Der Sternhimmel im April 2025

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Der Lauf des Mondes

Der April beginnt mit einer engen Kon­junk­ti­on zwi­schen der zuneh­men­den Mond­si­chel und dem offe­nen Stern­hau­fen der Ple­ja­den im Stern­bild Stier. Gegen 22 Uhr steht die dün­ne Mond­si­chel nur eine Voll­mond­brei­te süd­west­lich des Sie­ben­ge­stirns. Kurz vor Mond­un­ter­gang wer­den auch eini­ge hel­le Ster­ne von der unbe­leuch­te­ten Sei­te unse­res Erd­tra­ban­ten ver­deckt. So ver­schwin­den im Lau­fe der fol­gen­den Stun­de ab 22:52 Uhr Elek­tra, Mer­ope, Alkyo­ne, Atlas und Pleio­ne am dunk­len Mond­rand. Dabei genügt ein Fern­glas und ein klei­nes Tele­skop, um die Stern­be­de­ckun­gen nied­rig über dem west­li­chen Hori­zont, zu ver­fol­gen. Am dar­auf­fol­gen­den Abend fin­den wir unse­ren stil­len Beglei­ter nur noch 5 Grad nörd­lich vom Rie­sen­pla­ne­ten Jupi­ter. Der Mond wan­dert wei­ter nach Osten und steht schließ­lich am 5. April im ers­ten Vier­tel. In die­ser Nacht zieht die zuneh­men­de Mond­si­chel im Stern­bild Zwil­lin­ge nörd­lich an unse­rem roten Nach­barn Mars vor­bei. Der gegen­sei­ti­ge Abstand der bei­den Him­mels­kör­per beträgt gegen 22 Uhr nur noch 2 Grad. Einen Abend spä­ter kön­nen wir ihn nur noch 2 1/3 Grad nord­öst­lich der Prae­se­pe im Stern­bild Krebs auf­spü­ren. Vom 7. auf den 8. April wan­dert der zuneh­men­de Mond nörd­lich an Regu­lus, dem Haupt­stern im Stern­bild Löwe, vor­bei und steht dann in der Nacht vom 12. auf den 13. April nur noch 2 Grad west­lich vom Haupt­stern Spi­ca in der Jung­frau. Am 13. des Monats wird schließ­lich die Voll­mond­pha­se durch­lau­fen. Aus dem stil­len Beglei­ter wird nach der Voll­mond­nacht zuneh­mend ein Objekt für die zwei­te Nacht­hälf­te. Nach­dem der Erd­tra­bant das Stern­bild Waa­ge hin­ter sich gelas­sen hat, sehen wir ihn am Mor­gen des 17. April 1 3/4 Grad unter­halb von Ant­ares, dem Haupt­stern des Stern­bil­des Skor­pi­on. Um 3:45 Uhr wird auch der 2,8 mag hel­le Stern The­ta Scor­pii vom Mond bedeckt. Die­se Bede­ckung dau­ert rund eine Drei­vier­tel­stun­de, bis der Mond den Stern an der unbe­leuch­te­ten Sei­te wie­der frei gibt. Danach wan­dert der Mond durch den Schüt­zen und schließ­lich durch den Stein­bock, wo wir ihn am 21. April im letz­ten Vier­tel sehen kön­nen. Der wei­te­re Weg des Mon­des ver­läuft am Mor­gen­him­mel immer flach über dem Hori­zont und führt durch das Stern­bild Was­ser­mann. Zum letz­ten Mal vor Neu­mond ist die sehr dün­ne Mond­si­chel in der Mor­gen­däm­me­rung des 25. April knapp über dem Ost­ho­ri­zont und 3 Grad süd­lich des Mor­gen­sterns Venus zu sehen, bevor am 27. April die Neu­mond­pha­se durch­lau­fen wird. Dank der stei­len Eklip­tik am Abend­him­mel kön­nen wir die dün­ne, zuneh­men­de Mond­si­chel bereits am Abend des 28. April über dem West­ho­ri­zont aus­ma­chen. Am Abend des 29. April bil­det sie ein recht­wink­li­ges Drei­eck mit Alde­ba­ran und den Ple­ja­den. Am Monats­en­de ist sie 5 Grad ober­halb von Jupi­ter und nur ein Grad süd­lich von Elnath im Stern­bild Stier zu sehen.

Die Planeten

Der flin­ke Pla­net Mer­kur, der sich im Vor­mo­nat noch in unte­rer Kon­junk­ti­on mit der Son­ne befand, ent­fernt sich nun rasch in west­li­cher Rich­tung von ihr. Am 21. April 2025 erreicht er schließ­lich, mit einem Abstand von 27°23’, sei­ne größ­te west­li­che Elon­ga­ti­on. Wegen der fla­chen Eklip­tik am Mor­gen­him­mel und sei­ner süd­li­chen Posi­ti­on auf der Eklip­tik, ist er in unse­ren Brei­ten lei­der unbe­ob­acht­bar. Nur Orte süd­lich von 35° nörd­li­cher Brei­te kom­men in den Genuss einer Mor­gen­sicht­bar­keit des inners­ten Pla­ne­ten unse­res Son­nen­sys­tems. Am 17. April erreicht Mer­kur, in einem Abstand von 69,8 Mil­lio­nen Kilo­me­tern zur Son­ne, auch das Aphel sei­ner Bahn.

Unser Schwes­ter­pla­net Venus stand im Vor­mo­nat in unte­rer Kon­junk­ti­on zur Son­ne und ist nun wie­der am Mor­gen­him­mel zu sehen. Am 10. des Monats wird sie sta­tio­när und wan­dert wie­der recht­läu­fig durch das Stern­bild Fische. Am 1. April geht der ‑4,2 mag hel­le Mor­gen­stern um 5:32 Uhr im Osten auf. Bis zum Monats­en­de ver­frü­hen sich die Auf­gän­ge der Venus auf 4:19 Uhr Som­mer­zeit. Auf­grund der fla­chen Eklip­tik­la­ge erreicht sie kei­ne gro­ße Höhe über dem Hori­zont. Zu Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung steht sie Mit­te April weni­ger als 7 Grad hoch im Osten. Am 27. April strahlt der Mor­gen­stern mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von ‑4,8 mag in ihrem größ­ten Glanz. Im Tele­skop zeigt sich unser Schwes­ter­pla­net zu Monats­be­ginn als extrem schma­le und gro­ße Sichel. Ihr schein­ba­rer Durch­mes­ser geht im Lau­fe des Aprils von 58 auf 37 Bogen­se­kun­den zurück. Im glei­chen Zeit­raum steigt der Beleuch­tungs­grad des Pla­ne­ten­scheib­chens von 3,7% auf 28%. Am 25. April kann die schma­le Sichel des abneh­men­den Mon­des nur 2 ½ Grad süd­lich des Mor­gen­sterns gese­hen werden.

Unser roter Nach­bar Mars wan­dert zunächst noch recht­läu­fig durch die Zwil­lin­ge. Am 13. des Monats wech­selt er in das Stern­bild Krebs. Dabei nähert er sich immer mehr dem offe­nen Stern­hau­fen Prae­se­pe, auch Krip­pe im Krebs genannt. Zum Ende der Abend­däm­me­rung fin­den wir ihn knapp 64 Grad hoch im Süden. Im Lau­fe des Aprils zieht er sich auch all­mäh­lich vom Mor­gen­him­mel zurück und strahlt gegen Ende des Monats nur noch mit einer Hel­lig­keit von 0,9 Grö­ßen­klas­sen. Am 1. April geht der 0,4 mag hel­le Mars um 4:33 Uhr im Wes­ten unter. Bis zum 30. April ver­frü­hen sich sei­ne Unter­gangs­zei­ten auf 3:05 Uhr Som­mer­zeit. Im Tele­skop zeigt sich das Mars­scheib­chen am Monats­en­de zu 90 Pro­zent beleuch­tet und schrumpft von 8,2 auf nur noch 6,6 Bogen­se­kun­den. Damit wird es immer schwie­ri­ger, Details auf sei­ner Ober­flä­che zu erken­nen. Am 16. April erreicht Mars das Aphel sei­ner Umlauf­bahn und befin­det sich zu die­sem Zeit­punkt 249 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von unse­rem Zen­tral­ge­stirn ent­fernt. Der zuneh­men­de Mond kann in der Nacht vom 5. auf den 6. April nörd­lich unse­res Nach­bar­pla­ne­ten gese­hen werden.

Der Rie­sen­pla­net Jupi­ter beherrscht noch immer mit sei­nem Glanz den Abend­him­mel und wan­dert recht­läu­fig durch den Stier. Er geht im Lau­fe des Aprils immer frü­her unter und sinkt gegen Monats­en­de bereits kurz nach Mit­ter­nacht unter den West­ho­ri­zont. Zum Ende der bür­ger­li­chen Däm­me­rung erreicht er Anfang April aber noch eine Höhe von 47 Grad. Zu Beginn des Monats geht Jupi­ter um 1:37 Uhr unter und Ende April um 0:06 Uhr Som­mer­zeit. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit nimmt eben­falls leicht ab und beträgt Ende April ‑2,0 mag. Sein Win­kel­durch­mes­ser am Äqua­tor schrumpft von 36 auf 33,7 Bogen­se­kun­den. Am 3. und 30. April bekommt Jupi­ter Besuch vom zuneh­men­den Mond.

Der Ring­pla­net Saturn hat gera­de sei­ne Kon­junk­ti­on mit der Son­ne hin­ter sich und wan­dert recht­läu­fig durch das Stern­bild Was­ser­mann. Am 19. April tritt er in das Stern­bild Fische über. Mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 1,2 mag kann sich der Ring­pla­net aller­dings noch nicht ganz aus den hel­len Strah­len der Son­ne befrei­en und bleibt auch auf­grund der fla­chen Eklip­tik am Mor­gen­him­mel noch im Dunst der hel­len Däm­me­rung ver­bor­gen. Erfah­re­ne Beob­ach­ter kön­nen aller­dings ver­su­chen, Saturn am Monats­en­de über dem Ost­ho­ri­zont auf­zu­spü­ren. Am 30. April geht der Pla­net um 4:36 Uhr Som­mer­zeit auf. Dabei erscheint sein Ring­sys­tem nur unter einem Win­kel von 1,8 Grad!

Ura­nus, recht­läu­fig im Stern­bild Stier, nähert sich sei­ner Kon­junk­ti­on mit der Son­ne, die er Mit­te des kom­men­den Monats errei­chen wird. Zu Beginn des Monats ist er noch gegen Ende der nau­ti­schen Däm­me­rung am Abend­him­mel zu sehen und steht noch 25 Grad hoch über dem West­ho­ri­zont, etwas weni­ger als 7 Grad süd­lich der Ple­ja­den. Ab Mit­te April sucht man den fer­nen Eis­rie­sen aller­dings ver­geb­lich. Der 5,8 mag hel­le Pla­net geht am 1. des Monats um 23:40 Uhr unter und Mit­te April bereits um 22:48 Uhr Sommerzeit.

Der 8,0 mag hel­le Nep­tun im Stern­bild Fische stand Mit­te März in Kon­junk­ti­on mit unse­rem Zen­tral­ge­stirn. Er kann sich noch nicht aus den hel­len Strah­len der Son­ne befrei­en und bleibt uns am Mor­gen­him­mel noch verborgen.

Der 14,5 mag hel­le Zwerg­pla­net (134340) Plu­to bewegt sich rück­läu­fig durch den Stein­bock und bleibt eben­falls unsichtbar.

Helle Kometen und Planetoiden

Im Monat April gibt es auf­grund einer Kome­ten­flau­te kei­ne Kome­ten hel­ler als 12. Größenklasse!

Der Aste­ro­id mit der Num­mer (4) Ves­ta bewegt sich immer schnel­ler rück­läu­fig durch das Stern­bild Waa­ge und kann fast die gan­ze Nacht beob­ach­tet wer­den. Anfang nächs­ten Monats steht der Aste­ro­id in Oppo­si­ti­on zur Son­ne. Ves­tas schein­ba­re Hel­lig­keit nimmt im Lau­fe des Aprils von 6,4 auf 5,7 mag stark zu, so dass sie theo­re­tisch schon mit blo­ßem Auge am dunk­len Land­him­mel zu erken­nen ist. Ihre Meri­di­an­durch­gän­ge ver­frü­hen sich von 3:40 Uhr auf 1:26 Uhr Som­mer­zeit. Am 26. April sehen wir den Klein­pla­ne­ten nur 15 Bogen­mi­nu­ten süd­west­lich von 16 Librae (4,5 mag), der als Auf­such­hil­fe die­nen kann.

(9) Metis wird ab dem 28. April wie­der hel­ler als 10 mag und kann eben­falls im Stern­bild Waa­ge beob­ach­tet wer­den. Ihre Kul­mi­na­ti­ons­zei­ten ver­frü­hen sich von 4:04 Uhr am Monats­an­fang auf 1:50 Uhr Som­mer­zeit am Monatsende.

Meteorströme

Vom 16. bis 25. April tau­chen die Lyri­den auf, deren Aus­strah­lungs­punkt sich etwa 7 Grad süd­west­lich von Wega im Stern­bild Lei­er befin­det. Mit einer Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit in die Erd­at­mo­sphä­re von 49 km/s sind die Lyri­den mit­tel­schnel­le Meteo­re mit einem nicht sehr aus­ge­präg­ten Maxi­mum am Nach­mit­tag des 22. April gegen 15:30 Uhr. Der Zeit­punkt des Maxi­mums kann sich natür­lich um meh­re­re Stun­den ver­schie­ben. Die bes­te Beob­ach­tungs­zeit für den Lyri­den­strom sind die Stun­den zwi­schen 22 Uhr und 4 Uhr mor­gens, wenn der Radi­ant des Mete­or­stroms in guter Beob­ach­tungs­hö­he am Him­mel steht. Im Maxi­mum sind durch­schnitt­lich 18 Stern­schnup­pen zu erwar­ten, dar­un­ter eini­ge sehr hel­le Exem­pla­re. Der abneh­men­de Mond stört die Beob­ach­tung der Lyri­den nicht all­zu sehr. Der Stern­schnup­pen­strom ist auch immer wie­der für Über­ra­schun­gen gut: 1982 wur­den bei­spiels­wei­se 90 Meteo­re pro Stun­de beob­ach­tet. Ein wei­te­rer Aus­bruch fand 1922 statt, als 100 Stern­schnup­pen pro Stun­de regis­triert wur­den. Als Ursprungs­kör­per der Lyri­den gilt der lang­pe­ri­odi­sche Komet C/1861 G1 That­cher mit einer Umlauf­zeit von 415 Jahren.

Vom 19. April bis zum 28. Mai sind die Eta-Aqua­ri­den zu beob­ach­ten. Es han­delt sich um einen mit­tel­star­ken Strom, der vor allem in süd­li­che­ren Brei­ten zu beob­ach­ten ist. In Mit­tel­eu­ro­pa steht der Radi­ant nur sehr nied­rig über dem Hori­zont. Daher gibt es in unse­ren Brei­ten nur ein kur­zes Beob­ach­tungs­fens­ter kurz vor Beginn der Mor­gen­däm­me­rung. Das Maxi­mum wird für den 5. Mai erwar­tet. Dann sind bei­spiels­wei­se von Nami­bia aus zwi­schen 50 und 65 sehr schnel­le Meteo­re mit Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 66 Kilo­me­tern pro Sekun­de in die Erd­at­mo­sphä­re zu sehen. Im Jahr 2003 wur­de sogar eine Zeni­tra­te von 100 regis­triert. In Mit­tel­eu­ro­pa redu­ziert sich die­se auf­grund der gerin­gen Hori­zont­hö­he auf 10 bis 15 Stern­schnup­pen pro Stun­de. Die­se zei­gen jedoch auf­grund ihres fla­chen Ein­tritts­win­kels in die Erd­at­mo­sphä­re zum Teil sehr lan­ge Bah­nen am Him­mel. Der Ursprungs­kör­per ist kein gerin­ge­rer als der Hal­ley­sche Komet.

Ein völ­lig neu­er Strom sind die April-Alpha-Capri­corn­i­den, die seit 2014 beob­ach­tet wer­den. Das Maxi­mum die­ses Stro­mes wird mit einer etwas höhe­ren Fall­ra­te am 7. April gegen 14 Uhr erwar­tet. Die Posi­ti­on des Radi­an­ten ist RA: 304° und Dek: ‑13°, knapp west­lich des Sterns Alpha Capri­cor­nii. Die­se Regi­on erscheint erst gegen Ende der Nacht am Süd­ost­him­mel. Mit einer Ein­tritts­ge­schwin­dig­keit von 69 km/s han­delt es sich bei die­sem Stern­schnup­pen­strom um sehr schnel­le Meteore.

Die spo­ra­di­schen Meteo­re aus dem Bereich der Eklip­tik, auch Ant­he­l­ionquel­le genannt, kön­nen den gan­zen April über beob­ach­tet wer­den. Die Radi­an­ten­po­si­ti­on ver­schiebt sich in die­sem Monat vom Stern­bild Jung­frau in die Waa­ge. Durch die süd­li­che Dekli­na­ti­on des Radi­an­ten, mit einer Höhe von nur 30 Grad über dem Hori­zont, sind in unse­ren Brei­ten durch­schnitt­lich nicht mehr als 2 bis 4 Meteo­re pro Stun­de sicht­bar, die Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten von 30 km/s zeigen.

Der abendliche Fixsternhimmel

Sternhimmel
Der Stern­him­mel am 15. April 2025 um 23:00 Uhr MESZ

Im Norden

Zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit steht der Gro­ße Wagen, der zum Stern­bild Gro­ßer Bär gehört, bereits im Zenit über unse­ren Köp­fen. Um den Polar­stern zu fin­den und damit die Nord­rich­tung zu bestim­men, ver­län­gern wir die bei­den hin­te­ren Kas­ten­ster­ne des Wagens um das Fünf­fa­che. Der Polar­stern gehört zum Stern­bild Klei­ner Bär. Sein Wagen­kas­ten wird in der nächs­ten Stun­de eben­falls die höchs­te Posi­ti­on im Nor­den ein­neh­men. Wei­ter öst­lich wird der Klei­ne Wagen vom Stern­bild Dra­che umschlos­sen. West­lich des Klei­nen Wagens kön­nen auf­merk­sa­me Beob­ach­ter noch die schwa­chen Ster­ne der unschein­ba­ren Stern­bil­der Giraf­fe und Luchs aus­ma­chen. Unter­halb des Polar­sterns hat das Stern­bild Kepheus sei­ne tiefs­te Posi­ti­on über dem Nord­ho­ri­zont, auch unte­re Kul­mi­na­ti­on genannt, über­schrit­ten. West­lich von Kepheus ent­de­cken wir die Kas­sio­peia, das „Himmels‑W“, das sei­ne tiefs­te Posi­ti­on über dem Nord­ho­ri­zont noch nicht ganz erreicht hat. Tief im Nord­wes­ten fin­den wir auch das Stern­bild Per­seus. Etwas ober­halb die­ses Stern­bil­des steht der hel­le Haupt­stern Capel­la im Stern­bild Fuhr­mann. Im Nord­os­ten stei­gen die Som­mer­stern­bil­der Schwan und Lei­er mit den hel­len Haupt­ster­nen Deneb und Wega lang­sam wie­der auf und tau­chen end­lich aus dem Hori­zont­dunst empor.

Im Osten

In mitt­le­rer Höhe im Osten ent­de­cken wir das Stern­bild Bären­hü­ter. Sein röt­li­cher Haupt­stern Ark­tur ist hier der auf­fäl­ligs­te Stern die­ses Him­mels­ab­schnitts. Gleich­zei­tig ist er auch ein Weg­wei­ser zu den Früh­lings­stern­bil­dern in die­sem Him­mels­are­al. Aus­ge­hend vom Bären­hü­ter steht über die­sem Stern­bild die Figur des Gro­ßen Wagens, des­sen Deich­sel nun genau auf den öst­li­chen Hori­zont­punkt zeigt. Die Kas­ten­ster­ne des Gro­ßen Bären ste­hen noch höher im Zenit. Rechts von der Deich­sel ent­de­cken wir die Jagd­hun­de. Noch wei­ter im Süd­os­ten, west­lich von Ark­tur, kön­nen wir auch das Haar der Bere­ni­ke aus­ma­chen. In die­sem Stern­bild, das nur aus schwa­chen Ster­nen besteht, kann man in einer kla­ren, mond­lo­sen Nacht den Coma-Stern­hau­fen (Melot­te 111) mit blo­ßem Auge erken­nen. Unter­halb des Bären­hü­ters befin­det sich das Halb­rund des Stern­bil­des Nörd­li­che Kro­ne, der unschein­ba­re Her­ku­les und die Lei­er mit der hel­len Wega. Direkt im Osten befin­det sich der Kopf des Stern­bil­des Schlan­ge, getra­gen vom mäch­ti­gen Schlan­gen­trä­ger. Die Ster­ne des Schlan­gen­trä­gers sind aller­dings noch weit­ge­hend unter dem Ost­ho­ri­zont ver­bor­gen. Direkt über dem Süd­ost­ho­ri­zont geht das Stern­bild Waa­ge auf. Die Ster­ne die­ses Stern­bil­des ver­ste­cken sich aller­dings zum größ­ten Teil noch in den Dunst­schich­ten des Horizonts.

Im Süden

Die Früh­lings­stern­bil­der haben nun end­lich den gesam­ten süd­li­chen Teil des Him­mels ein­ge­nom­men. Der hells­te Stern in die­sem Him­mels­ab­schnitt ist der Stern Ark­tur im Stern­bild des Bären­hü­ters hoch im Süd­os­ten. Ver­län­gert man die Figur des Bären­hü­ters über Ark­tur hin­aus, so zeigt die Stre­cke direkt auf einen wei­te­ren hel­len Stern in gerin­ger Höhe über dem Süd­ost­ho­ri­zont. Hier­bei han­delt es sich um den wei­ßen Haupt­stern Spi­ca im Stern­bild der Jung­frau. Das auf­fäl­ligs­te Stern­bild die­ses Him­mels­ab­schnitts ist jedoch der mäch­ti­ge Löwe, der gera­de sei­nen höchs­ten Punkt im Süden erreicht hat. Die zahl­rei­chen Gala­xien des Vir­go-Gala­xien­hau­fens, der sich etwas wei­ter öst­lich vom Schwanz des Löwen befin­det, befin­den sich nun eben­falls in einer opti­ma­len Beob­ach­tungs­po­si­ti­on und ste­hen fast genau auf dem Meri­di­an. Ober­halb des Löwen steht auch das unschein­ba­re Stern­bild Klei­ner Löwe. In mitt­le­rer Höhe im Süd­wes­ten, west­lich des Löwen, sind die schwa­chen Ster­ne des Kreb­ses nur bei sehr dunk­lem Him­mel zu sehen. Deut­lich auf­fäl­li­ger ist hier unser roter Nach­bar Mars, der momen­tan in die­sem Stern­bild zu fin­den ist. Ober­halb der Jung­frau und öst­lich des Löwen kön­nen wir noch das unschein­ba­re Stern­bild Haar der Bere­ni­ke mit dem Coma-Stern­hau­fen ent­de­cken. Noch wei­ter in Rich­tung Zenit befin­den sich die unschein­ba­ren Jagd­hun­de. Blickt man in Rich­tung Süd­ho­ri­zont, so erkennt man direkt unter­halb der Stern­bil­der Jung­frau und Löwe das Stern­bild Becher und west­lich davon den Raben. Das eher unschein­ba­re, nur aus schwa­chen Ster­nen bestehen­de, aber sehr aus­ge­dehn­te Stern­bild Was­ser­schlan­ge schlän­gelt sich in mitt­le­rer Höhe im Süd­wes­ten unter­halb des Stern­bil­des Krebs in Rich­tung Süd­ost­ho­ri­zont herab.

Im Westen

Im Wes­ten ste­hen noch eini­ge hel­le Ster­ne und Stern­bil­der des Win­ter­him­mels über dem Hori­zont. Zu den auf­fäl­ligs­ten Stern­bil­dern gehö­ren die Zwil­lin­ge mit den bei­den Haupt­ster­nen Cas­tor und Pol­lux, die in der nächs­ten Stun­de den West­ho­ri­zont errei­chen wer­den. West­lich der Zwil­lin­ge berei­tet sich der Fuhr­mann mit der hel­len und gelb­lich leuch­ten­den Capel­la auf sei­nen Unter­gang vor. Bei opti­ma­ler Hori­zont­sicht sind noch Betei­geu­ze, der lin­ke Schul­ter­stern des Ori­on, und Alde­ba­ran im Stier zu sehen. Auch die offe­nen Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den, die sich in die­sem Stern­bild befin­den, sind noch über dem Hori­zont zu erken­nen. Eben­so der Rie­sen­pla­net Jupi­ter als auf­fäl­ligs­ter Licht­punkt in die­sem Him­mels­ab­schnitt. Im Nord­wes­ten sinkt nun auch der Stern­bild Per­seus lang­sam in Rich­tung des Hori­zonts hin­ab. Auf der ande­ren Sei­te des West­punkts erken­nen wir noch den Stern Pro­kyon im Stern­bild Klei­ner Hund und dar­über den unschein­ba­ren Krebs. Hier kön­nen wir in einer mond­lo­sen Nacht den Stern­hau­fen der Prae­se­pe (Mes­sier 44), auch Krip­pe genannt, als schwa­chen Nebel­fleck mit blo­ßem Auge erken­nen. Beson­ders in einem Fern­glas bie­tet er einen wun­der­schö­nen Anblick. Der rote Pla­net Mars steht genau zwi­schen Krebs und den Zwil­lin­gen. Ober­halb des Kreb­ses sehen wir noch den Kopf des mäch­ti­gen Löwen. In Zenit­nä­he ist das Stern­bild Gro­ßer Bär zu erken­nen. Zwi­schen Zwil­lin­ge, Fuhr­mann und Gro­ßer Bär liegt noch die unschein­ba­re Ster­nen­ket­te des Stern­bil­des Luchs, das nur aus sehr licht­schwa­chen Ster­nen besteht und selbst am dunk­len Land­him­mel schwer aus­zu­ma­chen ist.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum aktu­el­len Stern­him­mel gibt es auf der Sei­te Stern­him­mel

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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