Der Sternhimmel im Juni 2022

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Der Lauf des Mondes

In der Abend­däm­me­rung des 1. Juni kön­nen wir die sehr dün­ne, zuneh­men­de Mond­si­chel über dem nord­west­li­chen Hori­zont beob­ach­ten. Nur einen Abend spä­ter steht die Sichel unter­halb von Cas­tor und Pol­lux in den Zwil­lin­gen. Am 3. und 4. Juni kön­nen wir unse­ren stil­len Beglei­ter im Stern­bild Krebs auf­spü­ren. Er steht dann in der Nähe des offe­nen Stern­hau­fens der Pra­e­se­pe (Mes­sier 44). In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni fin­den wir ihn 5 ¾ Grad nord­west­lich von Regu­lus im Löwen. Am 7. Juni wird im sel­ben Stern­bild das ers­te Vier­tel erreicht. Am 9. und 10. Juni wan­dert der Erd­tra­bant nörd­lich an Spi­ca in der Jung­frau vor­bei und am 11. des Monats fin­den wir ihn bereits im Stern­bild der Waa­ge. Am 13. Juni steht der fast vol­le Mond 5 ½ Grad öst­lich von Ant­ares, dem Haupt­stern des Skor­pi­ons. Am 14. wird die Voll­mond­pha­se im Stern­bild Schüt­ze durch­lau­fen. Nach der Voll­mond­nacht wird unser stil­ler Beglei­ter nach und nach ein Objekt für die 2. Nacht­hälf­te und geht dann deut­lich nach Mit­ter­nacht auf. Er wan­dert wei­ter in Rich­tung Osten durch Gebie­te des Him­mels, die nur schwa­che Ster­ne ent­hal­ten. Am Mor­gen des 18. Juni steht der Mond süd­öst­lich des Ring­pla­ne­ten Saturn im Stern­bild Stein­bock und ein Mor­gen spä­ter, süd­west­lich von die­sem im Was­ser­mann. Am 21. Juni sehen wir den Mond im letz­ten Vier­tel im Grenz­ge­biet der Stern­bil­der Was­ser­mann, Fische und Wal­fisch sowie 5 ½ Grad süd­öst­lich des Rie­sen­pla­ne­ten Jupi­ter. Am Mor­gen des 22. Juni steht der abneh­men­de Mond unter­halb von Mars und Jupi­ter, wobei alle drei Gestir­ne ein gleich­schenk­li­ges Drei­eck am Him­mel bil­den. Nur einen Mor­gen spä­ter befin­det er sich 3 ½ Grad süd­öst­lich von Mars. nach­dem unser Erd­tra­bant das Stern­bild Wid­der hin­ter sich gelas­sen hat, sehen wir ihn in der Mor­gen­däm­me­rung des 26. Juni, als sehr schma­le Sichel, nur 2 Grad ober­halb des hel­len Mor­gen­sterns Venus im Stern­bild Stier. Am 29. Juni wird schließ­lich die Neu­mond­pha­se durch­lau­fen. Am letz­ten Abend im Monat kön­nen wir sie bereits wie­der über dem nord­west­li­chen Hori­zont aufspüren.

Die Planeten

Der flin­ke Pla­net Mer­kur bleibt für unse­re Brei­ten im gesam­ten Monat Juni unsicht­bar, obwohl er am 16. Juni 2022 sei­ne größ­te west­li­che Elon­ga­ti­on zur Son­ne erreicht. Dabei beträgt sein Abstand zu unse­rem Zen­tral­ge­stirn respek­ta­ble 23,2 Grad. Nur im Mit­tel­meer­raum sowie auf der Süd­halb­ku­gel der Erde kann der Pla­net in der Mor­gen­däm­me­rung auf­ge­spürt wer­den. Die Eklip­tik ver­läuft am Mor­gen­him­mel, vom deutsch­spra­chi­gen Raum aus gese­hen, zu flach über dem Hori­zont. Außer­dem befin­det sich Mer­kur im süd­li­chen Bereich der Eklip­tik. Even­tu­ell gelingt uns eine Sich­tung von Süd­deutsch­land aus am Mor­gen des 26. Juni. Kurz vor Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung, gegen 4:30 Uhr, befin­det sich der ‑0,3 mag hel­le Mer­kur knapp 3 Grad hoch über dem Ost­nord­ost­ho­ri­zont. Am nächs­ten Mor­gen kann die dün­ne Mond­si­chel, die sich 3 Grad nord­west­lich von Mer­kur befin­det, auch als Auf­such­hil­fe dienen.

Unser Schwes­ter­pla­net Venus ist nach wie vor am Mor­gen­him­mel zu sehen und wan­dert im Tier­kreis lang­sam in Rich­tung Nor­den. Am 17. Juni wech­selt die Venus vom Stern­bild Wid­der kom­mend in den Stier. Die Auf­gän­ge des Mor­gen­sterns ver­frü­hen sich im Lau­fe des Monats nur unwe­sent­lich von anfangs 3:35 Uhr auf 3:02 Uhr Som­mer­zeit. Zu Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung steht der Mor­gen­stern rund 8 Grad hoch im Osten. Ihre schein­ba­re Hel­lig­keit geht leicht zurück von anfangs ‑4,1 auf ‑3,9 mag. Fern­rohr­be­ob­ach­ter bemer­ken im Lau­fe des Monats, dass der schein­ba­re Durch­mes­ser des Venus­scheib­chens von 13,7 auf 11,9 Bogen­se­kun­den wei­ter zurück­geht. Dage­gen nimmt der Beleuch­tungs­grad von 78% auf 86% zu. Am Mor­gen des 26. Juni kann die abneh­men­den Mond­si­chel nur 2 Grad nord­west­lich des Mor­gen­sterns, im „Gol­de­nen Tor der Eklip­tik“ auf­ge­spürt werden.

Unser roter Nach­bar Mars wird zum Pla­ne­ten für die zwei­te Nacht­hälf­te und wan­dert eben­falls wei­ter in Rich­tung Nor­den durch den Tier­kreis. Am 3. Juni wech­selt unser Nach­bar­pla­net für ein paar Tage vom Stern­bild Fische in den Wal­fisch und am 9. wie­der zurück in die Fische. Sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit steigt nur unwe­sent­lich von 0,7 auf 0,4 mag an. Und auch der Durch­mes­ser des Mars­scheib­chens wächst von anfangs 6,4 auf 7,2 Bogen­se­kun­den nur leicht. Somit sind nach wie vor kaum Ein­zel­hei­ten auf sei­ner Ober­flä­che zu erken­nen. Nur ein leich­ter Beleuch­tungs­de­fekt des Mars­scheib­chens von 86% ist wahr­nehm­bar. Am 1. Juni geht Mars um 2:42 Uhr auf. Bis zum 30. Juni ver­frü­hen sich sei­ne Auf­gangs­zei­ten auf 1:25 Uhr Som­mer­zeit. Zu Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung steht Mars bereits 26 Grad hoch über dem Ost­ho­ri­zont. Am 23. Juni kann die abneh­men­de Mond­si­chel in der Nähe von Mars gese­hen wer­den. Zwei Tage vor­her, am 21. Juni, erreicht der Rote Pla­net noch sein Peri­hel und befin­det sich an die­sem Tag gut 207 Mil­lio­nen Kilo­me­ter von der Son­ne entfernt.

Auch der Rie­sen­pla­net Jupi­ter wird im Juni zum Pla­ne­ten für die zwei­te Nacht­hälf­te und bewegt sich wei­ter recht­läu­fig durch die Fische. Ab dem 25. Juni wech­selt er in das Stern­bild Wal­fisch. Die Hel­lig­keit Jupi­ters steigt leicht von ‑2,2 auf ‑2,4 mag an. Sein schein­ba­rer Äqua­tor­durch­mes­ser wächst eben­falls bis Monats­en­de auf 40,8 Bogen­se­kun­den. Anfang Juni geht Jupi­ter um 2:36 Uhr im Osten auf. Ende des Monats erfolgt sein Auf­gang bereits um 0:49 Uhr Som­mer­zeit. Zu Beginn der bür­ger­li­chen Däm­me­rung erreicht Jupi­ter schon eine statt­li­che Höhe von 30 Grad über dem Hori­zont. Am 1. Mai kann der rote Pla­net Mars, nur 1,6 Grad vom Rie­sen­pla­ne­ten ent­fernt, auf­ge­fun­den wer­den. Am 21. Juni erhält der Pla­net noch Besuch von abneh­men­den Mond. Nur einen Mor­gen spä­ter steht der Erd­tra­bant zwi­schen Mars und Jupiter.

Der Ring­pla­net Saturn kommt am 5. des Monats im Stern­bild Stein­bock zum Still­stand und setzt zu sei­ner Oppo­si­ti­ons­schlei­fe an. Gleich­zei­tig ver­legt er sei­ne Auf­gän­ge in die Zeit vor Mit­ter­nacht. Am 1. Juni geht Saturn um 1:30 Uhr auf und am 30. Juni bereits um 23:31 Uhr Som­mer­zeit und damit zwei Stun­den frü­her. Sei­ne Hel­lig­keit steigt leicht um 0,1 mag auf 0,6 Grö­ßen­klas­sen. Im Tele­skop erscheint der Pla­net rund 18 Bogen­se­kun­den groß. Der Durch­mes­ser sei­nes Ring­sys­tems beträgt 42 Bogen­se­kun­den. In der Nacht vom 18. auf den 19. Juni erhält Saturn noch Besuch vom abneh­men­den Mond.

Ura­nus bewegt sich recht­läu­fig durch den Wid­der und stand Anfang Mai in Kon­junk­ti­on mit der Son­ne. Lei­der hält sich der 5,9 mag hel­le Pla­net am Mor­gen­him­mel noch zu nahe bei der Son­ne auf und bleibt im gesam­ten Monat Juni unbe­ob­acht­bar. Nur zum Monats­wech­sel hin kann der fer­ne Pla­net, mit Hil­fe eines licht­star­ken Feld­ste­chers oder Tele­skops, auf­ge­spürt wer­den. Er bil­det mit Alpha Ari und den Ple­ja­den ein gleich­schenk­li­ges Drei­eck und geht zum Monats­en­de um 1:29 Uhr Som­mer­zeit auf.

Der äuße­re Pla­net unse­res Son­nen­sys­tems Nep­tun wird am 29. Juni sta­tio­när und beginnt sei­ne dies­jäh­ri­ge Oppo­si­ti­ons­pe­ri­ode. Anschlie­ßend wan­dert der Pla­net wie­der rück­läu­fig durch die Fische. Mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 7,9 mag, ist der fer­ne Eis­rie­se nur mit Hil­fe eines Feld­ste­chers oder Tele­skop beob­acht­bar und kann zum Monats­en­de hin knapp 4 ½ Grad süd­lich von Lamb­da Psc, an der Gren­ze zum Stern­bild Was­ser­mann, auf­ge­fun­den wer­den. Im Fern­rohr ist aller­dings nur ein bläu­li­ches und 2,3 Bogen­se­kun­den gro­ßes Scheib­chen erkenn­bar was kei­ner­lei Ein­zel­hei­ten zeigt. Sei­ne Auf­gän­ge ver­frü­hen sich von anfangs 2:22 Uhr auf 0:29 Uhr Sommerzeit.

Der Zwerg­pla­net (134340) Plu­to kann auf­grund sei­ner Hel­lig­keit von 14,3 Grö­ßen­klas­sen, kurz vor Beginn der Mor­gen­däm­me­rung, nur unter Zuhil­fe­nah­me von gro­ßen Tele­sko­pen auf­ge­fun­den wer­den. Er steht nahe der Gren­ze zum Stein­bock, im öst­li­chen Bereich des Stern­bild Schüt­ze. Am 1. Juni geht der Him­mels­kör­per um 0:33 Uhr Som­mer­zeit auf und am 30. Juni bereits zwei Stun­den früher.

Helle Kometen und Planetoiden

Der Komet C/2017 K2 (Pan­STARRS) kann im Monat Juni bereits bei Ein­bruch der Nacht gut beob­ach­tet wer­den und zieht in Rich­tung Wes­ten durch das Stern­bild Schan­gen­trä­ger. In der letz­ten Jun­ide­ka­de läuft er an dem offe­nen Stern­hau­fen IC 4665 vor­bei, der sogar in Opern­glä­sern auf­lös­bar ist. Mit einer Hel­lig­keit um 9 Grö­ßen­klas­sen, ist der Schweif­stern unter einem dunk­len Land­him­mel ein Objekt für das Fern­glas oder ein klei­nes Tele­skop. Lei­der ist der Komet momen­tan rund 1 Grö­ßen­klas­se licht­schwä­cher als erwartet.

Der Komet C/2021 P4 (ATLAS) bewegt sich durch das Stern­bild Luchs und steht trotz sei­ner zir­kum­po­la­ren Posi­ti­on nied­rig über dem nörd­li­chen Hori­zont. Hin­zu kom­men noch die “Wei­ßen Näch­te” im Nor­den der Repu­blik, die ein Auf­su­chen des Schweif­sterns schwie­rig machen. Bis zum Monats­en­de stei­gert der Komet sei­ne schein­ba­re Hel­lig­keit vor­aus­sicht­lich auf die 10. Größenklassen.

Der Aste­ro­id (3) Juno kann im Stern­bild Fische auf­ge­sucht wer­den und wird am 28. Juni wie­der hel­ler als 10 mag. Am 1. Juni geht Juno um 1:11 Uhr auf und am 30. des Monats bereits um 23:27 Uhr Som­mer­zeit. Am 16. Juni kann der 5,4 mag hel­le Stern 2 Psc als Auf­such­hil­fe die­nen. Bei­de Objek­te ste­hen an die­sem Tag nur 5,5 Bogen­mi­nu­ten von­ein­an­der ent­fernt. Am 23. Juni kommt es noch zu einer enge­ren Begeg­nung mit SAO 127960 (6,4 mag), in einem Abstand von nur 7,5 Bogenminuten.

Der Aste­ro­id (4) Ves­ta bewegt sich recht­läu­fig durch das Stern­bild Was­ser­mann und ist am Mor­gen­him­mel beob­acht­bar. Ihr schein­ba­re Hel­lig­keit steigt im Lau­fe des Juni von anfangs 7,7 auf 7,2 Grö­ßen­klas­sen. Mit die­ser schein­ba­ren Hel­lig­keit kann der Aste­ro­id schon sehr leicht in Fern­glä­sern und klei­nen Fern­roh­ren auf­ge­fun­den wer­den. Ihre Auf­gän­ge ver­frü­hen sich von anfangs 1:56 Uhr auf 0:23 Uhr Som­mer­zeit. Am 6. Juni kann Ves­ta nur 7,5 Bogen­mi­nu­ten von 50 Aqr (5,8 mag) ent­fernt auf­ge­fun­den werden.

(14) Ire­ne wird am 29. Juni wie­der hel­ler als 10 mag und wan­dert durch das Stern­bild Schüt­ze. Am 1. Juni steht der Aste­ro­id um 4:00 Uhr mor­gens im Süden. Am 30. Juni erreicht die 9,9 mag hel­le Ire­ne bereits um 1:45 Uhr Som­mer­zeit den Meridian.

Der Aste­ro­id mit der Num­mer (29) Amphi­tri­te steht am 6. Juni 2022 der Son­ne genau gegen­über und erreicht im Stern­bild Skor­pi­on eine maxi­ma­le schein­ba­re Hel­lig­keit von 9,8 mag. Lei­der steht der Him­mels­kör­per, von unse­ren Brei­ten aus gese­hen, nicht sehr hoch über dem Hori­zont. Zum Zeit­punkt sei­nes Meri­diandurch­gangs beträgt die Höhe über dem Süd­ho­ri­zont gera­de ein­mal 11 Grad. Bis zum 21. Juni sinkt ihre Hel­lig­keit wie­der unter die 10. Grö­ßen­klas­se. Die Kul­mi­na­ti­ons­zei­ten des Aste­ro­iden ver­frü­hen sich im Lau­fe des Monats von anfangs 1:28 Uhr auf 23:01 Uhr Sommerzeit.

Meteorströme

Vom 19. Mai bis 14. Juni sind die Tau-Her­cu­l­i­den aktiv. Sie gehen auf den Kome­ten 73P/­Sch­was­s­mann-Wach­mann zurück und erzeu­gen ledig­lich 2 Meteo­re pro Stun­de. Die Geschwin­dig­keit der Teil­chen beträgt dabei nur 15 Kilo­me­ter pro Sekun­de. Das Maxi­mum der Tau-Her­ku­li­den wird am 3. Juni erwar­tet. Der zuneh­men­de Mond wird die Beob­ach­tung in die­sem Jahr nicht stö­ren. Der Radi­ant steht in unse­ren Brei­ten und zum Maxi­mums­zeit­punkt fast im Zenit. Vor allem in die­sem Jahr sowie 2049 könn­te es zu höhe­ren Akti­vi­täts­ra­ten kom­men. Denn der Ursprungs­kör­per der Meteo­ro­iden kommt in die­sem Jahr wie­der in Son­nen­nä­he. Eine Beob­ach­tung die­ses Mete­or­stroms ist dem­nach drin­gend empfohlen.

Seit 1966 wer­den zwi­schen dem 10. und 20. Juni die Juni-Lyri­den beob­ach­tet. Ihr Akti­vi­täts­ma­xi­mum erreicht der Mete­or­strom am 16. Juni. Gewöhn­lich wer­den kaum mehr als 5 Meteo­re pro Stun­de regis­triert, die mit einer Geschwin­dig­keit von 31 Kilo­me­tern in der Sekun­de in die Erd­at­mo­sphä­re ein­drin­gen. Im Jahr 1996 kam es zu einer deut­lich höhe­ren Rate. Der Radi­ant befin­det sich im Stern­bild Lei­er, nur weni­ge Grad vom Haupt­stern Wega ent­fernt, und steht dem­zu­fol­ge im Juni sehr hoch am Him­mel. Ein Ursprungs­kör­per für die Juni-Lyri­den ist nicht bekannt. Lei­der stört der noch fast vol­le Mond die Beob­ach­tung der Juni-Lyri­den in die­sem Jahr.

Die Juni-Booti­den sind vom 22. Juni bis 2. Juli aktiv und stam­men vom kurz­pe­ri­odi­schen Kome­ten 7P/­Pons-Win­ne­cke ab. Das Maxi­mum fin­det in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni statt. Der Mond wird, kurz vor der Neu­mond­pha­se, die Beob­ach­tung des Mete­or­stroms nicht stö­ren. Der Radi­ant befin­det an der Posi­ti­on RA 224° und Dec +48° im nörd­li­chen Bereich des Stern­bilds Bären­hü­ter. Dem­zu­fol­ge steht der Radi­ant am Abend mit rund 70 Grad sehr hoch am Him­mel. Die Zeni­tra­te ist varia­bel und zum Teil so gering, dass sie kaum auf­fällt. Im Schnitt sind nicht mehr als 5 Meteo­re pro Stun­de sicht­bar. Am bes­ten beob­ach­tet man in Süd­deutsch­land bzw. von Süd­eu­ro­pa aus, weil die Näch­te dort noch deut­lich dunk­ler sind als im Nor­den der Repu­blik, wo die Wei­ßen Näch­te stö­ren. Eine Beob­ach­tung lohnt sich auf jeden Fall, weil der Strom in ver­schie­de­nen Jah­ren mehr oder weni­ger star­ke Akti­vi­täts­aus­brü­che zeig­te. Für die­ses Jahr sind aber kei­ne Vor­her­sa­gen einer höhe­ren Akti­vi­tät bekannt. So stieg im Jahr 1998 die Zeni­tra­te für kur­ze Zeit auf 100 Meteo­re pro Stun­de und im Jahr 2004 auf 50 Meteo­re pro Stun­de an. Wei­te­re Aus­brü­che gab es in den Jah­ren 1916 und 1927. Die Teil­chen der Juni-Booti­den erzeu­gen mit 18 km/s extrem lang­sa­me Spu­ren. Somit las­sen sich die Stern­schnup­pen die­ses Stroms sehr gut von spo­ra­di­schen Meteo­ren unterscheiden.

Die eklip­ti­ka­len Meteo­re der Ant­he­lionquel­le sind im gesam­ten Monat Juni aktiv und kom­men in die­sem Monat aus Rich­tung des Stern­bilds Schüt­ze. Auf­grund der gerin­gen Höhe des Aus­strah­lungs­punk­tes über dem Hori­zont, der am Him­mel eine unge­fäh­re Aus­deh­nung von 10 bis 20 Grad besitzt, sind im Durch­schnitt nur zwei bis drei Meteo­re pro Stun­de zu erwar­ten. Die Ein­tritts­ge­schwin­dig­kei­ten der Teil­chen lie­gen um 30 km/s und sind des­halb sehr langsam.

Der abendliche Fixsternhimmel

Sternhimmel Juni 2022
Der Stern­him­mel am 15. Juni 2022 um 23:00 Uhr MESZ

Im Norden

Zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit hat die bekann­te Figur des Gro­ßen Wagens, der zum Stern­bild des Gro­ßen Bären gehört, sei­ne höchs­te Stel­lung im Zenit schon längst über­schrit­ten und steigt nun wie­der lang­sam zum Nord­west­ho­ri­zont her­ab. Um den Polar­stern und damit die Nord­rich­tung auf­zu­fin­den, ver­län­gern wir die bei­den hin­te­ren Kas­ten­ster­ne des Wagens um das Fünf­fa­che. Der Polar­stern ist der letz­te Deich­sels­tern des Klei­nen Bären, des­sen Wagen­kas­ten sich jetzt genau auf 12 Uhr Posi­ti­on und somit in sei­ner höchs­te Stel­lung über dem Nord­ho­ri­zont befin­det. Direkt rechts ober­halb des Klei­nen Bären gele­gen erkennt man den Dra­chen, der sich um den Klei­nen Bären her­um­schlän­gelt. Der rau­ten­för­mi­ge Kopf des Dra­chen wird in der nächs­ten Stun­de eben­falls den Zenit errei­chen. In mitt­le­rer Höhe im Nord­os­ten, unter­halb von Klei­ner Bär und Dra­che, ent­de­cken wir das Stern­bild Kepheus, in dem man die Form eines Haus­da­ches erah­nen kann. Dar­un­ter steht die Kas­sio­peia, die die Form des Buch­sta­bens „W“ besitzt und dem­zu­fol­ge im Volks­mund auch als „Himmels‑W“ bezeich­net wird. Sie hat ihre unte­re Kul­mi­na­ti­on schon längst über­schrit­ten. Dage­gen hat das Stern­bild Per­seus gera­de sei­ne nied­rigs­te Stel­lung erreicht und befin­det sich nun genau über dem Nord­ho­ri­zont. Dar­über steht das unschein­ba­re Stern­bild der Giraf­fe. Eben­falls in Hori­zont­nä­he, und west­lich des Per­seus gele­gen, fun­kelt die gelb­lich leuch­ten­de Capel­la im Stern­bild Fuhr­mann gemäch­lich vor sich hin. Ober­halb des Fuhr­manns und unter­halb von Kopf und den Vor­der­pfo­ten des Gro­ßen Bären, steht noch das aus deut­lich schwä­che­ren Ster­nen bestehen­de unschein­ba­re Stern­bild des Luchs.

Im Osten

Die öst­li­che Him­mels­ge­gend wird jetzt vom impo­san­ten Som­mer­drei­eck domi­niert, das sich in hal­ber Höhe über dem Hori­zont befin­det. Es wird durch die drei hel­len Ster­ne Deneb im Schwan, Wega in der Lei­er und Ata­ir im Adler gebil­det. Genau zwi­schen Adler und Schwan befin­den sich die klei­nen unschein­ba­ren Stern­bil­der Del­fin, Pfeil und Füchs­chen. Das Band unse­rer Hei­mat­ga­la­xie, die Milch­stra­ße, ver­läuft mit­ten durch das Som­mer­drei­eck hin­durch von links oben kom­mend, zum süd­öst­li­chen Hori­zont her­ab. Unter einem dunk­len und trans­pa­ren­ten Land­him­mel, sowie bei guter Hori­zont­sicht im Süd­os­ten, soll­te man auch schon die hel­le Schild­wol­ke im Stern­bild Schild erken­nen kön­nen, die neben dem hel­len Milch­stra­ßen­zen­trum der auf­fäl­ligs­te Teil unse­rer Hei­mat­ga­la­xie ist. Ober­halb des Som­mer­drei­ecks ent­de­cken wir das Stern­bild Her­ku­les und einen Teil des Dra­chen, mit sei­nem mar­kan­ten rau­ten­för­mi­gen Kopf. Im Stern­bild Her­ku­les kön­nen wir zu unse­rer Stan­dard­be­ob­ach­tungs­zeit schon sehr gut den Kugel­stern­hau­fen Mes­sier 13 beob­ach­ten, der als unschar­fer Licht­fleck bereits unter einem dunk­len Him­mel mit dem blo­ßen Auge zu erken­nen ist. Er befin­det sich etwas unter­halb vom rech­ten obe­ren Kas­tens­tern des Her­ku­les. Im Nord­os­ten gehen schon die ers­ten Ster­ne des Herbst­stern­bilds Pega­sus auf. Dar­über erkennt man das unschein­ba­re und nur aus schwa­chen Ster­nen bestehen­de Stern­bild der Eidech­se. Noch wei­ter höher im Nord­os­ten steht das Stern­bild Kepheus.

Im Süden

Bli­cken wir hoch in Rich­tung Süden hat das Stern­bild Bären­hü­ter, mit sei­nem auf­fäl­lig hell und oran­ge erschei­nen­den Haupt­stern Ark­tur, den Süd­punkt schon längst über­schrit­ten. Öst­lich davon fin­den wir das Stern­bild Nörd­li­che Kro­ne, die gera­de dabei ist, den Meri­di­an zu pas­sie­ren. Noch wei­ter in Rich­tung Osten steht der Her­ku­les, der in der nächs­ten hal­ben Stun­de sei­nen höchs­ten Punkt im Süden ein­neh­men wird. Unter­halb des Stern­bilds Nörd­li­che Kro­ne befin­det sich der Kopf der Schlan­ge, die vom mäch­ti­gen Schlan­gen­trä­ger im Süd­os­ten getra­gen wird. Unter­halb der Schlan­ge geht gera­de das Stern­bild Waa­ge durch den Meri­di­an. Links neben der Waa­ge erken­nen wir den nörd­li­chen Teil des Stern­bilds Skor­pi­on, mit sei­nem röt­lich fun­keln­den Haupt­stern Ant­ares. Halb­hoch im Süd­wes­ten befin­den sich noch die rei­chen Gala­xien­jagd­grün­de des Stern­bilds Jung­frau, mit dem hel­len und weiß­lich leuch­ten­den Haupt­stern Spi­ca. Ober­halb der Jung­frau steht außer­dem noch das unschein­ba­re Stern­bild Haar der Berenike.

Im Westen

Im Wes­ten ver­schwin­den nun lang­sam aber sicher die letz­ten Früh­lings­stern­bil­der. Der mäch­ti­ge Löwe nähert sich jetzt immer wei­ter dem West­ho­ri­zont. Auch der unschein­ba­re Krebs, west­lich des Löwen­kop­fes gele­gen, ist schon im Hori­zont­dunst ver­schwun­den. Dicht über dem Nord­west­ho­ri­zont fun­keln noch die bei­den hel­len Haupt­ster­ne Kas­tor und Pol­lux in den Zwil­lin­gen mun­ter vor sich hin. Hoch im Süd­wes­ten steht der Bären­hü­ter, mit dem hel­len Haupt­stern Ark­tur. Das Stern­bild Gro­ßer Bär befin­det sich eben­falls noch in güns­ti­ger Beob­ach­tungs­po­si­ti­on hoch im Wes­ten. Unter­halb der Wagen­deich­sel des Bären ent­de­cken wir das unschein­ba­re Stern­bild der Jagd­hun­de und dar­un­ter, das nur aus schwa­chen Ster­nen bestehen­de Stern­bild Haar der Bere­ni­ke. Unter­halb des Haars der Bere­ni­ke befin­det sich die Jung­frau, mit der weiß­lich leuch­ten­den Spi­ca. Dicht über dem Süd­west­ho­ri­zont ver­schwin­den soeben die bei­den unschein­ba­ren Stern­bil­der Rabe und Becher unter dem Horizont.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum aktu­el­len Stern­him­mel gibt es auf der Sei­te Stern­him­mel.

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

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