Komet Garradd und post HTT Spechteleien

Lese­zeit: 4 Minu­ten

Kaum zu glau­ben, dass ich nicht ein­mal in die­sem Jahr an mei­nen ange­stamm­ten Platz in Radens­dorf beob­ach­tet habe. Mit­un­ter fehl­te mir ein­fach die Zeit, mei­nem Hob­by nach­zu­ge­hen. Oft lag es aber auch schlicht und ergrei­fend am Wet­ter. Also nutz­te ich das gute Wet­ter am letz­ten Tag im Sep­tem­ber und fuhr mit mei­nem 8 Zoll Dob­son raus zum Beob­ach­ten. Lei­der soll­te es – eigent­lich typisch für den Herbst – eine sehr feuch­te Nacht wer­den. Schon auf der Fahrt zum Beob­ach­tungs­ort zeig­te sich leich­ter Bodennebel. 

In Radens­dorf ange­kom­men kol­li­mie­re ich erst­mal mei­nen Dob­son und neh­me gleich zum Warm­wer­den den Kugel­stern­hau­fen M 13 aufs Korn. M 13 lohnt sich eigent­lich immer, selbst bei nicht ganz opti­ma­len Bedin­gun­gen. In die­ser Nacht steht M 13 beson­ders ruhig im Oku­lar des 9 mm SWM. Auch die Nach­bar­ga­la­xie NGC 6207 ist schon sehr ein­fach zu erkennen.
Bevor der Gro­ße Bär immer tie­fer in Rich­tung Hori­zont hin­ab­sinkt, schwen­ke ich auf die Deich­sel des Gro­ßen Wagens und stel­le M 101 mit der Super­no­va SN 2011fe ein. Davor stol­pe­re ich noch über die Whirl­pool­ga­la­xie M 51, die aller­dings zu die­sem Zeit­punkt, auf­grund ihrer nied­ri­gen Höhe über dem Hori­zont, kei­nen schö­nen Anblick mehr bie­tet. Die Super­no­va in M 101 ist jeden­falls immer noch deut­lich als blau­wei­ßes Stern­chen im süd­li­chen Spi­ralarm der Gala­xie sicht­bar. Auch scheint sie von der Hel­lig­keit her – rund eine Woche nach dem HTT – wie­der etwas schwä­cher gewor­den zu sein. Deut­lich schwie­ri­ger zu erken­ne sind die bei­den Licht­bö­gen, die die Spi­ralar­me der Gala­xie andeuten.

Zwi­schen­durch kra­me ich mei­nen Fön her­aus und befreie das Oku­lar und den Sucher vom läs­ti­gen Tau.

Bevor auch das Stern­bild Her­ku­les immer tie­fer sinkt, neh­me ich mir vor, den knapp 6 mag hel­len Kome­ten C/2009 P1 Garr­add ein­zu­stel­len und zur Abwechs­lung mal eine Zeich­nung anzu­fer­ti­gen. Lei­der habe ich etwas Schwie­rig­kei­ten, den Kome­ten ohne Go-To auf­zu­fin­den. Kein Wun­der, ist mein Sucher schon wie­der beschla­gen. Bei genaue­rem Hin­se­hen, ist der Schweif­stern im Sucher aber schon recht deut­lich sicht­bar. Im Oku­lar erscheint die leicht ova­le Koma recht hell, mit einem deut­lich spitz zulau­fen­den und eher dif­fu­sen Schwei­fan­satz. Das hel­le Zen­trum ist eher flä­chig. Unmit­tel­bar süd­lich des Kern erkennt man noch eine Art „ein­ge­bet­te­ten“ Stern. Wäh­rend mei­ner Zeich­nung, die unge­fähr eine Drei­vier­tel­stun­de dau­ert, bemerkt man schon die lang­sa­me Bewe­gung des Kome­ten gegen­über dem Sternenhintergrund.

Zeich­nung des Kome­ten C/2009 P1 Garradd

Als nächs­tes schwen­ke ich auf den Ring­ne­bel M 57 in der Lei­er. Mit hoher Ver­grö­ße­rung ergibt sich der bes­te Anblick. Schon ohne Fil­ter ist der ova­le Ring nicht gleich­mä­ßig hell. Da ich schon in der Gegend bin, kra­me ich noch schnell mei­nen HTT-Sky­gui­de her­aus und schwen­ke den Dob­son in Rich­tung der 13 mag hel­len Gala­xie NGC 6700. Hier muss man schon genau hin­schau­en, um die Gala­xie inmit­ten einer hüb­schen Grup­pe gleich­hel­ler Ster­ne indi­rekt als ova­len Licht­fleck zu iden­ti­fi­zie­ren. Trotz ihrer schein­ba­ren Hel­lig­keit ist sie noch recht flä­chen­hell. M 56, eben­falls in der Lei­er gele­gen, ist ein wei­te­re Kugel­stern­hau­fen. Er ist mit hoher Ver­grö­ße­rung zum Teil schon in Ein­zelster­ne auf­ge­löst. Aller­dings ist das kein Ver­gleich mit dem Para­de­ob­jekt M 13. Der sich eben­falls in der Nähe befind­li­che Pla­ne­ta­ri­sche Nebel NGC 6765 bleibt mir trotz OIII-Fil­ters lei­der ver­bor­gen. Aller­dings kann es natür­lich sein, dass ich die Gegend, wo sich das Objekt befin­det, nicht ganz getrof­fen habe. Denn mitt­ler­wei­le ist wie­der mein Oku­lar und der Sucher zugetaut.

Zwi­schen­durch mes­se ich die Hel­lig­keit des Him­mels­hin­ter­grunds in Rich­tung des Stern­bilds Klei­ner Bär. Mein SQM‑L zeigt „nur“ 21,17 mag pro Qua­drat­bo­gen­se­kun­den an. Unter bes­se­ren Bedin­gun­gen ist hier deut­lich mehr zu holen.

Nun schub­se ich den Dob­son in Rich­tung Andro­me­da. Mein Ziel ist aber nicht M 31 (noch nicht) son­dern NGC 891. Die Gala­xie, die wir genau von der Kan­te sehen, ist heu­te rela­tiv schwer zu erken­nen aber wenigs­tens immer noch direkt sicht­bar. In weit­aus bes­se­ren Näch­ten sticht die Gala­xie, auch mit 8 Zoll Öff­nung, deut­lich her­vor. Wenigs­tens ist ihr mar­kan­tes Staub­band andeu­tungs­wei­se zu erken­nen. Ich wech­sel auf das Weit­win­ke­l­oku­lar und stel­le den Andro­me­da­ne­bel M 31 ein. Auch die­se Gala­xie habe ich in ande­ren Näch­ten bes­ser und vor allem deut­lich grö­ßer in Erin­ne­rung. Trotz­dem ist es ein hüb­scher Anblick. Bevor ich M 33 ein­stel­le, suche ich noch den hells­ten Kugel­stern­hau­fen des Andro­me­da­ne­bels mit der Bezeich­nung Mayall II auf. Im Nach­hin­ein bin ich mir ziem­lich sicher, ihn auch gese­hen zu haben, denn unge­fähr 1,5 Grad süd­west­lich der Gala­xie sehe ich ab und zu ein unschar­fes Stern­chen auf­blit­zen. Laut mei­ner Stern­kar­te auf mei­nem Palm müss­te ich mich genau an der Posi­ti­on des extra­ga­lak­ti­schen Kugel­stern­hau­fens befinden.

Bevor ich mir mei­ne Dun­kel­adap­ti­on mit dem hel­len Ding im Osten rui­nie­re, beob­ach­te ich noch schnell M 33. Obwohl sich die Gala­xie sehr hoch am Him­mel befin­det, habe ich doch eini­ge Schwie­rig­kei­ten, ihre hells­te HII-Regi­on zu ent­de­cken. Wenigs­tens sind andeu­tungs­wei­se die Spi­ralar­me erkenn­bar. Als Abschluss neh­me ich den Rie­sen­pla­ne­ten Jupi­ter aufs Korn, der sich nun schon deut­lich höher über dem Hori­zont befin­det. Nebel hat auch den Vor­teil, dass die Luft deut­lich ruhi­ger und weni­ger tur­bu­lent ist. Bei sehr gutem See­ing erken­ne ich zahl­rei­che Struk­tu­ren in den Wol­ken­bän­dern des Pla­ne­ten. Mit einem Rot und Gelb­fil­ter ste­chen die­se beson­ders deut­lich heraus.

Mei­ne Arm­band­uhr zeigt inzwi­schen 23:30 Uhr an. Nach etwas über 2 Stun­den wird es lang­sam Zeit ein­zu­pa­cken. Auch bin ich schon wegen dem Tau leicht genervt. War­um müs­sen Herbst­näch­te eigent­lich immer so feucht sein? Viel­leicht liegt es aber auch dar­an, dass ich mich inmit­ten des Spree­walds befin­de, wo Nebel in kal­ten Okto­ber­näch­ten eher die Regel als die Aus­nah­me ist. Nach 15 Minu­ten ist das Tele­skop mit­samt der Aus­rüs­tung wie­der im Auto ver­staut. Nach wei­te­ren 15 Minu­ten tref­fe ich schließ­lich zu Hau­se ein.

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.