Nachgeführte Sternfeldaufnahmen mit „Billigobjektiven“ – Teil 1

Lese­zeit: 3 Minu­ten

Zum 12. HTT habe ich wie auch im Vor­jahr die Gele­gen­heit genutzt, Stern­fel­der mit nach­ge­führ­ter Kame­ra auf­zu­neh­men. Ver­wen­dung fand mei­ne neue Canon EOS 600D, die hier ihr astro­no­mi­sches „first light“ erleb­te, sowie  ver­schie­de­ne preis­güns­ti­ge Objek­ti­ve von Canon. Dank der guten Ein­nordung mei­ner Mea­de LXD55 Mon­tie­rung, konn­te ich gut über 10 Minu­ten belich­ten. Lei­der wan­der­ten die ers­te Belich­tungs­rei­he gleich in den Papier­korb, weil ein vier­bei­ni­ges Mit­glied unse­rer Süd­kur­ve regel­mä­ßig an das Sta­tiv stieß und die Auf­nah­men somit rui­nier­te. So änder­te ich den Plan und nahm jeweils 12 Bil­der á 150 Sekun­den Belich­tungs­zeit auf. Ins­ge­samt kam ich dann auf eine Gesamt­be­lich­tungs­zeit von einer hal­ben Stun­de. Lei­der zeig­te sich der Jeß­nig­ker Him­mel nicht ganz opti­mal, weil mit ziem­li­cher Regel­mä­ßig­keit Zir­ren und Kon­dens­strei­fen den Him­mel trüb­ten. Die hohe Luft­feuch­tig­keit tat ihr übri­ges, so dass ich gezwun­gen war, hin und wie­der das Objek­tiv vom läs­ti­gen Tau zu befreien. 

Alle hier gezeig­ten Bil­der ent­stan­den in der Nacht vom 24. auf den 25. Sep­tem­ber 2011. In der vor­her­ge­hen­den Nacht fer­tig­te ich eben­falls schon Stern­feld­auf­nah­men an, muss­te aber wäh­rend des Bild­be­ar­bei­tungs­work­shops von Mar­tin Fied­ler am Sams­tag­nach­mit­tag fest­stel­len, dass ich nicht in RAW son­dern in JPEG auf­ge­nom­men hat­te. So muss­ten die Belich­tungs­rei­hen lei­der wie­der­holt wer­den. Wenigs­tens hat sich die Inves­ti­ti­on in einer neue Kame­ra gelohnt: Das aus­klapp­ba­re Schwenk­dis­play der 600D erleich­tert doch sehr die manu­el­le Fokus­sie­rung, da man sich nicht mehr ver­ren­ken muss, egal wohin das Objek­tiv der Kame­ra schaut. Außer­dem scheint sie weni­ger rausch­emp­find­lich zu sein und auch weni­ger Hot­pi­xel zu pro­du­zie­ren als mei­ne alte Canon EOS 1000D. Denn selbst bei ISO-1600 war das Rau­schen noch mode­rat. Bear­bei­tet wur­den die Bil­der schließ­lich mit Fits­work, inklu­si­ve Dun­kel­bild­ab­zug und Photoshop.

Milchstraße 3

Die Milch­stra­ße zwi­schen Adler und Füchschen

Als ers­tes Objekt nahm ich die Som­mer­milch­stra­ße zwi­schen den Stern­bil­dern Adler und Füchs­chen auf. Das EF‑S 18–55mm 1:3.5–5.6 IS II Kit-Objek­tiv der 600D stell­te ich auf 55 mm Brenn­wei­te ein. Neben dem Haupt­stern des Adlers Ata­ir, erkennt man auf dem Bild auch eini­ge mar­kan­te Dun­kel­wol­ken. Vor allem der E‑förmige Dun­kel­ne­bel Bar­nard 142–3, west­lich von Tara­zed (Gam­ma Aqui­lae) gele­gen, ist auf­fäl­lig. Außer­dem ist der Klei­der­bü­gel­hau­fen Coll­in­der 399 und, wenn man ganz genau hin­schaut, sogar der Han­tel­ne­bel M 27 als bläu­lich­grü­nes Fleck­chen sicht­bar. Ab und zu muss­te ich die Belich­tungs­rei­he unter­bre­chen, da der Him­mel zeit­wei­se von hoher Zir­rus­be­wöl­kung ein­ge­trübt war. Nach rund einer Vier­tel­stun­de war­tens konn­te schließ­lich wei­ter belich­tet werden.

Milchstraße 5

Die Milch­stra­ße mit dem Sommerdreieck

Anschlie­ßend stell­te ich das Objek­tiv auf Weit­win­kel ein und belich­te­te die Milch­stra­ße mit dem Som­mer­drei­eck. Das Som­mer­drei­eck wird aus den Haupt­ster­nen Deneb im Schwan, Wega in der Lei­er und Ata­ir im Adler gebil­det. Auf dem Bild ste­chen beson­ders der Nord­ame­ri­ka­ne­bel NGC 7000 mit dem Peli­kan­ne­bel IC 5070, unmit­tel­bar öst­lich von Deneb gele­gen, die Nebel­re­gi­on um Gam­ma Cyg­ni, der „Nörd­li­che Koh­len­sack“ am obe­ren Bereich des Bil­des sowie die HII-Regi­on IC 1396, unmit­tel­bar süd­lich des „Gra­nat­sterns“ My Cep­hei, her­vor. Wäh­rend der Auf­nah­me zogen eben­falls Zir­ren vor die Milch­stra­ße. Ein Arte­fakt die­ser Stö­rung ist der lan­ge rote Strei­fen bei Wega in der Lei­er. Wäh­rend der Belich­tungs­zeit sank die Milch­stra­ße immer tie­fer in Rich­tung Wes­ten her­ab, so dass sich im unte­ren Bereich, beson­ders im Stern­bild Adler,  schon der Hori­zont­dunst stö­rend bemerk­bar macht.

Fort­set­zung folgt…

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

2 Kommentare:

  1. Hi. Kur­ze Fra­ge: wie führst du bei die­sen Bil­dern nach? Manu­ell oder Schrittmotor?

  2. Habe dafür eine Mea­de LXD55 und seit neus­tem eine Astro­trac im Einsatz.

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