hells­tes Gestirn den Ost­him­mel, dicht an der Gren­ze zum Stern­bild Wal­fisch, domi­niert. In gro­ßer Höhe im Nord­os­ten fällt das W‑förmige Stern­bild der Kas­sio­peia auf. Unter­halb der Kas­sio­peia steht der Per­seus. Noch wei­ter in Rich­tung Hori­zont ist ein Teil des Stern­bilds Stiers bereits über dem öst­li­chen Hori­zont auf­ge­gan­gen. Dort erken­nen wir auch den offe­nen Stern­hau­fen der Ple­ja­den selbst sehr ein­fach mit dem blo­ßen Auge. Bei guter Hori­zont­sicht soll­ten wir auch den hel­len röt­li­che Haupt­stern des Stiers, Alde­ba­ran, sowie die Hya­den ent­de­cken kön­nen. Öst­lich von Alde­ba­ran steht unser unser roter Nach­bar Mars noch sehr nied­rig über dem Hori­zont. Eben­falls noch sehr nied­rig im Nord­os­ten befin­det sich der Fuhr­mann, mit dem hell und gelb­lich leuch­ten­den Haupt­stern Kapella.

Im Süden

Hoch im Süd­wes­ten erken­nen wir das Som­mer­drei­eck, das aus den hel­len Ster­nen Deneb im Schwan, Wega in der Lei­er und Ata­ir im Adler gebil­det wird. Dar­un­ter steht das unschein­ba­re Stern­bild Schild sowie das Stern­bild Schüt­ze, mit dem hells­ten Teil unse­rer Milch­stra­ße. Die zumeist kla­ren und end­lich wie­der dunk­len Spät­som­mer­näch­te sind nun ide­al, die mit hel­len Deep-Sky-Objek­ten gese­gen­te Som­mer­milch­stra­ße zu beob­ach­ten. Vom Stern­bild Schüt­ze aus gese­hen, in dem sich auch das hel­le Zen­trum unse­rer eige­nen Gala­xie befin­det, zieht sie sich mit­ten durch das Som­mer­drei­eck und steigt dann in Rich­tung Zenitre­gi­on empor. Auf der ande­ren Sei­te des Meri­di­ans befin­det sich das mäch­ti­ge Pega­sus­qua­drat. Zwi­schen dem Kopf des Pega­sus und dem Som­mer­drei­eck kön­nen wir die deut­lich klei­ne­ren Stern­bil­der Fül­len, Del­phin, Pfeil und Füchs­chen auf­fin­den, die sich wie auf einer ima­gi­nä­ren Ket­te nach­ein­an­der in Rich­tung Nord­wes­ten auf­rei­hen. Unter­halb des Pega­sus erkennt man auch den west­li­chen Teil der Fische und des Wal­fi­sches, mit dem Rie­sen­pla­net Jupi­ter, sowie das Stern­bild Was­ser­mann, das in der nächs­ten hal­ben Stun­de in sei­ner höchs­ten Stel­lung im Süden ste­hen wird. Noch wei­ter in Rich­tung Hori­zont befin­det sich der nur aus schwa­chen Ster­nen bestehen­de Stein­bock, der den Meri­di­an gera­de über­schrit­ten hat. Genau über dem Süd­punkt des Hori­zonts befin­det sich auch der Ring­pla­net Saturn, in sei­ner momen­tan bes­ten Beob­ach­tungs­pos­ti­on. Bei guter Hori­zont­sicht soll­te tief im Süd­os­ten noch der hel­le Stern Fomal­haut im Stern­bild Süd­li­cher Fisch erkenn­bar sein.

Im Westen

Hoch im Süd­wes­ten steht mit den hel­len Ster­nen Wega, Deneb und Ata­ir das auf­fäl­li­ge Som­mer­drei­eck. Zwi­schen den Stern­bil­dern Schwan, der im Volks­mund auch als Kreuz des Nor­dens bezeich­net wird, und Adler ent­de­cken wir die klei­nen Stern­bil­der Pfeil und Füchs­chen. Die hel­le Som­mer­milch­stra­ße ver­läuft in die­sen Stern­bil­dern zum süd­west­li­chen Hori­zont her­ab. In der Lei­er kön­nen wir den Ring­ne­bel mit Hil­fe eines klei­nen Tele­skops beob­ach­ten, der uns wie ein hel­ler Rauch­ring vor der Dun­kel­heit des Alls erscheint. Und auch der Blick auf den Han­tel­ne­bel im Stern­bild Füchs­chen ist loh­nens­wert, beob­ach­ten wir hier doch einen der größ­ten und hells­ten Pla­ne­ta­ri­schen Nebel an unse­rem Him­mel. West­lich vom ein­präg­sa­men Som­mer­drei­eck gele­gen befin­det sich der Dra­che. Dar­un­ter sinkt das Stern­bild Her­ku­les nun eben­falls wie­der in Rich­tung Hori­zont her­ab. Über dem west­li­chen Hori­zont ste­hen ein Teil des Schlan­gen­trä­gers, mit der Schlan­ge, sowie das Halb­rund der Nörd­li­chen Kro­ne. Rechts dane­ben berei­tet sich gera­de der Bären­hü­ter für den Unter­gang vor. Sein hel­ler und oran­ge erschei­nen­der Haupt­stern Ark­tur berührt dabei schon fast die nord­west­li­che Horizontlinie.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum aktu­el­len Stern­him­mel gibt es auf der Sei­te Stern­him­mel.

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

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